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Star Trek: Wie gut sind die fünf Serienfinals?

Der Weg ist das Ziel – ein oft gehörtes Argument, wenn Serien ihre finale Episode verhauen. Doch ist dieser Ausspruch bei den verschiedenen Star-Trek-Serien ebenfalls nötig? Wie gut waren dort die letzten Episoden? Unser Experte Björn Sülter sagt euch, wie er dazu steht und welches Finale für ihn das beste und welches das schlechteste ist.

Star Trek: The Next Generation

Präsentiert von: Björn Sülter


Nur selten heißt es im Serienbereich ohne Einschränkung "Ende gut, alles gut." Es gibt sogar Vertreter, die durch ihr Finale bleibenden Schaden erlitten haben – egal, wie gut die Zeit davor war. Aktuellere Beispiele sind How I met your Mother sowie Dexter oder LOST. Bei der erstgenannten spielte man hochgradig mit den Erwartungen und Gefühlen der Fans, bei der zweitgenannten gönnte man dem Protagonisten kein angemessenes Ende seines beschwerlichen Weges und bei den Abenteuern auf der einsamen Insel kam ein riesiger, unterirdischer Dönerspieß zum Einsatz. Doch Schwamm drüber. Erase and rewind?

Für mich drängt sich die Frage auf: Wie sieht es eigentlich bei Star Trek aus? Dort musste man als Fan bereits fünfmal die berüchtigte letzte Episode durchleben. Schauen wir uns doch mal gemeinsam an, wie die Produzenten und Autoren mit ihren Schöpfungen umgegangen sind.

Einfach weg

1969 war nach nur drei Staffeln der Punkt gekommen, an dem man bei NBC keine Lust mehr auf diese sonderbare Star-Trek-Serie hatte. Die Quoten reichten nicht aus und die Werbekunden waren ebenfalls nicht zufrieden: Ab in die Mottenkiste damit! Somit erhielten die Produzenten der ersten Trek-Serie auch keine Chance, das Ganze mit einem runden Abschluss zu versehen. Die 5-Jahres-Mission der USS Enterprise endete mittendrin – und ohne besonderen Moment.

Turnabout Intruder war dann auch eine eher generische Episode, bei der mal wieder eine ehemalige Liebschaft des Captains und Körpertausch eine Rolle spielten. Nach Eindämmung der Krise flog die Crew ihres Weges.

Doch war das alles auf lange Sicht gar nicht so schlimm: 1979 begann nämlich bekanntermaßen eine neue Ära für die wackere Crew, die noch fünf weitere Filme und zusätzliche Gastauftritte erleben sollte. In diesem Sinne war die letzte Episode von Star Trek also fast visionär: Dieses Ende war erst der Anfang!

Star Trek

Der Himmel ist die Grenze

Star Trek: The Next Generation steuerte 1994 auf das Ende einer sehr erfolgreichen siebenjährigen Laufzeit hin und hatte sich in den Augen der Bosse bei Paramount für eine Kinozukunft qualifiziert. Star Trek: Generations war sogar gegen Ende der siebten Staffel schon parallel in der Mache. Dennoch versüßte man den Fans im TV den Abschied mit einer Doppelfolge, die alle Zutaten enthielt, die die Serie so erfolgreich und sehenswert gemacht hatten.

In All Good Things musste sich Jean-Luc Picard mit drei Zeitebenen auseinandersetzen, die nur er bewusst wahrnahm. In der Vergangenheit trafen wir dabei auf längst entschwundene Figuren (Tasha Yar, O’Brien), in der Gegenwart war alles, wie wir es kannten und liebten und in der Zukunft verfolgten wir gebannt, was aus den Figuren geworden war. Verbindendes Element der Serie und der Handlung war obendrein noch der beliebte Q, der somit den Handlungsbogen aus dem Pilotfilm Encounter at Farpoint schließen durfte. Klasse!

Die Autoren machten hier in jeder Hinsicht alles richtig und lieferten das eindeutig beste Serienfinale, das jemals eine Trek-Serie erhalten hat. Es funktionierte sowohl als runder und offener Abschluss, als auch als Event und als Verbindung zur Fortsetzung im Kino. Eine sehr starke Leistung!

Star Trek

Der Junge am Fenster

Ganz knapp hinter dem Finale der Mädels und Jungs von der Enterprise D konnte sich in meinem Herzen der Abschluss meiner Lieblingsserie platzieren: What You Leave Behind aus Star Trek: Deep Space Nine. Mit acht vorangegangenen Episoden hatte man bereits auf epische Art die verschiedenen Themen der Serie weitergeführt und zum Abschluss zu bringen versucht. In den meisten Fällen war das dort und im emotionalen Höhepunkt hier auch gelungen. Nur einzelne Elemente, wie Dukat/Winn oder das Fehlen des Eintritts von Bajor in die Föderation fielen etwas ab und ließen das Gesamtwerk in der Summe knapp hinter All Good Things zurückfallen.

