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Alien: Wie Star Trek sich vom Chestburster inspirieren ließ

Nicht nur Star Trek selbst ist bis heute oft Quelle popkultureller Zitate in anderen Serien oder Filmen. Die Macher der Next Generation lieferten in den späten 1980er-Jahren selbst einmal den ultimativen Verweis auf ein anderes großes SF-Franchise – mit verstörenden Folgen.

Conspiracy Tng

Während der ersten Staffel von Star Trek: The Next Generation fehlte es der Serie noch an einer eigener Identität, da die Macher einerseits stark auf das direkte Vorbild aus den 1960er-Jahren schielten, andererseits aber auch den Mainstream ihrer Zeit im Blick hatten und somit unklar war, wohin die Reise eigentlich gehen sollte.

Ein bizarres Beispiel dafür lieferte die Episode Conspiracy (Die Verschwörung), die als eine der untrekkigsten der Serie in die Geschichte einging. Nicht nur kamen Picard und Riker mysteriösen Machenschaften auf die Spur, die kein bisschen in das saubere Weltbild der Föderation passten, auch standen sie am Ende der Episode vor einem explodierten Sternenflotten-Commander, der Assoziationen zu einem populären Horrorfilm weckte. Doch der Reihe nach …

Was zur Hölle?

Die gesamte Episode regt auch heute noch zum Staunen an. Wurde zu Beginn noch lässig über Vorlieben fürs Schwimmen gesprochen (was Worf und Data nicht nachvollziehen konnten), traf plötzlich eine super-geheime Nachricht ein. Riker musste seinen Captain dafür sogar aus dem Tiefschlaf reißen, obwohl die restlichen Führungsoffiziere offenbar geschlossen Dienst schoben. Was war denn da los? Hatte der Captain die Kollegen im ersten Jahr vielleicht mit seiner Übellaunigkeit genervt und alle versuchten daher ihren Dienst möglichst außerhalb seiner Wachzeiten zu legen? Ein wenig sonderbar wirkte das Ganze bereits an dieser Stelle, doch sollte es noch wilder kommen.

Interne Angelegenheiten

Wie der Titel der Episode bereits verriet, ging es im Kern um Vorgänge innerhalb der Sternenflotte, denen Picard nach dem Tipp eines Kollegen auf die Spur kommen musste. Doch handelte es sich dabei nicht um einen Fall von Korruption oder um Offiziere mit posttraumatischen Belastungsstörungen, die für Probleme sorgten, sondern vielmehr um eine parasitäre Lebensform, die in Menschen lebte und sie zu fremdgesteuerten Monstern machte.

Moment mal. Kennen wir das nicht? Im Film Alien von 1979 hatte eine gewisse Ripley es mit sogenannten Facehuggern zu tun bekommen, die ihre Larven in Wirtskörper (bei Menschen genauer gesagt in den Brustkorb) einpflanzen. Nach einer Weile verlassen diese den Wirt auf brutale Weise, indem sie mit Gewalt ausbrechen. Dies führt ohne Ausnahme zum Tod des Wirts. Die Larven selbst nennt man sinnigerweise Chestburster. Es handelt sich bei ihnen um wurmähnliche, etwa einen Meter lange Lebewesen, die sich nach dem Ausbrechen an dunklen, feuchten Orten verstecken, um sich einzuweben. Ganz so viele Informationen wollte uns diese Trek-Episode zwar nicht geben, die Verwandtschaft war jedoch nicht zu leugnen.

Nachdem diese Katze also aus dem Sack war, ließ die Episode wirklich keinen bekannten Pfad aus der Horrorklischeekiste mehr aus. Ein alter, hilfloser Mann besaß plötzlich Superkräfte, wenig anregende Würmer wurden ohne ersichtlichen Grund und wie im Drogenrausch verzehrt, die Parasiten drangen durch den Mund in ihren Wirt ein und der Nacken von besessenen Personen wölbte sich angsteinflößend. Fast wähnte man sich in einer Halloween-Episode wie dereinst bei Catspaw (Das Spukschloss im Weltall) aus der Originalserie. Nur diesmal war das Ganze offenbar todernst gemeint!

