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Star Trek: Enterprise - Das letzte, beste Jahr und Ende einer Legende

Mit dem vierten Jahr von Star Trek: Enterprise, das heute bei SYFY startet, wurde die Serie rund um Captain Archer endlich das, was die Fans wollten: Ein echtes Prequel! Zum heutigen Start der Staffel wirft unser Trek-Experte Björn Sülter einen Blick auf die Beweggründe, die Qualität und das Ende des klassischen Star Trek.

Präsentiert von: Björn Sülter


Am heutigen Mittwochabend beginnt auf SYFY etwas, das mit zum Besten gehört, was das langlebige Trek-Franchise in 52 Jahren hervorgebracht hat: Die vierte und letzte Staffel von Star Trek: Enterprise. Doch handelte es sich dabei auch um das Ende des klassischen Star Trek im TV. Warum das so war schauen wir uns heute einmal gemeinsam an.

Brannon & Rick dürfen nicht wie sie wollen

2001 waren die Macher Rick Berman und Brannon Braga mit einem Vorschlag bei UPN und Paramount abgeblitzt, der für die Fans durchaus seinen Reiz gehabt hätte. Sie wollten auf bedächtige Art und Weise zeigen, wie die erste Mission einer Crew von der Erde vorbereitet wird und erst nach einer Weile den Start der NX-01 zeigen.

Insbesondere der Sender wünschte sich aber einen direkten Start ins Abenteuer. Außerdem erhörte Tech-Fan Braga den Wunsch nach einer futuristischen Storyline und ergänzte den Temporal Cold War. Gestorben war das Prequel und geboren eine Serie, die drei Jahre Spaß machte, aber nie wusste, was sie sein wollte oder durfte.

Hatte man sich zunächst zwei Jahre stoisch durch Einzelabenteuer gepflügt und dabei mehr als einmal altbekannte Stoffe wiederholt, geriet das dritte Jahr unter dem Druck der einbrechenden Quoten zu einem spannenden, düsteren und militärisch geprägten Story-Arc, der viele der Ideale in Frage stellte, die Roddenberrys Trek geprägt hatten.

Gestartet war die Serie mit 12,5 Millionen Zuschauern in den USA. Eine späte Episode des ersten Jahres hatte jedoch nur noch 4,5 Millionen Fans angezogen, zuletzt landete man auf 5,3 Millionen. Das zweite Jahr begann nochmal etwas stärker, sackte zuletzt aber auf nur noch unter vier Millionen ab. Das Anziehen der Spannungsschraube im dritten Jahr stoppte zumindest den freien Fall. Dennoch hatte die Serie sich endgültig im Nirvana unter vier Millionen eingependelt.

Dies war der Moment, wo Rick Berman und Brannon Braga die Zügel aus der Hand gaben und Platz machten für etwas, das niemand mehr erwartet hatte: Die Geburt eines Prequels!

Manny, übernehmen Sie!

Manny Coto, der im dritten Jahr der Serie als Autor an Bord gekommen war, durfte das Ruder übernehmen und fortan den Posten des Showrunners besetzen. Für Braga, der diese Verantwortung vorher drei Jahre innegehabt hatte, war indes längst klar: Sein Nachfolger würde nur noch eine Staffel zur Verfügung haben. Das Schicksal der Serie war kaum mehr abzuwenden.

Cotos Plan war hingegen eindeutig: Er wollte die Serie zu dem machen, was sie von Beginn an hätte sein sollen: Eine Vorgeschichte des bekannten Kanon. Die Rechnung hatte er jedoch zunächst ohne seine Bosse gemacht. Berman und Braga legten ihm mit dem Alien Space Nazi in der Episode Zero Hour (Stunde Null) nämlich noch ein dickes Ei ins Nest, das Coto in seinem Zweiteiler Storm Front (Sturmfront), der heute Abend die vierte Staffel auf SYFY eröffnet, ungelenk und wenig begeisternd aus dem Weg räumen musste.

Danach legte er allerdings los. Zunächst brachte er die Crew nach der schwierigen Mission in der Ausdehnung angemessen nach Hause und ließ alle Beteiligten durchatmen (Home/Zuhause).

