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Destiny 2 Test: Call of Duty trifft Star Wars und Captain America im größten Koop-Shooter des Jahres 


Destiny 2 gibt nach den ersten 30 Stunden im Review plus einen Tag auf Nvidias Showcase-Event in Köln dort Gas, wo der Vorgänger noch schwächelte: Destiny 2 fühlt sich mehr nach Triple A an, weil es stärker inszeniert. Die Locations sind atmosphärisch geladen, wir klappern nicht nur Checkpunkte ab, sondern legen Hinterhalte, müssen kleine Rätsel lösen, mit drei unterschiedlichen Sprungarten Plattform-Level meistern. Die Inszenierung hat mehr Druck, die Gags sitzen, die Inszenierung gefällt und wir haben uns in die neuen Ultimates, besonders das Captain-America-Schild verliebt. Schaffen es die Halo-Macher von Bungie ihr gutes, altes Destiny-Gefühl mit dem Hollywood-Bombast eines Call of Duty zu vermischen? Destiny 2 im Test. 

Präsentiert von: Benjamin Kratsch


Destiny 2 hat dieses schöne Call of Duty-Gefühl einen Hollywood-Blockbuster zu spielen, ohne zu schlauchartig zu werden. In den ersten Missionen lernen wir unsere Begleiter kennen, hören ein paar gute Sprüche von Cayde-6, lernen Alienvölker kennen und die Guardians, die die letzte Stadt beschützen. Doch bereits kurz darauf gibt es einen Ausfall der Überwachungssatelliten, Raketen schlagen in jenem Turm ein, der im ersten Destiny als wichtigster Hub diente. Die Rote Legion greift an, hunderte Raumschiffe füllen den Himmel, tausende Geschosse schlagen in der letzten Stadt ein und hinterlassen ein Trümmerfeld.

Es ist ein Auftakt, der emotional hervorragend funktioniert, weil der Kommandeur der Roten Legion und Hauptantagonist Dominus Ghaul nicht nur unsere Truppen vernichtet, sondern auch eine Art Sarkophag gebaut hat, um dem Reisenden sein Licht zu nehmen. Wir verlieren unsere Licht-Energie, stranden auf einem neuen Planeten und das ganze Gameplay, der Look & Feel ändert sich dramatisch: Wir schließen uns Widerstandskämpfern von Der Farm an, müssen in den ersten Stunden weitestgehend auf Magie verzichten, ballern sehr klassisch (lediglich Ultimates laden sich auf) und tragen auch nicht mehr die pompöse goldene Rüstung  aus den letzten Destiny-DLCs wie in etwa Das Erwachen der Eisernen Lords, sondern müssen mit selbst zusammengebauten, provisorischen, mitunter verrosteten Rüstungen in die ersten Missionen ziehen. 

Die Guardians, am Ende ihrer Kräfte auf einem Star-Wars-Planet

Destiny 2 versteht sich als Reboot der Serie und geht von seiner Inszenierung her in Richtung der neueren Marvel-Filme wie Iron Man 3. Also düsterer, stärker auf Geschichten fokussiert und klar sagend: Du bist ganz unten, der Weg zur Spitze ist weit. Schön: Der Verlust der Licht-Energie treibt die Guardians zurück auf ihre Heimatplaneten, wir müssen sie erst wieder zusammentrommeln, fit machen, die Band of Brothers zurückbringen. Nach der Europäischen Todeszone, wo der Widerstand einige Camps hat, geht es nach Titan. Ein Planet, der wohlig an Kamino erinnert, wo jene gigantische Hightech-Festung von Wasser umschlossen war, wo die Klonarmee geboren und trainiert wurde. Eine der Schwachpunkte des ersten Destiny war ja seine Inszenierung und die immer wiederkehrenden Planeten, die mitunter zu wenig Abwechslung boten.

