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Sülters Trek-Top-5: Die wichtigsten Borg-Momente

Viele Spezies aus dem Trek-Kosmos haben es den Fans angetan. Eine davon sind sicher die schwedischen Technozombies: Die Borg. Unser Björn Sülter hat sich durch die vielen Abenteuer gegraben und die fünf wichtigsten für euch hervorgeholt. Welche das sind und warum sie für ihn dazugehören, lest ihr in seiner heutigen Kolumne.

Präsentiert von: Björn Sülter


Als die Borg das erste Mal im TV auftauchten, schien die Geschichte dieser Spezies und die Verbindung zur Menschheit noch relativ übersichtlich zu sein. Es folgten viele weitere Begegnungen, Konflikte und Entwicklungen. Doch wissen wir heute, dass alles etwas komplizierter war, als wir zunächst dachten. Anhand von fünf Momenten der Borg-Geschichte, versuche ich ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Hier sind sie also – die meiner Ansicht nach fünf wichtigsten Borg-Momente – in historisch korrekter Reihenfolge – zumindest so weit es möglich ist.

Star Trek: First Contact

Das Jahr ist 2063. Ein gewisser Zephram Cochrane, seines Zeichens genialer Erfinder, Trinker und Träumer, bastelt irgendwo in Montana den ersten Warp-Antrieb. Seine Vision: Wein, Weiber und Geld. Viel hätte bei diesem Stunt schiefgehen können! Doch hätte der gute Mann vermutlich als allerletztes vermutet, dass seinen Flug ausgerechnet Zeitreisende aus einem fernen Quadranten zu verhindern suchen …

Dank der Einmischung der wackeren Crew um Captain Picard werden die Borg jedoch besiegt, der historisch so relevante erste Kontakt mit den Vulkaniern findet statt und Cochrane wird zu einer Ikone. Ende gut, alles gut? Es schien so.

Die zu Beginn des Films abgeschossene Sphäre blieb auf der Erde zurück. Ein Umstand, der zunächst gar nicht auffiel – viele Zuschauer hielten sie vermutlich für zerstört. Wie wir später erfahren sollten, entsprach das jedoch nicht der Realität.

In diesem Abenteuer tauchte übrigens auch die Borg-Königin, gespielt von Alice Krige, erstmals auf. Wie passend, wenn man bedenkt, dass es sich rein von der Erdzeitlinie aus betrachtet eben auch um den ersten Kontakt mit den Borg handelt.

Star Trek

Vergessen dürfen wir eines aber nicht: Wir hatten es hier mit Borg aus dem 24. Jahrhundert zu tun! Ihre Kameraden im fernen Delta-Quadranten dieser Zeit konnten sie nicht zur Hilfe rufen oder über die Menschheit informieren.

Regeneration

Wir schreiben den 1. März 2153. Im ewigen Eis des nördlichen Polarkreises findet eine Gruppe Forscher Wrackteile eines vor rund 100 Jahren abgestürzten, kugelförmigen Raumschiffs. Klingelt da was?

Die Autoren von Star Trek: Enterprise, in diesem Fall Mike Sussmann und Phyllis Strong, waren wirklich clever und strickten aus der im Kinofilm abgestürzten Sphäre den Aufhänger für einen Auftritt der beliebten Spezies im Prequel – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit!

Durch das Eingreifen der Forscher reaktivieren sich die Borg, assimilieren die Gruppe und verlassen die Erde. Die NX-01 um Captain Archer kann nur knapp der Vernichtung und Assimilation entgehen, zerstört aber schließlich das Schiff der Fremden. Diese senden jedoch zuvor noch eine Nachricht in den fernen Delta-Quadranten, die allerdings erst im 24. Jahrhundert dort eintreffen wird.

Star Trek

Am Ende bleiben Archer und T`Pol ratlos zurück. Was wird der Funkspruch der Borg auslösen? Wird irgendwann jemand auftauchen, um die Menschen zu besuchen? Wir kennen die Antwort natürlich. Letztlich führte die Zeitreise in das Jahr 2063, der Abschuss der Sphäre durch die Enterprise (aus Star Trek: First Contact) sowie das Auffinden der Trümmer und die Handlung dieser Episode erst dazu, dass die Borg im 24. Jahrhundert von den Menschen erfuhren und sie besuchten. Da die Ereignisse aus Star Trek: First Contact eine direkte Folge aller vorausgegangenen Zusammentreffen sind, haben wir es an dieser Stelle mit einem wunderbaren Zeitparadoxon zu tun. Wo sind Henne und Ei, wenn man sie braucht?

Q Who

Das Jahr ist 2365, etwas mehr als zweihundert Jahre sind seit dem Funkspruch der Borg im Jahr 2153 vergangen, als Q die Crew um Captain Picard in einen fernen Raumsektor schleudert, um zu beweisen, dass die Menschheit für das, was auf sie wartet, nicht bereit ist.

Bei dieser Gelegenheit trifft die Crew erstmals auf die Borg und muss erkennen, wie unterlegen die Sternenflotte im Falle einer Invasion wäre.

Star Trek

Lange nahm man an, dass erst durch diesen Vorgang die Borg auf die Menschen aufmerksam wurden. Wir wissen es heute allerdings besser. Die Borg waren bereits auf dem Weg, sie hatten vermutlich auch 2364 die Außenposten der Föderation in der Episode The Neutral Zone (Star Trek: The Next Generation) zerstört, die USS Tombaugh im Jahr 2362 assimiliert (Infinite Regress, Star Trek: Voyager) und wurden von Seven of Nines menschlichen Eltern bereits in den 2350er-Jahren untersucht. Somit scheint es, als hätten einige Menschen bereits Kenntnis dieser fremden Spezies (aufgrund der Ereignisse aus der Episode Regeneration?), andere aber nicht.

