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Willkommen zurück, Luke Skywalker! - Filmkritik zu Star Wars: Die letzten Jedi

Nach der Premiere am vergangenen Wochenende überschlugen sich die positiven ersten Eindrücke der US-Journalisten über die verschiedenen Social-Media-Kanäle. Überraschen soll Star Wars: Die letzten Jedi. Einer der besten Star-Wars-Filme. Wenn nicht sogar der beste Film des Franchises seit Das Imperium schlägt zurück. In unserer Kritik erfährst du, was an den ersten Eindrücken dran ist.

Hinweis: Diese Kritik ist so spoilerfrei wie möglich. Dennoch möchten wir darauf hinweisen, dass nicht alles, was wir zu Episode VIII erzählen möchten, nur höchst vage umschreiben können, sondern hier und da eine Andeutung machen müssen. Wenn du also komplett ohne die kleinste Vermutung zu Handlungen und Wendungen den Film genießen möchtest, solltest du an dieser Stelle aufhören zu lesen.

 

Was ist vorher geschehen?

Die Handlung knüpft an die Ereignisse von Star Wars: Das Erwachen der Macht an. Dem Widerstand ist es gelungen, die Starkiller-Basis zu zerstören; allerdings hat man dabei einen großen Verlust erlitten: Han Solo ist bei dem Versuch, den Oszillator zu sabotieren, von seinem eigenen Sohn Kylo Ren getötet worden. Dennoch hat der Widerstand dank der Reaktivierung von R2-D2 den noch fehlenden Teil der Karte erlangt, die zum Aufenthalt von Luke Skywalker führt. Rey hat ihn auf Ahch-To ausfindig gemacht und ihm in der letzten Szene von Episode VII sein Lichtschwert angeboten.

In Episode VIII nun hat der Widerstand - so viel sei verraten - weiterhin damit zu tun, sich gegen die Flotte der Ersten Ordnung unter der Führung des Obersten Anführer Snoke (Andy Serkis) und dessen Untergebenen Kylo Ren (Adam Driver) sowie General Hux (Domhnall Gleeson) zu verteidigen. Rey (Daisy Ridley) hingegen versucht, Luke (Mark Hamill) davon zu überzeugen, sein Einsiedler-Dasein auf Ahch-To zu beenden - was bei dem Jedi-Meister auf wenig Gegenliebe stößt.

 

Eine Menge Fragen - aber auch eine Menge Antworten?

 

Im Vorfeld gab es gerade nach den ersten Teasern und Trailern wilde Spekulationen, Theorien und Fragen, für die sich Fans von Star Wars nun im neuesten Teil Antworten erhoffen. Wer ist eigentlich Snoke? Was hat Ben Solo zu Kylo Ren werden lassen? Wer sind Reys Eltern? Und warum hat Luke das Exil gewählt? Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson bietet mit Die letzten Jedi einige Antworten. Diese sind jedoch nicht immer zufriedenstellend. Vielleicht hätte er an dieser Stelle die 150 Minuten Laufzeit eher dazu nutzen sollen, detaillierter auf einige offene Punkte einzugehen, also noch Handlungsstränge einzuflechten, die sich im Nachhinein als relativ nutzlos herausstellen. In einigen Momenten drängt sich das Gefühl auf, dass Johnson so manch Handlungsbogen nur aufgenommen hat, um die Figur im Grunde genommen zu parken, damit sich in der Fülle der Agierenden nicht die Frage aufdrängt, wo diese oder jene Figur sich denn jetzt überhaupt befindet. 

Ein Opfer dieser Taktik ist damit dann leider auch der Neuzugang Kelly Marie Tran als Rose. Das Buch lässt ihr relativ wenig Raum für eine Entwicklung und macht so einige Handlungen von Rose nicht unbedingt nachvollziehbar; was schade ist, da Kelly Marie Tran eine solide Leistung abliefert für das, was ihr im Rahmen des Drehbuchs möglich ist. 

Ebenfalls neu mit dabei sind Laura Dern als Vice Admiral Amilyn Holdo und Benicio del Toro als DJ. An Derns Darstellung werden sich vermutlich die Geister scheiden, da im ersten Moment die Daseinsberechtigung von Holdo etwas sehr konstruiert wirkt. Für den einen wird die Argumentation wohl gut aufgehen, andere werden jedoch bestimmt Bauchschmerzen damit haben. Sehr schade hingegen ist, dass del Toro vermutlich nur des Namens wegen verpflichtet worden ist, denn der Umfang seiner Rolle wird seinen Fähigkeiten schlichtweg nicht gerecht. 

