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Detroit Become Human: 
Game of Thrones trifft Heavy Rain 2 in der Welt von Incorporated

Detroit: Become Human ist eine Art Heavy Rain 2 in der Welt von Incorporated, nutzt aber auch Storytelling-Strukturen, die wir aus Game of Thrones kennen und lieben: Viele Charaktere mit ganz individuellen Geschichten, die zu einer Großen zusammenfließen. Darüberhinaus ist es eines der nachdenklichsten und emotionalsten Werke, die uns im Frühling 2018 erwarten. 

 
 
 
 

Präsentiert von: Benjamin Kratsch


Sonys Studios sind gut darin Gefühle hervorzurufen. Spiele, die sich in unser Hirn brennen, bleibende Erinnerungen schaffen. Wir fiebern auf The Last of Us 2 hin, weil das Storytelling, die Twists, die Charaktere des Erstlings so fantastisch waren. Das 2018er God of War wird ganz anders und doch wollen wir wissen wie Kratos seinen Sohn kennenlernt. Und auch Detroit: Become Human nutzt Emotionen als Vehikel. Schon oft haben wir es gespielt, auf der E3, auf der Gamescom, jetzt auf der Playstation Experience 2018 und können eines festhalten: Man kann von David Cages Spielen halten was man will, aber sie hinterlassen ein Gefühl. Eine Gabe, die zu vielen Werken fehlt.  Das fängt bei Intros an, die nicht mit großer Action und Schockeffekten beginnen, sondern eher ein mulmiges Gefühl hervorrufen.

Die Geschichte: Incorporated und Heavy Rain 2

Er nutzt den Gospelsong Hold On als Vehikel um in eine Geschichte einzuleiten, die sehr stark Richtung Incorporated geht. Jene SYFY-Serie, die sich um die Frage dreht, wie wir damit umgehen werden, wenn Androide plötzlich ein Teil der Gesellschaft unserer Zukunft sein werden. Mit beeindruckenden Hightech-Tech-Designs und einer düsteren Geschichte, denn im Werk von Ben Affleck und Matt Damon lösen Corporations Regierungen ab, vernichten die Demokratie und Hauptdarsteller Sean Teale mordet sich bis zur Konzernspitze. Ähnlich funktioniert auch Detroit: Become Human. Habt ihr Heavy Rain gespielt? Ein Werk, das ganz verschiedene Charaktere aufbaut - die Journalistin, den Detective, den Vater, der seinen Sohn verliert - und die Storyzweige dann zusammenlaufen lässt. Fast schon ein bisschen wie in Game of Thrones. Diese besondere Art des Storytellings nutzt David Cages Team auch dieses Mal.

Viele Figuren, viele Ansichten, alles fließt in einer Story zusammen

Es gibt da Kara, eine Androidin, die als Dienstmädchen und Sexroboter verkauft werden sollte. Sie flieht aus der Fabrik, tarnt sich als normale Frau, will das Leben und Menschsein kennenlernen. Sie lernt eine Familie kennen, wird ihr Kindermädchen, wird behandelt wie ein Mensch, auch wenn sie etwas weltfremd und naiv rüberkommt. Ganz anders sind Connor und Markus (gespielt von Grey's-Anatomy-Star Jesse Williams): Beides ebenfalls Androiden, doch auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes. Connor ist ein angesehener Detective in einer Spezialeinheit des Detroit Police Departments, spezialisiert auf Geiselbefreiungen. Markus hingegen will mit seiner Freundin North die Tyrannei der Menschen beenden, die Androide - die in diesem Szenario denken und fühlen können wie wir - als Sklaven missbrauchen, im Regen stehen lassen nach getaner Arbeit, sie nicht entlohnen. Als Markus Androiden aus einem Shop befreit und mit ihnen einen Aufstand anzettelt, gar Polizisten angreift, gerät Connor in einen Gewissenskonflikt: Er ist programmiert als loyaler Staatsdiener, aber er versteht auch, warum Markus diese zwar mechanischen, aber doch denkenden Geschöpfe in die Freiheit führen will.

Sony im Kreuzfeuer: Dürfen Spiele Gewalt an Kindern thematisieren?

Es gibt einen alkoholsüchtigen Vater in Detroit: Become Human, der seine kleine Tochter Alice mit einem Riemen verprügelt. Sony, David Cage und sein Team wurden hart kritisiert für diesen Umgang mit Häuslicher Gewalt und doch müssen wir uns die Frage stellen: Wenn Spiele Kunst sein wollen, müssen wir uns dann nicht auch diesen schwierigen Themen öffnen? Wäre das hier ein Film von Quentin Tarantino, niemand würde sich über dieses kritische Sujet wundern. Und doch tun wir es bei virtuellen Kunstwerken. Wir glauben: Spiele müssen dürfen, was Hollywood auszeichnet. 12 Years a Slave wurde 2014 mit Oscars nur so überhäuft, weil es sich getraut hat über Sklaverei, Rassismus und Gewalt einer Zeit zu sprechen, die noch nicht so lange her ist. Und letztlich hat Detroit: Become Human bereits jetzt etwas erreicht, was so wohl gewollt war: Die Welt spricht über Kindesmissbrauch und häusliche Gewalt, weil diese noch immer hinter den Vorhängen des Nachbarhauses passieren kann.