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Buffy: Die Legende lebt - Teil 2

Sie ist TV-Legende und Ikone einer ganzen Generation: Buffy Summers, die vielseitige Vampirjägerin! Wir würdigen die Serie mit einem zweiteiligen Special.

Buffy Titel

von Reinhard Prahl

Der Knoten platzt

Die erste Season von Buffy – Im Bann der Dämonen, wie der deutsche Titel lautet, war zwar kein Megahit, aber immerhin erfolgreich genug, um die Vampirjägerin weiterhin gegen alle möglichen Kreaturen der Unterwelt antreten zu lassen. Direkt in der ersten Folge Im Banne des Bösen (When She Was Bad) gab es ein Wiedersehen mit dem Gesalbten, der als rechte Hand des Meisters bereits im ersten Jahr sein Unwesen getrieben hatte.

Der kleine Junge, in dessen kindlichem Körper das wahrhaft Böse steckte, sollte jedoch bald einen unrühmlichen Abgang durch einen wasserstoffblonden Vampir namens Spike erleben, der in Elternabend mit Hindernissen (School Hard) sein fetziges Debut feierte. James Marsters verlieh dem Vampir-Punk die aufmüpfige Coolness eines rebellischen Teeanagers, was seine Figur gleichermaßen unberechenbar, wie zynisch und bei aller Bösartigkeit dennoch sympathisch machte. Seine teuflische und vollkommen durchgedrehte Geliebte Drusilla (gespielt von Martin Landaus Tochter Juliet) brachte zusätzliche Würze in die Staffel. Das diabolische Paar entwickelte sich im Verlauf der Season zu gefährlichen und fast unbezwingbaren Gegnern.

Spike und Drusilla

Die Einführung von Spike und Drusilla geht übrigens auf Joss Whedon zurück, der in der genannten Folge gekonnt sein großes erzählerisches Talent zur Schau stellte. Im weiteren Verlauf der Serie, und später auch im nach der dritten Staffel ansetzenden Spin-off Angel – Jäger er Finsternis, spielten die beiden Vampire eine wichtige Rolle und pendelten immer mal wieder zwischen Los Angeles und Sunnydale hin und her. Die Hintergrundgeschichten der beliebten Figuren sind sehr interessant und eng mit der von Angel und Darla verwoben. Darla machte Angel zum Vampir, Angel biss die tief religiöse und hellseherisch begabte Drusilla, die wiederum Spikes Blut aussaugte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zog das infernalische Quartett durch Europa und hinterließ eine Spur des Grauens überall, wo es auftauchte. Erst ein Zigeunerfluch, der Angel sein Gewissen zurückgab, sorgte für einen nicht zu kittenden Bruch innerhalb der Mördertruppe. Von nun an verschrieb sich Angel dem Guten, während Drusilla und Spike ihr untotes Leben als Menschenjäger ungebremst auf der Überholspur fortsetzten.

Die Mythologie um die Vampire ist so dicht und stimmig kreiert, dass sich noch heute viele Serienmacher eine große Scheibe von der Akribie abschneiden können, mit der Whedon hier zu Werke ging. Hintergrundgeschichten wie diese lassen Hauptfiguren, ihre Sidekicks und Antagonisten erst glaubwürdig in einer Welt agieren, die ansonsten nur mehr einen losen Bezug zur Realität hat. Spikes Schicksal nahm in der vierten Season eine dramatische Wendung, als eine Unterabteilung des FBI namens „Die Initiative“ ihm einen Gewissenschip implantierte und er darauf hin, ähnlich wie Angel, den Rest seines untoten Lebens mit Schuldgefühlen gegenüber seinen Opfern verbringen musste.

Das Leid mit den Werwölfen

Wenn neue Feinde die Bühne betreten, ist meistens auch ein neuer Freund nicht weit. Whedon und sein Autorenteam ließen den von Seth Green gespielten liebenswerten Oz auf den Plan treten. Er entwickelte bald eine gewisse Zuneigung zu Willow, kämpfte aber im wahrsten Sinne des Wortes auch mit seinen eigenen Dämonen. Oz war ein Werwolf, dessen Kostüm anfangs allerdings eher lächerlich, denn glaubwürdig oder gar furchterregend wirkte. Diese Tatsache war dem immer noch verhältnismäßig geringem Budget geschuldet, mit der der Showrunner, Executive Producer, Autor und Regisseur zu kämpfen hatte.

