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Nightflyers - George R. R. Martin, der Erschaffer von Tausend Planeten

Er ist für viele Genrefans der Mann hinter Game of Thrones, hat in Wirklichkeit aber selbstverständlich noch viel mehr zu bieten. Eine seiner Geschichten wurde nun durch SYFY in eine spannende, neue Serie gegossen: Nightflyers. Unser Björn Sülter schaut hinter die Fassade des Mannes, der Westeros und andere Welten zum Leben erweckte.

Nightflyers

Präsentiert von: Björn Sülter


Vielen Fans, Lesern und Zuschauern aus dem Bereich der Fantasy ist er insbesondere aufgrund seiner Arbeit an den Buchvorlagen zur inzwischen weltberühmten Serie Game of Thrones bekannt. Er schrieb allerdings schon an zahlreichen Science-Fiction- und Fantasy-Werken, bevor HBO sowie die Showrunner David Benioff und D. B. Weiss seine epische Saga annahmen.

Auch wenn die Serie seit einiger Zeit ohne seine Buchvorlagen weitergeführt wird, sind die Fans weiterhin auf die Romanfortsetzungen der beliebten Reihe gespannt. Und letztendlich können ihm seine Fans die langen Wartezeiten zum Vorwurf machen so oft sie wollen, Kreativität lässt sich selten erzwingen. Wahrscheinlich ist es auch nicht allzu einfach, eine solch komplexe Erzählung und Welt zu einem zufriedenstellenden Ende zu führen, auch wenn der grobe Fahrplan sicher steht. Vielleicht können sich die Fans auch ein wenig damit trösten, dass Martin noch einen reichhaltigen Fundus anderer Werke in petto hat, von denen ein weiteres namens Nightflyers nun adaptiert wurde und dieser Tage als neue Serie startet.  

Reise in die Fantasiewelt

Kommen wir aber zunächst einmal zu George R. R. Martin selbst. Sein voller Name ist George Raymond Martin. Er nahm im Alter von dreizehn Jahren den zusätzlichen Namen Richard an (daher das zweite R.). Martin wurde am 20. September 1948 in New Jersey geboren. Er wuchs in verarmten Verhältnissen auf und träumte immer davon, auf Reisen zu gehen. Eine Ambition, die aus finanziellen Gründen leider nicht mit Aktionen gefüttert werden konnte.

Seine einzige Fluchtmöglichkeit stellte das Lesen von Büchern dar. Schon früh begann er selbst, Geschichten über Monster zu schreiben und sie für ein paar Cent an seine Schulfreunde zu verkaufen. Zu dieser Zeit entdeckte er auch seine Liebe zu Comics. Eine Liebe, die ihn mit vielen anderen Comicfans in Kontakt brachte, und das sogar in Zeiten vor Internet, Fanforen und Social-Media. 

Martin studierte erfolgreich Journalismus und wurde nach seinem Studium fast vom Militär eingezogen sowie nach Vietnam geschickt. Er war allerdings ein Kritiker des Vietnamkriegs und legte Widerspruch gegen den Militärdienst ein. Stattdessen absolvierte er einen gemeinnützigen Freiwilligendienst.

Mitte der 1970er-Jahre ergatterte er dann einen Posten als Journalismus- und Englisch-Dozent an der Clarke-Universität. Allerdings begann er schon Anfang des Jahrzehnts und im Alter von nur 21 Jahren Science-Fiction-Kurzgeschichten an spezielle Genre-Magazine zu verkaufen. Seine erste Geschichte namens The Hero wurde für den prestigeträchtigen Science-Fiction-Preis Hugo Award nominiert. In seinem ersten Roman Die Flamme erlischt (Originaltitel: Dying of the Light)  geht es um einen sterbenden Planeten, der sich auf einem unberechenbaren Kurs ins kalte, dunkle Weltall befindet. Nur drei Bewohner und Freunde können dieses Schicksal verhindern. Der Roman wurde 1977 veröffentlicht, also im selben Jahr, in dem der erste Star-Wars-Film in die Kinos kam. Der Erfolg des George-Lucas-Films half auch der Verlagsindustrie, Science-Fiction-Romane zu pushen – Ein Glücksfall für Martin.

