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Day Of The Dead: Die neue Serie

Bevor heute in der ersten Folge der neuen SYFY-Serie Day Of The Dead passend zur gruseligen Jahreszeit (mit Halloween als Höhepunkt) die Untoten losgelassen werden, gewähren wir im dritten Teil unserer kleinen Artikelserie einen ersten Ausblick auf die Dinge, die da kommen.

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von Thorsten Walch

Durch Fracking erwacht

Wie bereits im vergangenen Artikel kurz angedeutet, zeigt Day Of The Dead im Gegensatz zum der Serie zugrundeliegenden Film (1985) von George A. Romero nicht die Welt inmitten einer tobenden »Zombiekalypse«, sondern deren Beginn. Nahe der (übrigens fiktiven) amerikanischen Kleinstadt Mawinhaken im Bundesstaat Pennsylvania betreibt ein Industrieunternehmen Fracking, um an das Erdgasvorkommen im Boden zu gelangen (hierbei wird das Gestein mittels einem unter hydraulischem Hochdruck eingepresstem Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien aufgebrochen, was zu massiven Umweltschädigungen verschiedenster Art führen kann). In einer hierbei geöffneten Höhle wird eine an die Wand gefesselte Leiche entdeckt, die sich kurz darauf – richtig geraten! – als untot erweist.

Ab da dauert es nicht mehr allzu lange, ehe in Mawinhaken die Toten plötzlich aus ihren Gräbern auferstehen und Jagd auf die Lebenden machen. Eine buntgemischte Truppe aus sechs ziemlich verschiedenen Menschen, bestehend aus Polizistensohn Cam McDermott (Keenan Tracey), Luke Bowman (Daniel Doheny) und seiner Mutter Paula (Miranda Frigon), die das Waffenrecht propagierende Bürgermeisterin Mawinhakens, die zynische Bestatterin Lauren Howell (Natalie Malaika), Lebensberaterin und Arzttochter Amy (Kristy Dawn Dinsmore) sowie die toughe Ex-Soldatin Sarah Blackwood (Morgan Holmstrom) finden am ersten Tag der schauerlichen neuen Situation zusammen und suchen nach einem Weg, diesen möglichst gemeinsam zu überleben.

Dabei geht es weniger darum, wie die Krise die Menschen mit der Zeit zu ebenso grausamen Kreaturen macht, wie es die Untoten sind; vielmehr wird gezeigt, wie das unfreiwillige Protagonistenteam zusammenwächst und seine Mitglieder ihre unterschiedlichen Fähigkeiten, aber auch Stärken und Schwächen einsetzen. Im Gegensatz zu anderen populären Horror-Franchises wie den beiden TV-Serien The Walking Dead (2010 bis 2022) und Z Nation (2014 bis 2018, übrigens ebenfalls für die Ausstrahlung bei SYFY produziert) oder Filmen wie George A. Romeros Crazies (1973) und Dan O’Bannons The Return Of The Living Dead (aka Verdammt, die Zombies kommen, 1985) ist jedoch bei Day Of The Dead weder ein Virus für die blutrünstige Auferstehung der Toten verantwortlich noch ein ausgetretener militärischer Kampfstoff: Die eigentliche Ursache bleibt zumindest zu Beginn der Serie völlig im Dunklen, wenngleich die Folgen des eingangs genannten Frackings die Zombie-Apokalypse zumindest ausgelöst haben.

Klassische Untote

In den vergangenen Jahren war das Thema »Zombies« ein ausgesprochener Modetrend im Horror-Genre gewesen wie schon zuvor etwa die Vampire, die ebenfalls eine ganze Welle von Filmen als auch Fernsehserien ausgelöst hatten. Im Zuge dessen kam es zu den verschiedensten Neuinterpretationen der moderigen Untoten: Während sie sich zuerst in Danny Boyles 28 Days Later (2002) und eine Weile später in Zack Snyders Neuverfilmung von Dawn Of The Dead (2004) vom wankenden Staksen auf schnelles Laufen verlegten, was ihnen eine zusätzliche, aber auch völlig andere Art von Bedrohlichkeit verlieh, wurden sie in der auf den gleichnamigen Comics basierenden Serie iZombie (2015 bis 2019) gar zu intelligenten, durchaus mitunter auf der Seite des Guten stehenden Gesellen, die ihre zweifelhaften Fähigkeiten zu edlen Zwecken einsetzten.