Der Popularität der Figur tat die ungeschickte Einführung allerdings keinen großen Abbruch. Der damals schon gut beschäftigte Schauspieler und Sprecher legte so viel Liebenswürdigkeit und Ehrlichkeit in seinen Werwolf hinein, dass man Oz einfach mögen musste. Vier Staffeln lang erlebten Buffy und ihre Freunde immer wieder gemeinsame Abenteuer mit dem netten Werwolf von nebenan, der seine Hochzeit zwischen der zweiten und vierten Staffel erlebte. 1999 traf Oz in Los Angeles sogar Angel, der gerade von Spike und einem seiner Kumpanen gefoltert wurde, um den Ring von Amara (In the Dark) ausfindig zu machen.

Buffy Teil Vor Angel

Ein Engel in L. A.

Der geneigte Fan, der nicht so sehr mit dem Spin-off vertraut ist, hat es wahrscheinlich schon längst bemerkt. Angel – Jäger der Finsternis schlug zwar wesentlich düstere Töne als seine große Schwester Buffy – Im Bann der Dämonen an, war aber sehr um Kontinuität und den Erhalt des eingeführten Kanons bemüht. Das Publikum entwuchs nach vier Jahren langsam den Teenagerschuhen  und erwartete von dem seelengequälten Vampir entsprechend mehr Noir-Elemente. David Boreanaz hatte seinen Angelus von Anfang an mit einem seicht durchschimmernden Vorhang des Geheimnisvollen umgeben und wirkte bereits in seiner Liebe zu Buffy bei aller Schüchternheit sehr reif und fast schon weise. Diese Attitüde verstärkte der inzwischen zu den meist beschäftigten Serienschauspielern Hollywoods gehörende Mime in seiner eigenen Serie.

Um dennoch eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren, kam Miterfinder David Greenwalt auf die tolle Idee, eine der beliebtesten Figuren aus der Mutterserie mit nach Los Angeles zu nehmen. Im Pilotfilm Licht und Schatten (City of) traf Angel Cordelia (selbstverständlich immer noch von der wundervollen Charisma Carpenter verkörpert) auf einer Party wieder, die inzwischen einiges durchgemacht hatte, sich aber einen Rest ihrer unbeschwerten „Tussi“-Mentalität zu bewahren verstand. 90 Folgen lang wich sie ihrem Chef und guten Freund, mit dem sie zusammen die Detektei Angel Investigations gegründet hatte, nicht von der Seite. Angels dämonischer Freund Doyle, der den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte, starb leider bereits früh in der Serie, übertrug seine hellseherische Kunst aber mit einem letzten Kuss auf Cordelia.

Von nun plagten die verarmte Wunsch-Schauspielerin Visionen über Menschen, die irgendeinem fiesen Dämonen oder Anwalt der verbrecherischen Kanzlei Wolfram & Hart in die Hände gefallen waren. Der Jäger der Finsternis stand in Sachen Storytelling und Qualität der Vampirjägerin in nichts nach. Dennoch wandelte der Privatdetektiv, der sich der Lösung übernatürlicher Fälle verschrieben hatte, stets in Buffys Schatten und war immer wieder von der Absetzung bedroht. Dennoch schaffte es die Serie nach 110 Folgen und fünf Staffeln über die Ziellinie.

Tot ist nicht gleich tot

Kaum ein Franchise wies ein so dichtes Storytelling und eine so spannende Figurenentwicklung auf, wie das von Joss Whedon erdachte Vampirjäger-Universum. Niemand blieb verschont. Angel wurde nach einer Liebesnacht mit Buffy in der zweiten Staffel wieder zu Angelus und tötete unter anderem Giles große Liebe Jenny. Willow verwandelte sich von der süßen unschuldigen Nerd-Lady in eine potente Hexe und verliebte sich in Oz. Das natürlich nur, um später herauszufinden, dass sie sich mehr zu Frauen hingezogen fühlte. Cordelia und Xander bandelten miteinander an.

Neue Figuren, von denen sich nie sagen ließ, ob sie der guten oder bösen Seite zuzurechnen waren, tauchten auf. Geliebte Hauptfiguren wechselten die Seiten und nebenbei mussten die Teenager auch noch mit den Tücken der Pubertät fertigwerden. Die fünfte Staffel ließ Buffy einen Schicksalsschlag nach dem anderen erleben. Sie kümmerte sich um ihre magisch erschaffene Schwester Dawn, verlor ihre Mutter, wurde fast mittelos und ließ sich zur großen Verwirrung ihrer Fans auch noch mit Spike ein, dem die Initiative, wie oben bereits erwähnt, einen Gewissenschip verpasst hatte. Als ob dies nicht schon genug Katastrophen im Leben einer jungen Frau wären, gewann Buffy zwar den finalen Kampf der Staffel gerade so eben, starb aber schockierender Weise.

