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Star Trek Cinematic Universe – Spinnerei oder echte Chance?

Mit der Bekanntgabe, dass sich aktuell gleich zwei neue Kinofilme in der Pipeline befinden würden, hat Paramount wilden Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Doch wie realistisch ist ein reichhaltiges Kinouniversum á la Marvel für Star Trek überhaupt? Unser Experte Björn Sülter hat sich darüber so seine Gedanken gemacht.

Präsentiert von: Björn Sülter


Es ist schon ein kleiner Paukenschlag, für den der aktuelle CEO von Paramount Pictures da gesorgt hat. Jim Gianopulos gab vergangene Woche in Las Vegas bekannt, dass man für Star Trek offenbar gleich mit mehreren, konkreter mit aktuell zwei weiteren Filmen planen würde.

Der erste bekam mit S. J. Clarkson direkt noch eine Regisseurin mit Marvel-Erfahrung an die Seite gestellt und dürfte sich auf das Drehbuch von J. D. Payne und Patrick McKay beziehen, mit dem man 2016 bereits an die Öffentlichkeit gegangen war. In diesem soll Thor-Schauspieler Chris Hemsworth in der Rolle des George Kirk aus Star Trek von 2009 zurückkehren. Ob man die erneute Einbeziehung des verstorbenen Vaters des Captains der USS Enterprise via Zeitreise oder anderweitig lösen möchte, ist bisher unbekannt. Da auch der vierte Kinofilm der Originalreihe eine Zeitreise-Thematik aufwies (Star Trek IV: The Voyage Home), könnte sich hier aber erneut eine interessante Parallele zwischen den beiden Zeitlinien ergeben.

Über den zweiten geplanten Film machte Gianopulos noch keine Angaben, es gilt aber als sicher, dass der Vorstoß von Quentin Tarantino das richtig heiße Eisen im Feuer ist. Bei diesem wurde mit Mark L. Smith sogar schon ein Drehbuchautor angeheuert, der die Idee des bekennenden Trekkies Tarantino unter der Führung von Produzent J. J. Abrams umsetzen soll.

Inhaltlich ist noch nichts zu vernehmen gewesen. Wenn man jedoch weiß, dass Tarantino immer sehr für die Episode „Yesterday’s Enterprise“ aus Star Trek: The Next Generation geschwärmt hatte, kann man eine gewisse Ahnung entwickeln, wohin die Reise geht. Ein Treffen verschiedener Charaktere aus dem reichhaltigen Fundus des Trek-Kanons vielleicht? Eine Rückkehr von Captain Picard? Eine Rolle für William Shatner als Original-Kirk? Eine düstere Zukunftsvision? Vieles ist möglich.

Es gilt zumindest als sicher, dass der von Tarantino erdachte Film nichts mit der Reboot-Reihe um die Classic-Besetzung zu tun haben dürfte.

Dieser Umstand bringt uns dann auch gleich zu einem weiteren spannenden Thema.

Sagt Trek nun Wars und Marvel den Kampf an?

Ganz so martialisch muss man es nicht sehen, schließlich ist die Kino-Fanbase von Star Trek schon immer deutlich kleiner gewesen, als die von den Konkurrenzprodukten Star Wars und den Filmen aus dem Marvel Cinematic Universe. Dennoch könnten die Entscheidungsträger bei Paramount durch die beiden anderen Reihen immerhin auf die Idee gekommen sein, auch ihr eigenes Produkt nicht mehr ausschließlich so linear zu erzählen, wie seit 1979 geschehen. Dort hatte man zunächst sechs Filme um die Originalbesetzung mit William Shatner, Leonard Nimoy und DeForest Kelley gestrickt. Inklusive der Staffelübergabe in Star Trek: Generations waren dann vier Ausflüge mit Patrick Stewart, Brent Spiner und Jonathan Frakes gefolgt. Seit 2009 nun dürfen Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Zoe Saldana und Co in bisher drei Filmen des Reboots der Originalreihe ihre Abenteuer erleben.

Auch Star Wars war lange diesem Muster gefolgt. Von 1977 an hatte es eine erste Trilogie gegeben, ab 1999 eine zweite und seit 2015 eine dritte. Doch war man angefixt durch den Erfolg der Marvel-Reihe und von Star Wars: The Force Awakens schließlich mutiger geworden und hat nicht nur mit Rogue One und Solo bereits zwei Anthologie-Filme präsentiert, sondern auch gleich noch einen dritten und sogar eine vierte Trilogie angekündigt. Von der ersten Live-Action-Serie fürs TV ganz zu schweigen.

Bei Marvel hatte man 2008 ebenfalls noch eher verschüchtert begonnen – niemand konnte bei der Veröffentlichung von Iron Man wissen, wo das von Kevin Feige initiierte Filmuniversum zehn Jahre später stehen würde. Abspannszene hin oder her: Der Mann hatte sicher eine Vision, Gewissheit gab es jedoch damals wie heute nicht. Aktuell ist das Marvel Cinematic Universe allerdings Inbegriff des Hollywood-Gigantismus mit unzähligen Einzel- und Ensemblefilmen sowie begleitenden TV-Serien geworden.

