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Stargate: Neulich am Tor - die Geschichte des anderen großen Sternenfranchise

Es war einmal ein Sternentor: Mit einem Kinofilm begann 1994 eines der humorvollsten SF-Franchises unserer Zeit, das zuletzt allerdings schwer unter den kreativen Fehlentscheidungen seiner Macher litt. SYFY-Experte Björn Sülter führt euch durch die Geschichte der beliebten Reihe.

Stargate

Präsentiert von: Björn Sülter


Am Anfang war der Roland - Stargate

Im Pixar-Film Alles steht Kopf heißen sie Kernerinnerungen und definieren Momente im Leben eines Menschen, die immer präsent bleiben. Und obwohl zu meinen Kernerinnerungen eher andere Dinge zählen, gibt es auch noch die Untergruppe der Nerd-Kernerinnerungen. Zu denen gehört eindeutig ein Abend im Jahr 1994. In Kiel stand das erste Multiplex-Kino kurz vor der Eröffnung und ich durfte mit meinen gerade 17 Jahren dem inoffiziellen Testlauf mit geladenen Gästen beiwohnen. Gezeigt wurde: Stargate. Nun gehört der Film von Roland Emmerich sicher nicht zu den denkwürdigen Momenten im Leben eines Cineasten, für mich ist er aber Teil meiner ganz persönlichen Kinogeschichte. Die riesige Leinwand war wie gemalt für die Landschaften und Effekte des Films. Ich lernte an diesem Abend, was das Wort „episch“ bedeutet.

Emmerich gelang jedoch vollkommen ungeplant auch noch etwas anderes. Er startete ein Fernsehfranchise, das bis heute Bestand hat. Obwohl sein Partner Dean Devlin und er immer eine Trilogie im Sinn hatten, ist bis heute nichts aus Fortsetzungen auf der großen Leinwand geworden. Die Rechte landeten schließlich bei MGM, wo man das Potential für den kleinen Schirm erkannte und eine Serie in Auftrag gab.

Die Classic-Serie - Stargate SG-1

Bei Star Trek startete die klassische Serie ein Filmfranchise und zog Sequels und Prequels im TV nach sich. Bei Stargate lief es umgekehrt. Vom großen Schirm wanderte das Format in die heimischen Wohnzimmer. Brad Wright und Jonathan Glassner hatten ein Konzept ausgearbeitet, welches die Serie rund ein Jahr nach den Ereignissen des Films starten ließ und die Missionen der Einheit SG-1 zeigte, verschiedene Feinde zu bekämpfen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Wright blieb die ganzen zehn Jahre an Bord und wurde sogar zum Gesicht der kompletten Reihe, Glassner verließ die Serie hingegen bereits nach drei Staffeln.

Die aus dem Kinofilm bekannten Rollen besetzte man neu. Kurt Russels Jack O’Neill ging an Richard Dean Anderson, den viele bereits aus MacGyver kannten und liebten. Die Rolle des Daniel Jackson wechselte von James Spader zu Michael Shanks. Andere Stars der Serie waren Amanda Tapping als Samantha Carter, Christopher Judge als Teal’c und Don S. Davis als George Hammond. In den späteren Staffeln kamen noch Ben Bowder, Beau Bridges und Claudia Black an Bord.

Von 1997 bis 2002 lief die Serie auf Showtime und wechselte dann von 2002 bis 2007 zu Sci Fi (seit 2009: SYFY). Mit 214 Episoden und 2 Fernsehfilmen (Stargate: The Ark of Truth & Stargate: Continuum) überholte man sogar The X-Files als längste nordamerikanische SF-Serie. Erst Smallville brach diesen Rekord dann im Jahr 2011.

Bis heute ist die Serie für ihren Humor, die abwechslungsreichen Abenteuer und das spielfreudige Ensemble beliebt. Auch darin liegt eine Parallele zur Classic-Serie aus dem Star Trek-Universum.

Kinderkram - Stargate: Infinity

Und diese Parallelen hören nicht mehr auf. Noch während der Laufzeit der Originalserie versuchte man, eine kindgerechte Zeichentrickserie zu etablieren, die dreißig Jahre in der Zukunft angesiedelt war. Die 26 Episoden verpufften jedoch völlig, was zu einer schnellen Einstellung führte – noch bevor die Handlungsstränge beendet werden konnten. Das Experiment gilt inhaltlich auch nicht als Kanon, was auf die Trek-Zeichentrickserie ebenso zutrifft.  

