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SOLO: Versenkt Disney ihre Gelddruckmaschine?

Nachdem ROGUE ONE alle Erwartungen übertroffen hatte, startete jüngst der zweite Anthologie-Film aus der weit, weit entfernten Galaxis. Doch scheint es, dass SOLO zu einem mittelschweren Desaster für Disney wird. Wo liegen die Gründe? Ist der Film einfach schlecht? Der Zeitpunkt falsch? Oder der Markt übersättigt? Björn Sülter hat sich das Thema vorgenommen.

Solo: A Star Wars Story

Präsentiert von: Björn Sülter


Solo: A Star Wars Story ist nun bereits seit über drei Wochen auf dem Markt. Ein Fazit konnte man jedoch schon direkt nach dem Eröffnungswochenende anstimmen: Die Macht ist nicht stark in diesem Film.

So fiel das Einspielergebnis direkt enttäuschend aus. Zum Vergleich: 247 Millionen Dollar hatte Star Wars VII: The Force Awakens zum Start eingespielt, Rogue One: A Star Wars Story waren 155 Millionen gelungen und Star Wars VIII: The Last Jedi auf 220 Millionen Dollar gekommen. Der zweite Film der Anthologie-Reihe landete nun bei schmalen 84 Millionen US-Dollar im Heimatland (wenn man das erweiterte Memorial-Day-Wochenende außen vor lässt). Und auch nach drei Wochen ist die Ernüchterung nicht gewichen. Der Film, der dem Vernehmen nach fast 300 Millionen Dollar gekostet hat, konnte bisher nicht einmal die 200-Millionen-Dollar-Marke in den USA reißen. Weltweit stehen aktuell rund 340 Millionen zu Buche. Behält man im Auge, dass Filme gerne das zwei- bis dreifache ihrer reinen Produktionskosten einspielen dürfen, um lukrativ zu sein, wird wohl erstmals ein Film aus dem Star-Wars-Universum diese Hürde nicht nehmen können.

Was war passiert?

Am generellen Hype kann es eigentlich nicht gelegen haben. Der siebte Film aus der weit, weit entfernten Galaxis spielte 2016 über zwei Milliarden Dollar ein. Der erste Anthologie-Film überschritt immerhin die 1-Milliarde-Marke und der achte Teil kam wieder auf nahezu 1,4 Milliarden. Einziger Unterschied: Alle drei Vorgänger erschienen kurz vor dem Jahreswechsel. Diesmal entschied man sich, den Film als Sommerblockbuster zu bringen, nur ein halbes Jahr nach Episode VIII – und fiel damit auf die Nase.

Zwischen Avengers: Infinity War (bereits über 2 Milliarden weltweites Einspielergebnis), dem deutlich früher gestarteten Black Panther (1,3 Milliarden), Deadpool 2 (rund 700 Millionen) oder auch Ocean’s 8 und Incredibles 2 wurden die Jugendjahre des Han Solo regelrecht zermalmt. Letztlich buhlten einfach zu viele Filme um die gleiche Zielgruppe. Das Star-Wars-Vehikel war da offenbar nicht die attraktivste Wahl. Vielleicht hätte man doch nicht so experimentierfreudig (oder gierig) sein, und bei dem jährlichen Veröffentlichungsrhythmus bleiben sollen?

Oder lag es gar an der Qualität? Den Trailer dürfte keine Schuld treffen. Dieser zeigte gute Sprüche und knackige Action. Auch die meisten Vorabbesprechungen des Filmes waren eher positiv überrascht, was man trotz des Produktionschaos noch auf die Beine gestellt hatte. Auch, dass die diversen Turbulenzen dem Film geschadet hatten, ist eher unwahrscheinlich. Filmfreunde lassen sich nur selten durch Medienberichte über Scharmützel im Hintergrund vom Kinobesuch abhalten. Die Neugierde siegt – gerade bei etwas wie Star Wars.

