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Zombie-Battle: Ist Z Nation inzwischen das bessere The Walking Dead?

The Walking Dead war jahrelang der heiße Scheiß im TV. Doch zuletzt bröckelte der Zuspruch mit samt den Einschaltquoten drastisch. Z Nation hingegen war vom Start weg nur der belächelte Abklatsch aus einer notorischen Billigschmiede, gewinnt jedoch immer mehr Fans weltweit dazu. Bahnt sich in Sachen Zombieapokalypse also ein Machtwechsel an?

Präsentiert von: Björn Sülter


Es laufen die Toten

Im Herbst 2010 startete auf AMC die Zombieserie The Walking Dead, produziert und entwickelt von Frank Darabont (The Shawshank Redemption) und basierend auf der Comicbuchreihe von Robert Kirkman, der direkt auch noch Teil des Produktionsstabs wurde.

Die sechs Episoden des ersten Jahres wussten direkt zu fesseln und erzählten eine atmosphärisch dichte, mordsspannende und perfekt produzierte Endzeitgeschichte mit hohen Dosen an expliziter Gewalt. Die Einschaltquoten lagen zwischen 5 und 6 Millionen und durften für den Sender als Erfolg gewertet werden. Was dann folgte, konnte jedoch niemand ahnen…

Nicht nur wurde Mastermind Darabond humorlos abgesägt und die zweite Staffel auf 13 Episoden erweitert, man rückte mit dem eigentlichen Nischenformat auch in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit.

Im zweiten Jahr lag der Zuschauerschnitt bei knapp 7 Millionen Zuschauern, im dritten über 11 Millionen, im vierten über 13 und im fünften gar über 14 Millionen Zombieverrückten! Mit 17,30 Millionen zum Staffelauftakt des fünften Jahres hatte man zudem die bisher meistgesehene Episode am Start gehabt.

The Walking Dead war zu einem Massenphänomen geworden, das den großen Networks die lange Nase zeigte. Mit Fear The Walking Dead etablierte man 2015 sogar noch eine Companion-Serie, die stark startete, jedoch schnell an Zuspruch verlor und in ihrer dritten Staffel zuletzt nur noch bei knapp über 2 Millionen Zuschauern lag. Dennoch wird es im April auch dort ins vierte Jahr gehen. Der Zuschauerschwund machte jedoch auch vor der Hauptserie nicht halt. Die sechste Staffel zeigte erstmals keinen Zuwachs, sondern sackte im Schnitt auf knapp 13 Millionen zurück, die siebte holte noch etwas mehr als 11 Millionen Fans ab. Im aktuell laufenden achten Jahr müssen sich die Macher sogar langsam warm anziehen. Mit über 11 Millionen gestartet, schauten zuletzt zweimal nur noch etwas mehr als 6 Millionen Fans zu – was eine Rückkehr auf das Niveau der ersten und zweiten Staffel bedeutete. Quo vadis, Walking Dead? Eine neunte Staffel ist zwar beschlossene Sache, der Hype ist jedoch definitiv vorbei und wird sich vermutlich auch nicht mehr zurückholen lassen. Das Nischenformat feiert die Rückkehr in die Nische.

Vielleicht wäre es eine Lösung, die beiden Serien zeitnah für eine gemeinsame Abschlussstaffel zusammenzuführen?

Wie aus dem Irrenhaus

Als sich das Format jedoch noch auf dem Weg zum Olymp befand, rief man einen Trittbrettfahrer auf den Plan: Z Nation! Alleine die Tatsache, dass die Filmschmiede The Asylum für die Zombieserie verantwortlich zeichnen sollte, reichte im Jahr 2014 für kollektives Stirnrunzeln. Seit 1997 hatte es sich die Firma auf die Fahne geschrieben, Blockbuster mit geringen Mitteln zu kopieren und somit den Mockbuster zum weiträumig bekannten Begriff erhoben.

Zu den schlimmsten Machwerken gehören The DaVinci Treasure, Transmorphers, 100 Million BC, Titanic II oder Alien Origin. Dabei sind die Titel noch das lustigste an den Filmen, für den Rest braucht man starke Nerven oder einfach ein Faible.

Da die Macher allerdings inzwischen seit über 20 Jahren am Start sind und Film um Film produzieren, scheint es aber definitiv einen Markt für ihre Werke zu geben. Besonders angesagt ist übrigens seit 2013 die Sharknado-Reihe samt aller Hai-Ableger.

War also wirklich zu erwarten, dass ausgerechnet The Asylum eine brauchbare weitere Zombieserie würde liefern können? Sie konnten.

Lasst das Splattern beginnen

Wie auch The Walking Dead handelt Z Nation von einer Zeit nach dem Ausbruch der Seuche, die ein Gros der Bevölkerung das Leben gekostet hat. Im Falle der Asylum-Serie jedoch gab es einen klaren Aufhänger, der als roter Faden diente.

Alvin Murphy war ein inhaftierter Verbrecher, den die Regierung zum Testen eines potentiellen Gegenmittels gezwungen hatte. Seine Injektion war dann auch die einzige, die nicht tödlich ausfiel. Zudem überlebte er als einziger bekannter Mensch einen Zombiebiss. Nun möchte eine kleine Gruppe von Überlebenden unter der Führung des mysteriösen Simon "Citizen Z" Cruller die einzige Hoffnung der Menschheit von New York nach Kalifornien bringen. Somit gibt es in dieser Serie einen klaren Fokus und eine eindeutig definierte Reise.

