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Dark Matter: Ein unterschätztes Kleinod

Cool, rockig und irgendwie retro. Das sind drei Worte, die Dark Matter vielleicht am treffendsten beschreiben. Wir blicken zurück auf eine verdammt coole Science-Fiction-Serie.

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von Reinhard Prahl

Die Geschichte hinter Dark Matter

Januar 2012. Bei Dark Horse Comics erschien Band 1 einer vierteiligen Comicreihe, die ursprünglich als TV-Serie konzipiert worden war. Erdacht hatte sie ein Mann, dessen Name die Herzen von Millionen Science-Fiction-Liebhabern in aller Welt höherschlagen lässt: John Mallozzi. Seit dem Jahr 2000 wirkte der Kanadier maßgeblich an dem Mega-Franchise Stargate mit und war als Produzent und Drehbuchautor einer derjenigen, die das Ruder fest in der Hand hielten. Stargate: SG-1, Stargate: Atlantis und das leider zu kurzlebige Stargate: Universe – sie alle wären ohne ihn nicht, was sie heute sind.

Nach dem vorzeitigen Franchise-Aus im Jahr 2011 suchte der aus Montréal stammende Filmschaffende ein neues Betätigungsfeld und fand es in Dark Matter. Tatsächlich gelang das Unmögliche. Warehouse 13, Haven, Being Human, Dominion, Helix und ein paar andere interessante Serienprojekte liefen auf SYFY aus. Also suchte man dort nach neuem Material und fand es unter anderem in Mallozzis Comic-Adaption. Die weiteren kommenden Zugpferde wurden übrigens 12 Monkey (nach dem gleichnamigen Kinofilm von 1995) und The Expanse. Doch dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Wie sehr sich der Stargate-Veteran über den Auftrag wohl gefreut hat, mag man wahrscheinlich kaum ermessen. Vier Jahre waren vergangen, seit er seine ersten Ideen zu Papier gebracht hatte. Am 9. Januar 2015 war es endlich so weit. In Toronto begannen die rund viermonatigen Dreharbeiten.

Irgendwie retro

Die Premiere in Kanada und den USA am 12. Juni 2015 sorgte bei Kritikern für gemischte Gefühle. Viele Fans fühlten sich jedoch bereits nach dem zweiteiligen Pilotfilm optisch an die ›gute alte‹ Serienzeit von Stargate, Farscape und (etwas später) Battlestar Galactica erinnert. Mallozzi und sein Team, von dem viele Namen aus seinen Vorgängerprojekten bekannt sind, legten großen Wert auf eine Optik, die man als Nerd und Geek sofort wiedererkennen sollte. Das Raumschiff der Helden, die ›Razor‹, wirkte daher auch nicht ganz zufällig wie ein gelungener Mix aus der ›Prometheus‹ (aus Stargate) und der ›Nostromo aus Alien. Die Future-Technik blieb stets nachvollziehbar, die Waffen zeigten altbekannte Gimmicks und die Planeten waren schmutzig, grau und dystopisch. Hinzu gesellten sich Männer in Leder, eine hübsche Androidin, die zwar superfortschrittlich, aber doch seltsam steif wie Bishop aus Alien daherkam, und ganz viel altmodische Action.

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Archetypen mit Pfiff

Einen besonderen Kniff stellte die Figurenzeichnung der Protagonisten dar. Nach bester Videogame-Manier wacht die Crew der ›Razor‹ ohne Erinnerung an ihre Vergangenheit in Kältekammern auf und stolpert sofort in eine Fast-Katastrophe. Das Schiff ist beschädigt und nicht mehr Hyperraum-fähig. Das ungleiche Team muss sich zusammenraufen, um zu überleben. Um sich trotz des löchrigen Gedächtnisses dennoch anreden zu können, entscheiden sie, sich in der Reihenfolge ihres Aufwachens zu benennen.

Der geheimnisvolle Schönling und Trickser der Crew (Marc Bendavid) wird zur Nummer eins, die taffe Anführerin (Melissa O´Neil) zur zwei. Die drei bis sechs gehen an den Gunner (Anthony Lemke), den Schwertkämpfer (Alex Mallari Jr.) die Technikerin (Jodelle Ferland) und den Piloten (Roger Cross). Zu guter Letzt darf die superstarke und hochintelligente, aber naive Androidin nicht fehlen, die so manches technische Problem im Handumdrehen löst. Damit sind im Grunde alle Archetypen eines klassischen RPGs vertreten.

