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Star Trek Short Treks: Rezension zur Episode "The Brightest Star"

Im dritten Short Trek namens The Brightest Star dreht sich alles um die beliebte Figur des Saru und sein einfaches, früheres Leben. Mit ganz viel gutem Willen reicht das aber nur für einen leidlich hübschen Teaser, wie unser Star-Trek-Experte Björn Sülter findet.

Star Trek: Discovery

Präsentiert von: Björn Sülter


CBS veröffentlichte vergangene Woche über ihr Streamingportal CBS All Access mit The Brightest Star bereits die dritte von vorerst vier Episoden der sogenannten Short Treks, die uns die Wartezeit auf die zweite Staffel von Star Trek: Discovery verkürzen sollen. Die Fans in den USA und in Kanada hat man bereits versorgt. Für Europa steht eine Information bezüglich der Verfügbarkeit noch aus. Wir halten euch dazu auf dem Laufenden.

Faktencheck

Wir wussten bisher bereits, dass es sich beim Kelpianer Saru um den einzigen Vertreter seines Volkes in der Sternenflotte handelt. Warum das jedoch so ist, blieb in der ersten Staffel noch ein Geheimnis. Diesem Thema haben sich im dritten Trek-Appetizer nun die Autoren Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt angenommen. Das Duo hatte in der ersten Staffel die starke Episode Into the Forest I Go abgeliefert. Regie führte Douglas Aarniokoski, der bei seinem Einsatz an Lethe ebenfalls überzeugte. Gute Autoren, guter Regisseur, beliebter Star - was konnte da schiefgehen?

Star Trek

Mit diesem dritten Short Trek ließ man das Format endlich einmal an die frische Luft. Während Runaway (mit Tilly) und Calypso in den Sets der USS Discovery gespielt hatten, ging es hier nun raus in die Natur.

Wir besuchen die Bewohner des Planeten Kaminar, zu denen auch ein junger Saru gehört. Diese führen ein beschauliches Leben und bekommen offenbar nichts vom Treiben im Weltall mit - oder vielmehr wollen sie das gar nicht. Es scheint, als würde dieses Volk ihre Existenz vollständig in den Dienst einer anderen - technisch fortschrittlicheren - Spezies stellen, die man die Ba'ul nennt. Diese sind in der Episode nicht zu sehen, fordern aber regelmäßig Opfer unter den weniger weit entwickelten Kelpianern.

Auf die genauere Beziehung beider Spezies wird nicht eingegangen. Ein wenig fühlt man sich bei der Thematik aber an ein ähnliches Szenario aus Dear Doctor (Star Trek: Enterprise) erinnert. Hier sind die Fragen jedoch andere: Ist überhaupt eine der beiden Spezies auf Kaminar heimisch? Oder halten die Ba'ul sich nur verschiedene Völker, die sie dann ausbeuten können? Wo leben die Ba'ul selbst? Wie schon die Episode Calypso stellt auch diese viele Fragen im Subtext, die nicht - oder zumindest noch nicht - beantwortet werden.

Vaiana

Doch ist das natürlich auch gar nicht der Fokus der Episode. Wie im Disney-Film von 2016 haben wir es hier mit einer Figur zu tun, die rein oberflächlich betrachtet im Paradies lebt, deren Wunsch nach mehr jedoch durch verschiedene Geschehnisse befeuert wird.

Die Erzählform des Voice-Overs verdient dabei genauere Betrachtung: Saru scheint das Ganze mit deutlichem zeitlichen Abstand einer anderen Person zu erzählen - vielleicht sogar jemandem auf der USS Discovery? Dieser Kniff, vermischt mit dem Schweinsgalopp, den die Short Treks leider vorlegen müssen, führt allerdings direkt zu weiteren Fragen: Warum zweifelt Saru überhaupt so stark an der Lebensweise seines Volkes? Was hat seine Neugierde ausgelöst? Wie wurde aus ihm ein so viel offenerer Geist, als es jemals einen bei den Kelpianern gegeben hatte?

Als er ein Stück Technik, das vom Himmel fiel, untersucht, verschärft sich die Problematik noch. Wie kann er damit so schnell umgehen? Wie gelingt es ihm, einen Ruf ins All zu senden? Müssen wir ihn ab sofort MacGyver nennen? Warum erscheint kurz darauf das englische Wort "hello" auf dem Gerät der Ba'ul und warum kann Saru es überhaupt lesen? Das Drehbuch macht sich keine Umstände, auf derartige Storyprobleme einzugehen. Vermutlich sind die Worte ohnehin in der Sprache der Kelpianer geschrieben und nur für uns Zuschauer freundlicherweise direkt übersetzt worden - wie auch die Sprache des Volkes, das natürlich eigentlich nicht englisch redet.

