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Captain Future, Capitaine Flam & Capitán Futuro: Das Franchise in anderen Ländern - Teil 1

Eine Frage, die sich Fans von Captain Future schon häufig gestellt haben mögen lautet, ob die Serie es außerhalb ihrer Ausstrahlungen in Japan und bei uns in Deutschland eigentlich auch in andere Länder geschafft hat und wie sie dort aufgenommen wurde. In diesem zweiteiligen Artikel wollen wir uns nun ausführlich der Beantwortung widmen.

Captain Future S01 Epi032

von Reinhard Prahl und Thorsten Walch (Autoren von "Es lebe Captain Future - 40 Jahre Kult in Deutschland")

Nur kurz nach der Erstausstrahlung außerhalb Japans (übrigens lautet die japanische Sprechweise »Kyaputen Fyucha«, da das Japanische eine hauptsächlich auf einzelnen Silben basierende Sprache ist) hier bei uns in Deutschland war die Serie zunächst in unserem Nachbarland Frankreich und später in der gleichen Synchron-Fassung auch in Belgien zu sehen. Weiter ging es danach mit Lateinamerika, Venezuela, um genau zu sein, sowie Spanien, wo sie in der für Lateinamerika angefertigten Sprachfassung veröffentlicht wurde – um diese beiden Fassungen soll es in Teil 1 gehen.

In Teil 2 widmen wir uns dann Italien, den Vereinigten Staaten (wo sie allerdings zumindest anfangs nicht im Fernsehen, sondern in Form von Videokassetten herauskam), und gar der arabische Welt, wo Captain Future allesamt zu sehen war. Für die französische und die arabische Fassung wurde der Titel jeweils abgeändert, während man ihn für die spanische und italienische lediglich in die Landessprachen übersetzte. Ferner erhielten die Fassungen eigene Soundtracks, wobei in drei von ihnen der gleiche Titelsong in unterschiedlichen Sprachfassungen und Versionen ertönte. Werfen wir also nun gemeinsam einen Blick auf die Veröffentlichung von Captain Future in anderen Ländern.  

Capitaine Flam in Frankreich & Belgien

Wie schon eingangs erwähnt, dauerte es nur kurze Zeit, bis Captain Future nach seiner deutschen Erstausstrahlung im November 1980 auch den Weg zu unseren französischen Nachbarn fand. Dort erhielt die Serie den Titel Capitaine Flam, was vermutlich einen recht praktischen Grund hatte: Das französische Wort für »Zukunft« lautet »Avenir«, was das charakteristische »F«-Logo auf dem Gürtel des Captains, das auch im Vorspann der Serie mehrmals zu sehen ist, unlogisch gemacht hätte. Also entschied man sich für »Flam«, was »Feuer« bedeutet und allein schon wegen deren roter Haare recht gut zu der Figur des Captains passte. Auch ein Teil der anderen Serienfiguren erhielt für die französische Version neue Namen, was teilweise auf die bessere Aussprechbarkeit in unserem Nachbarland zurückzuführen war.

Die erste Episode von Capitaine Flam war am 7. Januar 1981, nur wenige Monate nach dem deutschen Start, auf dem Sender TF1 zu sehen. In Belgien erfolgte die Ausstrahlung der französisch-sprachigen Version eine Weile später im Rahmen des damals dort populären Kinderprogramms Lollipop.

Im Gegensatz zur deutschen, stark gekürzten Version wurden die Episoden für die französische Ausstrahlung komplett synchronisiert. Das trifft auch auf das hierzulande nicht übersetzte einstündige Serienspecial Sternstraße zum Ruhm (japanisch Karei naru Taiyokei Race) zu, welches in Deutschland lediglich im Originalton mit deutschen Untertiteln Bestandteil der Heimkino-Veröffentlichungen ist.

Capitaine Flam erhielt in der französischen Version eine eigene Serien-Musik, die vom Komponisten Jean-Jaques Debout (geboren 1940) stammte. Ähnlich wie Christian Bruhn bei uns ist Debout ein bekanntes Gesicht in Frankreich und hat neben verschiedenen Film- und Serien-Musiken auch etliche dort bekannte Lieder komponiert. Zumindest grob stilistisch erinnert Debouts Musik zu Capitaine Flam durchaus an den deutschen Soundtrack und ist ähnlich eingängig. Im Vorspann ist übrigens das von Jean-Jaques Debout komponierte und mit einem Text von Roger Dumas versehene Lied Capitaine Flam zu hören, welches vom französischen Popsänger Richard Simon interpretiert wurde. Es wurde in Frankreich ähnlich bekannt wie bei uns Bruhns Titelmelodie und in späteren Jahren in unterschiedlichen Versionen wiederveröffentlicht.