Guardian-Anführer Zavala hat sich nach seiner zerschmetternden Niederlage und dem Verlust seiner Licht-Kräfte auf seinen Heimatplaneten zurückgezogen und lebt hier in einer futuristischen Stadt, die auf riesigen Stelzen errichtet wurde und unter der 40 Meter hohe Wellen durchrauschen. Nicht gerade ein Ort um Urlaub zu machen, aber der prasselnde Regen und das Unwetter spielen der Atmosphäre natürlich in die Hände. Generell bemüht sich Bungie sichtlich um starke Kontraste im Design. Nach Kamino, pardon Titan verschlägt es uns auf eine Rettungsmission, um unsere liebste Schasselstrippe Cayde-6 aus einer Vrex-Anlage auf Nessus zu befreien. Die Vrex haben daraus einen Maschinenplaneten transformiert, in dem große Schaufelrad-Roboter die Berge umgraben. Und ja, die wollen uns immer wieder zerstampfen, weshalb wir auch im Feuergefecht ständig zurückweichen, abwarten und Lücken suchen müssen.

Neuerungen im Gameplay: Captain America leiht sein Schild

Auf spielerischer Seite ist Destiny 2 stärker fokussiert auf seine drei unterschiedlichen Waffentypen: kinetische Sturmgewehre, Energie basierte Ballermänner und Power-Waffen wie Fusion-Rifles oder Granatwerfer. Jeder Guardian erhält zudem einen neuen Ultimate respektive Super-Angriff: Als Warlock aktivierst du das Dawnblade, ein sehr mächtiges Flammenschwert. Damit feuerst du Flammenprojektile, bis zu drei Stück, auch gerne direkt aus dem Sprung heraus. Eine gute Waffe um Flächenschaden zu machen. Unser persönlicher Liebling ist aktuell das Sentinel-Schild des Titan: Du schleuderst das Energieschild wie Captain America und durch seine Bumerang-artige Flugbahn kannst du mit ein bisschen Übung immer mehr als nur einen Gegner treffen. Du kannst das Schild aber auch aufladen und damit einen schwer gepanzerten Cabal-Commando zurückschleudern. Ein sehr gutes Item, um eine eingeschlossene Gruppe an Verbündeten freizusprengen. Clayde-6 Freunde und Nahkampfsocken bekommen den Arcstrider geliefert: Mit dem Energiestab wirbelst du nur so durch die Reihen des Feindes. Vielleicht die spannendste Waffe, weil sie mehr Dynamik und Mobilität in die Kämpfe bringt. Der Arcstrider lässt die Besten zum Ninja avancieren. 

Fazit: 

Destiny 2 ist ein fantastisches Spiel, wenn du auf Koop-Shooter stehst. Aufs Grinden, aufs Taktieren, aufs Funktionieren als Team. Die größten Momente des Spiels schaffst du dir selbst, wenn dein Team eine unlösbare Mission letztlich doch noch in letzter Sekunde meistert, weil dein Kumpel den Arcstrider gemeistert hat und du mit dem Sentinel-Schild die gefährlichen Sniper des Feindes ausschaltest, die euch vorher in Deckung gezwungen haben. Wer darauf steht, der wird hier glücklich. Die Inszenierung ist sehr gut gelungen, mitunter hat das hier wirklich den Druck, den wir aus Call of Duty kennen und lieben. Negativ fällt das Einheiten-Recycling auf, du kämpfst schon recht oft gegen sehr ähnliche Gegnerwellen. Und erzählerisch? Nun, es ist dann letztlich doch mehr Shooter und weniger Star Trek oder Star Wars. Die Macher bemühen sich eine glaubhaftes Universum mit vielen Alienrassen aufzubauen, aber die Klasse und Qualität der ganz Großen Sci-Fi-Reihen oder auch eines Mass Effect erreichen sie dann doch nicht. Dafür fehlt es an Identifikationsfiguren: Destiny 2 will gar keinen Luke Skywalker oder Han Solo aufbauen, sondern das du dich als Held fühlst. Und das gelingt ihm.