Als am Ende alles Spitz auf Knopf stand, mussten Picard und Riker handeln. Doch gelang ihnen der Sieg über die Aliens nicht durch Diplomatie oder einen eleganten Trick, sie schossen einfach munter drauf los, töteten den armen Kollegen Remmick und ließen seinen Kopf explodieren. Obendrauf kletterte schließlich noch der Parasit aus dem Rest des armen Commanders. Was das Effektteam damals bestimmt gefreut hat, wirkte für die Zuschauer vermutlich ein wenig befremdlich.

Out of this world

Mehr Gore, Ekel und Splatter hat Star Trek sich weder vorher noch später je erlaubt. Schaut man sich die Sequenz im Kontext der ganzen Serie noch einmal an, wirkt es fast so, als hätte vergleichsweise Pixar ohne ersichtlichen Grund inmitten eines liebenswerten Familienfilms eine FSK-18-Szene eingebaut. Das Ganze bleibt auch dreißig Jahre nach Erstausstrahlung unpassend in Sachen Stil und Ton der restlichen Serie.

Das Ende der Episode, die von Tracy Tormé und Robert Sabaroff geschrieben wurde und die die vorletzte der ersten Staffel war, wirkte zudem wie eine X-Akte und ließ die Zuschauer mit einem Gefühl der schwelenden Gefahr zurück. Dass die Parasiten zurückkehren würden war zu diesem Zeitpunkt mehr als wahrscheinlich. Und wirklich hatte der damalige Showrunner Maurice Hurley den Plan verfolgt, die Geschichte irgendwie in die Borg-Bedrohung der späteren Staffeln einzuweben. Dazu kam es aber nie. Die Parasiten waren eine einmalige Sache, die Borg wurden zu einer vollkommen anderen Lebensform, die aber nicht minder für Angst und Schrecken sorgte.

Immerhin schloss die Episode aber einen kleinen Story-Arc, der in der frühen Episode Coming of Age (Prüfungen) mit Remmick (der hier seinen Kopf verliert) und Admiral Quinn (der vom senilen Greis zum Superwesen mutiert) begonnen hatte und für den beide hier zurückkehrten.

In der Trek-Romanwelt gab es dann übrigens doch noch eine Fortführung der Geschichte. Dort machte man aus den Parasiten genetisch mutierte Versionen der Trill-Symbionten, die mit ihren Verwandten im Krieg lagen. Das ist zwar typisch für die nicht zum Kanon gezählten Romane, aber definitiv auch ein witziger Dreh.

Für Picard und Riker dürften die Ereignisse zudem durchaus traumatisch gewesen sein, handelte es sich bei ihren sonstigen Missionen doch eher um viel solidere Arbeit. Ob sich Riker daher wohl in der zweiten Staffel einen Bart stehen ließ, um von den Aliens in Zukunft bloß nicht mehr erkannt zu werden? Wir werden es nie erfahren.

Übrigens: Die Alien-Filmreihe zeigt SYFY als Eventprogrammierung am 25. Oktober 2019 ab 20.15 Uhr. Dann laufen alle vier Teile hintereinander! Die hier besprochene Episode Conspiracy (Die Verschwörung) aus Star Trek: The Next Generation läuft bei SYFY dann am 4. Dezember 2019.

Inspiriert und teilweise übernommen von Ryan Britt von SYFY WIRE (www.syfy.com). Die englischsprachige Originalversion dieses Artikels erschien am 16. September 2019.

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Headwriter und Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch Es lebe Star Trek ist auch der Auftakt seiner Jugendbuchreihe Ein Fall für die Patchwork Kids erschienen. Dazu läuft mit Beyond Berlin seine erste eigene Science-Fiction-Reihe, die es als Print, Ebook und Hörbuch, gelesen von Synchronsprecher und TV-Mann Benjamin Stöwe, zu kaufen gibt. Sein Podcast Planet Trek fmbehandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Zudem liest er Hörbücher (Der Earl von Gaudibert, Dunkle Begegnungen, Q sind herzlich ausgeladen) und ist als Moderator und Redner auf verschiedenen Events sowie als Gast in TV und Radio im Einsatz.