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Crank 2: Faszinierende Infos zum elektrisierenden Action-Irrsinn

Eine Action-Komödie, die Grenzen nicht bloß überschreitet, sondern sprengt: SYFY zeigt am morgigen Samstag um 22.05 Uhr mit Crank 2: High Voltage einen Film, den man gesehen haben muss, um zu glauben, dass es ihn gibt.

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von Sidney Schering

Ein Killer fällt vom Himmel und schlägt auf dem Asphalt auf. Eine Gruppe Gangster taucht auf, kratzt den Verletzten mit einer Schaufel vom Boden und verfrachtet ihn in ein Versteck. Dort wird ihm sein Herz entnommen. Nun mittels einem batteriebetriebenen Elektroherz am Leben erhalten, wacht der sportliche Kriminelle auf und startet einen blutigen Rachefeldzug gegen die, die ihm sein Herz genommen haben. Und gegen alle, die ihm sonst quer kommen, quer gekommen sind, oder noch quer kommen könnten. Das ist krank. Obwohl, nein: Das ist Crank 2: High Voltage!

SYFY zeigt die abgefahrene Attacke auf die Sinne, den guten Geschmack und die Konventionen des Actionkinos am morgigen Samstag um 22:05 Uhr und Montag um 22.15 Uhr. Und somit strahlt uns ein wahres Highlight aus der Karriere von Actionstar Jason Statham (The Transporter, Fast & Furious: Hobbs & Shaw) an! Aber wusstet ihr eigentlich schon diese elektrisierenden Hintergründe zum Film?

Eine Fortsetzung, die nie geplant war

2006 feierte das Duo Mark Neveldine & Brian Taylor mit dem durchgeknallten Actioner Crank einen Überraschungserfolg: Die 12-Millionen-Dollar-Produktion, in der Jason Statham den Killer Chev Chelios spielt, der unentwegt seinen Adrenalinpegel steigern muss, um gegen ein Gift anzukämpfen, nahm in den Kinos weltweit 42,9 Millionen Dollar ein. Auf DVD war der temporeiche und schwarzhumorige Actioner noch populärer – weshalb das Studio das Regie- und Autoren-Duo um eine Fortsetzung bat.

Das Problem: Am Ende segnet Chev Chelios das Zeitliche. Neveldine/Taylor hatten nämlich überhaupt nicht vor, Crank fortzuführen – und auch das Flehen des Studios überzeugte sie zunächst nicht. „Wir dachten also: Wir krallen uns das Geld, schreiben das Drehbuch und wollen nichts weiter damit zu tun haben“, scherzen sie im Making-of von Crank 2: High Voltage. Gedacht, getan: Das Duo verfasste ein mit voller Ansage abgeschmacktes, überdrehtes Skript, von dem es niemals dachte, dass das Studio es absegnen würde.

Dann kam es zu einer Kette unerwarteter Ereignisse: Jason Statham feierte das Drehbuch und wollte, dass keinerlei Änderungen getätigt werden. Neveldine/Taylor verliebten sich in ihre irren Ideen. Und das Studio gab grünes Licht – wobei Produzent Skip Williamson beichtet: „Ich weiß, dass Einige das Drehbuch nicht gelesen haben – und ich bin froh darum.“

Waghalsiger Inhalt, ungewöhnliche Bildsprache

Weshalb Williamson froh war, dass nicht alle Studioköpfe das Drehbuch gelesen haben? Weil Neveldine/Taylor den schnell zum Kult gewordenen Erstling in allen Belangen übertreffen wollten: Noch mehr Gewalt, noch mehr Verrücktheiten, noch mehr Tabubrüche, um die dreckigen Seiten des Actionkinos und des Schauplatzes Los Angeles auf süffisant-rebellische Art zu überspitzen. In Crank 2: High Voltage werden Silikonbrüste zerschossen, Ellenbögen abgeschnitten und der Protagonist braucht elektrische Stimuli, um dem Tod zu entkommen. All dies in einem Skript, frei von Atempausen, aber voller parodistisch zugespitzter Stereotypen.

Um diesem Skript gerecht zu werden, wollten Neveldine und Taylor noch rasantere Kamerafahrten und originellere Bildwinkel als in Crank. Das Problem: Mit Profi-Kameras jener Zeit war dies kaum möglich – also beschloss das Duo, Crank 2: High Voltage mit sogenannten „Prosumer“-Kameras zu drehen, also Kameras, die zwischen den Amateur- und den Profi-Bereich fallen. Nach ausgiebigen Testaufnahmen wurde ihnen klar, dass die Canon XH-A1(damals 3.500 Dollar wert) sowie die Canon HF10 (damals 700 Dollar wert) mit etwas Hilfe in der Postproduktion Ergebnisse liefern, die kinotauglich sind – und so war der Weg frei für Szenen, die mit professionelleren (und unhandlicheren) Kameras kaum möglich gewesen wären.

