News /

SYFY trifft Marvel-Legende Stan Lee: „Jarvis war nur ein Gag, heute habe ich Bixby in der Hosentasche“

Großzügig gestylte Haare, ein keckes Lächeln auf den Lippen und eine eine extragroße Sonnenbrille auf der Nase: Stil kann dieser Stan Lee und ist auch mit 94 Jahren noch lange nicht bereit für die Rente. „Es gibt ja noch so viel zu tun“, erzählt er SYFY bei einem spontanen Plausch im Rahmen von Samsungs Developer Conference in San Francisco. Unter anderem plant er gerade seine neue beste Freundin und Popstar Rain Paris in eine Comic-Heldin für ein Smartphone-Game zu verwandeln - die richtigen blauen Haare dafür hat sie schon. Und sprach über Bixby, Samsungs netten Sprachassistenten. Der mehr auf ihn hört, als die Marvel-Bosse. 

 

 
 
 
 

Präsentiert von: Benjamin Kratsch


Mister Lee, Sie sind eine lebende Legende. Wie hat das eigentlich alles angefangen? 

Stan Lee: Lebende Legende klingt gut, sollte ich auf meine Visitenkarte drucken lassen. Ja, das gefällt mir. Mir gefällt auch, dass ich noch lebe, sonst könnte ich dir nicht meine Geschichte erzählen. Ich war ein kleiner Junge mit großen Träumen. Ich jobbte bei Timely Comics und einer der Chefautoren fragte mich, ob ich nicht Lust hätte sein Assistent zu werden. Ich sollte ihm Kaffee bringen, Sandwiches und Zigaretten, auf Meetings hinweisen und so. Kaffee holen kann ich, dachte ich mir. Kaffee holen brachte mir auch meine erste Statisten-Rolle in einem Marvel-Film ein. Aber dazu später mehr. Meine Hauptaufgabe bestand eigentlich darin dafür zu sorgen, dass Editor Joe Simon immer ein paar seiner Lieblings-Füller sowie Federstile zur Hand hatte und genug Tinte. Man zeichnete und schrieb damals ausschließlich mit Tinte. Das war die Zeit vor den Galaxy-Smartphones und Tablets dieser Welt.


Vom Tintenbefüller zum Erfinder von Spider-Man hat es ein paar Jahre gedauert…

Stan Lee: Nun ja, ich hatte mal Pech, mal Glück im Leben. Aus einem komischen Zufall heraus verließen alle Autoren die Abteilung, man drückte mir die Verantwortung für einen Comic in die Hand, „bis man einen Erwachsenen finden würde, der das besser kann.“ Den Erwachsenen hat man nie gefunden, ich arbeitete an einem Helden namens Jack Frost und der Comic war ein Erfolg. Unser Publisher war nicht besonders interessiert an unserer Arbeit, er meinte „Hat sich verkauft, denk dir bis nächste Woche einen neuen Helden aus.“ So saß ich da und grübelte. 

Und kamen auf Peter Parker. 

Stan Lee: Zunächst kam ich auf gar nichts. Ich hatte vorher schon die X-Men geschrieben und Fantastic Four, wobei ich die Reihenfolge immer verwechsle. Aber ich kam nicht auf einen neuen Helden. Dankenswerter Weise langweilte eine Spinne in meinem Büro sich so sehr, dass sie immer auf und ab an meinem Fenster ging. Ich dachte mir: „Spinnenkräfte sind gut. Das ist innovativ. Und modern. Und aus der Tierwelt. Und das andere gibt’s ja alles schon. Dann brauchte ich einen Namen: Insect Man, Fly Man, Mosquito Man. So wurde Spidey geboren, wuchs auf und heute kümmert er sich um uns. So sollte das ja immer sein: Das Kind kümmert sich später mal um seine Eltern. Ich bin ja mittlerweile schon etwas älter, da hat man viele Kinder. 

 

Sprechen wir über Jarvis: Tony Stark gibt ihm Befehle, er dimt das Licht, fährt die Rolladen hoch, wechselt von einem auf den anderen Screen. Genau das was Smartphones heute können: Ich sage „Bixby, bitte alle Lampen auf 50 Prozent und Bordeaux-Rot.“ Ist es eigentlich faszinierend oder komisch für Sie, wie viele Erfindungen aus den Comics Realität geworden sind. 

Stan Lee: Komisch, aber auch faszinierend. Aber vor allem komisch: Ich dachte nie, dass irgendjemand mal mit seinem Telefon reden würde, außer Menschen ohne Freunde - so wie Robert Downey…ähm also Tony Stark (er grinst). Aber eben auch faszinierend: Ich habe jetzt auch so ein Haus, mit dem ich mich unterhalten kann und das die richtige Musik abspielt, wenn ich die Tür öffne. Ich mag diesen Bixby, weil er immer das macht, was ich ihm sage. Sollten die Chefs von Marvel und Disney auch so machen. 

 

Wir übermitteln gerne Weihnachtswünsche

Stan Lee: Dieser Stan Lee arbeitet jetzt seit 77 Jahren bei Marvel, denn aus Timely Comics wurde ja Marvel. Damit müsste er theoretisch der älteste Angestellte sein. Aber er darf immer nur einmal - außer im ersten Thor-Film zwei Mal als Kameo auftreten. Hätte er sich nicht zum 95. Geburtstag oder irgendwann innerhalb der nächsten 10 Jahre verdient mal eine größere Rolle zu bekommen? Vielleicht drei 30 Sekunden-Szenen? Ansonsten bin ich wunschlos glücklich. 

Disclaimer: Samsung Deutschland lud zur SDC ein und kam für Flug sowie Unterkunft auf.