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Star Trek: Plot hole or not? Die 5 witzigsten Logiklöcher

In Star Trek gibt man sich schon immer viel Mühe mit der fiktiven Technik, dem Kanon der Serien und Filme und der inneren Logik. Dennoch kam es immer wieder zu Problemen. Unser Björn Sülter zeichnet die seiner Ansicht nach 5 amüsantesten Logiklöcher für euch nach und fragt: Plot hole or not? Schlimm oder nicht?

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Vor vielen Jahrzehnten gab es Bücher wie den Nitpickers Guide von Phil Farrand, in dem jede noch so kleine Unstimmigkeit der verschiedenen Trek-Serien genüsslich auseinandergenommen und kommentiert wurde. Keine Frage: Dafür brauchte es eine bestimmte Art von Humor. Nicht jeder mag sich derart umfassende Gedanken über eine fiktive Welt machen. Nicht jeder findet es spaßig, anderen Menschen ihre Fehler vorzuzählen.

Je intensiver man sich mit einer Sache jedoch befasst, desto mehr fallen sie einfach auf: Die Logiklöcher. Schlimm sind sie in den meisten Fällen nicht - und sofern man sich davon nicht die Freude beschneiden lässt, kann man vieles einfach mit einem Lächeln begleiten und sich an den Stärken erfreuen. Wir machen es uns heute ohnehin etwas einfacher, als der Kollege Farrand, und gehen nur auf fünf größere Logiklöcher ein, die in den über 740 Episoden und Kinofilmen produziert wurden. Einige sind ärgerlich, andere nur amüsant. Was denkt ihr?

Platz 5: Falsche Emotionen

Der Abschluss von Star Trek: Deep Space Nine geriet in der Doppelfolge What You Leave Behind angemessen spannend und emotional. Was eine Entscheidung der Produzenten anging, jedoch auch leider nicht ganz stimmig. Denn so schön es war, dass einige Hauptfiguren sich in einer Erinnerungsmontage nochmal an Höhepunkte ihrer Zeit auf der Station erinnern durfte, so merkwürdig muteten einige der verwendeten (oder vergessenen) Bilder an. So bekam man beispielsweise Worf im weißen Anzug zu sehen; eine Szene aus der Episode Our Man Bashir, an die sich Worf nicht erinnern dürfte, da der Computer dort nur sein Abbild für die Geschichte benutzt hatte. Auch, dass Jake sich an sein altes Alter Ego aus der Episode The Visitor erinnerte, war Quatsch, da es sich dabei um eine alternative Zukunft gehandelt hatte, die verhindert worden war.

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Hier vermischten die Autoren leider die Ebenen und machten die Montage zu einer Sache für die Zuschauer, nicht aber für die Figuren und ihre innere Logik. Im Kontext der Szene ergab das dann auch folgerichtig keinen Sinn. Viel stimmiger wäre es gewesen, andere emotionale Momente zu suchen, die auch wirklich in der Serienrealität angesiedelt gewesen waren. Nebenbei: Dass man Szenen von Terry Farrell alias Jadzia Dax nach deren Ausstieg Ende der sechsten Staffel nicht verwenden konnte (oder durfte) war eine ebenso traurige Sache für die Fans. So fehlte bei Worfs Erinnerungen der vielleicht wichtigste Teil seiner Geschichte auf DS9.

Platz 4: Die MacGyvers aus dem Deltaquadranten

Im fernen Deltaquadranten zu stranden ist an sich schon keine erfreuliche Sache. Man hat keinen Kontakt zur Sternenflotte, bekommt keine neuen Uniformen und kann das Schiff nicht zur turnusmäßigen Wartung schicken. Viel schlimmer ist allerdings, dass man auch diverse Vorräte nicht auffüllen kann. So hatte das Schiff zu Beginn der Mission nur 38 Photonentorpedos an Bord! Normalerweise keine große Sache, wenn man jederzeit eine Sternenbasis anfliegen kann. Gut für Captain Janeway war jedoch, dass offenbar irgendwer an Bord die Fähigkeit besaß, die begehrten Waffen nachzubauen. Das Schiff feuerte in den ganzen Jahren nämlich mit über 80 Stück mehr als doppelt so viele ab!

Doch nicht nur das! Auch in Sachen Shuttles war man äußerst kreativ. Laut den technischen Spezifikationen, die auch den Autoren der Serie als Basis dienten, hätte das Schiff zwei normale Shuttles haben müssen. Auch das sollte im Normalfall reichen! Hier konnte man jedoch auch in diesem Bereich nicht nachrüsten. Und während Tom Paris mit dem Delta-Flyer irgendwann immerhin ein schier unverwüstliches Mega-Shuttle baute, hatte man bis zum Serienende bis zu 17 (!) der begehrten Standard-Fluggeräte verloren. Findige MacGyvers diese Voyager-Leute! Da war es dann schon fast lustig, dass der Crew in einer Episode von einem Moment auf den anderen der Sprit ausging, ohne das diesen jemand rechtzeitig ersetzt hatte ...

Platz 3: Scotty ist verwirrt

Es war ein wirklich schönes Wiedersehen mit James Doohan in der Episode Relics aus Star Trek: The Next Generation. Der findige Ingenieur hatte sich in einer Notsituation im Transporterspeicher eingenistet und auf Hilfe gehofft. Allerdings dauerte es rund 75 Jahre, bis er ausgerechnet von der Crew der Enterprise-D gerettet wurde. Seine erste Reaktion? Er habe immer gewusst, dass Kirk ihn retten würde!