Stargate: Infinity

Die ferne Raumstation - Stargate: Atlantis

Im Jahr 2004 wollte man dann lieber wieder eine Realserie machen und somit parallel zu Stargate SG:1 ein zweites Format etablieren. Doch war es den Verantwortlichen zu einfach, nur ein zweites Team bei Reisen durch das Stargate zu begleiten. Also wählte man einen Kniff, der erneut Parallelen zu den Kollegen von Star Trek zuließ – genauer zur Crew von Deep Space Nine. Das Team erreichte über einen verlassenen Außenposten in der Arktis, den man bei Stargate SG-1 am Ende der siebten Staffel gefunden hatte, das sagenumwobene Atlantis und fand in der dortigen Basis ein Zuhause, das es fortan zu bewachen und zu erforschen galt.

Alle fünf Staffeln der Serie mit ihren insgesamt 100 Episoden liefen ebenfalls bei Sci Fi und erfreuten sich großer Beliebtheit. Die Serie punktete wie das Schwesterformat mit viel Witz, lockeren Sprüchen und sympathischen Helden.

Drei Figuren waren die ganze Zeit an Bord: Joe Flanigan spielte John Sheppard, David Hewlett den grandiosen Rodney McKay (den man bereits aus Stargate SG-1 kannte) und Rachel Luttrell Teyla Emmagan. Von Flanigan und Luttrell hörte man nach der Serie nur noch wenig, was besonders bei Flanigan erstaunlich war, der die Rolle des Sheppard mit großem Charme und Witz gespielt hatte. Einzig David Hewlett ist bis heute immer wieder zu sehen: Zuletzt zum Beispiel in Dark Matter, Planet der Affen: Prevolution und in The Shape of Water.

Torri Higginson hatte zu Beginn die Kommandantin Elizabeth Weir gespielt, blieb aber meist blass. Sie wurde nach der dritten Staffel weitestgehend herausgeschrieben. Ihren Part übernahm zunächst Amanda Tapping alias Samantha Carter aus Stargate SG-1 und im letzten Jahr noch Robert Picardo (der Holodoc aus Star Trek: Voyager) als Richard Woolsey. Dieser hatte auch vorher schon Gastauftritte in beiden Serien absolviert.

Jason Momoa portraitierte ab dem zweiten Jahr Ronon Dex. Momoa wurde später als Khal Drogo in Game of Thrones bekannt und spielt heute zum Beispiel den Aquaman.  

Paul McGillion war in wechselndem Umfang als Carson Beckett dabei, die aus Firefly bekannte Jewel Staite spielte später in der Serie die Rolle der Jennifer Keller.

Stargate: Atlantis wurde 2009 beendet, um Stargate: Universe Platz zu machen, einer Serie, die mit größerem Budget und bekannteren Namen sowie einer düstereren Vision auf Zuschauerfang gehen sollte. Ein lange geplanter Fernsehfilm wurde leider nie mehr realisiert.

Obwohl Stargate: Atlantis immer ein wenig unter dem geringen Budget litt und somit schon zu Ausstrahlungszeiten visuell mit Konkurrenzformaten nicht mithalten konnte, begeisterten die Figuren und der Charme jederzeit. Schade, dass die Verantwortlichen aufs falsche Pferd setzen mussten …

Die Zeitgeist-Dystopie - Stargate: Universe

Dabei sollte dieses Bedauern nicht missverstanden werden. Stargate: Universe ist definitiv keine schlechte Serie. Im Gegenteil! Sie ist nur eine, die zu radikal mit dem Setting ihrer Vorgänger umgegangen ist.

Die Idee, eine Crew auf einem Schiff irgendwo im Nirgendwo stranden zu lassen, ist zwar eine weitere kleine Parallele zu Star Trek (genauer natürlich zu den Abenteuern auf der USS Voyager), durch den Kniff, der Besatzung ein verlassenes Schiff der Antiker zu geben, etablierte man jedoch eine spannende Basis für Abenteuer in unbekanntem Territorium.

