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Das MARVEL-Imperium: In zehn Jahren zum Massenphänomen

2008 lief mit Iron Man eine durchaus beachtenswerte Comic-Verfilmung in den Kinos. Doch niemand konnte ahnen, wie groß dieses Filmuniversums zehn Jahre später sein würde. Das Marvel Cinematic Universe umfasst heute unzählige Produktionen - Björn Sülter hat sich einmal angeschaut, wer dahintersteckt und wie es überhaupt dazu kommen konnte.

Marvel Logo

Präsentiert von: Björn Sülter


Am Anfang waren Feige und der Eisenmann

Spricht man über das heute fast schon unüberschaubare Angebot an Filmen im sogenannten Marvel Cinematic Universe, kommt man an einem Mann nicht vorbei: Kevin Feige. Doch wer ist das überhaupt? Der in Boston geborene und heute 44 Jahre alte Familienvater (verheiratet, eine Tochter) benötigte sechs Anläufe, um an der University of Southern California School of Cinematic Arts angenommen zu werden. Doch wollte er unbedingt dort studieren, da auch seine drei großen Vorbilder George Lucas, Ron Howard und Robert Zemeckis diese Universität besucht hatten. Als Assistent von Lauren Shuler Donner bei Volcano und You’ve Got Mail verdiente sich der junge Filmfreak dann später erste Sporen in Hollywood. Im Jahr 2000 dann der nächste Schritt: Feige wurde von den Marvel Studios als Produzent angestellt – mit 27 Jahren. Von 2000 bis 2007 war er an dreizehn Marvel-Veröffentlichungen beteiligt: Als Associate, Co- oder Executive Producer und galt zudem schnell als eine Art Nummer 2 hinter seinem Mentor und Förderer Avi Arad.

2007 dann, nach dem freiwilligen Rückzug Arads, ging es für Feige noch einen Schritt höher auf der Karriereleiter: Er wurde Präsident der Marvel Studios und erhielt somit die kreative Kontrolle – wie er einmal sagte: Den Schlüssel zu seinem Lieblingssüßwarenladen.

Feiges erste große Amtshandlung war die Produktion von Iron Man, dem ersten von Marvel eigenfinanzierten Film, für den Paramount Pictures einzig die Distribution übernahm. Unter der Regie von Jon Favreau und mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle gelang nicht nur ein qualitativ hochwertiger Superheldenfilm, sondern auch ein großer kommerzieller Erfolg. Dem satten Budget von 140 Millionen US-Dollar standen Kinoeinnahmen von weltweit 585 Millionen gegenüber. Mit Fortsetzungen rund um Downeys Figur Tony Stark hätte wohl zu diesem Zeitpunkt jeder gerechnet. Der Film war jedoch auch der Startschuss für etwas viel Größeres.  

Kurz darauf, genauer im Jahr 2009, geschah allerdings zunächst noch etwas anderes. Die Walt Disney Company kaufte die Marvel-Dachorganisation Marvel Entertainment für etwas mehr als 4 Milliarden Dollar. Die Marvel Studios mit Feige an der Spitze blieben jedoch (vorerst) unter dem Schirm von Marvel Entertainment.

Kevin Feige

Think big!

Mit dem Disney-Deal im Rücken drehten Feige und sein Team nun erst richtig auf. In der so genannten Phase 1 (2008 bis 2012) erschienen noch die Filme The Incredible Hulk, Iron Man 2, Thor, Captain America: The First Avenger und The Avengers. Seit Iron Man 2 wurden diese dann auch einzig von Kevin Feige produziert. The Avengers von Joss Whedon war dabei der teuerste (220 Millionen US-Dollar) und erfolgreichste (1,5 Milliarden Dollar Einspielergebnis weltweit) Film dieser ersten Phase des neuen Superhelden-Universums.

Die zweite Phase (2012 bis 2015) umfasste dann Iron Man 3, Thor: The Dark World, Captain America: The Winter Soldier, Guardians of the Galaxy, Avengers: Age of Ultron und Ant-Man. Hier stach erneut der Whedon-Film heraus. 267 Millionen Dollar Produktionskosten standen 1,4 Milliarden Dollar Einspielergebnis weltweit gegenüber.

Die just beendete dritte Phase beinhaltete Captain America: Civil War, Doctor Strange, Guardians of the Galaxy Vol. 2, Spider-Man: Homecoming und Thor: Ragnarok. Die letzten vier Filme blieben dabei übrigens alle unter einer Milliarde weltweitem Einspielergebnis, rentierten sich aber selbstverständlich dennoch ohne Probleme. 

