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Captain Future: Interview mit dem Komponisten Christian Bruhn

Vor vierzig Jahren kam die Serie Captain Future nach Deutschland und ist uns dank eines Mannes noch heute im Ohr: Christian Bruhn. Wir baten den vielseitigen Komponisten zum Interview.

Captainfuture

Ein Interview von Reinhard Prahl

SYFY: Lieber Herr Bruhn, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, unseren Lesern zum 40. Geburtstag von Captain Future einige Fragen zu beantworten. Es ist uns eine Ehre. Sie sind ein unglaublich vielseitiger Komponist. In Ihrem Portfolio finden sich Film-, Pop-, Volksmusik-, und Schlagerkompositionen. Wenn wir einmal die bekannte Huhn-oder-Ei-Frage stellen dürfen. Wo liegen Ihre Ursprünge?

Bruhn: Die wohl ein wenig überdurchschnittliche Musikalität ist ererbt: Väterlicherseits sehr musikalische Menschen, die aber eigentlich kein Instrument beherrschten, nur mein Vater spielte auswendig auf den schwarzen Tasten einige zeitgenössische Schlager, mein Großvater soll angeblich hunderte von Arien auswendig gepfiffen haben. Mütterlicherseits waren da mein Onkel Gustav, Pianist und Musikprofessor und meine Mutter, die auch sehr anständig Klavier spielte und mich mit fünf Jahren die Notenschrift lehrte.

SYFY: Nachdem Sie in den 60er-Jahren die Musik für Filme wie Die Banditen vom Rio Grande komponiert hatten, erhielten Sie 1973 den Auftrag zu Kli-Kla-Klawitter und komponierten von da an auch Soundtracks für zahlreiche Kinderserien. Wie kam es damals zu dem Deal mit dem ZDF?

Bruhn: Da ich für den Hessischen Rundfunk zunächst die Serie James’ Tierleben und später die Sendungen Bettys Beat Box Haus bekomponiert hatte, lag es nahe, dass ich auch Tim Thaler oder das verkaufte Lachen meines Freundes James Krüss vertonen durfte. Mein Gönner Josef Göhlen, mittlerweile zum ZDF gewechselt, betraute mich nach dem überdurchschnittlichen Erfolg der Musik zu Timm Thaler mit vielen weiteren sogenannten Weihnachtsserien für das ZDF.

SYFY: Captain Future unterscheidet sich in seiner Machart schon sehr von Serien wie Wickie, Marco, Heidi oder Sindbad. Erinnern Sie sich noch, was Sie dachten, als sie damals die Bilder der Serie das erste Mal sahen?

Bruhn: Oh, dachte ich, Zukunft, also Zukunftsmusik. Keine gefühlvoll-romantischen Musik-Unterlagen, sondern straffer Rhythmus, toughe Harmonien, teils kurze Licks, teils Melodiebögen, die weit über den Schlagerbereich hinausgehen, und das Ganze etwas jazz-rockig, aber mit Disko-Touch. Und eine Gruppe von exzellenten Musikern, die auch Arrangement-Ideen beisteuern. Ein Fest für uns Musiker.

SYFY: Einige Fans meinen, aus Ihrem Titelsong Bezüge zum Intro von Raumschiff Enterprise herauszuhören, das ja ebenfalls durch eine besondere Gesangseinlage auffällt. War Star Trek damals tatsächlich eine Ihrer Inspirationsquellen für diese neuartige Zeichentrickserie?

Bruhn: Nein, nein, und nochmals nein. Die Verwendung einer Vocalise stellt doch keine Verwendung fremden geistigen Eigentums dar, und wer richtig hinhört, stellt keinerlei Gemeinsamkeit unser Musik mit den angeblichen Vorbildern fest.

SYFY: Auch wenn Captain Future damals sicherlich nur ein Auftrag unter vielen für Sie war: Können Sie sich noch an den Entstehungsprozess erinnern? Wie sind Sie an Ihre Arbeit herangegangen und wie würden Sie retrospektiv betrachtet das Ergebnis heute bewerten?

Bruhn: Wie ein Komponist an seine Arbeit herangeht, mögen meinetwegen Musikwissenschaftler beschreiben. Die Beschreibung von Inspiration wird aber wohl denen, die es selbst nicht können, besonders schwerfallen. Uns Macher und Musiker leitet eine göttliche Hand, sie gehört Bibo, dem Jazzgott. Das außergewöhnliche – seit 40 Jahren anhaltende – Echo auf eine Fernsehmusik beweist, dass wir mit unseren Eingebungen recht hatten.

SYFY: Der Veröffentlichung des Soundtracks 1986 war seinerzeit kein allzu großer Erfolg beschieden. Inzwischen sind aber zahlreiche Neuauflagen erschienen und Captain Future hat in Deutschland noch immer eine große und treue Fangemeinde. Hätten Sie damit jemals gerechnet?

Bruhn: Ja – wir wussten, dass wir etwas Besonderes geschaffen hatten. Und dass wir mit dieser besonderen Musik nicht die ganz breite Masse ansprechen würden, war uns auch klar.

SYFY: Sie sind ein vielfach ausgezeichneter Komponist und erhielten unter anderem 1987 die Goldene Stimmgabel und 1999 die Verdienstmedaille des Deutschen Musikverleger-Verbands DMV. 2019 wurden Sie mit dem smago! Award für ihr vorläufiges Lebenswerk geehrt. Wie ist das, wenn man plötzlich auf 60 Jahre erfolgreiches Musikerleben zurückblickt? Ist Ihre Karriere wie ein wahrgewordener Traum für Sie?

Bruhn: Wenn ich als Kind und als Jüngling Musik jeglicher Art hörte, sagte eine Stimme in mir: »Das kannst du auch!«. Da ich eine gute musikalische Ausbildung hatte, nicht auf den Kopf gefallen war und auch noch das Quäntchen Glück am Zipfel erwischte, war meine Laufbahn eigentlich nur folgerichtig. Und dass sich die Fans darüber wundern, dass einer einerseits Heidi, andererseits aber Captain Future komponiert – ja … darüber wundere ich mich auch.

SYFY: Lieber Herr Bruhn. Captain-Future-Fans sind nun seit 40 Jahren auch Christian-Bruhn-Fans. Ihr Soundtrack hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Serie bis heute nichts von ihrer Beliebtheit verloren hat. Gibt es etwas, dass Sie unseren Lesern, Ihren Fans, zum Abschluss dieses Interviews gerne sagen würden?

Bruhn: Wenn Menschen das, was man geschaffen hat, lieben, so ist das für den Erschaffer das allergrößte Glück, viel wichtiger als Ruhm und Geld. Ihr alle, die ihr meine Musik verstanden und deshalb ins Herz geschlossen habt – ich grüße Euch in großer Dankbarkeit als Euer Christian.

SYFY: Vielen Dank für dieses wundervolle Interview, Herr Bruhn. Es war uns ein großes Vergnügen.

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Weitere Informationen über Christian Bruhn findet man auf seiner Homepage.

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