So wurde ein Limousinen-Crash mit 18 kleinen HD-Kameras gleichzeitig gedreht, die ohne Rücksicht auf potentielle Verluste am Drehort verteilt wurden – und zwei der Kameras wurden beim Aufprall tatsächlich zerstört. Außerdem wurden Verfolgungsjagden und andere Actioneinlagen auf ungewöhnliche Arten gefilmt: Etwa, indem die kleinen, leichten Kameras auf ferngesteuerte Spielzeugautos geklebt wurden oder der Kameramann auf Rollerblades den Protagonisten hinterher düste. Insgesamt entstanden innerhalb von nur 31 Tagen rund 300 Stunden Bildmaterial, aus dem man im Schnitt zurückgreifen konnte, um einen wahren Bilderrausch zu erstellen – schierer Wahnsinn!

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Im Koffeinschock durch die Popkultur

So aufgekratzt wie Crank 2: High Voltage ist, überrascht es wohl kaum, dass der Film darüber hinaus voller popkultureller Querverweise steckt. Er persifliert die Ruhelosigkeit des Actiongenres mit sinnlosen Zeitsprüngen („9 Sekunden später“), attackiert in einer Rückblende die ausbeuterische Niveaulosigkeit von Nachmittagstalkshows, zitiert so unterschiedliche Filme wie Full Metal Jacket, Die Braut des Prinzen oder Bodyguard, und parodiert liebevoll die Ästhetik von Kaiju-Filmen, in denen die Monster von Männern in Gummikostümen gespielt werden. Außerdem wird die frenetische Ästhetik von Skateboard-Videos und Musikclips imitiert, die kulturelle Aneignung, auf der Kill Bill-Fiesling David Carradine eine ganze Karriere aufbaute, ins Absurde überhöht … Und ein Feeling von Grand Theft Auto weht auch noch durch den Film!

Zudem ist Crank 2: High Voltage voller Cameos! Unter anderem dabei: Spice Girl Geri Halliwell (als Chev Chelios' Mutter), Chester Bennington von der legendären Nu-Metal-Band Linkin Park, Maynard James Keenan (von der Prog-Metal-Band Tool) und Danny Lohner (von den Nine Inch Nails) als Pärchen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Hundeerziehung, Glenn Howerton (It's Always Sunny in Philadelphia), Mixed-Martial-Arts-Legende Keith Jardine, Lauren Holly (Was Frauen wollen), Kultfilm-Regisseur Lloyd Kaufman, Rum-Unternehmer Ron Jeremy sowie Erotikfilmstar Jenna Haze.

Ein wahrlich verrücktes Schaulaufen an bekannten Gesichtern verschiedenster Branchen. Nicht minder verrückt: Der Umstand, dass Bai Lings Figur Ria im Drehbuch nur halb so unverständlich und frenetisch angelegt war wie im fertigen Film. Doch der Schauspielstar improvisierte und verhaspelte sich wie wild – und die Regisseure konnten sich nicht überwinden, Bai Ling zu drosseln. Und auch Clifton Collins Jr. (Menace II Society) als stepptanzender Gangsterboss El Huron, der gekleidet ist wie Elvis Ende der 1960er-Jahre, nahm sich vor, stets noch dicker aufzutragen als im Skript angedacht. Das Ergebnis: Ein unvergesslicher Antagonist, den man erlebt haben muss.

Leider das letzte Zucken einer Filmreihe?

Nicht nur, dass Crank 2: High Voltage mit einer Andeutung endet, dass die Chev-Chelios-Saga weitergehen wird: Auch das offizielle Making-of zum Film endet damit, dass Neveldine und Taylor einen dritten Teil in Aussicht stellen. Sie machen angesichts der pessimistisch stimmenden Nachrichtenlage (schon im Jahr 2009!) die Prognose, dass die Welt noch aggressiver und ignoranter wird – und wenn „der Westen seinen Tiefpunkt erreicht hat, dann kommt Crank 3“. Und doch blieb Crank 3 bislang ein reiner Fan-Wunschtraum … Was ist nur passiert?

Nun: Crank 2: High Voltage kostete mehr als sein Vorläufer, nahm jedoch weniger ein, weshalb das Studio vorsichtig geworden ist. Zudem deuteten Neveldine und Taylor mehrmals in Interviews an, dass sie Teil drei nur dann machen wollen, wenn sie noch waghalsigere, noch bessere Ideen haben – und die zündende Idee sei ihnen wohl noch nicht gekommen.

2018 äußerte Brian Taylor darüber hinaus gegenüber 'Comicbook' folgende Bedenken: „Ich will keine billige, langweilige, zahme Version von Crank machen, obwohl sich uns mehrmals die Gelegenheit dazu geboten hat.“ Denn laut Taylor würden die Produzenten lieber die „respektlose, politisch inkorrekte Qualität“ des Crank-Franchises drosseln, statt sie zu steigern. Damit nicht genug: In den vergangenen Jahren gingen Neveldine und Taylor getrennte Wege, und im Rahmen der Hobbs & Shaw-Pressetour verriet Jason Statham, dass er Crank 3 nur mit Beiden machen möchte – und er geringe Chancen sieht, dass dies passieren wird. Schade!

Aber: Zum Glück steht Crank 2: High Voltage in all seiner Kuriosität perfekt für sich allein. Na, Lust bekommen? Perfekt: Die nächste SYFY-Ausstrahlung ist am Samstag um 22:05 Uhr und Montag um 22.15 Uhr.

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