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Street Fighter auf SYFY - Kick it like van Damme!

Die 80er und 90er Jahre waren die Zeit der Prügelfilme. Eine ihrer Ikonen war Jean-Claude van Damme, der mit Karate Tiger, Bloodsport oder Universal Soldier wie Phönix aus der Asche aufstieg, um dann 1994 als Street Fighter Fans zu verärgern, die Kasse aber klingeln zu lassen. Zur heutigen Ausstrahlung auf SYFY blickt Björn Sülter zurück auf den Mann, seine Filme und eine sehr viel einfachere Kinozeit.  

Präsentiert von: Björn Sülter


The Hard-Knock Life

Die Rede ist von einem Mann, der als The Muscels from Brussels berühmt wurde. Geboren als Jean-Claude Camille François Van Varenberg am 18. Oktober 1960 im beschaulichen belgischen Sint-Agatha-Berchem, wollte der kleine Jean-Claude sicherlich Vieles, aber ganz bestimmt nicht seinem Vater nachfolgen und den Blumenladen der Familie übernehmen. Mit zehn Jahren begann er daher sein Karatetraining, betrieb bald auch Bodybuilding und erhielt obendrauf eine Ballettausbildung.

1978 der erste Triumph: Er wurde Mr. Belgium im Bodybuilding. Doch trieb es ihn raus aus dem beschaulichen Belgien – es zog ihn nach Hollywood. Mit seinem Jugendkumpel Michel Qissi brach er 1982 in die USA auf und erhielt dort später sogar die amerikanische Staatsangehörigkeit. Zwischen dem Fahren von Limousinen, mit Jobs als Türsteher (im Club von Chuck Norris‘ Ehefrau) und als Fitnesstrainer arbeitete er zwar noch lange nicht in der Traumfabrik selbst und war kein Teil von Glanz und Glamour, dennoch kam er seinem Traum Schritt für Schritt näher. Im Film Missing in Action war er als Stuntman dabei, die Rolle als Predator im gleichnamigen Schwarzenegger-Film verpasste er jedoch aufgrund seiner Körpergröße und durfte schließlich aber als Antagonist in Karate Tiger 1986 erstmals einem größeren Publikum auffallen.

 

In den folgenden acht Jahren war Van Damme dann ein gefragter Mann. Ob Red Eagle, Bloodsport, Karate Tiger 3, Cyborg, Universal Soldier, TimeCop oder Sudden Death - man kennt sie alle.

Diese Phase endete jedoch ausgerechnet mit dem Film Street Fighter, der zwar kommerziell erfolgreich war und auch reichlich Anspielungen auf die beliebte Videospiel-Franchise enthielt, die Fans der Reihe aber dennoch aufgrund vieler inhaltlicher Änderungen erzürnte. Aus irgendeinem Grund war das ein Bruch in der Karriere Van Dammes. Er hatte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr viel Glück mit der Auswahl seinen Filmrollen und wirkte größtenteils nur noch in Flops mit.

Für Der Legionär erhielt er allerdings Lob – ausgerechnet für seine schauspielerische Leistung. The Quest mit Roger Moore kam als Van Dammes Regiedebüt danach ebenfalls nicht schlecht weg. Dennoch blieb es dabei: Seine große Zeit als Kassenmagnet war vorbei. Nach dem Jahr 1999 kam für lange Zeit keiner seiner Filme überhaupt mehr ins Kino.

 

Apropos: Sein Jugendkumpel Michel Qissi war nicht wirklich besser dran. Ihm war erst gar keine große Karriere vergönnt. Zwar spielte er ebenfalls in einigen Streifen mit oder war zumindest für die Stunts verantwortlich, nach 1990 machte er jedoch keinen Film mehr an der Seite von Jean-Claude Van Damme und konnte auch alleine keine großen Erfolge mehr feiern. Bis heute ist er aber immerhin noch gelegentlich in kleineren Rollen zu sehen oder als Regisseur tätig.

