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Krypton-Special I: Die ersten Schritte eines Superhelden

Vielen warten schon darauf, wir stimmen euch ein: Im ersten Teil unseres Krypton-Specials befasst sich Björn Sülter damit, wie alles begann, und zeichnet die Lebenswege der Männer hinter dem Mann aus Stahl und dessen erste Schritte in die Herzen der Fans nach.

Präsentiert von: Björn Sülter


Ab Oktober liefert SYFY die heiß ersehnte Serie Krypton als deutsche TV-Premiere in eure Wohnzimmer.

Grund genug, in einer Reihe von Artikeln auf das Event einzustimmen und dem Superman-Kult ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Björn Sülter wird euch dabei durch verschiedene Stationen der Geschichte führen. Wer also schon immer einmal mehr über die Hintergründe wissen wollte und sich gleichzeitig für die neue Serie in Stimmung bringen möchte, ist die kommenden Wochen herzlich eingeladen, uns auf dieser Reise zu folgen.

Ein sonniger Tag im April

Superman gilt heute als eine der Superheldenfiguren mit dem höchsten Wiedererkennungswert. Der Umhang, das große „S“ auf der Brust – jeder kann mit diesen Informationen etwas anfangen, jeder erkennt die Figur oder nur die Silhouette (meist) auf den ersten Blick. Diese feste, visuelle Verankerung des Phänomens war jedoch ein langer Weg, der am 18. April 1938 – also vor bereits mehr als 80 Jahren – ihren Anfang nahm.

In der ersten Ausgabe der sogenannten Action Comics (die heute bei über 1000 Ausgaben angekommen sind) präsentierten die bis dahin unbekannten Jerry Siegel und Joe Shuster zum ersten Mal ihre Figur. Die Ausgabe gilt nicht nur als Geburtsstunde Supermans, sondern auch des ganzen Superheldengenres. Als Titelgeschichte auf den ersten dreizehn Seiten des Hefts war eine Handlung zu finden, die das kreative Duo aus ihren bisherigen Versuchen zusammensetzte und durch eine Vorgeschichte ergänzte. In dieser kam Baby-Superman zur Erde, wurde von einem Motorradfahrer gefunden, reifte zum jungen Mann unter dem Namen Clark Kent heran, erkannte seine Fähigkeiten und beschloss, diese zu guten Zwecken zu nutzen. Auf den Folgeseiten rettete er verschiedene Personen vor Gefahren, traf erstmals auf Lois Lane und versuchte, seine Identität als Superman geheim zu halten.

Den Rest der Ausgabe füllten zehn weitere kurze Abenteuer über (besonders hierzulande) weniger bekannte Helden wie Zatara oder Tex Thompson. Das Heft wurde in den USA damals für 10 Cent verkauft, was heutzutage etwa 2 Dollar entspräche.

Superman

Kaum zu glauben: Auf einer Auktion im Jahr 2014 kaufte die Firma Metropolis Collectibles eine wunderbar erhaltene Erstausgabe für über 3 Millionen Dollar! Ein einmaliger Vorgang in der Comic-Geschichte.

Damals hatte man zunächst 200.000 Exemplare drucken lassen, die jedoch schnell vergriffen waren. Publisher National Allied Publications (heute: DC Comics) war sich dabei zunächst gar nicht sicher, wem man den Erfolg zu verdanken hatte. Schnell erreichte man über eine Million Exemplare. Siegel und Shuster erhielten übrigens 10 Dollar pro Seite – also 130 Dollar insgesamt. Heute wären das zum Vergleich immerhin über 2000 Dollar.

Witzig: Dass Superman überhaupt auf dem Cover landete, war nur glücklichen Umständen zu verdanken. Unter Zeitdruck entschied sich damals Firmenboss Jack Liebowitz für einen möglichst reißerischen und coolen Aufmacher: Superman, der ein Auto anhob. Dabei dachte er jedoch überhaupt nicht an die inhaltliche Qualität der Geschichte. Die besten Dinge entstehen eben per Zufall.

Zwei Männer und ihr Leben aus Stahl

Doch wer sind eigentlich die beiden Männer, denen Superman den Start in sein langes und erfolgreiches Leben verdankt?

Jerry Siegel wurde am 17. Oktober 1914 in Cleveland geboren. Schon seit frühster Kindheit interessierte sich der zurückhaltende Junge für Comics und sogenannte Pulp Stories.

Mit 16 Jahren lernte er den ebenfalls eher introvertierten und schüchternen Joe Shuster kennen – der Anfang einer Freundschaft über die Siegel einmal sagte:

"When Joe and I first met, it was like the right chemicals coming together."