Der Ton der Serie war deutlich düsterer und ernsthafter als bei den Vorgängern, die Figuren wurden zudem zwiespältiger gezeichnet und lockere Sprüche stark zurückgefahren. Das Franchise versuchte, erwachsen zu werden und die Naivität der 90er Jahre hinter sich zu lassen. Etwas Ähnliches geschieht aktuell gerade bei Star Trek mit den Abenteuern der USS Discovery, bei denen man ebenfalls in der ersten Staffel die Utopie der klassischen Serien durch eine Dystopie ersetzte. Ausgang offen.

Mit Robert Carlyle als Nicholas Rush hatte man einen ganz wunderbaren Schauspieler für die Hauptrolle gewinnen können, der Charisma und Tiefe mitbrachte. Neben ihm begeisterte vor allem noch David Blue als Eli Wallace. Doch bot man in Sachen Casting und Figurenzeichnung ohnehin wenig Angriffsfläche.

Die Einschaltquoten bröckelten allerdings bereits in der ersten Staffel stark. Ob den Fans die Kehrtwendung vielleicht zu extrem war? Oder war der Hype um Stargate einfach an einen toten Punkt gekommen, wie es auch bei Star Trek Anfang der 2000er Jahre der Fall gewesen war?

Hinsichtlich der Ausstrahlung bekleckerte man sich in den USA aber leider auch nicht gerade mit Ruhm, was das Wechseln der Ausstrahlungstage anging. Nach dem zweiten Jahr und insgesamt nur 40 Episoden zog man den Stecker, ohne den Cliffhanger am Ende noch aufzulösen. Unnötig zu erwähnen, dass die Fans wenig begeistert von dieser Entscheidung waren.

Der Untergang - Stargate: Origins

Sieben Jahre nach dem Ende von Stargate: Universe gibt es aktuell endlich wieder Futter für die Fans der Reihe. Doch sollte man eigentlich von „leider“ sprechen. Was MGM da als Geburtstagsgeschenk präsentiert, darf man nämlich durchaus mit dem Prädikat „besonders furchtbar“ versehen.

Die Webserie aus zehn jeweils rund zehnminütigen Episoden erzählt die Vorgeschichte der Reihe und konzentriert sich auf die aus dem Kinofilm und Stargate SG:1 bekannte Catherine Langford und ihren Vater, den Professor Paul Langford. Ellie Gall durfte die Hauptrolle übernehmen, nachdem man vorher bereits vier verschiedene Darstellerinnen für diese Figur eingesetzt hatte. Der als Trip Tucker aus Star Trek: Enterprise bekannte Connor Trineer übernahm die Rolle ihres Vaters.

Die Geschichte rund um Nazis, die das Stargate für sich beanspruchen, liefert den simpelsten Nenner, der denkbar war. Die Kulissen entbehren jeder Vorstellung, die Dialoge sind kaum zweitklassig und die Darsteller – so sehr sich besonders Gall und Trinneer bemühen – dürften den meisten Zuschauern nur leidtun.

Es ist unklar, was sich MGM bei dieser Billigversion ihres einstigen Vorzeige-Franchise gedacht hat. Dass man die Webserie sogar noch als Geschenk an die Fans zum 20. Geburtstag gedacht hatte, setzt dem Horror die Krone auf.

Stargate: Origins

Die Zukunft - Back to the roots?

Sollte es nach diesem Desaster noch eine Zukunft für die Sternentorsaga geben, liegt diese sicher nicht in billig heruntergekurbelten Webserien.

Die Fans haben eine liebevoll gemachte Serie verdient, die sich um die Story und die Figuren sorgt und dem Stil von Stargate SG-1 und Stargate: Atlantis huldigt. Diese Serien sind das Herz des Franchise.

Nicht zuletzt die Reboot-Kinofilme von Star Trek haben (die Schwächen mal außer Acht gelassen) bewiesen, dass man den Charme eines Klassikers durchaus mit moderner Optik paaren kann.

Hier gilt es anzusetzen. Ob jemand gewillt ist, dafür Geld in die Hand zu nehmen, ist nach Stargate: Origins sicher mehr als fraglich. Erfreulich wäre es aber in jedem Fall.

 

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Björn ist auch Experte für Star Trek. Viele Gedanken zum Thema, seine ganz persönliche Geschichte mit dem Franchise und Hintergrundinformation zu über 50 Jahren findet ihr ab Sommer in seinem Buch „Es lebe Star Trek“, das von SYFY präsentiert und im Verlag In Farbe und Bunt erscheinen wird. Das Buch wird schon in Kürze über Amazon und andere Kanäle vorbestellbar sein.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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