Viel wahrscheinlicher ist, dass der Film den Zorn der Fans über die in den Augen einiger Anhänger misslungene Episode VIII abbekommen hat. Der überlange, unfokussierte und stellenweise nicht überzeugende Film von Rian Johnson hatte teilweise kalt gelassen. Kurz daraus erneut ein Produkt aus dem Hause Disney zu konsumieren, war dann offenbar keine Option. So traf den unterhaltsameren Film unter Umständen die Franchise-Müdigkeit oder der Franchise-Frust, den der Vorgänger ausgelöst hatte. Die alles entscheidende Frage wird nun sein: Gilt dieser Umstand kurz- oder langfristig? Da Episode IX erst Weihnachten 2019 in die Kinos kommen wird und nächsten Sommer kein Anthologie-Film geplant ist (sondern erst im Jahr 2020), dürfte das Ende der dritten Trilogie gute Chance besitzen, wieder aus dem aktuellen Loch herauszuklettern, dass der Weltraumcowboy gegraben hat. Die Neugierde wird siegen und der Frust verrauchen.

Doch gäbe es dann immer noch die besagte Gier. Es ist nicht verwerflich, dass Disney das neue Prunkstück melken möchte. Solange dabei starke Filme oder Serien herauskommen, ist es für die Fans genaugenommen ebenfalls ein Win-Win-Szenario. Allerdings muss man sich schon fragen, wo der Fanservice und ein angemessener Output endet und der Overkill beginnt. Mit der neuen Trilogie hatte man generell nichts falsch gemacht. Auch die Kombination von neuen Geschichten einige Jahrzehnte in der Zukunft mit alten Helden, die je einen der drei Filme prominent geprägt hätten (wäre Carrie Fisher nicht so plötzlich verstorben), war ein guter Schachzug. Dass der Hype des ersten Films nicht komplett zu halten war, ist logisch. Auch die Tatsache, dass J. J. Abrams mit Episode VII sehr freimütig Episode IV kopierte, dürfte eine Rolle gespielt haben. Bei einem Einspielergebnis jenseits der Milliarde konnte Disney das aber verschmerzen.

Was die Anthologie-Filme betrifft, wurde dem Konzern schon eher Output-Wucher vorgeworfen. Dennoch war die zugrundeliegende Idee, verschiedene Ecken des Universums auszuloten, keine schlechte. Auch der Fokus auf eine Vorgeschichte zum beliebten Auftakt der Originaltrilogie stellte sich eindeutig als Treffer heraus. Was konnte da bei Han Solo, dem Kindheitshelden so vieler Fans, noch schiefgehen? Dich manchmal ist Kalkül eben nicht alles. Ob ein Boba-Fett-Film da wirklich mehr erreichen kann? Es wird sicher spannend zu sehen, ob Disney dem beliebten Kopfgeldjäger wie Kollege Solo die Badehose anzieht um ihn im Sommer samt seines schweren Blechmantels zu versenken oder ob man ihm doch lieber Schlittschuhe für ein paar Pirouetten um die Weihnachtszeit spendiert.

Ganz sicher war es auch nicht wirklich clever, direkt locker, flockig und selbstbewusst die nächste Trilogie von Rian Johnson sowie Filme von den Game-of-Thrones-Machern David Benioff und D. B. Weiss und eine Real-Fernsehserie anzukündigen. Liebe Marketing-Abteilung, nur weil das beim Marvel Cinematic Universe funktioniert, ist das noch lange keine Garantie. Die Macher bei Disney sind hier definitiv zu wahl- und maßlos vorgegangen. Appetit schürt man nicht, indem man den Leuten sagt, dass auf Jahre alles in jeder erdenklichen Variante verfügbar sein wird. Wie sagte es Bill Murray als TV-Produzent Frank Cross in Die Geister, die ich rief noch so treffend? Die Zuschauer müssen Angst haben, es zu verpassen! Das ist Disney mit ihrer All-you-can-eat-Taktik sicher nicht gelungen. Wenn sie nicht aufpassen, ist es irgendwann sogar egal, ob die Filme an Weihnachten kommen – oder im Sommer.

Möge die Weitsicht mit ihnen sein.

 

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

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