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Firefly: Der Zauber einer besonderen Welt

Für viele Science-Fiction-Fans gibt es neben Star Trek, Babylon 5, Stargate & Co noch eine weitere Genre-Serie, die kultisch verehrt wird. SYFY präsentiert das Kleinod ab Januar in einer Eventprogrammierung. Doch was macht den Zauber dieser Welt von Schöpfer Joss Whedon überhaupt aus?

Präsentiert von: Björn Sülter


Firefly ist das englische Wort für Glühwürmchen, und somit für einen Käfer, der sich auf ungewöhnliche Art und Weise seiner Umwelt präsentiert. Eine schöne Metapher für Joss Whedons erste Science-Fiction-Serie, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Bedenkt man, dass seit dem abrupten Ende und dem nachfolgenden Kinofilm bereits zwölf Jahre vergangen sind, verwundert es jedoch auch ein wenig, wie leidenschaftlich die Fans immer noch über die Abenteuer von Captain Reynolds und seiner Crew sprechen und schreiben.

Gerade angesichts der damals eher mittelprächtigen Einschaltquoten und der geringen Anzahl von Abenteuern handelt es sich dabei nicht um eine Selbstverständlichkeit. Das Team hinter der Serenity, so der Name des Schiffes, muss also einiges richtiggemacht haben. Doch wie entstand das Ganze überhaupt? Werfen wir zunächst einen Blick auf den Mann, der die Serie aus der Taufe hob ...

Mastermind

Als Autor, Produzent und Regisseur war Joss Whedon Anfang des neuen Jahrtausends längst kein Unbekannter mehr. Er hatte zum Beispiel an den Drehbüchern zu Alien: Resurrection, Titan A.E., Toy Story, Speed, Waterworld oder Twister sowie im TV-Bereich an Roseanne und Parenthood mitgearbeitet. Doch gelang ihm erst mit seiner ersten eigenen Serie Buffy - The Vampire Slayer der große Durchbruch. Sieben Staffeln lang erzählte er die Abenteuer von Buffy Summers und legte mit dem Spin-Off Angel sogar noch einmal nach. Am Ende hatte diese erste Franchise zwölf Staffeln und rund 250 Episoden TV-Unterhaltung hervorgebracht.

Mit Firefly widmete er sich dann dem Genre der Science-Fiction, jedoch nicht ohne durch die Vermischung mit Westernelementen einen ganz eigenen Mix zu erfinden. Das schnelle Ende hielt den kreativen Whedon jedoch nicht auf. Auch ließ er sich nicht von dem nächsten Rückschlag mit der ebenfalls früh abgesetzten Serie Dollhouse einschüchtern. Dank Cabin in the Woods gelang ihm ein Überraschungserfolg, der fast nahtlos in seine Arbeit an The Avengers, Much Ado About Nothing und zuletzt Age of Ultron und Justice League überging. Mit Agents of S.H.I.E.L.D. hat er zudem seit 2013 erneut eine TV-Serie am Start. Whedon ist heute ohne jeden Zweifel ein gefragter Mann, der sich nebenbei noch auf dem Comic-Sektor einen guten Namen gemacht hat.

Die Liebe zum Detail

Das größte Augenmerk legte Whedon bei Firefly auf das Worldbuilding. Schon immer war er fasziniert von den Auswirkungen großer Schlachten auf die beteiligten Personen gewesen. Das Buch „The Killer Angels“ von Michael Shaara wurde zu seiner erklärten Inspiration für die Serie. In diesem geht es um Soldaten und ihre Probleme während der Schlacht um Gettysburg. Whedon zeichnete seine Welt als Spiegel des Wiederaufbaus und verlegte das Geschehen weit in die Zukunft - genauer gesagt ins ferne 26. Jahrhundert.

Sein Ansatz: In der Zukunft wird sich nichts ändern. Der technische Fortschritt wird zwar unaufhaltsam voranschreiten, die moralischen und gesellschaftlichen Probleme  jedoch die gleichen bleiben. Hierin liegt im Übrigen auch ein großer Unterschied zur in Star Trek gezeigten Utopie, in der die Menschheit ihre internen Streitigkeiten beilegen konnte und sich auf die gemeinsame Erforschung fremder Welten konzentriert.

Whedons Menschheit jedoch hat noch einiges an Nachholbedarf und präsentiert damit ein eher zwiespältiges, aber leider auch realistisches Bild, wie man es zum Beispiel auch aus der SYFY-Produktion The Expanse oder dem Kulthit Babylon 5 kennt. Im Schatten eines großen Krieges der Allianz gegen die unabhängigen Welten haben sich die USA und China zu einer Weltmacht zusammengeschlossen, sind jedoch kaum in der Lage, alle Planeten unter Kontrolle zu halten. Konzerne und einzelne Machthaber runden das komplexe politische Bild ab, während die meisten Menschen einfach nur versuchen, irgendwie zu überleben.

