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Star Trek: Discovery – Das neue Leben des Captain Christopher Pike

Mit dem Cliffhanger der Debütstaffel von Star Trek: Discovery war klar, dass man einen neuen Schauspieler für die Rolle des Captain Pike benötigen würde. Mit Anson Mount wurde dieser nun gefunden. Unser Star-Trek-Experte Björn Sülter stellt alle Darsteller der Figur vor und wagt einen Ausblick auf die Zukunft.

Anson Mount

Präsentiert von: Björn Sülter


Als die Originalserie aus dem Star-Trek-Universum noch kein grünes Licht für eine erste Staffel erhalten hatte, hieß der Captain an Bord der USS Enterprise nicht James T. Kirk, sondern Christopher Pike. Es war das erste Mal, dass dieser Name im Kanon der reichhaltigen und inzwischen 52 Jahre umspannenden Reihe auftauchte. Da man die Figur für den späteren Start der Serie jedoch strich und einen anderen Captain präsentierte, war die Rückkehr Pikes nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Wenn da nicht kurz darauf eine Doppelfolge, Jahrzehnte später ein Kino-Reboot und jüngst eine neue Prequel-Serie gewesen wären, die sich genau diese Figur wieder zu Nutze machen wollten…

Jeffrey Hunter: Schöngeist und Philosoph

Hunter, der eigentlich Henry Herman McKinnies, Jr hieß, wurde 1926 in New Orleans geboren. Bereits als Teenager spielte er Theater, fand jedoch erst nach seiner Zeit bei der Navy zurück zur Materie und absolvierte eine Ausbildung an der Northwestern University in Chicago. 1950 erhielt er einen Zweijahresvertrag mit 20th Century Fox, was auch den Beginn seiner Hollywoodkarriere bedeutete.

Pike

Am bekanntesten ist Hunter für die Rolle des Martin Pawley in Der Schwarze Falke an der Seite von John Wayne und unter der Regie von John Ford sowie für seinen Auftritt als Jesus Christus in König der Könige. Diese beiden Filme aus den Jahren 1956 und 1961 markierten jedoch auch die einzigen großen Höhepunkte seiner Karriere. Nachdem Star Trek mit einem neuen Piloten in Serie gehen sollte, lehnte Hunter eine Fortführung der Rolle ab. Er wollte nicht einmal für einen Gastauftritt zurückkehren, um die Lücke zwischen „The Cage“ und der Serie zu schließen. So verwendete man letztlich viele seiner Szenen für die Doppelfolge „The Menagerie“ während der ersten Staffel und ermöglichte auf diese Weise immerhin noch ein wenig Backstory zum Vorgänger des Captains James T. Kirk.

Nach Star Trek hatte Hunter mit seinen Rollen kein großes Glück mehr. Auch verletzte er sich bei Dreharbeiten zunächst im Gesicht und später bei Kampfsportübungen am Hinterkopf. Ein folgenschwerer Zwischenfall. Nach Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen auf dem Rückflug in die USA galt er zwar zunächst als gesund, kurz nachdem er jedoch seinen Vertrag für den Film Desperados unterzeichnet hatte, erlitt er eine Hirnblutung. Hunter erlangte nie wieder das Bewusstsein und verstarb einen Tag später mit nur 42 Jahren während der Operation an den Folgen seines Schädelbruchs.

Er war während der Dreharbeiten zu Star Trek 37 Jahre alt gewesen. Seinen Captain Pike hatte er gemeinsam mit den Autoren als ruhigen und nachdenklichen Schöngeist und Familienmenschen angelegt. Sein Captain überlegte gar, sich aus dem aktiven Dienst zurückzuziehen, da er es scheute, Offiziere weiterhin auf gefährliche Missionen zu schicken und er lieber ein kleines Geschäft führen und sich um seine Familie und zwei Pferde kümmern wollte. Dazu passte auch sein von Empathie geprägter Umgang mit Vina und den Talosianern.

Dennoch wurde die Figur auch als prinzipientreu, mutig und tatkräftig skizziert. Jeffrey Hunter gelang in allen Facetten eine überzeugende Darstellung, von der man gerne mehr gesehen hätte. Für die Szenen in „The Menagerie“, die ihn entstellt und im Rollstuhl zeigten, ließ man Sean Kenney die Rolle spielen. Dieser hat übrigens auch zweimal in als Lieutenant DePaul in der Serie mitgewirkt.  

Pike

Bruce Greenwood: Fels in der Brandung der jungen Meute

Das Reboot der Kinoreihe durch J. J. Abrams stellte im Jahr 2009 einen durchaus spannenden Cast zusammen. Mit Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Simon Pegg, Zoe Saldana, dem verstorbenen Anton Yelchin und John Cho brachte man eine coole, neue Besetzung an den Start, die gerade im Vergleich zu den bisherigen Trek-Kinoabenteuern vor allem eines war: Jung und hip.

Umso wichtiger waren also die Gegengewichte. Da war zum einen natürlich Leonard Nimoy, der seine ikonische Rolle des Spock per Zeitreise wieder aufnahm und einen gar nicht so kleinen Anteil an der Handlung erhielt.