Bekannt, aber gut

Diese Art der Charakterisierungen mag abgedroschen klingen. Im weiteren Verlauf der drei Staffeln präsentieren unsere Helden jedoch interessante Backgrounds, die für so manche Überraschung sorgen. So trifft der Trupp beispielsweise in Episode Eins und Episode Zwei (die ersten 13 Folgen von Staffel 1 sind wie die Crew schlicht durchnummeriert) auf eine Bergbaukolonie, die von einer mächtigen Corporation bedroht wird. Leider zeigt sich bald, dass die Razor-Besatzung alles andere als der erhoffte Retter in der Not ist. Stattdessen stellt sich nach der teilweisen Wiederherstellung der Datenbank heraus, dass die sechs ein Haufen wilder Piraten und Mörder sind. Die verbrecherische Bergbaugesellschaft hat sie nur dazu angeheuert, um auf der kleinen Welt ›Tabula Rasa‹ zu machen. Frei nach dem Motto ›jeder ist seines Glückes Schmied‹ entscheiden sich die (Anti-)Bösewichte jedoch für das Gute und werden anschließend zu Freiwild. Das hat natürlich Folgen.

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zu frühes Ende

In den nächsten Episoden sind die sechs ständig auf der Flucht und nehmen alle Art Aufträge an, um irgendwie zu überleben. Die Plots dienen dabei in erster Linie dazu, die Charaktere weiter einzuführen und sie einige unterhaltsame Abenteuer erleben zu lassen, inklusive (Fast-)Zombies und Whil Wheaton (Wesley Crusher aus TNG) als böser Geschäftsmann. Staffel 1 endet schließlich mit einem fiesen Cliffhanger, der sich erst in Season 2 auflöst. Mallozzi strickt den Handlungsbogen von hier aus immer weiter und lässt uns in den folgenden 26 Teilen immer tiefer in die Geschichte der Figuren eintauchen. Das Universum, dass die Serienmacher drumherum stricken, leiht sich Elemente aus so ziemlich jedem Sub-Genre. Von der Space-Opera, bis Military, Dystopie und sogar Cyberpunk ist alles vertreten, was Spaß macht.

Das einzig Manko ist, dass Mallozzi nicht die Gelegenheit erhielt, seine Story auszuerzählen. Der Arc war auf fünf Staffeln mit je 13 Episoden ausgelegt. Doch lief das Projekt leider früher als gehofft aus. In den USA hatte man sich schlicht für andere Prioritäten entschieden. Mallozzi hätte zumindest gerne noch eine Kurz-Season aus sechs Folgen gedreht, um zumindest die gröbsten Storylöcher zu stopfen und die Fans versöhnlich zu verabschieden. Doch die Chancen standen von Anfang an schlecht. Trotz eigentlich ganz guter Quoten und immer besser werdenden Kritiken, endete die Serie nach Episode 39 offen. Zwei Jahre lang versuchte das Produktionsteam, ein neues zu Hause zu finden. Seit 2019 sind auf der offiziellen Facebookseite allerdings keine neuen Einträge mehr zu lesen. Doch ganz aufgegeben scheint Mallozzi den Traum eines Revivals noch nicht zu haben. Sowohl auf seinem offiziellen Twitter-Account als auch dem Blog tauchen immer wieder Posts auf, um die Erinnerung wachzuhalten.

Endlich auf BluRay

Übrigens hat sich justbridge entertainment kürzlich die Rechte für die DVD- und BluRay-Auswertung gesichert. Die Box ist seit dem 21. August 2021 zu haben und kostet 32,99 Euro. Sie besteht aus sechs BluRays mit je sieben oder sechs Episoden (insgesamt 26 Stunden und 40 Minuten Laufzeit). Auf den Discs 2, 4 und 6 befinden sich zudem je 13 circa zwei- bis vierminütige Bonusclips die in insgesamt rund zwei Stunden die Produktionsgeschichte dieser viel zu oft unterschätzten Serie nachzeichnen. Wer also wieder einmal Lust auf eine spannende Space-Opera mit toll choreografierter Stunt-Action, einer Portion Retrofeeling und rockigem Soundtrack hat, macht hier sicherlich nichts verkehrt.

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