Bei The Walking Dead hat man seit geraumer Zeit das Gefühl, dass der Serie jeglicher Fokus abhanden gekommen ist. Auch dort gab es zwar eine Geschichte rund um einen potentiellen Retter, dieser stellte sich jedoch als Lügner heraus. Z Nation hingegen tat dieser klare Aufhänger von Beginn an gut.

Fakt ist jedoch auch: Z Nation nimmt sich nicht besonders ernst. Splatter, Spaß und Albernheiten sind immer mal wieder mit dabei und machen die Serie zwar unterhaltsam, aber auch zu einem echten Guilty Pleasure. Für wen die Schwermütigkeit und die teils überdramatisierten Dialoge des Konkurrenzformats jedoch zunehmend anstrengend geworden sind, der könnte in dieser Serie eine echte Alternative finden. Und sei es nur für die teils pfiffig-kreative Umsetzung und die coolen Sprüche. The Asylum hat mit Z Nation definitiv positiv überrascht.

Die Einschaltquoten auf SYFY waren in den USA in der ersten Staffel erstaunlich gut. Mit rund 1,50 Millionen Fans erreichte man definitiv mehr Zuschauer als zunächst angenommen. Aktuell hat sich das Ganze im Heimatland zwar etwas relativiert, man erreicht aber immer noch rund ein Drittel der ehemaligen Werte. Dafür hat aber auch der Rest der Welt die Serie inzwischen für sich entdeckt und aus dem hässlichen Entlein ein gefragtes Trash-Kleinod gemacht, das problemlos für eine fünfte Staffel verlängert wurde.

Battle of the Undead: Nur einer kann gewinnen

Schaut man sich Aspekte wie die Produktionskosten oder die Einschaltquoten an, muss man zugeben: Der Vergleich hinkt. Dennoch ist er nicht uninteressant.

Die visuelle Umsetzung war nie ein Problem von The Walking Dead, auch wenn immer mal wieder einige Effekte (Massenszenen oder der Löwe) gegen den Rest in der Qualität absackten. Auch schauspielerisch hatte man von Beginn an ein starkes Ensemble zusammen. Dafür hakte es jedoch besonders mit fortschreitenden Staffeln zunehmend an der Dramaturgie. Diese war fraglos grob durch die Comics vorgegeben, man nahm sich jedoch auch genügend Freiheiten. Die zweite Staffel auf Hershels Farm bot viel Stillstand und entblösste eine ganze Reihe an schwachen Dialogen. Danach drehte man die Spannungsschraube wieder nach oben, wiederholte sich jedoch auch zunehmend. Figurenzeichnungen und innere Konflikte wurden oft nur durch Exposition ausgetragen: Die Serie erzählte gerne, beziehungsweise ließ die Figuren erklären, was abseits der Action passierte, hatte jedoch Schwierigkeiten, es auch zu zeigen.

Aktuell kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Dem Horror der ersten Jahre ist Gleichgültigkeit gewichen. Die Angst vor den Zombies ist kaum mehr spürbar, alles ist zur Routine geworden. Die wahren Sorgen bereiten den Menschen nun sie selbst. An diesem Punkt wird die Serie natürlich aber auch zu etwas anderem: Zu einer gesellschaftlichen Studie, die sich mit den Stärken und vor allem Schwächen unserer eigenen Existenz auseinandersetzt. The Walking Dead spielt somit eine Art Aufbaustrategierollenspiel nach, das nicht mehr viel mit der wilden Hatz des Anfangs zu tun hat. Dass das unter Umständen eben nicht mehr genauso zieht, wie die adrenalingeladene Flucht der Figuren aus den ersten Jahren, ist klar.

Der Hype ist weg, es bleibt der harte Kern innerhalb der Genreblase. The Walking Dead begann als Nerdphantasie, stieg wie durch ein Wunder zum Liebling aller auf und sackte schließlich wieder zurück auf den Level des Anfangs. Die Macher von The X-Files können ein Lied davon singen. Auch dort fing man klein an, schwang sich zu höchsten Höhen auf und endete schließlich wieder dort, wo man begonnen hatte.

Z Nation hatte diese Probleme nie. Die Serie war als Abklatsch gestartet, als billige Ramschkopie abgestempelt und konnte sich aus dieser selbstgewählten Trash-Ecke heraus weitestgehend ungestört entwickeln. Dabei bot der Stoff sogar durchaus Überraschungspotential, da sowohl in der Umsetzung als auch teilweise in der Story Wege beschritten wurden, die man den Machern gar nicht zugetraut hatte. Die Messlatte lag niedrig und wurde sukzessive übersprungen und angehoben.

Das Urteil

Das Fazit fällt salomonisch aus. Beide Formate haben ihren eigenen Stil und bieten eine Welt an, die sich von der jeweils anderen unterscheidet. In der Summe konnten beide ihre Daseinsberechtigung längst beweisen. Für uns Genrefans ist es gut, dass es diese Vielfalt gibt. So kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er sich mit Blut berieseln lassen möchte. Einen Machtwechsel werden die Asylum-Zombies aber nicht schaffen, dafür ist die Konkurrenz selbst in der aktuellen Schwächephase zu übermächtig. Den größeren und langfristigen popkulturellen Einfluss wird somit selbstverständlich The Walking Dead für sich verbuchen können.

 

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Björn ist auch Experte für Star Trek. Viele Gedanken zum Thema, seine ganz persönliche Geschichte mit dem Franchise und Hintergrundinformation zu über 50 Jahren findet ihr ab Sommer in seinem Buch „Es lebe Star Trek“, das von SYFY präsentiert und im Verlag In Farbe und Bunt erscheinen wird. Das Buch wird schon in Kürze über Amazon und andere Kanäle vorbestellbar sein.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Z Nation   The Walking Dead   Fear the Walking Dead