Dennoch war kein Finale in der Summe so emotional, mitreißend, bittersüß und schrie gleichzeitig nach einer Fortsetzung wie es auch als Schlusspunkt befriedigte. Die Serie wollte immer alles und ging all in – so auch hier.

Star Trek

Kathryn*2=!

Wenn man über die Autoren und Produzenten von Star Trek: Voyager etwas ganz sicher sagen kann, dann, dass sie es liebten, ihren Kuchen zu essen und zu behalten. So lieferten sie mit Endgame eine Materialschlacht, die Borg, eine spekulative Zukunft (wie in All Good Things) und viel Bombast ab, wollten aber lieber keine wirkliche Aussage treffen. Die Serie blieb sich damit absolut treu – bis zum viel zu kurzen Finish, als Janeway ihre Worte aus dem Pilotfilm Caretaker wiederholte und der humorlos Abspann kam. Motto: Bloß nicht zu emotional werden!

Im Gegensatz zu All Good Things funktionierte das Zeigen der Zukunft (zu der es bei beiden Serien so dann gar nicht kommen würde) hier nicht so gut. Der Grund war einfach. Bei den Kollegen sagten die verschiedenen Zeitebenen eine Menge über alle Figuren und ihre Konstellationen aus. Im Zentrum stand aber natürlich Picard und der Grundkonflikt der Serie um Q und das Verfahren gegen die Menschheit. Hier nun ging es genaugenommen einzig und alleine um Janeway – der Rest war verzichtbares Beiwerk. Zu wenig für eine Ensembleshow, aber genug für eine unterhaltsame Dreiviertelstunde.

Star Trek

Holodeck, Ende!

Die letzte Serie die zuende ging, war 2005 Star Trek: Enterprise. Nach vier Jahren und einer starken letzten Staffel packten Rick Berman und Brannon Braga ihr ganz spezielles Abschiedsgeschenk an 18 Jahre Star Trek im TV aus. Leider vergaßen sie dabei jedoch, dass ihre aktuelle Serie ebenfalls ein rundes und schönes Ende verdient gehabt hätte.

So ließen sie in These are the Voyages lieber Riker und Troi durch die Kulissen der Enterprise D und in einer Simulation der NX-01 herumturnen und lieferten mit dem „Programm beenden!“-Moment zum Schluss noch einen wahren Heuler ab. Das hatten Archer & Co – ebenso wie den sinnlosen Tod von Trip – nicht verdient! Sie waren in ihrem eigenen Finale zu Statisten verkommen.

Immerhin gelang mit einer Abschlussmontage der drei Schiffe von Kirk, Picard und Archer aber in den letzten Sekunden noch etwas Emotionalität, wenngleich diese Sequenz auch völlig die Crews von DS9 und der USS Voyager vergaß.

Star Trek

Live fast, die happy?

In der Summe kann man es für alle fünf Serien auf einen ganz simplen Nenner bringen: Man stirbt, wie man gelebt hat. Alle Trek-Inkarnationen haben in gewisser Weise das einzig passende Ende erhalten.

Star Trek gar keines, weil die Serie durch den vorläufigen Schlussakkord erst zum Kult wurde, Star Trek: The Next Generation ein wunderbar spannendes, cleveres, unterhaltsames und offenes, weil die Serie genauso immer gewesen war und man danach direkt ins Kino weiterzog, Star Trek: Deep Space Nine ein episches (und offenes), weil unter anderem die vielen Schattierungen und Figuren nur auf diese Weise zu kanalisieren waren, Star Trek: Voyager ein bombastisches Effektgewitter, das über einen tieferen Sinn hinwegdonnerte, dabei aber durchaus Spaß machte und Star Trek: Enterprise ein fehlgeleitetes, das perfekt aufzeigte, wie wenig stringent die Serie über die Jahre durchdacht worden war. Man stirbt eben, wie man gelebt hat.

Und am Ende ist es eben doch auch ganz einfach: Der Weg war das Ziel. Denn niemand nimmt uns weg, was wir vorher geschätzt und genossen haben. Ein enttäuschendes Finale mag nachhallen und einen schalen Geschmack hinterlassen, es kann eine Serie als Gesamtkunstwerk aber nie vollständig zerstören. Und letztlich spricht ein enttäuschendes Finale vielleicht eben auch noch für etwas anderes: Nämlich dafür, dass die Serie zuvor eine Menge richtig gemacht haben muss, damit wir diese (hohen) Erwartungen überhaupt erst aufbauen konnten! Vielleicht kann uns Serienjunkies diese Haltung ja ein wenig die Angst davor nehmen, ganz am Ende des Weges im Regen zu stehen? Sonst bleibt im Zweifelsfall wirklich nur noch eine weitere Lösung: Erase and rewind. Andere Anbieter machen schließlich auch schöne Serien - manchmal sogar mit einem runden Ende.

 

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

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Björns Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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