Nightflyers

Das Auf und Ab des Autorengeschäfts

Martin konnte sich anschließend im Genre zunehmend etablieren: Von 1977 bis 1979 wurde er südwestlicher Regionaldirektor der Organisation für Science-Fiction- und Fantasy-Autoren von Amerika (SFWA). Seine Geschichten spielten häufig in einer undefinierten Zukunft. Um einen bestimmten Kritiker Lügen zu strafen, der behauptete, dass die beiden Genres Science- Fiction und Horror niemals zusammenpassen würden, schrieb Martin eine Reihe von Geschichten, die genau das taten. Hierzu gehörte auch seine Novelle Nightflyers im Jahr 1980. Die Erzählung wurde 1987 schon einmal verfilmt. Martin war allerdings aufgrund diverser Kürzungen seiner Geschichte äußerst unzufrieden mit dem Ergebnis. Trotzdem blickt er auch heute noch positiv auf die Erfahrung zurück und glaubt, dass sie letztlich seine Autorenkarriere rettete.

Martins Vampir-Roman Fiebertraum (Originaltitel: Fever Dream) blickte dagegen nicht in die ferne Zukunft, sondern auf den mächtigen Mississippi im 19. Jahrhundert. Hier hatten sich Vampire als übermenschliche Spezies durch einen evolutionären Prozess entwickelt. Der Roman wurde allgemein positiv aufgenommen. Der darauffolgende Horror-Roman namens Armageddon Rock (Originaltitel: The Armageddon Rag), in dem eine Autorin ritualisierte Morde in der Rockszene untersucht, war ein nicht gar so wohlwollendes Schicksal beschieden: Der Roman floppte und verpasste Martins Karriere einen Tiefschlag, von dem er sich fast nicht mehr erholte. Alle Verleger lehnten seinen neuen, niemals fertig gestellten Roman Black and White and Red all over ab.

Neuer Karriereweg als Drehbuchautor

Es folgte ein steiniger Weg, allerdings konnte er durch einen Kontakt mit einem Filmproduzenten, der erfolglos Armageddon Rock adaptieren wollte, einen Autoren-Gig beim Twilight-Zone-Revival ergattern. Ein neuer Karrierezweig als Drehbuchautor tat sich auf. Auch wenn der neuen Twilight-Zone-Serie nur eine kurze Lebenszeit beschert war, fand Martin mehr Arbeit in der Fernsehbranche. So schrieb er Drehbücher für die satirische Horrorserie Max Headroom, die in einer Zukunft spielte, in der TV-Sender die Welt regierten. Bevor seine Drehbücher jedoch umgesetzt werden konnten, setzte der Sender ABC die Serie schon wieder ab. Im Jahr 1989 wurde Martin jedoch für die Serie Die Schöne und das Biest mit Linda Hamilton und Ron Pearlman in den Hauptrollen als Autor und Produzent engagiert. Er schrieb am Ende vierzehn Episoden.

Frustriert vom TV- und Filmbusiness und dessen Limitierungen aufgrund meist kleiner Budgets wandte er sich allerdings darauf wieder dem Romanschreiben zu. Hier musste er sich keine Sorgen um Einschränkungen machen und konnte seiner Fantasie freien Lauf lassen. Ein großes Vorbild seiner Kindheit war immer J. R. R. Tolkien gewesen, der mit seiner Herr-der-Ringe-Trilogie das Fantasy-Genre revolutioniert hatte.

Martin plante seine eigenes Fantasy-Epos. Ihm fehlte jedoch die zündende Idee. Inspiration verschafften ihm jedoch die britischen Rosenkriege (Wars of Roses) zwischen den Adelshäusern York und Lancaster in den Jahren zwischen 1455 bis 1485 sowie die Ivanhoe-Saga. Im Jahr 1996 entstand der erste Roman A Game of Thrones (zu deutsch: Ein Spiel der Throne) und damit ein Erfolg, der bis heute anhält. Der Rest ist Literatur- und Fernsehgeschichte, die mittlerweile die meisten Menschen kennen. 

Nightflyers

Wie „Nightflyers“ Martins Autorenkarriere rettete

Es war jedoch Nightflyers und der Verkauf der TV-Rechte, die Martin überhaupt auf den weiteren Autorenweg führten. Zumindest war es zu dieser Zeit, zu der er darüber nachdachte, das Schreiben an den Nagel zu hängen. Nachdem sein vierter Roman trotz guter Reviews floppte, musste er eine zweite Hypothek auf sein neues Haus aufnehmen und lebte auf Pump über seine Kreditkarten. Er ließ sich zum Immobilienmakler weiterbilden und würde heute wahrscheinlich Häuser in den USA verkaufen, hätte sich damals kein moderater Erfolg eingestellt.

