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Firefly: Rezension zur Pilotepisode „Serenity“

Der Pilot, der keiner sein durfte. Wir bei SYFY zeigen die Serie ab dem 17. Januar selbstverständlich in der richtigen Reihenfolge und liefern heute die Rezension zum Auftakt gleich frei Haus dazu. Lest, warum „Serenity“ nicht nur damals der bessere Start gewesen wäre, sondern auch heute noch eine Menge Spaß macht.

Präsentiert von: Björn Sülter


Mit einer Doppelepisode hatte Autor, Produzent und Regisseur Joss Whedon die Serie Firefly im Herbst 2002 auf dem amerikanischen Network FOX eigentlich starten wollen. „Serenity“ war dabei als überlanger Prolog für die Serie gedacht, sollte die Figuren in Stellung bringen, den Background klären und in die nachfolgende Staffel führen. Doch FOX entschied anders. Den Bossen war der komplexe Auftakt mit den verwirrend realistischen und dabei auch so belasteten Protagonisten nicht geheuer. In der Post-CSI-Ära schien es ihnen ein zu großes Wagnis zu sein, die Zuschauer derart zu (über)fordern. So sendete man am 20. September 2002 lieber zunächst die Episode „The Train Job“, die mehr auf Action setzte, simpler gestrickt war und somit besser ins Programmschema zu passen schien.

Doch damit nicht genug: Auch in der Folgezeit sprang man munter bei der Ausstrahlung der Episoden hin und her und zeigte den eigentlichen Piloten erst im Dezember und ganz zum Schluss – zu einem Zeitpunkt, als die Serie längst schon wieder eingestellt war.

Ob es besser gelaufen wäre, hätte man dem kreativen Kopf einfach vertraut, ist heute nicht mehr zu klären. Fakt ist jedoch, dass Whedon gute Gründe und starke Argumente für seine damalige Entscheidung hatte. Warum, schauen wir uns jetzt einmal an.

The Firefly Hello

Ein Pilotfilm sollte dem geneigten Zuschauer zeigen, wo er sich befindet, wer die handelnden Personen sind und dabei möglichst noch ausloten, was innerhalb der Serie zu erwarten ist – technisch wie dramaturgisch.

So gibt sich Whedon dann auch sichtlich viel Mühe damit, die zentralen Figuren Malcolm Reynolds, Zoe Washburne & Co einzuführen. Mitten in der Schlacht von Serenity Valley lernen wir die ersten Protagonisten kennen und müssen feststellen, dass man uns hier eine Zukunftsvision zeichnet, die weit ab der sterilen und sauberen Raumschiff-Utopien vom Gros der Star-Trek-Serien liegt. Am ehesten haben wir es noch mit einem Bruder im Geiste von Star Trek: Deep Space Nine zu tun – zumindest, was die belasteten Figuren und das düstere Setting angeht.

Auch erinnert der Auftakt inhaltlich an den Pilotfilm von Star Trek: Discovery („The Vulcan Hello“ & „Battle at the Binary Stars“), der ebenfalls vielmehr Prolog denn Pilot war. Wo man damals seitens FOX nicht genug Mut aufbrachte, durfte Trek im Jahr 2017 diesen Weg gehen. Der zwiespältig-düster angelegte Reynolds könnte in diesem Zusammenhang auch als Vorlage für Michael Burnham gedient haben, wenngleich sich die Geschichten der beiden natürlich stark unterscheiden. Sieht man jedoch heutzutage, wie viele Serien negativ geprägte Figuren ins Zentrum stellen und dennoch funktionieren, muss man Joss Whedon an dieser Stelle als seiner Zeit voraus bezeichnen. Auch gelingt es ihm, den Captain mit ausreichend Schattierungen zu versehen und seine Motivation und seinen inneren Konflikt klar herauszuarbeiten.

Doch hatte Whedon auch für die restlichen Figuren kein 08/15 im Sinn. Seine Besatzung ist ein Haufen von Ausgestoßenen und Verlierern, die einen Platz für sich in ihrer Welt suchen und dabei nicht immer den geraden Weg gehen (können). Um noch einen weiteren Trek-Vergleich zu bemühen: Hätte man dort eine Serie über den Maquis produziert, wäre das Ergebnis unter Umständen ähnlich ausgefallen. Die sauberen Raumstationen und Schiffe wären dann von (gefühlt) negativ belegten Sternenflottenoffizieren bevölkert gewesen, während wir den fortlaufenden Kampf einer Randgruppe verfolgt hätten.