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Ein Problem mit dem Statement gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Das entstand erst viel später, als man Kirk in Star Trek Generations sterben ließ (beziehungsweise geriet er in den Nexus, das wusste aber niemand!). Sein Tod (oder Verschwinden) spielte sich nämlich vor den Augen von Scotty ab. Der Zwischenfall, der den sympathischen Bastler in den Transporterpuffer führte, geschah dann erst danach. Somit konnte er eigentlich nicht von einer Rettung durch Kirk ausgehen. Ein Fall von Transporterpufferamnesie?

Platz 2: Bye bye, böser Tod!

In Star Trek Into Darkness erlebten die Zuschauer eine Sternstunde der Wissenschaft. Doctor McCoy gelang nämlich etwas, von dem Generationen an Ärzten vor ihm nicht zu träumen gehofft hatten: Er besiegte Gevatter Tod! McCoy wurde klar, dass das magische Blut von Khan helfen könnte, Kirk ins Leben zurückzuholen. Daher schickte er Spock los, den Supermenschen lebend zu fangen, um den gemeinsamen Freund zu retten. Schön, schön, aber leider auch direkt der erste Logikfehler: McCoy hätte sich viel einfacher an der kompletten Mannschaft Khans bedienen können, die sich zu diesem Zeitpunkt im Kälteschlaf befand. Warum sollten diese Supermenschen anderes Blut besitzen als ihr Anführer? Einen Versuch wäre es immerhin wert gewesen. Doch Schwamm drüber.

Als Kirk dann schließlich mit Hilfe des Khan-Blutes wiederbelebt war und alle glücklich in die gemeinsame Filmzukunft schipperten, geschah noch etwas Sonderbares: McCoy und alle anderen vergaßen offenbar, was ihnen da gerade gelungen war! Warum forschte der Doktor nicht weiter, setzte sich zur Ruhe, kaufte sich einen eigenen Mond und machte sich zukünftig eine gute Zeit? Er hatte immerhin den TOD besiegt. Das war doch ganz bestimmt eine Schlagzeile wert, oder? Leider schien das jedoch niemandem an Bord klar zu sein und so geriet die größte Entdeckung der Menschheitsgeschichte leider in Vergessenheit.

Platz 1: Die Pasteur & der falsche Zeitpunkt

In der wunderbaren Abschlussepisode All Good Things zu Star Trek: The Next Generation wurde die Anomalie, die drohte das Universum zu zerstören, durch drei Tachyon-Impulse erzeugt. Laut Datas Analysen stammten alle drei Impulse von der USS Enterprise, aus jeweils unterschiedlichen Zeitebenen. In der fernen Zukunft war es allerdings die USS Pasteur unter dem Kommando von Captain Beverly Picard, die den Tachyon-Impuls absetzte. Später kehrte Picard dann auf der Enterprise unter dem Kommando von Admiral Riker zurück zum Ort des Geschehens. Da war die Anomalie jedoch bereits erzeugt worden.

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Laut Ronald D. Moore war niemandem im Produktionsteam dieser Fehler aufgefallen. Und es war auch nicht der einzige! Mit Qs Hilfe erkannte Picard in der Episode, dass die Anomalie in die Vergangenheit wächst. Nichts deutete jedoch darauf hin, dass sie sich auch zusätzlich linear in der Zeit vorwärts bewegen würde, da das die ganze Enthüllung und Erkenntnis entwerten würde. Daher war es vollkommen unlogisch, dass die Crew der Enterprise in der Zukunft bei ihrer Rückkehr Stunden nach dem Impuls der Pasteur die entstandene Anomalie sehen konnte, obwohl sie zeitlich gesehen vorher nicht da war. Hier bedingte das Drehbuch ein dickes Logikloch - die Handlung hätte sonst nicht auf diese dramatische Weise funktioniert.

Conclusio

Bei keinem anderen popkulturellen Phänomen ist der Gedanke der Meinungsvielfalt so ausgeprägt wie in Star Trek. Sie steht dort sozusagen in der DNA. Daher bildet diese Kolumne selbstverständlich nur eine vollkommen subjektive Meinung ab. Der wichtigere Teil folgt immer im Anschluss: Was denkt ihr? Plot hole or not? Schlimm oder vollkommen egal? Lasst die Diskussion beginnen und preist die Meinungsvielfalt - denn das ist Star Trek!

Buchtipp: SYFY präsentiert das umfassendste Sachbuch zu Star Trek in deutscher Sprache

Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch enthält Illustrationen von Ralph Sander (Das Star Trek Universum) sowie Kommentare zu den verschiedenen Serien von Mike Hillenbrand (TREKminds, 40 Jahre Star Trek), Christian Humberg & Bernd Perplies (Star Trek: Prometheus), Lieven L. Litaer (Der kleine Prinz auf Klingonisch) und Ralph Sander (Das Star Trek Universum). Hinzu kommen O-Töne von Thorsten Nobst zur Synchronisation von Star Trek: Discovery und ein Interview mit dem deutschen "Mr. Star Trek" Gerhard Raible (Trekworld Marketing).

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Es lebe Star Trek

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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