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Star Trek Short Treks: Rezension zur Episode "The Escape Artist"

Im vierten und vorerst letzten Short Trek namens The Escape Artist dreht sich alles um den Halunken Harry Mudd und seine Abenteuer. Das macht richtig Laune und lässt die Frage aufkommen: Hat der gute Mann vielleicht sogar das Zeug zu einer eigenen Serie?

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


CBS veröffentlichte vergangene Woche über ihr Streamingportal CBS All Access mit The Escape Artist die für den Moment finale von vorerst vier Episoden der sogenannten Short Treks, die uns die Wartezeit auf die zweite Staffel von Star Trek: Discovery verkürzen sollen. Die Fans in den USA und in Kanada hat man bereits versorgt. Für Europa steht eine Information bezüglich der Verfügbarkeit leider immer noch aus. Schade, dass man sich für die Fans nicht auf eine bessere Vorgehensweise einigen konnte.

Faktencheck

Im letzten kleinen Abenteuer vor dem Start der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery steht der Gauner und Lebemann Harry Mudd im Mittelpunkt. Die Figur war in zwei Episoden der ersten Discovery-Staffel (sowie in zwei Episoden der Originalserie und einer der ersten Zeichentrickserie) aufgetaucht und hatte dort immer für viel Trubel gesorgt.

Hier erhielt er nun sein eigenes kleines Abenteuer. Dem Thema hat sich Trek-Neuling Mike McMahan angenommen, der für die neue Animationsserie Star Trek: Lower Decks verantwortlich zeichnen wird und durch Rick & Morty Bekanntheit erlangte. Regie führte Mudd-Darsteller Rainn Wilson persönlich. Auch für ihn ist das in Sachen Trek (und allgemein) ein Debüt.

Short Treks

Mit diesem vierten Short Trek konzentrierte man sich nach zwei Hauptfiguren (Tilly in Runaway und Saru in The Brightest Star) und einer gänzlich neuen Figur (Craft in Calypso) nun also auf eine bereits bekannte Nebenfigur.

Wir folgen Harry Mudd bei etwas, das man, ohne ihm zu nahe zu treten, als gewöhnlichen Tag im Leben des Hallodris bezeichnen darf.

Angesiedelt ist die Handlung dabei eindeutig nach den Ereignissen aus Magic to Make the Sanest Man Go Mad (Star Trek: Discovery), da der Space-Wal Erwähnung findet. Ob die Episode chronologisch gesehen vor oder nach seinem ersten Auftritt in Mudd`s Women aus Star Trek stattfindet, ist nicht 100% sicher zu sagen; der Verdacht liegt aber nahe, dass sie eher noch davor spielt und somit in Hinblick auf Mudd endgültig eine Brücke zwischen den beiden Serien schlägt.

Mann für alle Fälle

Genaugenommen erleben wir die Künste der Täuschung eines Mannes an verschiedenen Fronten und in verschiedenen Situationen. Harry Mudd bringt sich immer wieder in Schwierigkeiten und landet dadurch in Gefangenschaft eines Tellariten. Verschiedene Flashbacks zeigen uns ähnliche Szenarios, bei denen er einmal in einem Gefängnis der Orioner feststeckt, dann von einer Kopfgeldjägerin mitgeschleift wird und sogar einen Moment mit einem Klingonen; eventuell handelt es sich hier um einen kleinen Teil der Vorgeschichte zur Episode Chose Your Pain aus Star Trek: Discovery.

Sein größter Trumpf (und auch der höchste Nervfaktor) bleibt stetig sein Dauerfeuer aus Geschichten, Halbwahrheiten und grenzenloser Phantasie. Wir haben es mit einem Kerl zu tun, der den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge nicht kennt. Der Zweck heiligt für ihn stets die Mittel, wodurch er wahllos seine Taktik anpasst, zwischen Drohung und Betteln wechselt, andere Individuen umgarnt oder beschimpft, seine Identität verändert und immer wieder nach Hintertürchen und Schwächen bei seinem Gegenüber sucht. Das ist teils witzig, teils anstrengend, aber immer unterhaltsam.

Den Großteil der rund 16 Minuten langen Episoden kann man dann auch mit exakt diesem Muster beschreiben: Mudd gegen alle. Ein ewiger Kampf um Reichtum und Entkommen.