Nun hatten wir es aber bereits erwähnt: Star Trek besaß nie die Anziehungskraft der anderen beiden Player. Bedenkt man, dass der erfolgreichste Film aus der Trek-Reihe Star Trek Into Darkness hieß und weltweit 467 Millionen US-Dollar einspielte, setzen die von Avengers: Infinity War nur am Startwochenende erreichten 641 Millionen US-Dollar diese Zahl in einen mehr als aussagekräftigen Kontext. Doch hat man dort diese Art von Ergebnissen natürlich auch erst aufbauen müssen. Iron Man konnte zwar 2008 mit 585 Millionen gut vorlegen, The Incredible Hulk hatte mit 263 Millionen jedoch enttäuscht. Iron Man 2 erreichte dann 624 Millionen, Thor hingegen wieder nur schlankere 449 Millionen. Auch Captain America: The First Avenger geriet mit 371 Millionen nicht zum Über-Hit. Mit 1,5 Milliarden war es dann jedoch 2012 an The Avengers, das erste riesige Ausrufezeichen zu setzen. Damit endete auch die sogenannte Phase 1 des Marvel Cinematic Universe.

Seitdem kann man problemlos planen. In Phase 2 landeten zwischen 2013 und 2015 zwei von sechs Filmen über der Milliardengrenze, Ant-Man war mit 519 Millionen Dollar der finanziell gesehen bescheidenste Eintrag. In Phase 3 kamen seit 2016 bereits sieben Filme auf den Markt, drei werden bis Mai 2019 noch folgen. Erneut brachen schon drei Einträge durch die Milliardengrenze, Doctor Strange musste sich in der Talsohle mit 667 Millionen begnügen. Man sieht: Goldgrube ist noch untertrieben.

Star Trek ist von solchen Zahlen selbstverständlich weiter entfernt als die gute alte Erde vom Deltaquadranten. Oder müsste es eher heißen: Noch?

Wo ist der richtige Hebel?

Keine Sorge: Wir wollen die Kirche im Dorf lassen. Selbst die größten Optimisten werden nicht so einfach glauben, dass Star-Trek-Filme in ein paar Jahren die Milliardengrenze beim Einspielergebnis brechen können. Doch spinnen wir einfach mal rum. Der vierte Rebootfilm kommt 2020 auf den Markt und hält oder steigert den Level der Vorgänger in Sachen Einspielergebnis – besonders natürlich auch wegen der Einbeziehung des beliebten Chris Hemsworth. Darauf folgt 2021 ein massiv beworbener Tarantino-Trek, der das Franchise in den Fokus anderer Zielgruppen bringt. Plötzlich hat Paramount also bewiesen, dass Star Trek durchaus auch eine Anziehungskraft außerhalb der Blase besitzt und nicht zwingend auf einer vorgegebenen Besatzung oder Serie fußen muss.

An dieser Stelle würden die Verantwortlichen nun eine paradiesische Situation erhalten. Man könnte nicht nur Figuren und Darsteller aus sechs Serien, über 700 Fernsehepisoden und fünfzehn Filmen verwenden, sondern auch einfach alle neu besetzen, rebooten und mischen – oder gänzlich Neues dazu erfinden. Für die Fans könnten sich dadurch Eventfilme aus allen Ecken des Trek-Kanon ergeben – und auch Ensemblefilme wie bei den Avengers wären selbstverständlich nicht ausgeschlossen. Kombiniert mit gewieften Marketingstrategien und neuster Effekttechnik gäbe es doch eigentlich keinen Grund, warum diese Filme kein großes Mainstreampublikum finden könnten, oder?

Doch ist das realistisch? Meine Vermutung ist, dass die Würdenträger bei Paramount sich definitiv nicht gegen diesen Weg sperren würden. Warum sollten sie auch? Mit dem Ansatz, mehrere Filme zu produzieren, geht man erstmals einen neuen Weg. Mit der Öffnung für einen kreativen Kopf wie Quentin Tarantino setzt man ein Zeichen, dass Star Trek bereit ist, in eine gänzlich neue Phase einzutreten. Star Trek 3.0? Vielleicht.

Und wenn alles nicht ganz so gut hinhauen sollte, oder andere Überlegungen ein großangelegtes Universum verhindern, bleibt den Fans immer noch die Hoffnung auf fortlaufende Abenteuer im kleineren Rahmen. Das hat uns bisher ja auch oft Freude gemacht.

Nur der Himmel ist die Grenze – lasst uns gemeinsam abwarten, was da draußen auf uns wartet. Spannend bleibt es in jedem Fall.

 

Der Autor, Journalist, Moderator & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Publikationen wie Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er zum Beispiel für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

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Björns Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

 


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