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Black Panther und schwarze Ikone: Chadwick Boseman konnte alles sein

Nach vierjährigem Kampf gegen den Krebs verstarb Chadwick Boseman in der Nacht des 28. August im Alter von nur 43 Jahren.

Black Panther Boseman

Nach dem schockierenden und zutiefst tragischen Tod des produktiven Schauspielers hinterlässt dieser ein Vermächtnis an Rollen, die sich jeder Typisierung entziehen. Bei nahezu jährlich neuen Filmveröffentlichungen seit 2013 (mit dem Jahr 2015 als einzige Ausnahme) war die weitreichendste Rolle natürlich die des König T’Challa von Wakanda aus dem Marvel Cinematic Universe.

Während dieser Charakter 2018 im Film Black Panther zum weltweiten Phänomen wurde, hatte Boseman die Rolle bereits durch einen einzigen Dialog im Filmdebüt des „Panthers“ in The First Avenger: Civil War von 2016 ikonisch gemacht.

Betrachtet man die Filmographie des Schauspielers, erkennt man, dass Boseman die gleiche Leidenschaft und Intensität in alle seine Darstellungen einbrachte, was ihn letztlich vor der Festlegung auf einen bestimmten Rollentypus bewahrte. An einem bestimmten Punkt laufen alle Schauspieler Gefahr, auf gewisse Archetypen oder ein bestimmtes Rollenbild nach einem erfolgreichen Schritt festgelegt zu werden. Selbst wenn sie ein deutliches Talent fernab der Assoziationen von uns, dem Publikum, besitzen, ist die Chance auszubrechen und etwas völlig anderes zu sein nicht immer gegeben.

Dies war bei Boseman nicht der Fall – hauptsächlich deshalb, weil er sich weigerte, aufgrund seiner früheren Arbeiten oder den Erwartungen des Publikums limitiert zu werden.

Wie viele andere Schauspieler vor ihm begann er seine Karriere im Fernsehen, wo er von einer Nebenrolle zur anderen sprang – unter anderem spielte er in diversen Serien US-Marines (von CSI: New York über Lincoln Heights zu Persons Unknown) sowie einen Drogendealer in Law & Order. Gerade als es so aussah, als stecke er für immer in Drama-Serien bestimmter Kategorien fest, erschien er plötzlich in einer Episode von Fringe als übersinnlich Begabter, der einen Kugelblitz bekämpfen musste. Über diese Fernsehrollen hinaus schien eine glänzende Zukunft als Dramatiker und Regisseur am Theater vor ihm zu liegen: Ein Blick auf die Beschreibungsseite seines Stückes Deep Azure von 2014 reicht aus. Laut seinen eigenen Worten kam er wirklich nur dadurch zur Schauspielerei, da er verstehen wollte, was Schauspieler tun. „Ich erkannte, dass mir bevorstand, all das zu tun!“, äußerte er 2014 in einem Radiointerview. „Ich habe studiert. Ich studierte an der Howard University, ich studierte in Oxford.“.

Doch seine Theaterpläne mussten hintenanstehen, als er den Sprung auf die Leinwand schaffte. Durch diesen Wechsel schien es auch, als begäbe er sich in die Gefahr, auf einen anderen Rollenarchetypen festgelegt zu werden: Die Hauptfigur in Biopics über schwarze Berühmtheiten.

In nur wenigen Jahren spielte Boseman Jackie Robinson, James Brown und Thurgood Marshall. Er hätte sich gewünscht, auch Jimi Hendrix zu spielen, doch erhielt er diese Rolle nicht. Noch kurz vor seinem Tod sollte er als Hauptdarsteller und auch Produzent an einem Film über Yasuke mitwirken, einem afrikanischen Samurai, der als einziger Nicht-Asiate jemals diesen Titel trug. Mit Sicherheit war er sich der Gefahr bewusst, auf diesen Rollentyp festgelegt zu werden, was ihn auch dazu gebracht haben mag, 2016 eine Rolle in Gods Of Egypt anzunehmen. Als allwissender Gott Thoth wirkte er dabei ziemlich überdreht. Ein guter Film? Nicht wirklich, aber man sah ihm seinen Spaß an der Chance an, gemein zu Nikolaj Coster-Waldau sein und dabei ganz bewusst wenig hilfreich agieren zu können.

Jeder, der Boseman auf der Leinwand sah, konnte sofort feststellen, dass er das Darstellen liebte und eine Vielzahl an Rollen verkörpern konnte. Gewissermaßen war es diese Vielfalt, die ihn zum perfekten T’Challa machte. In Civil War war er dem Terminator nicht ganz unähnlich, einzig darauf fokussiert, Bucky Barnes zu töten und seinen Vater zu rächen. Zwar wirkte er nicht nurexotisch, aber in einem Film voller altbekannter Charaktere wurde er der enigmatische Faktor und konnte schließlich als einziger das große Ganze erkennen. Als die Zeit für den Solo-Black-Panther-Film gekommen war, lernten wir dann alle Seiten von T’Challa kennen.

Während der zwei Stunden und vierzehn Minuten seiner Laufzeit sprang Regisseur Ryan Coogler zwischen verschiedenen Genres hin und her, was für die Besetzung sicherlich kein leichtes Spiel war. Als T’Challa wechselte Boseman von einem emotional-erwachsenen Batman-Look zu einem Auftritt á la James Bond in ein Casino nach Südkorea. Verglichen mit anderen Schauspielern des Ensembles war sein Auftritt nicht ganz so bombastisch, doch erhielt er die Möglichkeit, perfekt mit allen anderen zu interagieren: Von seiner ihm mitunter die Schau stehlenden Schwester Shuri (Letitia Wright) bis hin zu seinem zum Gegner gewordenen eigentlichen Freund M’Baku (Winston Duke).

Es war deutlich zu erkennen, dass Boseman es liebte, den Black Panther zu spielen. Man denke daran, wie großartig er T’Challa in einem Black-Jeopardy-Sketch in Saturday Night Live darstellte. Im Laufe des kommenden Jahres sehen wir seine letzte MCU-Rolle als Mitwirkender an der Zeichentrickserie What if…?, wo er als T’Challa ebenso mitwirken wird wie als Star-Lord.

Doch selbst die Sicherheit von Marvel war etwas, woran er nicht interessiert war: Er spielte im letzten Jahr nur wenige Monate nach Avengers: Endgame die Hauptrolle in 21 Bridges und führte die Besetzung von Spike Lees Netflix-Produktion Da 5 Bloods im Frühsommer diesen Jahres an. Seine letzte Rolle verkörpert er in der Adaption von August Wilsons Theaterstück Ma Rayney’s Black Bottom an der Seite von Viola Davis.

Chadwick Boseman war für viele ein Superheld auf der Leinwand. Doch mehr noch war er auch im Leben ein Superheld. Er machte nicht nur den Weg für andere nicht-weiße MCU-Helden frei, ihre eigenen Filme zu bekommen, er ermutigte auch farbige Menschen dazu, ihre kreativen Impulse voranzutreiben, wo immer dies möglich war. Ob in der Rüstung eines katzenhaften Helden oder als Sprecher bei einer Abschlussveranstaltung, eine Sache über ihn steht fest: Er konnte jeder davon sein, und das liebte er sehr.

Um vollkommen ehrlich zu sein: Es tut weh, dass wir nicht mehr in der Lage sein werden, ihm bei dem zusehen zu können, was er so leidenschaftlich betrieb.

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Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Justin Carter geschrieben.

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