Doch in der Welt von Dämonen, Vampiren, Zauberern und Teenies mit übermenschlichen Kräften ist so gut wie nichts unmöglich. Dank ihrer enormen Hexenkräfte gelang es Willow, ihre Freundin aus dem Reich der Toten zu befreien. Während Buffy ihre Traumata einfach nicht überwinden konnte, versank Willows Leben im Chaos der Zaubermächte, die sie selbst heraufbeschworen hatte. Und wieder ließ Joss Whedon das Undenkbare geschehen und schickte den sonst so herzensguten Buffy-Sidekick auf einen Weg, der fast in ihren Untergang führte. Alyson Hannigon durfte sich einmal so richtig austoben und stellte einmal mehr unter Beweis, welch großes Schauspieltalent sie in sich trägt.

Ende wie Donnerschlag, aber kein neuer Anfang

Die letzte Staffel verabschiedete sich mit einem überlauten Donnerschlag, der nicht nur in der Medienwelt, sondern auch in der Fangemeinde ein schallendes Echo hinterließ. Buffy gelang es mit Hilfe von ihren Freunden und neu rekrutierten Jägerinnen endlich, den Höllenschlund zu verschließen. Doch um welchen Preis? Ganz Sunnydale lag am Ende nicht nur in Schutt und Asche, vielmehr klaffte ein tiefer Krater an der Stelle, an der die hübsche Kleinstadt einst gelegen hatte. Eine Armee von Jägerinnen zog in die Welt hinaus, um von nun an, straff von Buffy organisiert, das Böse zu bekämpfen. Doch bevor die Dreharbeiten zur geplanten achten Staffel, dessen Pläne schon fertig in Whedons Schublade lagen, begannen, gab 20th Century Fox überraschend die Absetzung von Buffy – im Bann der Dämonen bekannt. Obwohl die Serie hervorragend ankam und eine riesige Fangemeinde treu zu Buffy stand, schickte die Chefetage die Vampirjägerin nicht wieder auf die Jagd.

Stattdessen entschied sich der enttäuschte Serienerfinder, seine Drehbücher als Comics zu adaptierten und den Millionen treuen Fans zu präsentieren. Als bekennender Comic-Fan wusste Whedon, an welchen Schrauben er drehen musste, um das Beste aus dem Plot herauszuholen. Die Geschichte setzte direkt nach dem Finale der siebten TV-Staffel an. Xander und Buffy führten eine Armee von Jägerinnen im Krieg gegen alle nur denkbaren Kreaturen der Unterwelt an. Unterstützt wurden sie von Andrews Hexen-Schwadron, die keiner anderen als der Superhexe Willow unterstand Von einem Schloss in Schottland aus sandte Buffy ihre gut trainierten Kriegerinnen aus. Als Antagonist erwies sich eine geheime, militärisch strukturierte Organisation, die unter dem Zeichen der „Dämmerung“ agierte. Doch auch alte Feinde rotteten sich unter dem neuen Banner zusammen, um den Jägerinnen das Leben schwer zu machen.

Buffy Teil 2 The Next Generation

Buffy, the Next Generation

Ob der Plot wirklich eine so gute Idee für das Fernsehen gewesen wäre, bleibt bis heute umstritten. Die neue Comicserie kam jedoch bei den meisten Lesern gut an, obwohl die Geschichte insgesamt etwas arg konstruiert wirkte. Die neunte Staffel entstand ebenfalls noch unter Joss Whedons Federführung, in der zehnten war er allerdings nurmehr als Executive Producer aufgeführt, während die Texte von Christos Cage stammten.

Bislang bringt es die Comicserie auf zwölf Staffeln und seit Februar 2020 erscheint nun auch noch ein Reboot namens Buffy Reoladed, für das bei Band eins Jordie Bellaire als Autorin und Dan Mora als Zeichner verantwortlich zeichneten. Vor allem Buffys Freunde wirken in der Piltofolge reifer und erwachsener als im Original, obwohl sich an der grundlegenden Konzeption erfreulicherweise nicht viel geändert hat. Während die erste Graphic Novel bei alten und neuen Buffy-Freunden gut ankam, lässt sich das vom zweiten Band der neuen Serie leider nicht behaupten. Mit der Verpflichtung neuer Zeichner änderte sich auch der Stil hin zu einer mehr jugendlich-naiven Ausdrucksweise, die der nur mittelmäßig erzählten Geschichte nicht unbedingt guttut. Ob sich die Macher die zahlreiche Kritik der Leser zu Herzen nehmen und in Teil drei Dan Mora wieder den Stift in die Hand nimmt, bleibt abzuwarten.