Während der Vulkanier-Dreiteiler (The Forge/Der Anschlag, Awakening/Zeit des Erwachens und Kir'Shara) zu den Höhepunkten der Trek-Geschichte gehört, enttäuschten auch die Mehrteiler rund um Arik Soong und seine Augments (Borderland, Cold Station 12 und The Augments/Die Augments) sowie um die Andorianer und Tellariten (Babel One/Babel, United/Vereinigt und The Aenar/Die Aenar) nicht. Mit dem Abstecher ins Spiegeluniversum (In a Mirror, Darkly/Die dunkle Seite des Spiegels) lieferte Coto gegen Ende der Staffel sogar noch wunderbare Fan-Momente, erklärte die Widersprüche im Erscheinungsbild der Klingonen (Affliction/Die Heimsuchung und Divergence/Die Abweichung) und holte im abschließenden Zweiteiler (Demons/Dämonen und Terra Prime) nochmal die wirklich wichtigen Themen der Serie zurück.

Dazu gesellten sich aber naturgemäß auch ein paar Fehlschläge. Man denke hierbei an die unsägliche Orioner-Episode Bound (Die Verbindung) oder die schnarchige Geschichte über den Erfinder des Transporters (Daedalus). Alle Ideen atmeten jedoch den Prequel-Gedanken und versöhnten viele Fans mit der Serie.

Nicht unterschlagen werden darf, dass Rick Berman und Brannon Braga ganz am Ende des vierten Jahres noch ein zweites dickes Ei für Coto und die Fans parat hatten. Bereits im dritten Jahr war in ihren Köpfen das Drehbuch zu einer Episode entstanden, die das klassische Star Trek im TV nach fast zwanzig Jahren würdig und feierlich beenden sollte. Brannon Braga betrachtete die Idee damals sogar als eine Art Geschenk an die Fans. Als die Serie für das vierte Jahr verlängert wurde, sparte man sie jedoch auf und setzte sie nun ans Ende des wirklich letzten Jahres.

These are the Voyages... (Dies sind die Abenteuer) wurde dann auch ohne Frage die Zusammenführung zweier Generationen. Commander William T. Riker suchte bei einer schwierigen Entscheidung auf dem Holodeck Rat und verfolgte dazu den berühmten Flug der NX-01 zur Unterzeichnung der Charta zur Gründung der Föderation. An die Seite von Jonathan Frakes stellte man noch Marina Sirtis als Counselor Troi und ließ Brent Spiner als Data einen Satz einsprechen. Dazu wurden Kulissen der Enterprise D nachgebaut. Alles hätte so schön sein können, wenn die Episode nicht vollkommen vergessen hätte, dass sie eigentlich primär das Finale von Star Trek: Enterprise sein sollte. Die Crew um Archer kam allerdings viel zu kurz und blieb in der Simulation blass. Nimmt man die Episode indes nur als Nachschlag und wertet den Zweiteiler aus Demons (Dämonen) und Terra Prime als Serienfinale fährt man in jedem Fall besser.

In jedem Fall ist die letzte Staffel von Star Trek: Enterprise aber die stärkste und konsequenteste der Serie und somit ein klarer Pflichttermin. Schade, dass Manny Coto auf diesem Beginn nicht aufbauen durfte.

Die vierte Staffel von Star Trek: Enterprise besteht aus 22 Episoden und läuft ab heute Abend um 22.35 Uhr in Doppelfolgen auf SYFY.

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch enthält Illustrationen von Ralph Sander (Das Star Trek Universum) sowie Kommentare zu den verschiedenen Serien von Mike Hillenbrand (TREKminds, 40 Jahre Star Trek), Christian Humberg & Bernd Perplies (Star Trek: Prometheus), Lieven L. Litaer (Der kleine Prinz auf Klingonisch) und Ralph Sander (Das Star Trek Universum). Hinzu kommen O-Töne von Thorsten Nobst zur Synchronisation von Star Trek: Discovery und ein Interview mit dem deutschen "Mr. Star Trek" Gerhard Raible (Trekworld Marketing).

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Es lebe Star Trek


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