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Day Of The Dead: Die Vorläufer der neuen Serie

Bei SYFY kehren die Toten aus ihren Gräbern zurück: In der neuen Serie Day Of The Dead, basierend auf George A. Romeros gleichnamigem Zombiefilm-Klassiker von 1985 kämpfen ab 27. Oktober sechs Überlebende einer Zombie-Apokalypse ums nackte Überleben und darum, nicht (an-) gefressen zu werden. Bevor es losgeht mit dieser neuesten Invasion der moderigen Art, werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Horror-Subgenres rund um die nicht mehr ganz so frischen Gestalten.

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von Thorsten Walch

Anfänge in Schwarzweiß

Als erster Zombie-Film überhaupt gilt White Zombie aus dem Jahr 1932 von Regisseur Victor Halperin. Der Klassiker über das Liebespaar Madeleine und Neil (Madge Bellamy und John Harron) und den Nebenbuhler Beaumont (Robert Frazer), der Madeleine auf Haiti durch den geheimnisvollen Legendre (»Dracula« Bela Lugosi) in einen willenlosen Zombie verwandeln lässt, ist kaum mit dem vergleichbar, was man später unter einem »Zombiefilm« verstand. White Zombie ist typisch für die Universal-Horrorfilmära. Obwohl die Zombies darin recht gruselig daherkommen, gibt es keine geifernden Horden von ihnen, die aus ihren Gräbern Jagd auf die Lebenden machen.

Ähnliches gilt für Ich folgte einem Zombie (I Walked With A Zombie) von Jacques Tourneur, 11 Jahre nach White Zombie 1943 entstanden. Die Geschichte der jungen Krankenschwester Betsy Connell (Frances Dee), die auf der tropischen Insel Sankt Sebastian die durch ein vermeintliches Tropenfieber apathisch gewordene Jessica (Christine Gordon) mittels des Voodoo-Kultes heilen will, enthielt ebenfalls kaum genre-übliche Elemente des späteren Zombiefilms, ist jedoch aufgrund seiner atmosphärischen Dichte und der subtilen Machart dennoch bis heute auch für Fans der Serie Day Of The Dead sehenswert, die gern deren Vorläufer kennenlernen wollen.

Der erste »echte« Zombiefilm

Weitere 25 Jahre vergingen, bis mit Die Nacht der lebenden Toten der erste »echte« Zombiefilm – ebenfalls noch in Schwarzweiß - das Licht der Kinowelt erblickte. Das Ganze war eine Art Freizeitprojekt des jungen Filmemachers George A. (für »Andrew«) Romero (1940 bis 2017) und kostete lediglich 114.000 US-Dollar. Romero inszenierte mit unbekannten Darstellern in Evans City im US-Bundesstaat Pennsylvania. Die Geschwister Barbara (Judith O’Dea) und Johnny (Russell Streiner) geraten beim Besuch des Grabes ihres Vaters mitten hinein in eine beginnende Zombie-Apokalypse. Nach Johnnys Tod flüchtet Barbara in ein Farmhaus, in dem sich auch der draufgängerische Ben (Duane Jones) sowie eine dreiköpfige Familie und ein jugendliches Liebespaar verschanzt haben, um den immer zahlreicher werdenden Untoten die Stirn zu bieten.

Die in Die Nacht der lebenden Toten gezeigte Brutalität war ein Novum sogar im damaligen Horrorfilm. Gleich mehrmals ließ Romero die lebenden Toten sich an Gedärm und anderen Körperteilen ihrer Opfer laben, was den Film zum einen zum gemiedenen Skandalwerk, anderenorts jedoch zum Kultfilm machte. Ferner transportierte er die mehr oder weniger unterschwellige politische Botschaft, die Themen wie den damals tobenden Vietnam-Krieg sowie den amerikanischen Alltags-Rassismus anprangerte. Die Nacht der lebenden Toten wurde in die Filmsammlung des New Yorker Museum Of Modern Art aufgenommen und 1999 im National Film Registry als »erhaltenswertes Kulturgut« eingetragen. Für Romero wurden der Film und die Untoten zum persönlichen Schicksal.