So wurde die Crew auch zu einem Abbild der Nachwehen des Amerikanischen Bürgerkriegs mit dem besonderen Fokus auf die Verliererseite. Wie würden diese Menschen sich zukünftig in die neue Gesellschaft eingliedern und ihren Weg finden können? Die Besatzung der Serenity konsequenterweise - und damals zum Ärger von FOX - somit aus einem Haufen von Vagabunden und Glücksrittern, die gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen, aber eben nicht an den großen Hebeln der Welt sitzen und oftmals sogar zum Spielball werden.

Doch diente auch Star Wars als große Inspirationsquelle für die Macher. Captain Reynolds konzipierte man eindeutig als eine Art Han Solo, die Serenity ist als klare Hommage an dessen Millenium Falken zu erkennen. Whedon bestritt diese Bezüge auch nie, er ließ sogar Raumschiffe aus dem George-Lucas-Universum kleine Auftritte feiern. So kann man bereits im Pilotfilm ein Shuttle des Imperiums im Hintergrund erkennen, als Inara an der Serenity andockt. Auch schleicht sich immer wieder eine kleine Version vom in Carbonite eingehüllten Solo im Hintergrund in die Szenen. Diese hatte Whedon extra anfertigen lassen.

Und auch eine andere große Franchise erhielt eine Hommage: Während der großen Schlacht zu Beginn des Pilotfilms kann man auf einer Waffe das Logo der Weyland-Yutani-Corporation sehen. Hierbei handelt es sich um die fiktiven Strippenzieher aus den Alien-Filmen.

Wie oft bei seinen Werken, überließ Whedon auch sonst wenig dem Zufall. Er komponierte und textete sogar die Titelmelodie „The Ballad of Serenity“ selber.

Gewöhnt man sich erst einmal an die Vermischung aus typischem Western und Science-Fiction-Saga, darf man an einer reichhaltigen Welt, gespickt mit durchdachten Figuren, Abenteuer und Action sowie stimmigen Metaphern, teilhaben.

Probleme über Probleme

Doch einen Moment mal: Wenn doch alles so wundervoll ist, darf man den Verfasser dieses Artikels doch bestimmt auch fragen, warum der Serie nur so ein kurzes Leben beschieden war?

Darf man. Die Gründe dafür sind jedoch vielfältig. Macht man es sich in der Beantwortung ganz einfach, hatte Firefly vom Start weg schlicht zu wenig Zuschauer. FOX zog Ende 2002 nach Ausstrahlung der elften Episode den Stecker und lieferte die fehlenden drei Abenteuer erst ein halbes Jahr später nach.

Gräbt man jedoch tiefer, stößt man sehr schnell auf verschiedene Problemfelder, die der Serie definitiv nicht geholfen haben. So gerieten die Promos im Vorlauf der Ausstrahlung eher albern („a cosmic hooker“, „a flighty pilot“). Außerdem entschied man, den eigentlichen Pilotfilm zunächst nicht zu zeigen und Whedon zu einem neuen Auftakt zu nötigen. „Schmutzige Geschäfte“ fungierte somit als Pilot. Doch auch in der Folgezeit sprang man bei den Episoden wild durcheinander und hängte den eigentlichen Auftakt „Serenity“ schließlich ans Ende des Blocks.

Hätte man seitens FOX ein feineres Gespür für die Zuneigung der Fans besessen, wäre die Geschichte vermutlich etwas anders gelaufen. So erhielt Firefly immerhin ein zweites Leben in Form der Kinofortsetzung Serenity - Flucht in neue Welten und mit vielen Publikationen im Comicbereich, die bis heute veröffentlicht werden und sogar Rollenspielen.

Fazit

Firefly hätte ein wunderbarer und langlebiger Eintrag in die Geschichtsbücher der TV-Science-Fiction werden können, wenn FOX der Vision Whedons vertraut und etwas mehr Geduld und Fingerspitzengefühl in die Serie investiert hätte. So bleibt es bei einer kurzen, tollen Staffel und einem gelungenen Film-Nachschlag, an denen wir uns immer wieder erfreuen können.

Firefly läuft auf SYFY in einer Eventprogrammierung am 17., 24. und 31. Januar ab 20.15 Uhr mit jeweils fünf Episoden am Stück.

Mittwoch, 17.01.2018 ab 20:15 Uhr                                                                        

01. Serenity (Teil 1)
02. Serenity (Teil 2)                            
03. Schmutzige Geschäfte         
04. Fernab der Zivilisation              
05. Das Duell            
       

Mittwoch, 24.01.2018 ab 20:15 Uhr                                                                        

06. In letzter Sekunde                       
07. Mrs. Reynolds                           
08. Jaynestown                                 
09. Kampf ums Überleben          
10. Falsches Spiel         
              

Mittwoch, 31.01.2018 ab 20:15 Uhr  

                                                            
11. In den Fängen des Shanyou    
12. Antiquitätenraub                            
13. Die Botschaft                               
14. Leichte Mädchen                          
15. Der Kopfgeldjäger        
       

Autor & Journalist Björn Sülter ist als freier Mitarbeiter unter anderem bei Onlinepublikationen wie SYFY, Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter aktiv. Im Printbereich schreibt er zum Beispiel für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie ausführlich jede Episode von Star Trek: Discovery. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er über das langlebige Franchise.

Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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