Private Dancer

Van Damme portraitierte in seinen Filmen gerne den einsamen und coolen Kämpfer und Sunnyboy. Seine Sprüche waren zumeist Oneliner und trafen wie seine Tritte auf den Punkt. Mit Null-Mimik und stoischer Gelassenheit pflügte er durch seine Abenteuer und hinterließ eine Schneise der Verwüstung – immer mit einem schiefen Grinsen im Gesicht. Doch auch privat ging es bei ihm oft drunter und drüber. Er war fünfmal verheiratet (mit vier verschiedenen Frauen), hat drei Kinder und leidet unter einer Bipolaren Störung, die jedoch erst 1998 diagnostiziert wurde. Obwohl er dank der Hilfe von Medikamenten seine Erkrankung seitdem weitestgehend im Griff hat, sagte er einmal über seine Empfindungen:

"Sometimes you're gonna like me, and sometimes you're gonna hate me. But what can I do? I'm not perfect ... I'm an extreme bipolar, and I'm taking medication for this ... When I was young, I was suffering those swing moods. In the morning, the sky was blue when I was going to school, and to me, the sky was black. I was so sad."

Ende der 90er Jahre musste er sich zudem eingestehen, kokainabhängig zu sein. Seiner eigenen Schilderung nach benötigte er zeitweise für seine Sucht um die 10.000 Dollar in der Woche. Verschiedene Versuche, die Sucht zu bekämpfen, blieben damals lange Zeit erfolglos.

Hold me, thrill me, kick me, kill me

Die Prügeljahrzehnte brachten einige Action-Helden hervor, die danach nie mehr an ihre Erfolge anknüpfen konnten. Dazu gehören Schauspieler wie Steven Seagal, Dolph Lundgren, Chuck Norris oder der zumeist in Trashfilmen auftauchende Michael Dudikoff. Sie alle verdanken ihre Berühmtheit einem Jahrzehnt, das wie kein zweites auf Action vor Story setzte und den Klischee-Kämpfer, die Killermaschine zum Helden glorifizierte. Als der Trend sich legte, hieß es für viele dieser harten Jungs, wie eine heiße Kartoffel fallengelassen zu werden. B-Movies und Direct-to-DVD wurden zum Strohhalm. Einzig den Kollegen Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger – beide ebenfalls keine Mimikmonster – gelang der Sprung in eine veritable Karriere danach. Schwarzenegger hatte früh erkannt, wie gut es beim Publikum ankam, sich selbst auf die Schippe zu nehmen – und drang somit sogar ins Komödienfach vor. Dass er später noch acht Jahre lang Gouverneur von Kalifornien war, ist dabei eine gänzlich andere Geschichte.

 

Jean-Claude van Damme hatte die Macht des Humors ebenfalls schon 2008 realisiert und mit dem Film JCVD immerhin in einigen Ländern wieder die Kinos geentert. In diesem sehr empfehlenswerten Streifen spielte er eine desillusionierte Version seiner selbst und überzeugte damit viele Kritiker und das Publikum. 2016 griff Amazon die Idee auf und lieferte mit Jean-Claude Van Johnson eine sehr ähnliche Parodie in Serienform, die aber leider nach nur einer Staffel wieder eingestellt wurde. Sehenswert sind die sechs Episoden aber allemal.

Und auch im Kino durfte die verlorene Garde nochmal antreten: In den Filmen der The Expendables-Reihe machte man aus der Not eine Tugend und gab den Helden des Testosteron-Kino eine zeitgemäße Plattform.

Doch auch ohne diese zweite Welle gelten heute noch vielen Genrefans die Filme mit Jean-Claude van Damme als Must-See.

SYFY zeigt am heutigen Donnerstagabend um 20.15 Uhr den Film Street Fighter.

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Noch dieses Jahr erscheint sein Buch "Es lebe Star Trek", das von SYFY präsentiert wird - Informationen dazu gibt es zeitnah hier bei SYFY sowie auf seiner Homepage, bei Twitter oder beim Verlag in Farbe und Bunt.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie ausführlich jede Episode von Star Trek: Discovery. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er über das langlebige Franchise. Besucht gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Street Fighter - Die entscheidende Schlacht