 

Die Rückkehr des einen Jedi-Ritters

 


Rey und Luke in Star Wars: Die letzten Jedi

Sehr viel erfreulicher hingegen ist, dass Mark Hamill nach seinem sehr kurzen Auftritt in Episode VII in Episode VIII jetzt völlig befreit aufspielen kann. Hamill ist mit einer unglaublichen Spielfreude dabei und zeigt neue Facetten von Luke, die eine noch tiefere Bindung zu dieser Figur schaffen. Zeitgleich sorgt er durch das Aufblitzen bekannter Charakterzüge dafür, dass sich die ältere Version dieser Figur nicht von dem jüngeren Luke entfremdet. Geschickt erklärt außerdem das Drehbuch, warum aus Luke der geworden ist, der er zum Zeitpunkt von Die letzten Jedi ist, und macht die Entscheidungen von ihm dadurch leicht nachvollziehbar. 

Daisy Ridley schafft es, Hamill im direkten Zusammenspiel auf Augenhöhe zu begegnen, was bei der Leistung Hamills kein sehr leichtes Unterfangen gewesen sein muss. Ihre Figur kämpft jedoch nach wie vor mit dem noch fehlenden Hintergrund, sodass manches dann doch sehr aufgesetzt wirkt. 

Sehr aufgesetzt ist leider auch die Arbeit von Adam Driver. Er konnte bereits in Das Erwachen der Macht nicht vollends überzeugen und macht in Die letzten Jedi eher einen Schritt zurück also voran. Jedoch sei hier auch anzumerken, dass sich das Drehbuch im Bezug auf Keylo Ren eher schwer tut, sodass Driver vermutlich nicht so frei aufspielen kann wie die anderen Mitglieder des Ensemble und deswegen das Beste aus dem macht, was ihm vorgegeben ist.

 

Fan-Service?

 

Gerade die neuen Star-Wars-Filme mussten sich oft den Vorwurf gefallen lassen, dass manche Bezüge auf die ersten Filme lediglich reiner Fan-Service ohne wirkliche Daseinsberechtigung seien. Johnson versteht es mit Episode VIII nun endlich, die Brücke zum Nostalgie-Faktor zu schlagen, ohne dabei ins Kitschige abzugleiten. Hierbei behilft er sich mit dem für Star Wars bekannten Humor und vermeidet so überzogene und allzu rührselige Momente. 

Das heißt allerdings nicht, dass es keine Gänsehaut-Momente in Star Wars: Die letzten Jedi gibt. Denn davon serviert Johnson so einige und wird dabei von der großartigen Arbeit von John Williams unterstützt. Zwar fehlt im Score ein neuer Titel mit eindeutigem Wiedererkennungswert, jedoch unterlegt der Komponist entscheidende Momente, die zum Teil auf vorhergegangene Ereignisse anspielen, geschickt mit Variationen bekannter Themen. 

Carrie Fisher als Leia in Star Wars: Die letzten Jedi

Schlussendlich ist Star Wars: Die letzten Jedi auch ein emotionaler Abschied von Carrie Fisher, der spätestens mit der Widmung “In loving memory of our princess, Carrie Fisher”, bevor der Abspann startet, für einen kleinen Kloß im Hals sorgen dürfte. Fisher zeigt hier noch einmal, dass Leia ihren eigenen Kopf hat - und diesen mit unglaublichem Witz und dem entsprechenden Augenzwinkern auch durchsetzen kann. Ihr sind jedoch auch leise und ruhige Momente vergönnt, die unter die Haut gehen und großartig von Fisher umgesetzt werden.

 

Fazit

 

Nach dem etwas holperigen Start von Episode VII ist das Franchise mit Star Wars: Die letzten Jedi nun auf dem richtigen Weg. Zwar ist diese Episode nicht der beste Star-War-Films jemals, jedoch definitiv der beste der neueren Umsetzungen. Ein paar Kürzungen hätten sicherlich nicht geschadet, sind aber im Hinblick auf die herausragenden Momente in der Handlung leicht zu verschmerzen. Diese Episode bietet mit Sicherheit das, was die Fans an Star Wars lieben: Action in großartig inszenierten Schlachten und Zweikämpfen. Dramatische Momente, in denen man mit der entsprechenden Figur mitleidet. Gleichzeitig aber auch Spaß und Witz mit dem richtigen Schuss Selbstironie. Wir freuen uns jetzt schon auf Episode IX!
 


Tags: Star Wars: Die letzten Jedi   Filmkritik