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Uncharted: Nathan Fillion macht sein Ding - ein Erfolgsmodell?

Der Titel ist Programm: Schauspieler Nathan Fillion begab sich auf Neuland und setzte sein Wunschprojekt einfach in Eigenregie um. Warum ist das eigentlich kein Modell für die Zukunft? Die Wünsche und Sehnsüchte der Fans kombiniert mit der Leidenschaft von Kreativen und umgesetzt durch Crowdfunding? Unser Björn Sülter hat mal darüber nachgedacht.

Uncharted

Präsentiert von: Björn Sülter


Playstation Hero

Das Thema Uncharted beschäftigt Hollywoods kluge Köpfe schon eine ganze Weile. Dabei handelt es sich bei der Reihe eigentlich um Spiele, die von Naughty Dog und Sony vertrieben werden. Bisher sind vier Hauptspiele sowie diverse Spin-Offs und Re-Releases erschienen.

Der Start erfolgte im Jahr 2007 auf der Playstation 3. Inzwischen gibt es aber auch Veröffentlichungen auf der Playstation 4 und der Playstation Vita. 41 Millionen Einheiten sollen laut letzten Informationen weltweit bereits verkauft worden sein.

Somit verdankt einerseits Sony der exklusiven Playstation-Reihe in einem gewissen Maße den Erfolg ihrer letzten beiden Konsolengenerationen und Entwickler Naughty Dogs konnte sich durch sie erst wirklich fest am Markt etablieren. Darüber hinaus muss man der Reihe bescheinigen, dass sie auch künstlerisch die Grenzen des Möglichen ausgeweitet hat und eine epischere Erzählweise im Bereich der Action-Adventures ermöglichte.

Uncharted

In Uncharted geht es um Nathan „Nate“ Drake, der wie Indiana Jones die Welt bereist, um verschiedene Mysterien aufzuklären. In den Spielen wurde er stets durch den Schauspieler Nolan North per Motion Capturing dargestellt. North lieh der Figur auch seine Stimme. Für eine Kinoversion war er derweil nie in Betracht gezogen worden. Seine Vita besteht primär aus Voice-Acting oder besagtem Motion-Capturing. Nur selten stand er auch in kleinen Filmrollen oder Serienepisoden vor der Kamera.

Dennoch wollte man in Hollywood natürlich die Popularität der Reihe nutzen und Drake auch auf der Leinwand aktiv werden lassen.  Für Fans stand dabei schon lange fest: Nathan Fillion, Star aus Serien wie Castle oder Firefly wäre die perfekte Wahl! Auch der Darsteller war nicht verlegen, sich regelmäßig selbst ins Gespräch zu bringen.

Wie es inzwischen scheint, hat Sony jedoch andere Pläne. Verschiedene Ansätze, den Stoff zu verfilmen, hatten zu nichts geführt. Daher entschied man nun, ein Prequel zur Spielereihe in Auftrag zu geben. Tom Holland (Spider-Man: Homecoming) wurde ausgewählt, die Heldenfigur zu verkörpern. Das Denken ist wie immer das Gleiche: Ein Prequel ermöglicht einen hipperen und jüngeren Star! Der 47jährige Fillion war den Bossen sicher genau wie der gleichaltrige (und zudem viel unbekanntere) Nolan North schlicht zu alt – und hatte auch einfach nicht den nötigen Appeal auf die Zielgruppe.

Man könnte meinen, dass die Geschichte um Fillion damit ein unspektakuläres Ende fand – doch weit gefehlt!

Do-it-yourself!

Fillion ging einfach einen anderen Weg, der durchaus Schule machen könnte. Er produzierte einfach einen Kurzfilm, der einen Einblick gab, wie die Umsetzung des Spiels mit ihm in der Hauptrolle hätte aussehen können. Dazu erhielt er Unterstützung von Allan Ungar, der Regie führte und mit Jesse Wheeler gemeinsam das Drehbuch verfasste. Neben Fillion konnte man auch noch Stephen Lang (Avatar) und Mircea Monroe (Episodes) für Gastrollen begeistern. Mit einer Länge von rund 15 Minuten hält sich das finale Werk zwar rein vom Umfang sehr zurück, dürfte auf diese Weise aber zumindest eindeutig nicht in Verruf geraten, finanzielle Interesse zu verfolgen.

Dennoch darf man natürlich eine Sache nie vergessen: Wenn die Resonanz entsprechend ist, denken die Filmbosse vielleicht doch noch einmal um.

Für den Moment kann man sich den Kurzfilm zumindest auf dem Youtube-Kanal des Regisseurs anschauen.

Uncharted

Doch warum hat Fillion das nun eigentlich gemacht? Die Antworten sind einfach: Die Fans wollten es, er wollte es und - er konnte es!

Crowdfunding als Erfolgsmodell?

Für Fillion ist die Rechnung denkbar einfach. Mit viel Glück hat sein Projekt den gewünschten Effekt und wird direkt vom Studio übernommen; oder es findet sich ein Weg, per Crowdfunding weiterzumachen. So eine Kampagne mag zwar nicht für ein Blockbusterbudget reichen, für die Produktion von ein paar losen Kurzfilmen aber vielleicht schon. Im schlechtesten Fall hat der beliebte Mime aber immerhin für tolle Publicity gesorgt und sich ins Gespräch gebracht.

