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Stargate Atlantis – Spannend, charmant, humorvoll – abgesetzt!

Neben Star Wars und Star Trek gibt es noch ein drittes Franchise mit Sternen im Titel, das lange Zeit ein Momentum halten konnte. Bis die Macher hinter den Kulissen eine funktionierende Serie zugunsten einer krassen Neuausrichtung vorzeitig beendeten. Bedauerlich war das vor allem für die Crew von Stargate Atlantis und die Fans. Doch auch das Franchise an sich leidet seitdem einige Qualen – eine Analyse von Björn Sülter.

Präsentiert von: Björn Sülter


Rolands Blockbusterzauber und die wackere Mama

Im Jahr 1994 gelang es dem Schwaben Roland Emmerich mit seinem Kinofilm Stargate – ohne, dass er dies geplant hätte –  ein TV-Franchise zu starten, das seit 1997 im TV dauerpräsent ist. Stargate SG-1 wurde zur Mutterserie und begeisterte bis 2007 in über 200 Episoden und Fernsehfilmen die Fans. Zwar waren die Effekte immer etwas angestaubt und die Dramaturgie ein klarer Fall für die 1990er-Jahre, die Figuren, gute Action und viel Kreativität machten jedoch alles wett und ließen uns jahrelang spannende Abenteuer mit Witz und Herz erleben. Dabei überlebte das Format sogar Umbesetzungen, was bei einer derart langen Laufzeit aber auch kaum zu vermeiden ist.

Satz mir Kids, war wohl nix

MGM war in jedem Fall angefixt und überlegte Jahr um Jahr, wie man die etablierte Serie erweitern konnte. So kam es, dass man 2002 eine Zeichentrickserie ins Programm hievte: Stargate Infinity.

Die Serie wurde abseits der kreativen Köpfe der Ur-Serie produziert und spielte rund 30 Jahre in der Zukunft. Aufgrund schwacher Quoten und vernichtender Kritiken beendete man das Experiment allerdings bereits nach der ersten Staffel (die auf 26 Episoden kam). Weder die Fans, noch die Produzenten der anderen Serien oder die Macher bei MGM bezeichnen Stargate Infinity als Teil des offiziellen Kanons. Dieses Schicksal erinnert frappierend an die Zeichentrickserie aus Star Trek, die in den 1970er-Jahren ebenfalls der Ur-Serie folgte, scheiterte und sogar von Gene Roddenberry den Kanon-Status abgesprochen bekam.

Atlantis calling!

2004 durfte dann trotz dieses Misserfolgs ein weiterer Ableger an den Start gehen: Stargate Atlantis! Dort griff man Ereignisse aus Stargate SG-1 wieder auf und ließ ein internationales Team die mysteriöse Basis Atlantis auf einem fremden Planeten bewachen.

Auch diese Serie musste mit einigen Umbesetzungen kämpfen, konnte sich dabei aber immer wieder auf ihre Stärken besinnen, die insbesondere in den sympathischen Figuren und abwechslungsreichen Geschichten zu finden waren. Stargate Atlantis hätte mit den etablierten Figuren problemlos noch einige Jahre laufen können. Besonders schade war es um Dawid Hewlett als Rodney McKay, Joe Flanigan als John Sheppard und Robert Picardo in der Rolle des Richard Woolsey, der nach Gastauftritten ab dem dritten Jahr erst in der fünften Staffel als Kommandant der Basis so richtig an Bord angekommen war.

Die letzte Episode lief im September 2009 und verabschiedete die beliebten Recken immerhin mit einem halbwegs runden Ende. Der Grund für die Absetzung war so einleuchtend wie frustrierend: Die Macher bei MGM hatten eine neue Idee, von der sie sich eine Menge versprachen.

Universum ohne Ausgang

Der Name des Nachfolgers war Stargate Universe. In diese dritte Realserie setzte man große Hoffnungen, was sich auch am Cast und im deutlich höheren Budget manifestierte. Die Serie lief von 2009 bis 2011, hatte mit mäßigen Kritiken und schwindenden Zuschauerzahlen zu kämpfen und wurde schließlich humorlos mit einem Cliffhanger-Ende beendet.

Hatte die erste Serie noch zehn Jahre und 214 Episoden durchgehalten und die Männer und Frauen von Atlantis immerhin fünf Jahre und 100 Episoden geschafft, verabschiedete sich diese dritte Crew nach nur zwei Jahren und 40 Episoden. MGM hatte das einst stolze Franchise mit einer einzigen Fehlentscheidung sukzessive wegrationalisiert.

Im Nachhinein muss man festhalten, dass es sich hier schlicht um einen falschen Ansatz handelte. Die Fans wollten keine düstere, humorlose und teuer produzierte Serie. Der Charme des Franchises bestand in großem Maße immer einerseits trotz, andererseits aber auch gerade wegen der zuweilen ungelenken Präsentation. Vielleicht war die Zeit einfach noch nicht reif.

Zusammen mit der Serie wurden übrigens auch die immer wieder aufgewärmten Pläne für einen Abschlussfilm zu Stargate Atlantis namens Stargate Extinction begraben. Schade drum.

Dead like me

Wie Star Trek im Jahre 2005 war das Stargate-Franchise im Jahr 2011 nach rund 17 Jahren Dauerpräsenz mausetot. Erst zum 20-jährigen Jubiläum der Mutterserie wollte man mit Stargate Origins dann seitens MGM wieder in die Welten rund ums Sternentor eintauchen und den Fans zeigen, wie alles begann. Letztlich wurden daraus aber leider nur zehn mehr oder weniger unterhaltsame Webisoden, die zusammengenommen weder inhaltlich noch formal auf einen grünen Zweig kamen. Eine dürftige Geschichte traf auf flache Dialoge, platte Figuren und teilweise furchtbare Effekte. Dieser Mix machte der kurzen Serie schnell den Garaus. Stargate wurde ausgerechnet auf der eigenen Geburtstagsparty also ein zweites Mal zu Grabe getragen.

Stargate Origins

Zwar ist es sicherlich zu einfach, dieses Scheitern nur an der Absetzung von Stargate: Atlantis festzumachen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass dieser Einschnitt den Wendepunkt darstellt. In der Folgezeit gelang es nicht mehr, das Momentum zurückzugewinnen. Doch darf auch hier Star Trek gerne als Vorbild herhalten: Irgendwann wird jemand des Weges kommen und einen neuen Ansatz wieder auf dem aufbauen, was Stargate so beliebt gemacht hat: Abenteuer, Herz, Hirn und viel Humor. Für diese Facetten stehen Stargate SG-1 und Stargate Atlantis auch heute noch und sind immer einen Rewatch wert. Stargate Universe übrigens auch - nur aus anderen Gründen.

Auf SYFY läuft von Stargate Atlantis aktuell die vierte Staffel.


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