Star Trek

Letztlich half Q der Menschheit hier nur: Er zeigte auf, dass man sich vorbereiten müsse. Denn kommen würden die Borg in jedem Fall. Die Frage war nur: wann?

The Best of Both Worlds

Das Jahr ist 2366 und die Frage nach dem Wann wird auf schockierende Art und Weise beantwortet. Erneut wird ein Außenposten ausradiert und die Sternenflotte befürchtet das Schlimmste. Als man sich den Borg entgegenstellt, gerät Captain Picard in Gefangenschaft und wird zu Locutus und somit zur willenlosen Marionette des Feindes. Die Schlacht bei Wolf 359 geht in die Geschichte ein. Nur unter höchstem Einsatz gelingt es der Crew der Enterprise, die Borg zu bezwingen und ihren Captain zu retten.

Die Cliffhanger-Doppelepisode aus der dritten und vierten Staffel von Star Trek: The Next Generation war damals ein Straßenfeger und Knaller, der seinesgleichen suchte. Der finale Moment, als Riker den Feuerbefehl gab und das Publikum mit weit offenen Mündern in die Pause entließ, geriet gar zum Paradebeispiel für Cliffhanger.

Star Trek

Nach diesem Intermezzo trafen sowohl die Recken der Enterprise, als auch die von der USS Voyager noch oft auf die Borg. Den Schlusspunkt in Sachen Picard und Co setzte die Rahmenhandlung aus Star Trek: First Contact, die im Jahre 2373 spielte. Dort starb auch die (erste?) Borg-Königin. Die Crew der Voyager war dann bis 2378 mit den Borg (und einer neuen Königin) in deren eigenem Quadranten beschäftigt.

Endgame

Und so kommen wir im Jahr 2378 an. In diese Zeit reist ein gealterter Admiral Janeway, um ihrer ehemaligen Crew zu helfen und erneut der Borg-Königin gegenüberzutreten.

Doch fangen wir weiter vorne an: Captain Janeway und ihre wackere Crew haben im Delta-Quadranten bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Borg gekämpft, eine Menschenfrau gerettet und in ihre Crew aufgenommen und sogar ein paar verlorenen Kindern geholfen.

Star Trek

Da war es doch Ehrensache, dass ganz zum Schluss der Serie noch eine große Konfrontation zwischen Janeway und der Borg-Königin fällig wurde. Nachdem diese in den bisherigen Episoden der Serie von Susanna Thompson dargestellt worden war, kehrte zum Finale Alice Krige aus Star Trek: First Contact zur Rolle zurück. So schloss sich auch hier der Kreis.

Star Trek

Am Ende bringt die Aktion die Voyager nach Hause, ein großes Transwarpzentrum wird zerstört und die Borg-Königin verliert zum zweiten Mal – diesmal durch Janeways Hand – ihr Leben. Somit wurden die Borg ein weiteres Mal vernichtend geschlagen.

Wir rekapitulieren

Im Jahr 2063 stürzen Borg aus der Zukunft auf der Erde ab und werden 2153 von Forschern gefunden. Sie fliehen von der Erde, senden einen Notruf in den Delta-Quadranten (der bis ins 24. Jahrhundert unterwegs ist) und werden vernichtet.

Der Notruf erreicht die Borg rund 200 Jahre später. Sie fliegen Richtung Erde, zerstören erste Außenposten und treffen durch Einwirken von Q im Jahr 2365 erneut auf die Menschen. Diese sind nun (spätestens) vorgewarnt. Spätestens deshalb, weil sie durch die Ereignisse vor 200 Jahren eigentlich im Bilde hätten sein können. Das galt jedoch nur für Forscher wie die Hansens (Sevens Eltern), die auf eigene Faust losflogen und assimiliert wurden. Picard und seine Crew wirkte hingegen erstaunt und unwissend.

Ein Jahr später, also 2366, kommt es zum Konflikt bei Wolf 359 und der kurzzeitigen Assimilation von Picard. Diverse Scharmützel später muss die Enterprise 2373 erneut eingreifen und einer Sphäre in die Vergangenheit folgen. Dort kann man die Krise zwar abwenden, die Trümmer verbleiben aber im ewigen Eis, wo sie rund 100 Jahre später gefunden wurden. Fertig ist das Paradoxon.

Alles was nach 2373 unter Einmischung der Voyager-Crew folgt, ist dann ein Nachschlag.

Ob wir in der neuen Picard-Serie, die bekanntlich an der Schwelle zum 25. Jahrhundert spielen wird, vielleicht neue, noch tödlichere Borg sehen wird? Schätze ich die Autoren in Hollywood richtig ein, haben wir in jedem Fall noch nicht das letzte von ihnen gesehen. Wetten, dass…?

Conclusio

Bei keinem anderen popkulturellen Phänomen ist der Gedanke der Meinungsvielfalt so ausgeprägt wie in Star Trek. Sie steht dort sozusagen in der DNA. Daher bildet diese Kolumne selbstverständlich nur eine vollkommen subjektive Meinung ab. Der wichtigere Teil folgt immer im Anschluss: Was denkt ihr? Lasst die Diskussion beginnen und preist die Meinungsvielfalt - denn das ist Star Trek!

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Es lebe Star Trek

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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