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Star Trek und der ultimative Cliffhanger - heute bei SYFY

Am heutigen Abend leitet SYFY das Programm mit zwei Episoden aus Star Trek: The Next Generation ein, die nicht nur für die Serie und das Franchise ein Meilenstein darstellen, sondern auch für das moderne TV. Der Cliffhanger des ersten Teils von „The Best of Both Worlds“ schrieb Geschichte. Dieser geht unser Björn Sülter heute auf den Grund: Mr. Worf, Feuer!

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Heute um 18.35 Uhr und 19.25 Uhr laufen auf SYFY die letzte Episode der dritten und die erste Episode der vierten Staffel von Star Trek: The Next Generation.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um irgendwelche Abenteuer! Genau genommen haben wir es bei dem Zweiteiler The Best of Both Worlds (auf Deutsch: In den Händen der Borg & Angriffsziel Erde) mit der ultimativen Doppelfolge und dem ultimativen Cliffhanger der Trek- und Seriengeschichte zu tun. Warum das so ist, schauen wir uns heute einmal genauer an.

Rückblick: Stotterstart

Star Trek: The Next Generation hatte 1987 wahrlich keinen leichten Start gehabt. Die Fans waren skeptisch, die Schauspieler teilweise gar nicht begeistert und hinter den Kulissen tobte das Chaos. Viele Kreative gaben sich die Klinke in die Hand und machten die ersten beiden Jahre zu einer hohen Hürde für alle Beteiligten.

So war die erste Staffel dann genaugenommen auch eine Ansammlung von klischeebeladenen Stoffen der 1960er- bis frühen 1980er-Jahre und sicher keine moderne TV-Serie.

Doch schon im zweiten Jahr landeten brillante Stoffe wie The Measure of a Man (Wem gehört Data?), Time Squared (Die Zukunft schweigt) oder Q Who (Zeitsprung mit Q) auf den Fernsehgeräten und bewiesen: Diese Serie besaß viel mehr Potential, als sie zunächst gezeigt hatte!

Wie üblich hatte man die erste Staffel mit einer weitestgehend offenen Episode beendet (The Neutral Zone/Die Neutrale Zone). Im zweiten Jahr musste man aufgrund des Autorenstreiks dann aber nicht nur mit weniger Abenteuern auskommen, sondern auch noch auf eine grauenhafte Clipshow zurückgreifen: Shades of Grey (Kraft der Träume), in der Riker, verletzt durch einen intergalaktischen Killerstachel, die Staffel nachträumte, während Crusher und Troi ihm merkwürdige Geräte aufsetzten. Geradezu ein Anti-Klimax!

Die dritte Staffel, die zuletzt bei SYFY lief, brachte dann allerdings den ersten großen Qualitätssprung mit Höhepunkte wie Who Watches the Watchers (Der Gott der Mintakaner), The Defector (Der Überläufer), Yesterday’s Enterprise (Die alte Enterprise), The Offspring (Datas Nachkomme) oder Sarek (Botschafter Sarek) sowie einem insgesamt stark ansteigenden und inzwischen mehr als erfreulichen Gesamtniveau.

Star Trek

Den wahren Knalleffekt hatten die Autoren und Produzenten sich jedoch noch aufgespart.

Big Bang!

Die Borg waren bereits dank eines Fingerschnippens des allseits beliebten Q in die Serie eingeführt worden. In der letzten Episode der dritten Staffel erhielten sie nun aber ihren großen Auftritt.

Wie auch schon in der angesprochenen Clipshow am Ende der zweiten Staffel war es erneut Commander Riker, der den finalen Moment erhielt - und diesmal einen unvergesslichen! Ihm gegenüber stand sein Freund, Mentor und Captain Jean-Luc Picard – chirurgisch verändert zu Locutus, einem Borg-Abgesandten, der drohte, die Menschheit zu assimilieren. Riker zögerte nur kurz und gab einen Befehl, der vielen Fans einen unruhigen Sommer bescherte: Mr Worf, fire! Danach folgte die Einblendung … to be continued! Ein Kracher!

Star Trek

Dass nach einer Wartezeit von knapp drei Monaten direkt erstmal der Schuss vor den Bug des Borg-Schiffes verpuffte und die Handlung in eine andere Richtung gelenkt wurde, geriet in der Folgezeit ebenfalls zum Markenzeichen vieler Cliffhanger.

Die Botschaft sickerte auch bei den Fans mit den Jahren mehr und mehr durch: Es wirkte oft auswegloser, als es letztlich war. Das funktionierte in The Best of Both Worlds natürlich noch grandios - schließlich war es hier noch etwas Neues!