Süßer die Kasse nie klingelt

Drei Milliarden Dollar haben die bisher 17 Filme des Marvel Cinematic Universe gekostet. Ein teurer Spaß? Angesichts weltweiter Kinoeinnahmen in Höhe von rund 13,5 Milliarden Dollar eher ein Taschengeld. Zwar darf man nie vergessen, dass die Produktionskosten eines Hollywood-Filmes durch Marketing und viele andere Faktoren inzwischen geschätzt zwei- bis dreimal so hoch liegen wie das reine Produktionsbudget, doch selbst dann bleibt Marvel noch ein nettes Sümmchen auf der hohen Kante.

Das Marvel Cinematic Universe ist heute bereits das lukrativste Filmfranchise der Geschichte. Die spannende Frage wird sein, wie lange Feige und sein Team den Hype noch aufrecht werden erhalten können. Bei immer weiter explodierenden Budgets ist man schließlich gezwungen, auch auf der Einnahmeseite den Level immer weiter anzuheben. Letztlich bleibt es aber auch einfach eine Frage der Qualität – und an dieser Front liefert Marvel seit nunmehr zehn Jahren verlässlich ab.

Ein völlig neues Modell

Hatte man zuvor eher Trilogien oder langlebige Reihen aus mehrere Filmen gekannt, die aber immer im Kern Geschichten der gleichen Ausgangslage und Besetzung weitergesponnen hatten, gelang hier ein völlig neues Modell. Zum ersten Mal setzte man das Augenmerk auf einzelne Heldenfilme, mit dem Ziel, die Protagonisten irgendwann in verschiedenen Konstellationen zusammenzuführen. Auch Cameos oder die berühmten Abspannszenen wurden dank der Marvel-Reihe salonfähig und immer beliebter.

Große Namen sind ein weiteres Erkennungs- und Qualitätsmerkmal. Neben Robert Downey Jr. sind das bisher besonders Gwyneth Paltrow, Samuel L. Jackson, Scarlett Johansson, Paul Bettany, Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Mark Ruffalo, Idris Elba, Benicio del Toro, Robert Redford, Chris Pratt, Zoe Saldana, James Spader, Anthony Hopkins, Benedict Cumberbatch, Mads Mikkelsen, Karl Urban oder Forest Whitaker. Neben guten Geschichten und der durchweg starken Umsetzung hat man mit den Casts somit ein weiteres dickes Pfund am Start.

Dass es zudem noch gelingt, die diversen TV-Serien inhaltlich in das Filmuniversum einzufügen, darf auch nicht vergessen werden. Dazu gehören bisher Agents of S.H.I.E.L.D., Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage, Agent Carter, The Defenders, Iron Fist, Inhumans, The Punisher und die neue HULU-Serie Runaways. Dazu kommen später noch Cloak & Dagger, New Warriors und einige andere Projekte, die sich noch in einer frühen Phase befinden.

Wer bereit ist, sich auf dieses überbordende Universum einzulassen, wird mit vielen Querverweisen und Gags belohnt. Das Gute ist jedoch: Die meisten Filme und Serien machen auch losgelöst eine Menge Spaß. Kann man seitens der Produzenten all diese Stärken konservieren, steht den nächsten drei Phasen eigentlich nichts im Wege.

Lang lebe das Imperium!

So ist auch nach zehn Jahren und 17 Kinofilmen noch lange kein Ende in Sicht. Die Planungen für die Jahre 2018 bis 2020 stehen bereits. Mit Black Panther (Februar 2018), Avengers: Infinity War (Mai 2018), Ant-Man and the Wasp (Juni 2018), Captain Marvel (März 2019) einem weiteren Avengers-Film (Mai 2019), einem weiteren Spider-Man-Film (Juli 2019) und dem dritten Teil der Guardians of the Galaxy-Saga (2020) wartet schon viel Futter in der Pipeline.

Doch werden Feige und sein Team uns sicher noch mit dem einen oder anderen zusätzlichen Abenteuer auf Trab halten.

 

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Noch dieses Jahr erscheint sein Buch "Es lebe Star Trek", das von SYFY präsentiert wird - Informationen dazu gibt es zeitnah hier bei SYFY sowie auf seiner Homepage, bei Twitter oder beim Verlag in Farbe und Bunt.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie ausführlich jede Episode von Star Trek: Discovery. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er über das langlebige Franchise. Besucht gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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