Hier geschehen viele Dinge, die von einer besseren Unterfütterung profitiert hätten. Allerdings folgen wir eben auch nur einer rasant präsentierten Erinnerung Sarus und müssen das, was er uns anbietet, schlucken.

Saru entscheidet nach dem Kontakt mit der Außenwelt, dass er seinen eigenen Weg gehen will. Familiäre Scharmützel stellen sich ihm dabei nur kurzzeitig in den Weg. Sein Vater ist der Priester des Dorfes und beharrt auf den Weg der Balance. Diese besagt, dass die regelmäßigen Opfer notwendig und richtig sind und man diese Vorgehensweise nicht in Frage stellen darf. Hier treffen Motive des Irrationalismus mit Fragen der kulturellen Aufklärung aufeinander, werden aber in der Kürze der Zeit nur angerissen. Sarus Schwester versucht ebenfalls nicht, ihren Bruder zu stoppen, obwohl dieser sich merkwürdig verhält.

Wie in Vaiana muss man auch hier akzeptieren, dass Saru einfach anders ist. Er ist der Eine, die Anomalie. Saru ist der Neo von Kaminar. Sein Geist sucht neue Möglichkeiten und er ist dafür sogar bereit, seinem Volk und seiner Familie den Rücken zu kehren. Somit ist Saru der Freigeist, der Dinge in Frage stellt, der Fortschritt bringen kann und der aus den Fesseln seiner Existenz aus eigener Kraft ausbricht. Diesen Gedanken sollten wir für einen Moment im Kopf behalten.

Seine Schwester artikuliert in ihrer einzigen Dialogsequenz aber noch eine andere schöne Erkenntnis: Saru soll von Zeit zu Zeit auch mal nach unten schauen, da es dort ebenfalls Schönheit zu bestaunen gibt. Für ein Volk, das eigentlich gar keine Fragen über das Weltall zulässt, eine mehr als interessante Sichtweise. Sie ist damit sogar einen Schritt weiter als viele ihres Volkes, da sie Sarus Blicke gen Himmel offenbar wahrnehmen und verstehen kann. Bereit zu gehen ist aber nur ihr Bruder.

Als am Ende ein Shuttle auftaucht, erhalten wir Fans einen lobenswerten und unerwarteten Gastauftritt: Michelle Yeoh als jüngere Lieutenant Georgiou. Dass sich daraus erneut eine Menge Fragen ergeben, ist nicht verwunderlich. Wir hatten schon überlegt, wie es Saru gelingen konnte, das Stück fremde Technik umzubauen. Auch die Sternenflotte ist offenbar beeindruckt. Allerdings frage ich mich, ob die Tatsache, dass jemand wie E. T. nach Sonstwohin telefonieren kann, diesen umgehend zu etwas so Besonderem macht, dass man alles stehen und liegen lässt und jede Regel aushebelt, um ihn zu treffen. Saru ist immer noch Teil eines relativ primitiven Volkes, das sich willentlich einer höheren Macht opfert. Der gute Saru könnte mit seinem Gebastel ja auch schlicht Glück gehabt haben! Woher weiß man seitens Starfleet, was dahintersteckt? Doch darauf geht hier niemand ein. Die Sternenflotte empfängt die Nachricht und Georgiou macht sich nach ein paar internen Diskussionen auf den Weg. Dass sie zudem wenig subtil mit einem hell beleuchteten Shuttle einfliegt und auch wieder den Rückweg antritt, ist nur noch albern. Soll etwa gleich das ganze Volk kontaminiert werden? Was geht in den Köpfen der Autoren an solchen Stellen vor?