Whedon Style

Dramaturgisch hält die Doppelfolge ihre Spannung über die gesamte Spielzeit, wenn Längen auch nicht völlig weg zu diskutieren sind. So gibt es insgesamt wenig Action, was durchaus etwas ermüdend auf einige Zuschauer wirken kann. Hier ist es nötig, sich auf diese neue Welt einzulassen und den Rhythmus zu akzeptieren.

Nathan Fillion und Gina Torres sind schnell Zentrum des Geschehens, um das sich zunächst alles dreht. Doch erhalten auch alle anderen die Gelegenheit, sich zu zeigen. Festhalten darf man aber ruhig, dass der Cast durchweg Klischeevorstellungen entspricht und entsprechend wenig subtil daherkommt. Für Fans von Joss Whedon sind jedoch auch viele Wesenszüge erkennbar, die dieser bis heute immer wieder seinen Figuren zuschreibt. Zoe und Wash stechen als Ehepaar der besonderen Art schon früh heraus und zeigen eine Chemie, die viele ihrer Szenen trägt.

In Sachen Kameraarbeit, Score und Spezialeffekte befindet sich alles auf dem damaligen Stand der Technik und geht auch heute noch als ansehnlich durch. Die Vermischung mit Westernelementen gelingt erfreulich frisch und liefert einen Bonus, der Firefly von anderen SF-Opern abhebt.

We’re still flying

Gegen Ende der Episode spricht Captain Malcolm Reynolds diese Worte und fasst damit exakt das zusammen, was es über die Situation zu wissen gibt, in der diese Serie und die Crew der Serenity operieren. Wir fliegen noch. Wir sind noch in einem Stück. Das ist alles was zählt. Hier haben wir es nicht mit einer Hochglanzcrew in einer Hochglanzwelt zu tun, sondern mit verkrachten Existenzen, die sich irgendwie – und meist mehr schlecht als Recht – durch ihren Alltag schlagen. Menschen am Rande der Gesellschaft, zu Handlungen gezwungen, die sie sich selber nie hätten träumen lassen.

Firefly ist anders. Die Figuren sind anders. Der Stil ist anders. Vermutlich war das Gesamtprodukt – ganz Joss Whedon – zu entrückt, zu wenig am Puls der Zeit, zu verkopft und dann doch wieder zu lässig für den Massengeschmack. Verständlich ist jedoch, dass viele Fans immer wieder gerne zu diesem Kleinod zurückkehren. Der Pilotfilm zeigt problemlos spätere Stärken und bietet auch nach mehr als 15 Jahren noch beste Unterhaltung.

Last words

„Serenity“ ist zwar vollgepackt mit Exposition und spart auch nicht an Klischees, bringt aber die Figuren gekonnt in Stellung, lässt allen Beteiligten Raum zur Entfaltung und paart dies noch mit Action und Spannung. Mehr kann man von einem Piloten nicht erwarten. Whedon und sein Team haben alles richtiggemacht – sollen, hat es dennoch nicht sein.

Firefly läuft auf SYFY in einer Eventprogrammierung ab morgen, den 17. Januar und danach noch am 24. und 31. Januar ab 20.15 Uhr mit jeweils fünf Episoden am Stück.

Mittwoch, 17.01.2018 ab 20:15 Uhr

01. Serenity (Teil 1)

02. Serenity (Teil 2)                            

03. Schmutzige Geschäfte         

04. Fernab der Zivilisation              

05. Das Duell           

Mittwoch, 24.01.2018 ab 20:15 Uhr

06. In letzter Sekunde                       

07. Mrs. Reynolds                           

08. Jaynestown                                 

09. Kampf ums Überleben          

10. Falsches Spiel         

Mittwoch, 31.01.2018 ab 20:15 Uhr

11. In den Fängen des Shanyou    

12. Antiquitätenraub                            

13. Die Botschaft                               

14. Leichte Mädchen                          

15. Der Kopfgeldjäger        

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Noch dieses Jahr erscheint sein Buch "Es lebe Star Trek", das von SYFY präsentiert wird - Informationen dazu gibt es zeitnah hier bei SYFY sowie auf seiner Homepage, bei Twitter oder beim Verlag in Farbe und Bunt.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie ausführlich jede Episode von Star Trek: Discovery. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er über das langlebige Franchise. Besucht gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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