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100 Jahre Gene Roddenberry: Sein Star Trek fliegt und fliegt

Eigentlich ist Gene Roddenberry selbst der sogenannte Große Vogel der Galaxis. Doch ist es vielmehr seine Schöpfung, die nun bereits seit 55 Jahren mit verschiedenen Raumschiffen durch die Kinosäle und über unsere heimischen Fernsehschirme fliegt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Doch wer ist der Mann, der Star Trek ersann und damit für ein unsterbliches Vermächtnis sorgte?

Gene Roddenberry H 1970s

von Björn Sülter

Kind zweier Welten

Eugene Wesley „Gene“ Roddenberry wurde er am 19. August 1921 in El Paso, Texas geboren. Sein Vater Eugene Edward war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahren jung und dabei, den Sprung vom Militär in den Job eines Polizisten zu vollziehen, während seine Mutter Caroline Glen Golemon mit ihren 17 Jahren dem damals gültigen Prototyp der kleinbürgerlichen Hausfrau entsprach, die sich rührend um die Kinder und das Zuhause kümmerte, um dem Ernährer nach Feierabend den Rücken freizuhalten.

Es war für den kleinen Gene dieser heimische Mix, der sein Aufwachsen prägte. Auf der einen Seite die sanfte, verständnisvolle Mutter, auf der anderen der durch seine Kriegserlebnisse abgestumpfte und durchaus strenge sowie prinzipientreue Vater. Somit kann man das Wortspiel mit dem Kind zweier Welten tatsächlich für bare Münze nehmen: Roddenberry lernte beides kennen und wurde eine Art "best of" seiner Eltern.

Früh träumte er auch von fremden Welten und begeisterte sich für Kurzgeschichten aus dem weiten Feld der Science-Fiction. Auf die Idee, selber zu schreiben, kam er jedoch erst viel später.

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Ruppiger Feingeist

Zunächst war es der Karriereweg seines Vaters, der ihn nach der Schule umtrieb. Polizeidienst und Flugzeuge bestimmten seinen damaligen Kosmos. Der inzwischen stattliche wie auch attraktive Mann besaß die innere Ruhe seiner Mutter und die Geradlinigkeit seines Vaters. Er erlangte die Pilotenlizenz und ging zum United States Army Air Corps. Unzählige Einsätze später wechselte er zu Pan Am und erkundete die Welt. Hatte er zuvor primär Liedtexte über seinen Erfahrungen zu Papier gebracht, griff er nun immer häufiger zum Stift. Gemeinsam mit Frau und Tochter zog er in sein Elternhaus nach Los Angeles und ging zur Polizei, was erneut die Karriere seines Vaters spiegelte. Doch war sein Ziel schon damals klar: Er wollte auf den Siegeszug des Fernsehens aufspringen und suchte nach Wegen, die richtigen Türen zu öffnen.

Auch hier half ihm wieder sein Elternhaus: Ein Fantast war dieser Gene Roddenberry nämlich trotz einer Leidenschaft nicht. Er wusste, dass harte Arbeit und ein kühler Kopf nötig waren, um Erfolg zu haben. So blieb er also fleißig und arbeitete nebenbei an anderen Projekten. Er schrieb Reden für den Polizeichef und knüpfte Kontakte nach Hollywood, wo für verschiedene Produktionen auch Bedarf an Kenntnissen aus der täglichen Polizeiarbeit bestand. Während er also langsam seinem Ziel näherkam, analysierte er auch die Arbeit anderer Autoren und versuchte auf diesem Weg den richtigen Schlüssel zu einem guten Drehbuch zu finden. Akribisch tastete er sich so in Bereiche vor, die ihm eigentlich fremd waren: ein Autodidakt im besten Sinne!

Lebenslinien

1954 verkaufte er sein erstes Drehbuch, was zwei Jahre später zu einem mutigen Schritt führte: Er schmiss seinen Job bei der Polizei hin und widmete sich nur noch dem Schreiben. Doch lernte er in dieser Phase auch das andere Hollywood kennen. Viele seiner Projekte wurden abgeschmettert, andere für gut befunden aber dennoch nie verwirklicht. Für Roddenberry war klar, wohin die Reise gehen musste: Er würde persönlich die Fäden in der Hand halten wollen, um nicht zu sehr von den Entscheidungen anderer abhängig zu sein. Er wollte produzieren.

1963 erreichte er mit der Serie The Lieutenant einen Achtungserfolg und traf dort auf viele spätere Star-Trek-Weggefährten wie Leonard Nimoy, Walter Koenig, Nichelle Nichols, Ricardo Montalbán oder Majel Barrett (die auch noch seine zweite Ehefrau wurde). Sogar hinter der Kamera lernte er mit Marc Daniels, Art Wallace und Vincent McEveety wichtige Persönlichkeiten kennen, die ihm bei seinem wichtigsten Projekt helfen sollten.

Dieses Projekt trug bekanntermaßen den Namen Star Trek und trudelte 1964 bei verschiedenen Fernsehsendern ein. Es war ein harter Kampf, in dessen Verlauf es auch zu einem unglaublichen Vorgang kam: NBC lehnte nämlich den ersten vollständig produzierten Pilotfilm Der Käfig ab, orderte aber zur Überraschung aller einen zweiten! Erst danach griff der Sender zu und die Serie ging, wenn auch turbulent, in Produktion. Drei Staffeln bildeten ab 1966 die Basis für etwas, an dem wir uns auch heute, 55 Jahre später, noch erfreuen.

Set Robert Wise Television Series Star Trek

Medienphänomen

Seine Vision klingt auch heute noch wie Science-Fiction: Ein Raumschiff, das mit einer kunterbunt zusammengemischten Besatzung verschiedener Kulturen der Erde (und sogar darüber hinaus) unterwegs ist, um zu Forschen und um zur Deeskalation intergalaktischer Krisen beizutragen. Wie visionär der gute Mann damit war, sehen wir heute jeden Tag und an jeder Ecke unserer Welt: So sind wir auf der Erde von der Konstruktion eines Raumschiffs, das uns spielend überall hinbringt und wie eine kleine Stadt im All funktioniert, genauso weit entfernt, wie von einer vereinten Erde und dem Besiegen von Vorurteilen. Traurig, aber wahr: Star Trek ist auch nach 55 Jahren eine Utopie geblieben; eine jedoch, an die man nur zu gerne glauben möchte.

Danke, Gene Roddenberry, du Großer Vogel der Galaxis, für so viele Stunden bester Unterhaltung und den Glauben, dass wir irgendwann über uns hinauswachsen und Teil von etwas Größerem werden können.

Lassen wir doch Roddenberry zum Ende noch selbst zu Wort kommen:

"If man is to survive, he will have learned to take a delight in the essential differences between men and between cultures. He will learn that differences in ideas and attitudes are a delight, part of life‘s exciting variety, not something to fear."

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