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Blade Runner 2049: Dem Original ebenbürtig

Zur Einstimmung auf die Ausstrahlung von Blade Runner 2049 am kommenden Dienstag auf SYFY gehen wir dem Kult auf den Grund und vergleichen beide Filme für euch. Unser Fazit: Harrison Ford ist nicht nur als Han Solo oder Indiana Jones genial!

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Von Stefan Ulsamer

Für die meisten Kino- und Fernsehzuschauer ist Harrison Ford – zu Recht – auf ewig mit seinen beiden „Musterrollen“ Han Solo und Indiana Jones untrennbar verbunden. Rollen, die er hauptsächlich in seinem „besten Alter“ in den 1970/80er Jahren verkörperte und – deutlich gereift – im 21. Jahrhundert mehrfach wieder aufgriff. Wie kein anderer schafft es der Hollywoodmegastar, der dieser Tage (am 13. Juli) seinen 79. Geburtstag feiert, mit seinem Filmcharakter regelrecht zu verschmelzen.

Etwas weniger populär als seine Darstellung des schelmischen Schmugglers aus dem Star Wars-Universum und des berühmtesten Archäologen der Filmgeschichte ist seine Verkörperung des Police Officers Rick Deckard in Ridley Scotts Kultfilm Blade Runner aus dem Jahr 1982. Dem Film, der heute als Meilenstein des Science Fiction-Genres gilt, basiert auf dem Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (Do Androids Dream of Electric Sheep?) des amerikanischen Autors Philip K. Dick (1928 – 1982).

Der Erstling

Scott präsentiert darin eine düstere, urbane Zukunftsvision und zeigt ein Los Angeles des Jahres 2019, das zu einem wahren Moloch angewachsen ist. Harrison Fords Deckard jagt darin abtrünnige Replikanten – zu Millionen geklonte menschliche (Sklaven-)Arbeiter, die hauptsächlich zum Aufbau von fernen Weltraumkolonien genutzt werden. Am Ende von Blade Runner muss sich Deckard die Frage stellen, wer menschlicher ist, die Menschen, die in der Lage sind künstliches Leben zu erschaffen, oder die Replikanten, die oftmals menschlicher scheinen als die (in dieser Darstellung der Zukunft) oftmals verrohten Menschen. Und für den Zuschauer bleibt am Ende offen, ob Deckard nicht gar selbst ein Replikant ist.

Bei seiner Kinoauswertung im Jahr 1982 war Blade Runner ein großer Flop. Erst Mitte der 1980er Jahre wurde er zu einem Kultfilm des modernen Science Fiction-Kinos, hauptsächlich verursacht durch Wiederaufführungen in Programmkinos und zahlreiche TV-Ausstrahlungen.

Der Weg zur Fortsetzung

Im Laufe der Jahrzehnte wurden mehrere verschiedene Schnitt- und Director´s Cut-Fassungen von Blade Runner veröffentlicht, inklusive einem optisch überarbeiteten Final Cut, der 2007 auf DVD veröffentlicht wurde. Und so ist es nicht verwunderlich, dass trotz des ursprünglichen Misserfolgs von Blade Runner die Rufe nach einer Fortsetzung im Laufe der Jahre immer lauter wurden. Urheberrechtliche Streitigkeiten in Bezug auf das Quellenmaterial von Philip K. Dick erschwerten viele Jahre lang die Konzeption eines Sequels, ehe die unabhängige Filmproduktionsgesellschaft Alcon Entertainment im Jahr 2011 die Gesamtrechte am Blade Runner-Franchise mit der Ausnahme eines Reboots des Originalfilms erwerben konnte.

Innerhalb kürzester Zeit wurde Ridley Scott, der in Interviews immer wieder seinen Regiewunsch für eine Fortsetzung herausgestellt hatte, als Regisseur angekündigt. Wie bei einem Projekt solcher Größenordnung üblich, verzögerte sich die Produktion aber um mehrere Jahre, was dazu führte, dass Scott den Regieposten aus Termingründen an den Kanadier Denis Villeneuve (bekannt für Prisoners, Sicario und The Arrival) abtreten musste, der anfangs aus Respekt vor dem Original zögerte. Für das Drehbuch konnte Hampton Fancher, der Autor des ersten Films, gewonnen werden, der mit dem Logan-Autor Michael Green für das Skript zusammenarbeite. Harrison Ford konnte erneut für die Rolle des Rick Deckard verpflichtet werden, die eigentliche Hauptrolle des Films – L.A.P.D. Officer K – wurde mit Ryan Gosling besetzt, der zuvor noch nie an einer so großen Produktion mitgewirkt hatte.