Doch mit der Zeit nutzte sich das Prinzip sichtlich ab, wurde aber sowohl in dieser Serie als auch in den drei Folgeformaten immer wieder eingesetzt - mal besser, mal schlechter. Man denke in diesem Zusammenhang an die Übergabe der Station an das Dominion in Call to Arms (Zu den Waffen!) aus Star Trek: Deep Space Nine, Janeways Allianz mit den Borg gegen Spezies 8472 in Star Trek: Voyager (Scorpion/Skorpion) oder den Alien-Space-Nazi am Ende der dritten Staffel von Star Trek: Enterprise in Zero Hour (Stunde Null).

All diese Cliffhanger gehen zurück auf den ultimativen WTF-Moment der Star-Trek-Geschichte, als ein erster Offizier gegen seinen eigenen Captain vorging, um die Crew der Enterprise zu schützen und das Wohl der gesamten Menschheit zu bewahren. Mehr ging nicht - innerhalb einer ohnehin grandiosen Doppelfolge ist dies der zentrale Moment und macht euch heute noch Spaß.

Auch andere Serien nahmen die Steilvorlage natürlich begeistert auf. So waren die 1990er- und 2000er-Jahre geprägt durch Formate, die den größtmöglichen Schockmoment als Übergang zwischen den Staffeln oder sogar von Episode zu Episode suchten. LOST sei hier als Beispiel zitiert. Über fünf Jahre zelebrierten die Macher dort WTF-Momente; und obwohl ihnen in vielen Fällen eine spannende Auflösung gelang, vergraulten sie doch auch Fans mit zu viel Aufbau an Erwartungen und zu wenig Pay-Off. Ein Problem, das diverse Konkurrenzformate ebenfalls befiel und zu einem zumindest kleinen Umdenken in den letzten zehn Jahren führte.

Gegenwart

So ist dann auch eindeutig zu beobachten, dass der ganz große Drang, immer den butalsten Cliffhanger zu setzen, insgesamt rückläufig ist. Andere Erzählformen haben sich in den Vordergrund gespielt und die Schocker zum Schluss verdrängt.

Es ist in diesem Zusammenhang allerdings erstaunlich, dass ausgerechnet Star Trek einen anderen Weg ging und in Star Trek: Discovery zuletzt besonders gegen Ende der Staffel wieder auf das inflationäre Abfeuern von WTF-Momenten setzte.

Die Frage ist dann auch heute immer, ob man einen solchen Moment aus einer selbstbewussten Grundhaltung heraus einbaut und weil er im Rahmen der Geschichte Sinn macht, oder ob die Angst mitspielt, die Zuschauer könnten während der Pause das Interesse verlieren. Gerade im Hinblick auf die finalen Momente der letzten Episode aus Star Trek: Discovery liegt die Vermutung nahe, es könnte sich dort seitens der Produzenten eher um letzteren Grund handeln.

Wie es 1990 gewesen sein mag, spielt letztlich keine Rolle. Denn nur selten funktionierte das Prinzip des Cliffhangers so exzellent wie in den letzten Sekunden von The Best of Both Worlds, Part 1 (In den Händen der Borg).

Der Tipp kann also nur lauten: Einschalten! Heute um 18.35 Uhr und 19.25 Uhr auf SYFY. Dass sich der Rest der Serie ebenfalls lohnt, sei nur nebenbei bemerkt.

Conclusio

Bei keinem anderen popkulturellen Phänomen ist der Gedanke der Meinungsvielfalt so ausgeprägt wie in Star Trek. Sie steht dort sozusagen in der DNA. Daher bildet diese Kolumne selbstverständlich nur eine vollkommen subjektive Meinung ab. Der wichtigere Teil folgt immer im Anschluss: Was denkt ihr? Welche Cliffhanger sind die besten? Braucht ihr diese Form der Erzählung? Hat sie sich überholt? Lasst die Diskussion beginnen und preist die Meinungsvielfalt - denn das ist Star Trek!

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch enthält Illustrationen von Ralph Sander (Das Star Trek Universum) sowie Kommentare zu den verschiedenen Serien von Mike Hillenbrand (TREKminds, 40 Jahre Star Trek), Christian Humberg & Bernd Perplies (Star Trek: Prometheus), Lieven L. Litaer (Der kleine Prinz auf Klingonisch) und Ralph Sander (Das Star Trek Universum). Hinzu kommen O-Töne von Thorsten Nobst zur Synchronisation von Star Trek: Discovery und ein Interview mit dem deutschen "Mr. Star Trek" Gerhard Raible (Trekworld Marketing).

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Es lebe Star Trek

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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