News /

Alien: Covenant – Die Syfy Filmkritik

Alien: Covenant begeistert mit typischen Horror-Elementen – doch trifft der Neuling im Alien-Franchise wirklich den Nerv des Sci-Fi-Horror-Genre?

Fünf Jahre nach Prometheus – Dunkle Zeichen legt Regisseur Ridley Scott mit der Fortsetzung Alien: Covenant nach. Scott führte bereits für den ersten Alien-Film (1979) Regie und startete 2012 mit Prometheus eine neue Prequel-Trilogie: Sie soll die Geschichte vor der originalen Alien-Quadrologie erzählen und Antwort auf die Frage liefern: Woher kommen die furchterregenden außerirdischen Horrorgestalten?

Dieser Frage ging bereits Prometheus mit mehr oder weniger Erfolg nach. Covenant taucht weitaus tiefer in den philosophischen Diskurs um den Ursprung ein – allerdings wirkt sich das auf den Science-Fiction-Horror-Film eher bedrückend und lähmend aus.

Der Trailer zu Alien: Covenant:

Die Suche nach dem Schöpfer steht für die Covenant jedoch nicht im Vordergrund. Das Raumschiff ist dieses Mal nicht zu reinen Forschungszwecken im Universum unterwegs, sondern führt über 2000 Kolonisten mit an Bord, mit dem Ziel den Planeten Origae 6 zu kolonisieren. Nach einem überaus langatmigen und zweifelhaften Intro geht es dann endlich actionbeladen los: Die Covenant wird von einem galaktischen Wall getroffen. Dabei wird die 15-köpfige Besatzung gewaltsam aus dem Kälteschlaf geweckt, bis auf den Captain, der schlafend in seinem Pod – aus welchen Gründen auch immer – verbrennt. Dieser frühe Tod wirkt sich nicht nur für die Hauptperson Daniels (Katherine Waterston) charakterformend aus, sondern  ermöglicht es auch, den sonst schwachen Dialog mit testamentähnlichen Aussagen à la „Er hat es so gewollt“ aufzupeppen. Außerdem erlischt durch diese Tragödie wohl jede Art von Rationalität in der Crew, da eine falsche Entscheidung nach der nächsten folgt.

Kurz danach singt nämlich eine Art holographischer Geist der Besatzung ein kleines Ständchen: John Denvers „Take Me Home, Country Roads“ und in knapp 30-Sekunden festgestellte, wissenschaftliche Fakten stimmen die Crew daraufhin um, statt den nach jahrelanger Suche auserwählten, zu kolonisierenden Planeten Origae 6 anzusteuern, den unbekannten, fast zu perfekt habitablen Planeten als Ursprung des „Geists“ aufzusuchen.

Was folgt, ist nun eine Genre-Verschmelzung von typischen Horrorfilm-Elementen, kombiniert mit furchterregenden, blutächzenden Science-Fiction-Kreaturen und philosophischen Gedankenspiele à la Luc Besson. Zerplatzende und zerbrechende Körperteile wechseln sich mit Flötenunterricht und Entscheidungsmatrixen auf dem Mutterschiff Covenant ab. Nicht zu vergessen bleibt die Psycho-trifft-Alien-Duschszene, deren Ausgang dieses Mal nicht so elegant wie im Hitchcock-Klassiker erfolgt.

Jede Menge Alien: Xenomorphs, Face-Hugger und neue Mutationen gibt es in Alien: Covenant zu sehen!

Auch wenn Michael Fassbender in Covenant gleich zwei Mal vertreten ist – einmal als Roboter Walter auf der Covenant und das andere Mal als Prometheus-Droide David – , ergibt dies nicht zwangsläufig eine doppelt so gute schauspielerische Leistung. Die ewige Wahl nach der richtigen Heldin gewinnt – wieder einmal – das Erfolgsmuster „weiß, hetero, jung, attraktiv und verzweifelt“, alias Katherine Waterston als Daniels. Zwar zeigt Covenant ein homosexuelles Paar und eine dunkelhäutige Frau, doch wie so oft im Horrorfilm-Genre fallen diese den Aliens als Erstes zum Opfer. So bietet Covenant zumindest schauspielerisch nur wenig Abwechslung und Neuartigkeit.

Trotzdem ist Alien: Covenant für alle Fans des Alien-Franchise und Sci-Fi-Horror-Anhänger sehenswert. Zwar wird versucht, in den zweistündigen Blockbuster viel zu viele genreübergreifende Elementen hineinzupacken, doch die Spannung bleibt durch die unerwarteten und zeitlich passenden Wendepunkte und Charakterentwicklungen bis zum Schluss bestehen. Das alles macht auf jeden Fall Lust auf einen weiteren Alien-Film – mindestens genauso viel, wie die berüchtigten Kreaturen Lust auf uns Menschen haben. - rlb

Ab dem 18. Mai ist Alien: Covenant in den deutschen Kinos zu sehen.

Mehr zum Thema:


Tags: Alien: Covenant   Alien   Prometheus