Von dergleichen will man bei den Machern von Day Of The Dead nicht viel wissen und geht stattdessen, wie bei vielen Genre-Fans beliebt, stattdessen zurück zu den Wurzeln: Die in der Serie gezeigten Untoten folgen der Tradition des Zombie-Urvaters George A. Romero mit ihrer langsamen und schwankenden, aber dafür höchst zielstrebigen Fortbewegungsweise. Ferner verwandeln sie von ihnen Gebissene nicht augenblicklich selbst in ihresgleichen, sondern lediglich bereits Verstorbene mutieren zu mordlüsternen Wiedergängern mit dem Verlangen nach dem Fleisch Lebender – was im Genre bekanntlich jedoch recht schnell eintreten kann. Und anders als bei ihren Moder-Kollegen von The Walking Dead reicht ein Schuss, Pfeil oder Stich in den Kopf keineswegs, um sie auszuschalten: Gemäß dem alten Horror-Motto »No brain, no pain!« muss man sie schon komplett mittels erprobter Methoden wie dem Einsatz von Explosivmitteln oder aber auch bequem per Überfahren mit dem Auto zerstören wie im Trailer der Serie zu sehen. Schließlich braucht man selbst kein Gehirn, um auf das anderer scharf zu sein.

Die Sache mit dem Bierernst…

Einen weiteren wesentlichen Unterschied gegenüber vielen, wenn auch nicht allen Werken (siehe etwa sein Creepshow von 1982) des großen Vorbilds Romero gibt es allerdings: Kamen dessen Filme meistens mit jeder Menge Sinn für unheilvolle Ernsthaftigkeit daher, nimmt Day Of The Dead die Sache lockerer, wenn auch damit verbunden keineswegs auf die ganz leichte Schulter: In punkto Gore- und Splatter-Faktor bleibt die Serie durchaus vergleichbar mit ihren Vorbildern, aber auch Kultfilmen wie dem schon genannten The Return Of The Living Dead, der das Zombie-Subgenre lange vor Shaun Of The Dead (2004) auf komödiantisches Niveau hob, ohne dabei jedoch die typischen Elemente seiner Filmgattung zu vernachlässigen. Trotz aller flapsigen Sprüche der agierenden Figuren und der insgesamt galgenhumorigen Machart bleibt Day Of The Dead ein Beitrag zum Genre in Reinkultur – nur eben bisweilen untermalt von einem Lachen, das das Grauen geboren hat.

Fortsetzung erwünscht

Zehn jeweils knapp 45-minütige Episoden, die nach ihrer jeweiligen Ausstrahlung ab dem 27. Oktober 2021 im Wochenrhythmus auch auf Abruf angeschaut werden können, erwarten den kommenden Fan und Zuschauer in den folgenden Wochen. Ob sich danach eine zweite Serienstaffel anschließen wird, hängt natürlich in erster Linie vom Erfolg von Day Of The Dead ab. Falls es dazu kommen sollte, stellt sich zudem die Frage nach dem Handlungszeitraum, da Staffel 1 von Day Of The Dead lediglich am allerersten Tag der Zombie-Apokalypse spielt – möglicherweise könnte es danach um weitere Tage der Toten (daher der Serientitel) gehen.

Doch ist dergleichen im wahrsten Sinn des Wortes erst einmal noch Zukunftsmusik. Freuen wir uns nun zunächst auf die kommenden zehn Episoden von Staffel 1, die ab dem 27. Oktober bei SYFY zu sehen sind und ein Fest für alle Grusel-Fans insbesondere des Zombie-Horrors zu werden versprechen.

Day of the Dead startet am 27. Oktober auf SYFY! Um 20.15 Uhr läuft die erste Episode Unerwarteter Fund. Wöchentlich geht es danach jeden Mittwoch mit den insgesamt 10 Episoden weiter. Diese sind nach Ausstrahlung auch auf Abruf verfügbar.

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