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Sex sells in Star Trek

Star Trek ist bekannt für große Themen und philosophische Aussagen. Doch wollten alle Serien und Filme nebenbei auch immer mal wieder ein wenig sexy sein und Haut zeigen. Unser Björn Sülter hat sich durch die Abenteuer gegraben und ein paar eindeutige Sex-sells-Momente hervorgeholt. Welche das sind, lest ihr in seiner heutigen Kolumne.

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Kicherfaktor 5, Mr. Sulu

Gene Roddenberry hatte in der Konzeption seiner Serie Star Trek ganz ohne Frage viel riskiert. Er nahm einen satanisch aussehenden Außerirdischen, einen Asiaten, eine farbige Frau und später noch einen Russen mit ins Team und war zudem immer wieder bereit, Tabubrüche wie den Kuss zwischen Kirk und Uhura zu inszenieren. In Sachen Sex war die Serie jedoch absolut ein Kind ihrer Zeit. Kirk durfte zwar unzählige Male den intergalaktischen Playboy geben und Frauen verführen, zu sehen bekam man dabei aber freilich nie etwas. Auch blieb es meist dabei, dass sich die Damen der Schöpfung dekorativ um die Männer scharten und somit zu klischeehaft-schmückendem Beiwerk reduziert wurden.

Somit waren dann auch die Outfits von Kirks Liebschaften und sogar die der weiblichen Crewmitglieder das anstößigste, was man sich erlaubte. Von Uhura über Janice Rand durften alle hier und da mit knappen Röcken und hautengen Oberteilen aufwarten oder auch mal bauchfrei herumlaufen. Gab es etwa eine Gaffkultur auf der Enterprise?

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Eine Einbahnstraße war das Ganze allerdings beileibe nicht: Denn auch die Damen durften oft jubeln: Nämlich immer dann, wenn Kirk, Sulu oder sogar Spock ihre Shirts ablegten um den mehr oder weniger gestählten Oberkörper zu zeigen. Damals waren Szenen wie diese gewagt, heute reicht es immerhin noch für ein retrospektives Kichern.

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Durch und durch Achtziger

Als Star Trek: The Next Generation Ende der 1980er-Jahre die Fernsehschirme enterte, war Mode absolute Glückssache – Wesley Crusher trug Strickpullover und beim Sport waren Radlerhosen angesagt.

Was das Thema Sex Sells anging, blieb man jedoch auch hier züchtig – nur eben angepasst an die fast noch prüdere Zeit. Mal durfte Troi ein Nachthemd tragen, mal mit Crusher die Trainingsanzüge durchschwitzen. Oder der gute Doktor ließ sich im Nachthemd auf einen Geist ein. Die Serie war eine (meist) souveräne Angelegenheit und blieb sich auch in dieser Hinsicht absolut treu.

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Wenn es um die Männerwelt ging, hatten die Damen nicht viel zu lachen. Picard mit Bademantel, Riker im blauen Irgendwas oder ein ganzer Planet voller Hauch-von-Nichts-Träger zeigten: Die Achtziger schlugen auch in der Mode "drunter" mit voller Härte zu. Dann doch lieber Wesleys Strickpullover?

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Quotenrettung durch Catsuit

Als bei Star Trek: Deep Space Nine in der dritten Staffel die Einschaltquoten sanken, holte man ein kleines Raumschiff und einen mürrischen Klingonen an Bord der Station. Die Qualität der Serie stieg weiter, den Quoten half das aber nicht mehr.

Als bei Star Trek: Voyager in der dritten Staffel die Einschaltquoten sanken, stand man vor einer ähnlichen Überlegung. Ein kleines Schiff und eine mürrische Klingonin hatte man schon, daher entschied man sich für eine menschliche Borg, die in der Folgezeit aus hautregenerativen Gründen in einen silberfarbenen, engen Catsuit gezwängt wurde. Ein Schelm, der Böses dabei dachte! Ein Aufreger war das natürlich nicht wirklich, für Star Trek handelte es sich aber schon um einen neuartigen Vorgang, da man erstmals eindeutig auf optische Reize setzte um eine bestimmte Zielgruppe einzufangen.