Ein wenig erinnert Georgious Vorgehen aber auch an Datas Besuch bei seiner Brieffreundin Sarjenka aus der Episode Pen Pals aus Star Trek: The Next Generation. Dort handelte dieser jedoch im Alleingang gegen alle Regeln. Hier scheint Georgiou von Starfleet legitimiert worden zu sein, um dieses außergewöhnliche Individuum von seinem Volk wegzuholen. Erneut sei die Frage gestattet: Warum? Sicher ist Saru intelligent, kreativ und besitzt viel Potenzial. Dennoch ist er aber auch fraglos Teil einer Prä-Warp-Kultur. Rekrutiert die Sternenflotte gute Leute mit Potenzial wirklich und ernsthaft auf diese Weise? Was sagt eine solche Ausnahme über die Nicht-Einmischung aus, die diese Organisation sich in ihrer Obersten Direktive auf die Fahne geschrieben hat? Und noch eine Frage drängt sich auf: Wenn man einer Kultur die besten Leute einfach so wegnimmt, wie soll diese sich dann jemals weiterentwickeln? Das kann doch unmöglich der Weg der Sternenflotte sein! Falls die Autoren hier einen Kommentar über aktuelle Zustände auf den weltweiten Arbeitsmärkten versucht haben, geht der Schuss ebenfalls krachend nach hinten los, da man die Sternenflotte damit in einem äußerst negativen Licht zeichnet.

Die Autoren nehmen es leider - wie auch oft in der Serie - nicht so genau mit dem Kanon und der Welt, in der sie sich bewegen. Ihre Geschichte bietet zudem aufgrund einer zu dünnen Beschäftigung mit den Motiven der Figuren auch keinen wirklichen Informationsgewinn, sondern schürt eher Frust.

Alien

Rein von der Umsetzung macht die Episode indes Spaß. Die Maskenarbeit und das Setdesign sind sehr gelungen und die Dreharbeiten in freier Wildbahn zahlen sich aus. Mit wenigen Szenen entsteht eine stimmige, fremdartige Kultur, von der wir gerne mehr sehen möchten.

Einige hübsche Ideen (wie der Schmetterling), Michelle Yeohs Auftritt in ihrer liebenswerten Rolle der echten Georgiou und der wunderbar fremdartige Score von Jeff Russo runden das Bild ab. Schade, dass der inhaltliche Teil nicht Schritt halten konnte.

Star Trek

Fazit

Was zum gekochten Kelpianer treiben die Autoren da bloß?

Wenn man schon ein kleines Mysterium über eine Figur lüften will, dann doch bitte mit wenigstens einer Prise innerer Logik! Hier jedoch zünden die Autoren sowohl die Figurenzeichnung Sarus als auch das Setting der Serie an. Am Ende brennt mal wieder die Oberste Direktive lichterloh. Und warum? Für fünfzehn vollkommen überflüssige Minuten, die so viel mehr hätten werden können, als ein klischeehafter und widersprüchlicher Versuch, Charaktertiefe zu erzeugen.

Für den Hinterkopf: Es ist bekannt, dass in der zweiten Staffel der Serie eine inhaltliche Fortsetzung rund um Sarus Leute folgen soll - somit könnte man dieses Abenteuer vielleicht wirklich nur als Teaser werten. Die Probleme und offenen Fragen bleiben allerdings auch bei dieser Sichtweise ein Ärgernis.

Die Short Treks haben nach drei Versuchen schon das komplette Qualitätsspektrum abgebildet: Moderner Klassiker (Calypso), Mittelmaß (Runaway) und diesmal eine krachend verschwendete Chance. Mal schauen, was in vier Wochen an der Reihe ist.

Ausblick: The Escape Artist

In einem Monat geht es in die vorerst letzte Runde mit den Short Treks.

Am 3. Januar liefert Michael McMahan unter der Regie von Mudd-Darsteller Rainn Wilson die Episode The Escape Artist ab. McMahan ist nicht nur für seine Arbeit an Rick & Morty bekannt, er wird auch die neue Trek-Animationsserie Star Trek: Lower Decks verantworten. In seinem Short Trek geht es um den Einfallsreichtum Mudds auf einem fremden Schiff. Wir sind gespannt.

Short Treks

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch enthält Illustrationen von Ralph Sander (Das Star Trek Universum) sowie Kommentare zu den verschiedenen Serien von Mike Hillenbrand (TREKminds, 40 Jahre Star Trek), Christian Humberg & Bernd Perplies (Star Trek: Prometheus), Lieven L. Litaer (Der kleine Prinz auf Klingonisch) und Ralph Sander (Das Star Trek Universum). Hinzu kommen O-Töne von Thorsten Nobst zur Synchronisation von Star Trek: Discovery und ein Interview mit dem deutschen "Mr. Star Trek" Gerhard Raible (Trekworld Marketing).

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Es lebe Star Trek

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember liefert er mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe ab.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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