Worum genau geht es aber in Nightflyers und was macht die Geschichte zu einem faszinierendem Teil eines größeren Universums, sodass sich eine erneute TV-Adaption lohnt?

Die Novelle beschreibt neun Akademiker, die sich am Rande des Universums auf eine wissenschaftliche Mission begeben, um eine mysteriöse Alien-Rasse namens Volcryn zu studieren. Eine größeres Mysterium stellt jedoch das Raumschiff namens The Nightflyer dar, auf dem sie unterwegs sind. Es handelt sich um ein technisches Wunderwerk, das sich fast selbstständig steuert. Lediglich Captain Roy Eris ist notwendig, um das Schiff auf Kurs zu halten. Allerdings muss sich Eris von der restlichen Crew abkanzeln und kommuniziert mit den anderen Besatzungsmitgliedern lediglich als Hologramm. Eine Tatsache, welche die Besatzung äußerst misstrauisch macht. Nicht ohne Grund, denn wie der Telepath Thale bald feststellt, scheint doch dem Raumschiff ein böser Geist innezuwohnen. Die einzige Hoffnung auf Rettung für die Crew ist die genetisch weiterentwickelte Außenseiterin Melantha Jhirl, welche den menschlichen Besatzungsmitgliedern haushoch überlegen ist.

Tausend Planeten und was die Serie zu bieten hat

Martins erste Fassung bestand noch aus 23.000 Wörtern und wurde 1980 veröffentlich. Ein Jahr später erweiterte er diese Fassung jedoch auf 30.000 Wörter. Nightflyer ist außerdem eine von vielen Novellen und Kurzgeschichten, die Teil von Martins sogenannte  Thousand Worlds-Universums sind. Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich um Geschichten, die auf tausenden Welten spielen, auf denen versprengte Überreste der Menschheit verweilen, die schon vor langer Zeit von der Erde aus aufgebrochen sind. Das damals daraus entstandene intergalaktische Imperium ist durch diverse Kriege allerdings längst zusammengebrochen. Die meisten von Martins Erzählungen aus den 1970er- und 1980e-Jahrern erzählen davon, wie diese zerfaserten Zivilisationen die Raumfahrt neu etablieren und sich gegenseitig ein weiteres Mal entdecken. Ein spannendes Setting abseits des Game of Thrones-Universums, das sich vor allem für Leseratten lohnt.

Martin war zunächst überrascht, dass eine neue Serie überhaupt zustande kam. Er konnte sich jedenfalls nicht daran erinnern, dass er die Rechte an der Novelle noch einmal verkauft hatte. Aber wie es manchmal so läuft im TV- und Filmgeschäft, wurden die Rechte, die Martin schon 1987 verkauft hatte, weiterverkauft und anschließend noch einmal gekauft. Irgendwann landeten sie beim amerikanischen Sender SYFY. Vieles von dem ursprünglichen Plot wurde für die Serie jedoch geändert und den erzählerischen Eigenheiten angepasst. Ein paar ursprüngliche Figuren, Themen und Motive aus der Novelle sind übrig geblieben. Die Besetzung und Hintergründe haben sich etwas geändert. Martin versichert dennoch: Es handelt sich immer noch um eine Science-Fiction-Horrorserie, die mehr an Alien denn an Star Trek erinnert. Gespannt darf man also sein, ob die Serie noch tiefer in Martins erzählerische Universen vordringen wird, als es andere Adaptionen bisher getan haben. Genügend Raum bietet das Serienformat jedenfalls. In Deutschland hat sich Netflix die Rechte gesichert.

Nightflyers

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

Buchtipp: SYFY präsentiert das umfassendste Sachbuch zu Star Trek in deutscher Sprache

Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch enthält Illustrationen von Ralph Sander (Das Star Trek Universum) sowie Kommentare zu den verschiedenen Serien von Mike Hillenbrand (TREKminds, 40 Jahre Star Trek), Christian Humberg & Bernd Perplies (Star Trek: Prometheus), Lieven L. Litaer (Der kleine Prinz auf Klingonisch) und Ralph Sander (Das Star Trek Universum). Hinzu kommen O-Töne von Thorsten Nobst zur Synchronisation von Star Trek: Discovery und ein Interview mit dem deutschen "Mr. Star Trek" Gerhard Raible (Trekworld Marketing).

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Es lebe Star Trek


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