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Buffy: Die Legende lebt - Teil 1

Sie ist TV-Legende und Ikone einer ganzen Generation: Buffy Summers, die vielseitige Vampirjägerin! Wir würdigen die Serie mit einem zweiteiligen Special.

Buffy 5

von Reinhard Prahl

Teil 1: Die Anfänge

Als Joss Whedon 1991 das Drehbuch für seinen Film Buffy the Vampire Slayer schrieb ahnte er noch nicht, dass sich aus einer simplen Teenie-Horrorkomödie einmal ein wegweisendes Franchise entwickeln würde. Der Film kam 1992 in die Kinos und enthielt im Grunde genommen bereits fast alles, was Buffy-Fans einige Jahre später an „ihrer“ Serie so lieben würden.

Mit Kristy Swanson, die durch Filme wie Ferris macht blau bekannt geworden war, Donald Sutherland und Rutger Hauer hatte Whedon darüber hinaus einen teilweise hochdekorierten Cast an Land gezogen. Dennoch floppte der Streifen an den Kinokassen. Das Problem lag allerdings weder in der Grundkonzeption oder eben der Auswahl der Schauspieler begründet. Swanson wäre als Serien-Buffy sicherlich keine wesentlich schlechtere Wahl gewesen, auch wenn wir heute natürlich nur Sarah Michelle Geller als einzig wahre Vampirjägern akzeptieren.

Ein kapitaler Bock

Vielmehr ist es sehr erstaunlich, dass ausgerechnet Producerin Fran Rubel (heute Rubel Kuzui) einen kapitalen Bock schoss. Nachdem sie auf Whedons Drehbuch gestoßen war, baute sie gemeinsam mit ihm die Figur der zuckersüßen Teenagerin, die böse Vampire lieber pfählte, als vor ihnen fortzulaufen, weiter aus. Gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann, dem Produzenten Kaz Kuzui, übernahm sie anschließend die Finanzierung des Projekts.

Man sollte also meinen, dass niemand besser für den Platz auf dem Regiestuhls geeignet gewesen wäre, als die gelernte Regisseurin. Dennoch hatte sie Joss Whedons Grundidee offensichtlich nicht richtig verstanden, wie auch der Serienerfinder in späteren Interviews immer wieder gerne betonte. Whedon setzte von Anfang an auf ein gewisses Maß an Wortwitz und Situationskomik, um die von ihm kreierte Figur zum Leben zu erwecken. Wie sollte eine blonde Schülerin, die sich eigentlich nur eine ganz normale Jugend wünschte, auch anders als mit Galgenhumor auf ihre übermenschlichen Fähigkeiten und ihre spitzzahnigen Nachbarn reagieren?

Rubel beging allerdings den Fehler, die Komik so stark in den Vordergrund zu rücken, dass die mindestens ebenso wichtigen spannenden und dramatischen Horrorelemente fast vollkommen unter den Tisch fielen. Genau dieser Mix erzeugte aber das stets spürbare hochenergetische Spannungsfeld, dass die Serie bei allen humoristischen und Coming-of-Age-Einlagen noch heute umgibt. Stattdessen inszenierte Fran Rubel eine unausgegorene Teenie-Möchtegernhorrorkomödie, die weder beim Publikum, noch den Kritikern gut ankam.

Buffy Film

Das Ende der Durststrecke

Von nun an sollte es drei Jahre dauern, bis Joss Whedon auf Gail Berman stieß, die für den seinerzeit noch jungen Sender The WB (heute: The CW) nach spannenden und ansprechenden Serien suchte. Nach einigem Hin und Her durfte der junge Filmemacher ein 30-minütiges Demo produzieren, das aber noch sehr skeptisch in der Chefetage aufgenommen wurde. Schließlich gelang es Berman, sich als Produzentin mit kreativer Entscheidungsgewalt zu positionieren. Das Duo durfte endlich loslegen und 1996 einen Pilotfilm sowie zehn weitere Episoden produzieren. Im Piloten konnte man schon fast alle der später so beliebten Stars treffen.

Sarah Michelle Geller übernahm die Rolle der rebellischen Dämonenjägerin und Nicholas Brendon überschlug sich als Xander fast mit seinem Skateboard, als er die blonde Schönheit das erste Mal erblickte. Charisma Carpenter giftete die „Looser“ der Schule als Cordelia an und Anthony Stewart Head gab als erfahrenster Schauspieler in der Runde sein Debüt als Giles. Selbst die fiese Vampirin Darla, respektive Julie Benz, war bereits mit von der Partie. Lediglich von Alyson Hannigan fehlte noch jede Spur. Die Rolle der Willow war an Riff Regan gefallen, die sich aber nicht richtig in die Figur der superklugen, netten Nerdine einzufühlen vermochte.

Der vollständige Film verschwand schließlich in den Schubladen der neu gegründeten Produktionsfirma Mutant Enemy, wurde aber für die letztliche Pilotfolge in gestraffter und leicht modifizierter Form recycelt. Als die Serie im Frühjahr 1997 ihren Stapellauf feierte, saß endlich auch die „echte“ Willow auf der Bank vor derselben Schule, in der schon Beverly Hills 90210 gedreht worden war, um sich mit Xander zu unterhalten und von Cordelia anblaffen zu lassen.

Ohne Moos nichts los, oder doch?

Die erste Staffel umfasste zwölf Episoden und startete am 10. März 1997 in den USA. Das Geld war so knapp, dass die ganze Sunnydale Highschool nur aus einem einzigen Korridor bestand und man statt in einem echten Studio, in einer mehrfach unterteilten großen Lagerhalle drehte. Die Außenansicht des behelfsmäßigen Studios war übrigens in der Serie öfter zu sehen, zum Beispiel wenn Buffy und ihre Freunde in der Stadtdisco Bronze entspannten.