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Ansonsten gab sich die Serie aber – wie auch Star Trek: Deep Space Nine abseits der Dabo-Girls und Holosuiten – meist zugeknöpft. Chakotay im Box-Outfit war da schon fast das höchste der Gefühle. Die 1990er-Jahre und ihr Zeitgeist spiegelten sich also auch in diesen beiden Inkarnationen eindeutig wieder. Strenger, prüder, erwachsener?

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Der Sex-Trek: Trip, T’Pol, das Gel und die Anderen

Als Rick Berman und Brannon Braga 2001 ihr erstes Prequel Star Trek: Enterprise an den Start brachten, war das Erhöhen des Sex-Faktors ein klarer Punkt auf ihrer Agenda. Schon im Pilotfilm Broken Bow ließ man Trip und T’Pol mit einem regenerativen Gel bei Schummerlicht hantieren.

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Überhaupt trugen die Crewmitglieder gerne mal nur Unterwäsche. Trip lief eine halbe Episode (Acquisition) auf diese Weise durch die Gänge und die gute T’Pol verbrachte ihr Pon Farr ebenfalls nur spärlich bekleidet.

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Übrigens: Eincremen wurde später sogar noch zum Volkssport erklärt und weitete sich auf große Teile der Crew aus (A Night in Sickbay).

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Keine Frage: Star Trek: Enterprise war die Show der Unterwäsche und nackten Haut. Ein letztes Beispiel gefällig? Expliziter war Star Trek nie, auch wenn andere Serien darüber immer noch schmunzeln dürften.  

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Ist das Zeitgeist, oder kann das weg?

Zum Schluss noch ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt der Macher von Star Trek Into Darkness. Dort holte man mit Alice Eve eine attraktive, talentierte Schauspielerin ins Team und hatte nichts besseres zu tun, als sie in einer vollkommen sinnlosen, strunzendummen und unnötigen Szene zu verheizen, die Kirk zudem wie einen postpubertären Deppen aussehen ließ. Sogar Autor Damon Lindelof entschuldigte sich später. Er hatte wohl kurzzeitig nicht mit dem Kopf gedacht.

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Pullover!

Gegen sexy Outfits ist weder in Serien noch in Filmen oder eben in Star Trek irgendetwas einzuwenden. Einen Sinn im Rahmen der Story sollten sie aber schon erfüllen dürfen. Wenn man sich jedoch einige Modesünden der Freizügigkeit aus den letzten fünf Jahrzehnten Trekkietum anschaut, kann man sich am Ende des Tages – und dieser Kolumne – aber doch wieder am berüchtigten Strickpullover des Wesley Crusher erfreuen, oder?

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Conclusio

Bei keinem anderen popkulturellen Phänomen ist der Gedanke der Meinungsvielfalt so ausgeprägt wie in Star Trek. Sie steht dort sozusagen in der DNA. Daher bildet diese Kolumne selbstverständlich nur eine vollkommen subjektive Meinung ab. Der wichtigere Teil folgt immer im Anschluss: Was denkt ihr? Lasst die Diskussion beginnen und preist die Meinungsvielfalt - denn das ist Star Trek!

Buchtipp: SYFY präsentiert das umfassendste Sachbuch zu Star Trek in deutscher Sprache

Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch enthält Illustrationen von Ralph Sander (Das Star Trek Universum) sowie Kommentare zu den verschiedenen Serien von Mike Hillenbrand (TREKminds, 40 Jahre Star Trek), Christian Humberg & Bernd Perplies (Star Trek: Prometheus), Lieven L. Litaer (Der kleine Prinz auf Klingonisch) und Ralph Sander (Das Star Trek Universum). Hinzu kommen O-Töne von Thorsten Nobst zur Synchronisation von Star Trek: Discovery und ein Interview mit dem deutschen "Mr. Star Trek" Gerhard Raible (Trekworld Marketing).

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Es lebe Star Trek

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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