Die erste Idee zu Superman kam den beiden bereits 1933. Doch nachdem sie jahrelang erfolglos versucht hatten, ihren Helden zu verkaufen, wählten sie einen anderen Weg und gaben die Rechte an Detective Comics (das gemeinsam mit National Allied Publications später zu DC Comics wurde). Als die Reihe dann überraschend direkt durch die Decke ging, bereuten die Schöpfer ihre Entscheidung, blieben aber dennoch weiterhin an Bord und wurden für ihre Arbeit nach eigenem Bekunden auch eine ganze Zeit lang angemessen entlohnt. Dennoch beendete 1947 ein Rechtsstreit über die Veröffentlichung eines Superboy-Comics die gute Beziehung zu DC. In diesem Zuge flog auch die Namensnennung von Siegel und Shuster aus den folgenden Ausgaben. Man hätte meinen können, dass dies der richtige Zeitpunkt für einen Neustart und der Weg zu neuen Abenteuern nun frei gewesen wäre. Dieser sollte sich jedoch als äußerst steinig herausstellen.

Ihre nächste Kreation namens Funnyman war ein Flop und führte sogar dazu, dass die beiden ihre Zusammenarbeit beendeten. Ende der 1950er-Jahre war Siegel kaum mehr in der Lage, seine Rechnungen zu bezahlen und lebte mit seiner Familie in einem kleinen Appartement in Long Island. Es war ihm nie mehr gelungen, regelmäßig Arbeit zu finden oder seinen Erfolg mit Superman auch nur annähernd zu wiederholen. Seine Frau überzeugte ihn letztlich, zu DC zurück zu gehen. Bis 1966 lieferte er dort verschiedene Geschichten rund um seine Figur und andere Helden, durfte dabei aber keine kreative Kontrolle mehr ausüben sondern war zum reinen Auftragsschreiber mutiert: Ein geduldeter Gast im eigenen Haus sozusagen. Als DC realisierte, dass Siegel und Shuster im Hintergrund erneut einen Prozess um die Rechte anstrengten, endete die Zusammenarbeit ein zweites Mal. Den anschließenden Prozess verloren die beiden Männer noch obendrauf.

Als Warner dann in den 1990er-Jahren Superman für das Kino adaptierte, machte Siegel die Presse auf seine finanziellen Probleme aufmerksam. Mit der Vorgabe, nie wieder die Rechte juristisch anzugreifen, willigte DC ein, den beiden Schöpfern jährlich 20.000 (später 30.000) Dollar als eine Art Rente zu zahlen. Mit Ausgabe #302 kehrte in diesem Zusammenhang auch die Nennung der beiden in den Veröffentlichungen zurück.

Siegel fand allerdings auch in den Folgejahren keine längerfristige Arbeit mehr und starb 1996 an einem Herzinfarkt.

Joe Shuster wurde am 10. Juli 1914 in Toronto geboren. Nach dem ersten erfolglosen Prozess gegen DC fand auch er nur noch wenig Beachtung. In den 1960er-Jahren versuchte er sich als Cartoon-Zeichner, litt jedoch unter seiner zunehmenden Blindheit. In den 1970er-Jahren waren Lieferantenjobs sein täglich Brot. 1976 zog er dann – inzwischen fast blind – in ein betreutes Wohnheim in Kalifornien.

Shuster starb 1992 verschuldet in Los Angeles. DC übernahm seine offenen Posten, bestand aber darauf, dass keiner seiner Nachkommen je wieder die Rechte um Superman anfechten würde.

Die Lebensgeschichten der beiden Männer haben definitiv das Zeug für einen Hollywood-Film. Beide machten früh ihre Leidenschaft zum Beruf, landeten einen großen Wurf und wurden damit doch nie glücklich. Zudem zeigte sich an ihnen das Phänomen des One-Hit-Wonders, da sie nie wieder auch nur annähernd an diesen Erfolg anknüpfen konnten – weder kreativ, noch finanziell.

Letztlich war ihr Leben ab Mitte der 1940er-Jahre nur noch dadurch geprägt, ihre Lebensentscheidung zu bedauern, aussichtslose Prozesse zu führen und ihre letzten Jahre durch DC finanziert verbringen zu müssen. Das Leben schreibt eben die traurigsten Geschichten: Während ihre Schöpfung zu einem der größten Helden der popkulturellen Geschichte wurde, geriet das Leben der geistigen Eltern zu einem ausgewachsenen Drama.

Bald geht es weiter mit unseren Krypton-Specials von Björn Sülter rund um Superman und seine ereignisreiche Geschichte im TV, Kino, gedruckt und abseits dieser Medien.

Die neue Serie Krypton und das passende Lesefutter dazu gibt es wie immer nur bei SYFY.


Tags: Krypton   Superman   Smallville   DC   DC Comics