Ferner holte man sich für die Synchronisation ebenso wie bei uns in Deutschland die Stimmen bekannter französischer Sprecher, die teilweise auch als Schauspieler bekannt waren.

Dominique Paturel (geb. 1931) beispielsweise fungierte als Sprecher im Serienvorspann. Neben verschiedenen Filmauftritten in Frankreich kannte man ihn dort auch als Synchronsprecher für Schauspieler wie Terence Hill, Sir Michael Caine, George Peppard oder »J.R.«-Darsteller Larry Hagman in Dallas. Eine weitere Begegnung Dominique Paturels mit dem Genre der Fantastik fand durch seine Synchronisation von Roy Thinnes als David Vincent in der französischen Fassung des Mystery-Serienklassikers Invasion von der Wega statt, welche in Frankreich unter dem Titel Les Envahisseurs zu sehen war.

Philippe Ogouz (geb. 1939), der Captain Future bzw. Capitaine Flam seine Stimme lieh, war insbesondere als Synchronsprecher für Leinwandstars wie Martin Sheen, Dustin Hoffman, Kung-Fu-Legende Bruce Lee sowie John Travolta in Frankreich bekannt. Ein lustiger Zufall: In der französischen Version von Dallas synchronisierte Philippe Ogouz »Bobby Ewing« Patrick Duffy. Diesem lieh in der deutschen Fassung Hans-Jürgen Dittberner seine Stimme, welcher bekanntermaßen auch Captain Future hier bei uns stimmlich verkörpert.

Sylvie Feit (geb. 1949), die auch als Schauspielerin in einer ganzen Reihe französischer Kino- und Fernsehfilme auftrat, sprach die in Capitaine Flam leicht abweichend »Johann Landore« benannte Weltraumpolizistin (die Aussprache jedoch war recht ähnlich wie bei »Joan Landor«). Als Synchronsprecherin kannte und kennt man sie in Frankreich als die dortige Stimme von Sally Field, Jamie Lee Curtis oder Karen Allen.

Albert Augier (1924-2007) trat neben seiner Arbeit als Synchronsprecher auch immer wieder als Nebendarsteller in populären französischen Komödien in Erscheinung, unter anderem neben Louis de Funés und Jean-Paul Belmondo. Auch als Sprecher blieb er diesem Bereich treu und war die Stimme des unglücklichen Jägers Elmer Fudd bei den berühmten Looney Tunes. Ansonsten war er häufig der Sprecher von Ned Beatty, Charles Durning oder Peter Falk. In Capitaine Flam sprach er die Rolle des »Mala« - so nämlich hieß Otto/Otho in der französischen Fassung.

Captain Futures bzw. Capitaine Flams Chef Präsident Cashew hingegen übernahm René Arrieu (1924-1982), der ebenfalls vorwiegend als Komiker in Frankreich bekannt war, als Synchronsprecher jedoch auch recht häufig Western synchronisierte. Hier lieh er seine Stimme Genre-Schauspielern wie Jeff Chandler, Henry Fonda oder James Stewart.

Georges Atlas (1926-1996) sprach die Rolle des »Crag«, wie Roboter Grag für Capitaine Flam genannt wurde. Dank seiner sehr tiefen und sonoren Stimme wurde er als Synchronsprecher für Western-Bösewicht Lee Van Cleef, den Hopi-stämmigen Will Sampson sowie den wenigen Dialogszenen von »Beißer« Richard Kiel in zwei James-Bond-Filmen eingesetzt.

Jaques Torrens (1923-2000), der Ezella Garnie seine Stimme lieh (hier lautete die Schreibweise in der französischen Version »Ezla«), sprach im Gegensatz zu seinen Kollegen bevorzugt Nebencharaktere in verschiedensten amerikanischen Filmen.

Serge Lhorca (1918-2012), die französische Stimme für das »fliegende Gehirn« Professor Simon Wright, synchronisierte außerdem US-Filmstars wie Jack Lemmon, Gene Wilder oder Roy Scheider.

Jackie Berger (geb. 1948) ist ebenfalls Komikerin und im Gegensatz zu ihren französischen KollegInnen Belgierin. Aufgrund ihrer hohen Stimmlage, die ihrer Sprechweise etwas Kindliches verleiht, synchronisierte sie trotz ihres Erwachsenenalters vorwiegend männliche Kindercharaktere wie Cary Guffey, Ricky Schroeder oder Danny Lloyd. Bei Capitaine Flam war sie die Stimme des kleinen Ken Scott. Einen weiteren Sprachauftritt in der Serie hatte sie in diesem Fall in einer Frauenrolle als Saturna.

