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Black Widow: So ist der erste MCU-Film in Phase IV

Über ein Jahr nach dem ursprünglich geplanten Kinostart ist er endlich da: Black Widow, der filmische Auftakt der vierten MCU-Phase. Wir haben den Solofilm von Scarlett Johanssons Poweragentin bereits gesehen und verraten, was ihr zu erwarten habt.

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von Sidney Schering

Es hätte so geregelt ablaufen können: Phase III im Marvel Cinematic Universe eröffnete 2016 mit dem Superhelden-Superkonflikt The First Avenger – Civil War. Vier Jahre später sollte Black Widow nahtlos daran ansetzen und die bislang nicht erzählte Geschichte offenbaren, was Superagentin Black Widow unmittelbar nach diesem Kräftemessen getrieben hat. Mit dieser Geschichte wollten die Marvel Studios Phase IV ihres gigantisch erfolgreichen und überaus populären Franchises eröffnen, bevor für Sommer 2020 ihre ersten Serien geplant waren.

Bekanntlich kam alles anders: Es benötigte eine globale Pandemie, um Hit-Produzent und Marvel-Studios-Mastermind Kevin Feige dazu zu zwingen, seine umfangreichen Pläne in einem nie dagewesenen Maß abzuwandeln. Black Widow musste mehrmals verschoben werden, stattdessen eröffnete die Serie WandaVision die Phase IV im MCU. Es folgten noch The Falcon and the Winter Soldier und Loki. Erst jetzt, über ein Jahr nach seinem geplanten Kinostart, folgt der Marvel-Solofilm rund um Scarlett Johanssons verschlagene Comicheldin mit dunkler Vergangenheit. Wir sagen, ob sich das Warten gelohnt hat …

Black Widow stellt sich ihrer Vergangenheit

Lange hat sie versucht, vor ihrem dunkelsten Lebenskapitel wegzulaufen, aber nun sieht sich Natasha Romanoff alias „Black Widow“ (Scarlett Johansson) endgültig gezwungen, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Denn ihre Vergangenheit wird zum Mittelpunkt einer Verschwörung – ausgerechnet jetzt, nachdem sich die Avengers aufgelöst haben. Also stellt sich Natasha ganz allein den zerrütteten Beziehungen zu den Mitgliedern ihrer KGB-Ersatzfamilie, um alles ins Reine zu bringen.

Allerdings verkompliziert sich Natashas Wiedersehen mit ihren Quasi-Eltern Alexei (David Harbour) und Melina (Rachel Weisz) sowie ihrer Black-Widow-Kollegin/Ersatzschwester Yelena Belova (Florence Pugh). Denn Taskmaster ist hinter ihr her, eine kaum aufzuhaltende Bedrohung, die in kürzester Zeit die Kampfstile Anderer analysieren und perfekt nachahmen kann …

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Stotternder Erzählfluss & Midquel-Probleme

Black Widow fungiert sozusagen als Midquel, das Natasha Romanoffs Lebenskapitel zwischen The First Avenger – Civil War und Avengers: Infinity War erzählt. Drehbuchautor Eric Pearson (Godzilla vs. Kong) hat dabei so seine Probleme, die Stolperschwellen eines verspätet nachgeschobenen, mittleren Kapitels zu vermeiden. Der Einstieg gelingt noch. Aber nach einem sehr geerdeten Prolog, der dank stringenter Erzählweise, der gefühlsbetonten Regieführung von Cate Shortland (Berlin Syndrome) und guten Performances das emotionale Fundament für diesen Film legt, gerät der Erzählfluss ins Stottern.

Pearson ist dann erst einmal damit beschäftigt, das Natasha betreffende Nachspiel zu The First Avenger – Civil War zu skizzieren, bevor er die für Black Widow relevanten Konflikte erreicht: Die Gefahr, die Taskmaster für Natasha darstellt, das immer gewissenloser werdende Black-Widow-Programm, sowie Natashas Notwendigkeit, sich ihren sehr komplizierten Gefühlen zu ihrer alten Familie zu stellen. Und gegen Ende wiederholt sich dieses Problem, wenn der Kern von Black Widow auserzählt ist, Pearson aber noch die Weichen für Avengers: Infinity War stellen muss. Anders gesagt: Black Widow ist ein Film, an den sehr auffällig der Epilog und der Prolog zweier anderer Produktionen getackert wurden.

Florence Pugh & weitere Glanzseiten des Films

Blendet man die besagten Einstiegs- und Ausstiegsschwierigkeiten jedoch aus, bekommt man es bei Black Widow mit einem gefälligen „Agentenspektakel in Moll“ zu tun. Das reicht vom Vorspann, in dem ein niedergeschmettertes Cover von Smells Like Teen Spirit ertönt und so die Stimmung für die folgenden Stunden setzt, bis zu Scarlett Johanssons Darbietung in der Titelrolle.

Auf Meteabene spielt sicher das Wissen mit, dass für sie der letzte Vorgang als Natasha Romanoff fällt. Innerhalb der Logik des Films wiederum ist die sonst eher schnippische Agentin so aufgewühlt und melancholisch, weil gerade ihre Wahlfamilie zerbrochen ist und sie nun gezwungen ist, sich wieder mit ihrer KGB-Familie auseinanderzusetzen. Und das, obwohl sie bei ihr viele seelische Narben hinterlassen hat. Johansson bringt diese ruhigere Seite Black Widows überzeugend zum Vorschein, und wann immer Regisseurin Cate Shortland Gelegenheit findet, inszenatorisch auf eben diesen Aspekt den Finger zu legen, glänzt der Film.

Dazu trägt auch Midsommar-Hauptdarstellerin Florence Pugh bei, die mühelos die Balance findet, um Yelena Belova als Natashas vorlaute jüngere Schwester anzulegen (besonders herrlich: ihre Seitenhiebe auf Natashas Kampfstil), sie aber auch als emotional noch stärker vernarbt darzustellen. Für gefälliges Spektakel zwischen den in Moll gebotenen Passagen rund um die verkorkste Dynamik innerhalb Black Widows Familie sorgen kernig inszenierte Nahkämpfe sowie Lorne Balfes stimmungsvoll-zügiger Score.

Außerdem gibt es für die Extradosis Popcornkino-Wucht zwei größere Setpieces, die allerdings leider effekttisch etwas matschig geraten sind und denen es etwas an Gravitas mangelt.Vor allem das Actionfinale zieht sich daher. Umso gespannter lässt uns aber die allerletzte Szene zurück, die noch eine sehr konfliktreiche MCU-Zukunft verspricht. Also: Bis nach dem Abspann dranbleiben!

Fazit

Mit Black Widow kehren die Marvel Studios nicht in Spitzenform auf die Leinwand zurück. Dennoch bietet das solide Agentinnenabenteuer selbst ein Jahr nach dem geplanten Start genau das, was wir uns schon damals versprochen haben: Black Widows lang verdiente Stunde im MCU-Rampenlicht und einen Phase-IV-Filmauftakt, der Lust auf die nächsten Einträge in diese Comicfilm-Saga macht.

Neugierig geworden? Black Widow ist ab dem 8. Juli 2021 im Kino zu sehen sowie ab dem 9. Juli 2021 als Bezahltitel auf Disney+ abrufbar.

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