Durch die diversen Crowdfundingportale ist es inzwischen möglich geworden, gute Projekte zu verkaufen, ohne in Vorleistung gehen zu müssen. Du fragst den Markt: Möchtest du mein Produkt haben? Und der Markt kann mit einem simplen Ja oder Nein antworten. Im Falle des Ja hast du das Budget für dein Projekt bereits zusammen und kannst loslegen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Unterstützer finanzieren nur das, was sie wirklich wollen und erhalten im Normalfall ein Herzensprodukt, Boni in Form von Goodies und vor allem eines: eine Emotionale Verbindung! Die Anbieter auf der anderen Seite machen selbstverständlich nur das, was sich verlässlich finanzieren lässt und können somit planen.

Natürlich gibt es aber auch Haken. Wenn der Anbieter nicht solide plant, das Projekt scheitert oder anders realisiert wird als geplant, muss die Frage der Haftung eindeutig geklärt sein. Man denke an das Projekt Star Trek: Axanar. Von den großen Plänen und dem Geld der ganzen Unterstützer ist inzwischen nichts mehr übrig, die Verantwortlichen mussten sich vor Gericht gegen Paramount wehren und inzwischen sind Klagen das einzige, was mit Axanar noch in Verbindung gebracht wird. Ja, es gibt sie, diese Ausreißer. Doch wie bei jedem Geschäftsmodell liegen Chance und Risiko eben eng beieinander.

Nerdlove

Gerade im Nerdbereich gab es zuletzt aber auch zwei wunderbare Crowdfunding-Aktionen, die zum Erfolg führten. Da wäre einmal die Dokumentation What We Left Behind zum 25. Jubiläum von Star Trek: Deep Space Nine. Serienmacher Ira Steven Behr hat über Jahre Interviews mit fast allen Beteiligten geführt und somit den kompletten Entstehungs- und Produktionsprozess der Serie nachgezeichnet.

Uncharted

Statt der anvisierten 150.000 Dollar wurden 631.000 Dollar eingenommen und somit auch alle Stretch-Goals erreicht. Auf diese Weise konnten die Macher sogar noch einen Orchester-Soundtrack in Auftrag geben und ausgewählte Szenen in HD neu mastern lassen, um die volle Pracht der Serie zumindest für kurze Sequenzen zu zeigen. Ende des Jahres soll es soweit sein - Informationen gibt es auf der offiziellen Homepage.

Ein zweites und weniger bekanntes Beispiel ist das Spiel Thimbleweed Park, das 2017 erschien und auf die beliebten Point-and-klick-Adventure der 1980er- und 1990er-Jahre zurückgeht. Dabei wurde sogar darauf geachtet, die Grafik im damals üblichen Stil zu halten. Verantwortlich war hier ebenfalls einer der Helden dieser Zeit: Ron Gilbert. Dieser konnte mit Maniac Mansion, Zak McKracken and the Alien Mindbenders, Indiana Jones and the last Crusade und den ersten beiden Monkey-Island-Teilen diverse Klassiker vorweisen und bewies nun mit seinem neuen Werk, dass der Zauber immer noch Bestand hatte. 626.250 nahm die Crowdfunding-Kampagne ein, erreichte damit alle Ziele und setzte das Spiel gemäß den Vorgaben um. Wer es gespielt hat weiß: Es hat sich gelohnt! Wer reinschauen möchte, besucht auch hier die offizielle Seite.

Uncharted

Gebt mir Guybrush!

Bleibt mir eigentlich nur noch, einen meiner Helden ins Gespräch zu bringen: Guybrush Threepwood! Zugegeben, mit Pirates of the Carribean haben wir bereits eine humorvolle Piratensaga im Kino erhalten, dennoch wären mir die Monkey-Island-Abenteuer als Filmreihe oder Serie ein echtes Anliegen! Und Wer möchte sie nicht einmal auf der Leinwand sehen? Den Geisterpiraten Le Chuck per Motion-Capturing? Stan und seine gebrauchten Schiffe? Die Voodoo-Lady? Oder Herman Toothrot? Zumindest ein Theaterstück gab es schon einmal. Wer das nicht glauben mag, sollte sich die Youtube-Videos nicht entgehen lassen.

Und wo wir gerade beim Träumen waren: Ich stelle mich für den Kinofilm oder die Serie gerne für eine Gastrolle zur Verfügung – natürlich kostenlos!

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Schon gesehen? Bald erscheint das umfassendste Sachbuch zu Star Trek in deutscher Sprache - präsentiert von SYFY!

Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch enthält Illustrationen von Ralph Sander (Das Star Trek Universum) sowie Kommentare zu den verschiedenen Serien von Mike Hillenbrand (TREKminds, 40 Jahre Star Trek), Christian Humberg & Bernd Perplies (Star Trek: Prometheus), Lieven L. Litaer (Der kleine Prinz auf Klingonisch) und Ralph Sander (Das Star Trek Universum). Hinzu kommen O-Töne von Thorsten Nobst zur Synchronisation von Star Trek: Discovery und ein Interview mit dem deutschen "Mr. Star Trek" Gerhard Raible (Trekworld Marketing).

Das Buch ist bereits bei Amazon vorbestellbar.

Es lebe Star Trek

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Firefly   Uncharted   Castle   Nathan Fillion   Avatar   Monkey Island   Thimbleweed Park   What We Left Behind   Star Trek: Deep Space Nine