Michel Gudin (1920-1996) wiederum war die »Stimme aus dem Off«, die die Abenteuer des Capitaine immer wieder einmal kommentierte. Gudin synchronisierte ansonsten Schauspieler wie Dean Martin, Ernest Borgnine oder auch Cary Grant.

Zwar wurde Capitaine Flam in Frankreich kein ganz so großer Kulthit wie hier bei uns, doch erfreute sich die Serie großer Erfolge und genießt bis heute Beliebtheit in Insider-Kreisen.

1997 veröffentlichte das französische Label IDP die Serie auf VHS-Cassetten, im Jahr 2000 folgte vom gleichen Hersteller die DVD-Version. 2017 schließlich wurde unter der Ägide von Warner Home Video die französische BluRay-Veröffentlichung herausgebracht.

Captain Future S01 Epi015

Viva Capitán Futuro!

Nach Deutschland und Frankreich kam Captain Future auch in spanischer Sprachfassung unter dem Titel Capitán Futuro heraus, gelangte allerdings erst auf einem Umweg in das Fernsehen des betreffenden europäischen Mittelmeer-Staates.

Anfang der 80er-Jahre wurde im lateinamerikanischen Land Venezuela in den Synchron-Studios von Los Àngeles (nicht zu verwechseln mit L.A., California!) eine Sprachfassung in Latino-Spanisch erstellt. Obwohl es gewisse Unterschiede zwischen diesen beiden Formen der spanischen Sprache gibt, ist sie dennoch überall im entsprechenden Sprachraum verständlich.

Die Serie wurde dafür in 52 Einzelfolgen aufgeteilt, inwiefern es auch hier zu Kürzungen kam, ist unklar.

So wie im Falle der französischen Version suchte man für die Synchronisation ins lateinamerikanische Spanisch eine Sprecherriege heraus, deren Stimmen in Venezuela sowie den umliegenden Ländern recht bekannt gewesen sein dürften. Leider finden sich dazu allerdings kaum Informationen.

Roberto Alexander übernahm den Part des „Capitán Futuro“, seine Kollegin Maru Guzmán den der Joan Landor, während sie gleichzeitig auch dem kleinen Ken Scott ihre Stimme lieh. Gabriel Cobayassi sprach Otto/Otho ein, während Jesús Barrero Grag seine Stimme lieh, der für die spanische Fassung zu »Grog« wurde.

Auch für die spanische/lateinamerikanische Version erhielt die Serie einen neuen Soundtrack, der ähnlich wie in Deutschland und Frankreich aus poppigen Synthesizer-Klängen bestand, was damals einfach der gängigen Mode in Sachen TV-Zeichentrick-Musik entsprach. Komponiert wurde sie vom in Israel geborenen und in Latein- sowie später auch in Nordamerika recht bekannten Shuki Levy (geb.1947), der einige Film- und Serien-Musiken in seinen Credits vorweisen kann. Auch Capitán Futuro erhielt eine gesungene Titelmelodie, der chilenische Sänger Juan Guillermo Aguirre, auch bekannt unter seinem Künstlernamen »Capitán Memo« (geb. 1951), intonierte den Song. In späteren Jahren sang er auch die Titellieder zu anderen bekannten Zeichentrickserien wie Heidi, Flash Gordon oder He-Man and the Masters of the Universe.

Nach den Ausstrahlungen von Capitán Futuro in Venezuela beim Sender Venezolana de Television und in Chile auf TVN Chile kam die Serie Anfang der 80er-Jahre auch nach Spanien, wo sich insbesondere japanische Zeichentrickserien von jeher großer Beliebtheit erfreuen (so war die Serie Mazinger-Z über einen mächtigen Riesen-Roboter dort höchst erfolgreich und die Abenteuer des kleinen Marco waren schon eine ganze Weile vor der deutschen Veröffentlichung erfolgreich im spanischen TV zu sehen). Dort wurde sie von Canal Sur, Canal 2 Andalucia sowie Canal 53 Madrid ausgestrahlt. Capitán Futuro wurde in der latino-spanischen Version sowohl auf DVD als auch mittlerweile auf BluRay veröffentlicht.

Weiter geht es mit anderen internationalen Veröffentlichungen von Captain Future in Teil 2 dieses Artikels.

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