Zusätzlich jedoch entschied man noch, einen Mentor für den ungestümen Kirk in den Mix zu bringen und kam sinnigerweise auf eben genau den Mann, der das Kommando über die USS Enterprise im eigentlichen Trek-Kanon an Captain Kirk übergeben hatte – Captain Christopher Pike, den zweiten Captain des Schiffes nach Captain Robert April.

Nun handelt es sich beim Reboot wie die meisten Fans wissen natürlich um eine neue Zeitlinie, die durch die Zeitreise des Romulaners Nero und die Zerstörung der USS Kelvin ihren Anfang nahm – rund ein Vierteljahrhundert später Pike auf dem Kommandosessel zu zeigen, war also nicht zwingend notwendig, machte für die Bemühungen, auch die alten Fans an Bord zu bekommen, aber Sinn.

In Sachen Casting entschied man sich für Bruce Greenwood. Der Kanadier wurde 1956 in Quebec geboren, verlebte große Teile seiner Jugend jedoch in der Schweiz, da er ein exzellenter Skiläufer war. Durch eine Verletzung, die Leistungssport unmöglich machte, kam er über den Umweg eines Studiums jedoch zur Schauspielerei. 1979 gab es sein Debüt und wurde in der Folgezeit immer wieder primär für Nebenrollen (wie beispielsweise in Rambo, Capote, I, Robot oder Super8) besetzt. In Thirteen Days spielte er außerdem John F. Kennedy und in Der Traum der Beach Boys den Dennis Wilson. Im TV ist er aus Nowhere Man, Unter der Sonne Kaliforniens oder Chefarzt Dr. Westphall bekannt.

Pike

Als J. J. Abrams ihn für die Rolle als Pike im Trek-Reboot besetzte, war Greenwood bereits über 50 Jahre alt und somit deutlich älter als Jeffrey Hunter.

Er erinnerte dennoch in vielen Momenten an seinen Vorgänger, seine Darstellung wurde jedoch deutlicher als zuvor von einer Anpackmentalität geprägt, auch wenn er für den jungen James T. Kirk zusätzlich noch eine wunderbare Vaterfigur abgab. Greenwood ließ auch mehr Wärme, Herzlichkeit und Humor einfließen, Hunter hatte im Vergleich distanzierter und grüblerischer gewirkt.

Anson Mount: Das Raubein aus dem Wilden Westen  

Viele Fans hätte vermutlich kein Problem damit gehabt, wenn die Verantwortlichen Greenwood auch für Star Trek: Discovery verpflichtet hätten. Da man jedoch schon bei den Rollen von Sarek und Amanda neu besetzt hatte, war diese Option von Anfang an unwahrscheinlich gewesen.

Man entschied sich nun für Anson Mount, den viele vermutlich durch seine Darstellung des Cullen Bohannon in Hell on Wheels kennen. Dazu hatte er immer wieder Gastauftritte im TV, zuletzt durfte er den Black Bolt in Marvel’s Inhumans spielen – einer Serie, die aufgrund schlechter Kritiken und Einschaltquoten vermutlich keine Zukunft haben wird.

Im Kino konnte man Mount in verschiedenen kleineren Filmen sehen, für das Britney-Spears-Vehikel Not a Girl - Crossroads war er gemeinsam mit Spears für die Goldene Himbeere nominiert. Zu seinen bekannteren Werken gehören Düstere Legenden 2, All the Boys love Mandy Lane und Non-Stop.

Geboren wurde er 1973 in Tennessee als Sohn einer Profi-Golfspielerin und eines Playboy-Redakteurs. Neben der Schauspielerei modelt Mount. Er ist in seiner Darstellung nicht gerade für eine große Palette an Emotionen bekannt, in Hell on Wheels versteckte er sich rund 80 Prozent der Zeit hinter einem ausufernden Vollbart und gab den harten Mann. Mount wird bei Start der Dreharbeiten zu Star Trek: Discovery Mitte vierzig sein und sich somit altersmäßig genau zwischen Hunter und Greenwood einreihen.

Anson Mount

Mit ihm holen die Produzenten einen Darsteller an Bord, der eher die harte, denn die herzliche Schiene bedienen dürfte. Als Führungsfigur und Captain ist die Wahl exzellent, in welchem Maße man darüber hinaus aber auch Humor und Zwischenmenschliches in die Figurenzeichnung integrieren kann, wird auch von Mount abhängen. Der natürliche Charme des Bruce Greenwood fehlt ihm in jedem Fall. Dafür bringt er aber auch etwas Unnahbares, Unberechenbares und Geheimnisvolles mit, was fraglos für Spannung sorgen könnte. Es wird interessant zu sehen sein, wo die Autoren mit der Figur hinwollen, ob sie sich an den Vorbildern orientieren, oder uns mit einem gänzlich neuen Captain Pike überraschen werden.  

Spätestens Anfang 2019 sollten wir mehr wissen, wenn die Crew der USS Discovery im Rahmen der zweiten Staffel auf die Kollegen von der USS Enterprise treffen wird.

 

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Björn ist auch Experte für Star Trek. Viele Gedanken zum Thema, seine ganz persönliche Geschichte mit dem Franchise und Hintergrundinformation zu über 50 Jahren findet ihr ab Sommer in seinem Buch „Es lebe Star Trek“, das von SYFY präsentiert und im Verlag In Farbe und Bunt erscheinen wird. Das Buch ist bereits bei Amazon vorbestellbar.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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