Die Kamera übernahm der legendäre britische Kameramann Roger Deakins, der bereits bei Prisoners und Sicario mit Villeneuve zusammengearbeitet hatte. Die Musik komponierten Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch, die damit in große Fußstapfen traten, denn der Originalsoundtrack des griechischen Synthesizer-Komponisten Vangelis für Blade Runner gilt als eine der einzigartigsten Filmmusiken der 1980er Jahre. Die Dreharbeiten für die mittlerweile Blade Runner 2049 getaufte Fortsetzung fanden im Sommer 2016 überwiegend in Budapest statt.

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Der Film

Wie der Titel von Blade Runner 2049 vermuten lässt, setzt die Fortsetzung 30 Jahre nach den Ereignissen des Erstlings an und zeigt uns eine konsequente Fortführung des alternativen Zukunftsszenarios aus Blade Runner. Die ursprünglich von der Tyrell Corporation gefertigte Replikanten-Modellreihe, die sich vor dreißig Jahren gegen ihre Schöpfer wandte, wurde eingestellt und durch eine neue Bauserie des blinden Großindustriellen Niander Wallace (großartig verkörpert von Jared Leto) ersetzt. Die neuen Replikanten leben friedlich ihrem Schicksal ergeben als Sklaven auf der Erde und in den intergalaktischen Kolonien. Der von Gosling verkörperte K ist ein Replikant dieser neuen Baureihe und damit beauftragt, die noch verbliebenen älteren Modelle „in den Ruhestand zu versetzen“ (zu eliminieren). K kommt zu Beginn des Films – nachdem er einen Replikanten namens Snapper Morton (Dave Bautista) liquidiert hat – einer großangelegten Verschwörung auf die Spur. In einer Kiste findet er die Knochen einer Replikantin, die vor gut 30 Jahren ein Kind zur Welt gebracht zu haben scheint. Die folgenden Ermittlungen erwecken nun auch  das Interesse von Wallace, dem es bisher nicht gelang, fortpflanzungsfähige Replikanten zu entwickeln. Die polizeilichen Untersuchungen – die Officer K zur Zielscheibe für Wallander machen – führen ihn schließlich auf die Fährte von Rick Deckard. Kann er das wohlgehütete Geheimnis um den ersten geborenen, nicht im Labor gezüchteten, Replikanten lösen? Und was bedeuten die Zweifel über seine eigene Herkunft in diesem Zusammenhang?

Blade Runner 2049 ist genau wie das Original ein audiovisuelles Meisterwerk, das uns eine furchterregende Zukunft zeigt, in der der Mensch sich zum Gott erhoben und millionenfaches künstliches Leben geschaffen hat. Wie das Original brilliert die Fortsetzung mit eindrucksvollen Bildern und fantastischen visuellen Effekten. Und auch in Blade Runner 2049 wird Action eher sparsam eingestreut – sie dient dem Vorankommen der Handlung und wird nicht wie in vielen großen Blockbustern um ihrer selbst willen eingesetzt. Obendrauf erwies sich der melancholische und bedrohliche Synthesizer-Soundtrack von Zimmer und Wallfisch den Vangelis-Klängen des Erstlings als absolut ebenbürtig. Blade Runner 2049 ist zudem bis in die kleinsten Nebenrollen mit solchen Größen wie Robin Wright, Lennie James oder Sylvia Hoeks hervorragend besetzt. Besonders in Erinnerung bleibt allerdings die kubanische Schauspielerin Ana de Armas als Ks virtuelle Geliebte Joi – ein Computerprogramm mit künstlicher Intelligenz, das K die Einzigartigkeit seines Daseins vermittelt.

Die Zukunft

Blade Runner 2049 erwies sich als Liebling der Filmkritiker, konnte allerdings bei Produktionskosten von 185 Millionen US-Dollar, denen weltweite Einnahmen von 260,5 Millionen US-Dollar gegenüberstehen, die kommerziellen Erwartungen der Produzenten nicht erfüllen. Fans des ersten Blade Runner zeigten sich von der Fortsetzung größtenteils begeistert.

Sowohl Ridley Scott als auch Denis Villeneuve haben mittlerweile ihr Interesse an einer weiteren Fortsetzung des Materials bekundet. Blade Runner-Fans können sich, bis es soweit ist, die Zeit mit der Prequelserie Blade Runner: Black Lotus vertreiben, eine 13-teilige Animationsserie, die im Herbst 2021 ihre Premiere auf dem amerikanischen Nischenkanal Adult Swim erleben soll.

Blade Runner 2049 läuft am kommenden Dienstag, dem 13.07.2021 um 20.15 Uhr auf SYFY. Zeit genug, am Wochenende nochmal den ersten Film zur Einstimmung hervorzukramen. Viel Spaß!

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