Trotz des geringen Budgets gelang es der Vampirjägerin aber dennoch, genug Zuschauer vor den TV-Geräten zu binden, um noch im Sommer desselben Jahres das Go für die zweite Season zu ergattern. Whedons Konzept, Buffy zwar in jeder Folge ein Monster of the week zur Strecke bringen zu lassen, aber auch in serieller Erzählweise einem staffelübergreifenden roten Faden zu folgen, war aufgegangen.

Der Meister

In Season eins übernahm Mark Metcalf als „der Meister“ die dankbare Aufgabe, den unter der typisch US-amerikanischen Kleinstadt Sunnydale schlummernden Höllenschlund öffnen zu wollen. Metcalfs Darbietung war ebenso fantastisch, wie die Maskenarbeit des leider 2016 verstorbenen John Vulic. Mit dem Maskenbildner konnte Whedon einen der besten seines Fachs für Buffy gewinnen. Vulic hatte sein großes Können bereits Mitte der 80er Jahre in Freitag, der 13. Teil 4 und Zombie 2 unter Beweis gestellt.

Unvergesslich ins Gedächtnis der Genrefans brannte er sich aber erst 1990 mit seiner hervorragenden Arbeit bei Night of the Living Dead von George A. Romero ein. Später folgten Babylon 5, Charmed: Zauberhafte Hexen und Akte X, bevor er ins Lager von Joss Whedon wechselte und aus den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herausholte. Dass Aussehen des Meisters ist eine gelungene Mischung aus Fledermaus, Nosferatu und Freddy Kruger. Die beiden Horrorikonen sollten übrigens in der zweiten Staffel noch einmal als Grundgerüst für eine überaus bösartige Kreatur, dem Kindestod, herhalten.

Buffy Staffel 1.2

Luft nach oben

Man merkte der ersten Season nicht nur ihre geringen finanziellen Mittel an. Retrospektiv betrachtet wies auch das Storytelling so manchen Schnitzer auf. Die vierte Folge, Die Gottesanbeterin (Teacher‘ s Pet), spielte mit der typisch männlichen Teenagerfantasie der attraktiven Lehrerin, in die man heimlich verliebt ist und die das sexuelle Begehren vieler Jugendlicher seit jeher weckt. Die an sich gute Idee, den Spieß umzudrehen und aus der Lehrerin eine kopfabbeißende Bestie zu machen, die die feuchten Träume ihrer Opfer in einen Albtraum verwandelt, wurde aber nicht wirklich ausgereizt. Der Plot zeigte sich von Anfang an vorhersehbar und bot keinerlei Überraschungen. Die Horrorelemente waren im typischen 50er-Jahre-Stil gehalten und das Ende wartete mit einem altbekannten Cliffhanger in Alien-Manier auf. Hinzu kam, dass die Einsparungen, mit der die Special-Effects-Abteilung zu kämpfen hatte, an jeder Ecke sichtbare Spuren hinterließen.

Nur zwei Folgen später prügelte sich Buffy mit einer Gruppe von Hyänen besessenen Schulkameraden herum, zu der auch Xander gehörte. Auch hier blieb der Twist leicht durchschaubar. Darüber hinaus erwies sich James Stephens als schlechte Wahl für die Rolle des Dr. Weirick und somit als Antagonist. Allerdings durfte Nicholas Brendon endlich einmal den Bösewicht geben, ein Part, der ihm sehr gut zu Gesicht stand.

Fauxpas, Fauxpas

Nach der grandiosen Folge Angel – blutige Küsse (Angel) folgte mit Computerdämon (I Robot, You Jane) noch einmal zumindest ein halber Ausrutscher, der Willows Wunsch nach der ersten Liebe und die Gefahren des Internets thematisierte. Der Plot um den Dämonen Moloch geriet etwas albern, die schauspielerischen Leistungen und die Maske leisteten dafür aber ganze Arbeit. Ein mittelschwerer Fauxpas in Sachen Kontinuität darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. In Buffys digitalisierter Schulakte wurde ihr Geburtsdatum mit dem 24.10.1980 und dem Status einer Zehntklässlerin (Sophomore) angegeben. Nur eine Szene später schwenkte die Kamera erneut auf den Computerbildschirm und zeigte nun plötzlich den 06.05.1979, was die Jägerin zu einem Senior machte. Nur am Rande sei erwähnt, dass Buffy etwas später in Die Macht der Träume ihren eigenen Grabstein auf dem Friedhof von Sunnydale fand, auf dem nun plötzlich das Geburtsjahr 1981 zu lesen war.

Diesen verzeihlichen Fehltritten stand im Gegenzug eine geballte Ladung Spannung gegenüber. Wheoden trieb den Story Arc um den Meister aller Vampire mit Das Zentrum des Bösen (Welcome to the Hellmouth), Die Zeit der Ernte (The Harvest), Ohne Buffy lebt sich‘ s länger (Never Kill a Boy on the First Date) Angel – blutige Küsse (Angel) und DasEnde der Welt (Prophecy Girl) grandios voran. Er ergänzte die Staffel durch einige nette Standalone-Episoden, von der Die Macht der Träume (Nightmares) besonders hervorstach. War die erste Staffel also insgesamt trotz einiger kleiner Schwächen vielversprechend geraten, sollte es in der nächsten richtig zur Sache gehen.

Buffy Staffel 1.1

Den zweiten Teil unseres Buffy-Artikels lest ihr am morgigen Donnerstag an gleicher Stelle!