Wie wir bereits mehrfach berichtet haben, ist seit 2019 ebenfalls ein Remake in Arbeit, dass 2022 endlich das Licht der Fernsehwelt erblicken soll. Ein Remake im Sinne von Buffy – 20 Years Later sollte man allerdings nicht erwarten. Sarah Michelle Geller und David Boreanaz haben einer Rückkehr zu neuen Serien klugerweise bereits eine Absage erteilt. Andere Mitglieder des Original-Casts wie Seth Green, James Marsters, Amber Benson und Anthony Stewart Head zeigen sich allerdings offen für eine Wiederkehr. Und auch Showrunnerin Monica Owusu-Breen hat bekanntermaßen bereits mehrfach darauf verwiesen, dass es nur eine Buffy gibt und wir daher möglicherweise eher eine Art Spin-off erleben könnten.

Was zurückblieb

Dass das Buffy-Universum irgendwann wieder hervorgekramt würde, um es neu aufleben zu lassen, war bei der schier unglaublichen Flut an Remakes zu erwarten. Während in Xena noch eine schöne, aber kriegsgestählte und gestandene Kriegern für das Gute eintrat, führte Joss Whedon in seiner Welt eine zierliche Schülerin und ihre Freunde ins Feld. Nebenbei wurden Buffy, Xander, Willow und Cordelia noch erwachsen und mussten sich mit Themen wie die erste Liebe, Schuldruck, dem alltäglichen Ärger mit Lehrern sowie Eltern und allen anderen Problemen herumschlagen, die das Teenagersein so mit sich bringt.

Außerdem traute das Franchise sich, Grenzen zu sprengen. Teenie-Komödie, Horror, Fantasy, Mystery und sogar Science-Fiction. Die Autoren kramten munter in der Trickkiste der Phantastik, um immer neue und abwechslungsreiche Gegner für die leidgeprüfte Buffy aus dem Koffer zu ziehen. Den größten Einfluss auf die kommende Autorengeneration hatte aber wohl Whedons Umgang mit seinen Monstern, vor allem den Vampiren. Bram Stokers Dracula hatte natürlich schon immer eine erotische Komponente. Der uralte Blutsauger, der schöne Jungfrauen in den nackten Hals biss, um sie sich auf ewig untertan zu machen, löste seit seinem ersten Erscheinen 1897 zahlreiche Diskurse über die sexuellen Metaphern aus, die der Ire Stoker in seinen als Tagebuch verfassten Roman einfließen ließ.

Doch die Art, wie Angel Buffy liebte, revolutionierte Ende der 90er Jahre das Genre und ließ einen Schwall an Nachfolgern auf den Markt einströmen. Da wäre beispielsweise die erfolgreiche Romanreihe Sookie Stackhouse, die HBO so erfolgreich als Trueblood adaptierte und hier bei uns auf SYFY ab der dritten Staffel in deutscher Erstausstrahlung lief. Oder wie wäre es mit der Twilight-Saga, der bislang fünf Kinofilme folgten, oder City of Bones, die erst einen langweiligen Kinofilm und später die hervorragende Serienumsetzung Shadowhunters hervorbrachte?

Die Liste der Romane, Filme und Serien, die ohne Buffy – Im Bann der Dämonen so wahrscheinlich niemals auf den Markt gekommen wären, ist lang. Plötzlich konnten Vampire ihre Liebe nicht nur ausleben, in dem sie das „Objekt“ ihrer Begierde in Untote transformierten. Autorinnen und Autoren konnten endlich heißblütige Liebesgeschichten in einer Urban-Fantasy-Welt erzählen, die Teenager- und Young-Adult-Herzen höherschlagen ließ.

Egal, ob wir nun also 2022 eine neue Buffy oder eine ganz andere Vampirjägerin erleben werden, Buffys Erbe, ihr Widerhall in der Unterhaltungsbranche, wird auch dann noch leben, wenn alle Vampire ihrer Welt zu Staub zerfallen sein werden.

Buffy Teil 2 Ende