Doch hat Mudd bei dem erstaunlich cleveren Tellariten weniger Erfolg als einst Captain Archer (Bounty) und landet schließlich auf dem Sternenflotten-Schiff USS De Milo. Der große Clou der Episode steht zu diesem Zeitpunkt kurz bevor. Bei Mudd handelt es sich nur um einen Androiden (der selbst nicht weißt, was er ist); und er ist nicht der erste auf dem Schiff. Wie der Offizier dem enttäuschten Tellariten erklärt, bringen schon die ganze Woche Kopfgeldjäger ähnliche Kopien vorbei, die sich nun in einem Frachtraum gegenseitig unterhalten und dabei in endlosen Schleifen immer nur das gleiche sagen.

Der echte Mudd weilt derweil auf einem Schiff; er war die weibliche Kopfgeldjägerin vom Beginn der Episode (die dem Tellariten die Kopie verkauft hatte) und handelt somit selbst mit den Androiden (mit denen er auf seinem Schiff lebt und die ihn umsorgen) um sich zu bereichern. Ein unverbesserlicher Halunke! Diese letzte Szene zeigt uns aber auch etwas, das durchaus nachdenklich macht: Dieser Mann kann nur in seiner eigenen Gesellschaft existieren. Niemand sonst kommt länger mit ihm klar. Mudd lebt für den Betrug, das Vorspielen falscher Tatsache und seine Lügengebäude. Eine tragische Seite, die sich wunderbar in das bisher Bekannte einpasst. Seine kurze Rede über die Auflehnung gegen die Föderation (Stichwort: Widerstandsbewegung) könnte aber auch als Erklärung für seine Taten und sein Selbstverständnis herhalten. Vielleicht sieht er sich als Kämpfer gegen das bestehende System und rechtfertigt damit sein Tun?

Auch die Verbindung zur Episode I, Mudd aus der Star-Trek-Originalserie ist natürlich besonders spaßig, da es dort ebenfalls um Androiden ging. Außerdem trägt auch eine der Kopien auf der USS De Milo genau die Jacke, die Mudd in I, Mudd getragen hatte (beziehungsweise kanonisch betrachtet erst noch tragen wird). Wunderbare Kontinuität!

Groovy!

Dank der rasanten Inszenierung gibt es viel zu sehen, was eindeutig im Kontrast zur kammerspielartigen Aufmachung der vorigen Abenteuer steht. Es gibt viele Orte und Sets, schnelle Schnitte und diverse Nebenfiguren zu bestaunen. Auch das Makeup-Department schob Überstunden. Hier nahm man seitens CBS definitiv das Geld in die Hand, was man bei den anderen drei Episoden (stellenweise) einsparte. Das hat jedoch den anderen Abenteuern keinen Abbruch getan; hier ist es allerdings eine willkommene Abwechslung.

Auch die Umsetzung der Maske des Tellariten Tevrin Krit (Harry Judge) macht Freude, wenn die Unterschiede zu dem in Star Trek: Enterprise gezeigten Design auch zugegebenermaßen sehr groß und vielleicht sogar unnötig groß sind, da man dort bereits starke Arbeit abgeliefert und die Spezies adäquat modernisiert hatte.

Zusammen mit einem nuancierten Score von Jeff Russo und der Glanzleistung von Rainn Wilson als Mudd wird The Escape Artist problemlos zur technisch stärksten Episode der Short Treks, wenn auch Calypso in Sachen Atmosphäre weiterhin die Nase vor hat.

Star Trek

Fazit

The Escape Artist bietet dank eines flotten Drehbuchs, der lässigen Inszenierung, weiteren technischen Stärken und einem wunderbar aufgelegten Protagonisten den unterhaltsamen und starken Abschluss des Experiments Short Treks.

Der Reihe gelingt nach Calypso somit spielerisch der zweite klare Gewinner und beweist zudem, dass Rainn Wilson und sein Harry Mudd durchaus das Zeug zu höheren Aufgaben besitzen würden. Wir haben mit Sicherheit nicht zum letzten Mal vom liebenswerten Schurken gehört - oder etwas gesehen.

Ausblick: Star Trek: Discovery - Staffel 2

Am 18. Januar 2019 startet auch in Deutschland via Netflix die zweite Staffel von Star Trek: Discovery. Ob man uns vorher, parallel oder irgendwann später noch mit den Short Treks versorgen wird, steht leider immer noch nicht fest.

Mit Captain Pike, Number One und Spock kommen einige neue Figuren dazu. Wir sind gespannt und werden euch mit wöchentlichen Rezensionen und Podcasts von Planet Trek fm versorgen.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember liefert er mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe ab.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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