News /

Der Zeichen-Trek: Ist „Star Trek – The Animated Series“ das Stiefkind des Franchises?

Der Weltraum, unendliche Seiten … Moment mal: Seiten? Müsste das nicht Weiten heißen? Vielleicht, doch eins ist sicher: Um die animierte Star-Trek-Serie aus den 1970er Jahren zu realisieren, brauchte Hollywood ganz schön viel bunt bekritzeltes Papier.

Die 22 gezeichneten Abenteuer des berühmten Raumschiffs namens Enterprise bieten trekkige Unterhaltung in knapp halbstündigen Episoden und ein Wiedersehen mit zahlreichen Haupt- und beliebten Nebenfiguren der klassischen Serie um Captain Kirk und Mister Spock. Dennoch gelten sie als ungeliebtes Stiefkind des Trek-Universums. Zu Unrecht.

Quelle: www.startrek.com

Präsentiert von: Christian Humberg


Leben Sie lang und in Buntstift

Star Trek war tot. 1969 stellte der Sender NBC die Originalserie mit William Shatner und Leonard Nimoy nach drei Staffeln ein, die damaligen Einschaltquoten erlaubten schlicht keine Fortsetzung. Doch in den Folgejahren entwickelten die knapp 80 verfilmten Abenteuer ein Eigenleben, mit dem selbst Hollywood nicht gerechnet hatte: Durch stetige Wiederholungen im US-Fernsehen gewannen die „ollen Kamellen“ aus dem Archiv zunehmend neue Fans! Auch die Werbeeinnahmen bewiesen, dass diese längst abgedrehte Produktion noch ganz schön viele Gewinne abwerfen konnte.

Und wenn sich die Traumfabrik auf eins versteht, dann aufs Melken von Geldkühen. Entsprechend bald wurden in den Chefetagen der Studios Überlegungen laut, das Raumschiff Enterprise erneut auf große Reise zu schicken. Ein kostengünstiger Weg dorthin führte über die Zeichentrick-Schmiede „Filmation“, die zu der Zeit bereits mit allerlei Superhelden, mit den Charakteren der „Archie“-Comics und mit der beliebten Figur „Fat Albert“ das Kinderprogramm der Fernsehsender bereicherte. Konnte Filmation auch Captain Kirk neues Leben einhauchen?

 

Der große Vogel der Galaxis

Man wagte den Versuch. Gene Roddenberry, Erfinder der Originalserie und inzwischen gefragter Gaststar auf Fan-Conventions, gab der Produktion seinen publikumswirksamen Segen, knüpfte daran aber inhaltliche Bedingungen: Sein Star Trek dürfe auch in gezeichneter Form nicht „verniedlicht“ werden; die Trickversion fürs Kinderprogramm müsse genauso tiefgründige Geschichten erzählen können wie das Original.

Um Roddenberrys Wunsch zu entsprechen, heuerte man diverse Drehbuchautoren der Vorlage an. D.C. Fontana, David Gerrold, Stephan Kandel und sogar Chekov-Darsteller Walter Koenig schrieben an den Abenteuern dieses Zeichen-Treks. Die Originaldarsteller kehrten ins Studio zurück, um ihren Figuren ihre Stimmen zu leihen, einzig auf Koenig wurde vor den Mikros verzichtet. (Man hatte den Schauspieler gar nicht erst informiert. Dass „seine“ Serie ins TV zurückkehrte, erfuhr Koenig peinlicherweise erst von Fans auf einer Convention!)

 

Dies sind die (werktreuen) Abenteuer …

Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. „Star Trek: The Animated Series“ ließ keinen Zweifel daran, dass Roddenberrys philosophisches SF-Epos auch im samstäglichen Kinderformat funktionierte. Die Episoden verliehen den beliebten Figuren mehr Tiefe und setzten sogar Geschichten aus der Realverfilmung fort. Autoren und Zeichner achteten bewusst darauf, Klischees des damaligen Kinderfernsehens zu vermeiden. Weder hatte die Crew der Enterprise plötzlich jugendliche Helden als Sidekicks dabei, um sich beim jungen Publikum anzubiedern, noch setzte man auf Humor und schnelle Pointen. Roddenberrys Wunsch war Filmation Gesetz: Star Trek blieb Star Trek.

Diese Werktreue lohnte sich. Mit einem Produktionsbudget von bis zu 75.000 Dollar pro Folge wurde der Zeichen-Trek zu einer der teuersten Trickserien seiner Zeit. Insbesondere der enge Zeitplan – der ausstrahlende Sender gab erst spät grünes Licht für die Serie – sorgte dafür, dass Filmation mit seinen 75 Zeichnern ordentlich ranklotzen musste, um die bewegten Bilder auf die Mattscheibe zu bekommen. Nach einer ersten Bestellung von 16 Episoden orderte NBC noch einmal sechs Stück nach, die die zweite Staffel bildeten.

Der animierte Trek zu den Sternen gewann den Emmy für die beste Kinderserie. Die Los Angeles Times beschrieb ihn als einen „Mercedes zwischen bloßen Seifenkisten“, und auch andere Kritiker ergingen sich in Lobeshymnen. Dennoch zog NBC nach 22 Episoden den Stecker. Selbst Roddenberry gab schließlich zerknirscht zu Protokoll, die Serie nicht als kanonisch zu betrachten.

 

Deutsche Geschichte(n)

In Deutschland hatten die gezeichneten Abenteuer der U.S.S. Enterprise einen schweren Stand: 1976 gab das ZDF eine Synchronisation in Auftrag, verzichtete dabei aber auf die Original-Synchronsprecher. Auch setzte man gehörig die Schere an, kürzte die Episodenlängen und schnitt Handlungswendungen nach Belieben um. Vier der 22 Episoden wurden erst gar nicht eingekauft. Als „Die Enterprise“, so der ZDF-Titel, dann endlich ins Pantoffelkino kam, hatte sie nur noch wenig mit der Vorlage gemeinsam. Altfans konnten so nur enttäuscht werden.

Erst der Boom der 1990er Jahre, als das Franchise dank „Star Trek: The Next Generation“ wieder immens beliebt wurde, änderte dieses Schicksal. Für eine geplante Videoauswertung ließ man die komplette Trickserie neu synchronisieren – ungekürzt und mit den deutschen Originalstimmen. Diese Fassung kam trotz eines erfolgreichen Video-Releases aber erst 2016 ins hiesige Fernsehen.


Tags: Star Trek: The Animated Series   Star Trek