Zombies in Technicolor

Romeros gelegentlich als Vorgeschichte seiner Zombiefilme interpretierter Crazies (1973) handelte von einem versehentlich ausgetretenen biologischen Kampfstoff des US-Militärs, der die Bewohner einer Kleinstadt in mordlüsterne Psychopathen verwandelt: Obwohl es sich nicht direkt um Untote bei ihnen handelte, gab es jedoch reichlich Parallelen. Romeros großer Klassiker jedoch wurde der 1978 produzierte Dawn Of The Dead, der sich als Fortsetzung von Die Nacht der lebenden Toten verstand und erneut alle Tabus des damaligen Horrorgenres brach: In einer von den Untoten überrannten Welt kämpft eine Gruppe Überlebender (Ken Foree als Peter, Gaylen Ross als Francine, Scott H. Reiniger als Roger, David Emge als Stephen) in einem verlassenen Einkaufszentrum ums Überleben und muss sich neben Scharen von Wiedergängern auch mit einer Rockerbande unter Führung des irren Blades (Tom Savini) auseinandersetzen, die das Territorium ebenfalls für sich beanspruchen.

Erneut gab es reichlich Sozialkritik, diesmal am amerikanischen Konsumverhalten. Die Gore- und Splatter-Effekte hingegen waren eine weitere Steigerung dessen, was der 1968er-Film gezeigt hatte und Dawn Of The Dead wurde hierzulande vielfach nur gekürzt veröffentlicht und zudem zuerst indiziert und dann beschlagnahmt, was erst 2019 per Gerichtsurteil aufgehoben wurde. Aus der »Dämmerung der Toten« (so die Übersetzung des Originaltitels) wurde dabei schlicht Zombie, was den von Romero selbst als »Ghule« (leichenfressende Dämonen aus der orientalischen Mythologie) bezeichneten Untoten ihren eigentlich unzutreffenden Namen gab: Wie in den beiden anfangs vorgestellten Filmen gezeigt handelt es sich bei »Zombies« um durch Drogenmixturen willenlos gemachte Menschen und nicht um untote, der Fleischeslust frönende Wiedergänger. Romeros Zombie, bei uns in der Schnittfassung von Co-Produzent Dario Argento (selbst ein erfolgreicher Horror-Regisseur) veröffentlicht, löste durch seinen großen Erfolg eine ganze Welle vielfach aus Italien stammender Nachahmungen von Regisseuren wie Lucio Fulci oder Umberto Lenzi in unterschiedlichen Qualitäten aus, die den Begriff »Zombiefilm« begründeten. Die meisten versuchten, Zombie in punkto Gore und Splatter noch zu übertreffen und kamen fast durch die Bank eher bierernst daher.

Die lustigen Toten…

Das änderte sich mit The Return Of The Living Dead (1985), hierzulande anfangs als Verdammt, die Zombies kommen zu sehen. Im Gegensatz zu den Werken von Romero, Fulci & Co. war The Return Of The Living Dead eine abgedrehte Horrorkomödie, die Dan O’Bannon (der Drehbuchautor von Ridley Scotts Alien) inszeniert hatte und die in Teilen auf die Romanfassung von Die Nacht der lebenden Toten vom Mit-Drehbuchautor dieses Films, John A. Russo zurückging (was zu Querelen mit Romero führte). Nach dem Austreten eines biologischen Kampfstoffes (wieder einmal) durch die Schuld der trotteligen Lagerarbeiter Frank (James Karen) und Freddy (Thom Matthews) stehen diverse Tote wieder auf und machen Jagd auf die Lebenden, ganz besonders auf deren »GEHÜRRRN!«.

Obwohl der Film durchaus splatterhaft daherkam und diverse harte Szenen enthielt (weshalb er hierzulande bis 2011 indiziert wurde), blieb doch kein Auge trocken bei dem vor Genre-Anspielungen nur so strotzenden Streifen (der bis 2005 vier Fortsetzungen erhielt). In vielem bildet er ebenso einen direkten Vorläufer für die neue Serie Day Of The Dead wie der gleichnamige Romero-Streifen, da auch diese sich trotz diverser Härten nicht absolut hundertprozentig ernst nimmt.

Romeros Vorbild

Day Of The Dead kam 1985 in den USA, hier bei uns erst zwei Jahre später 1987 heraus. Die zeitweilig auch als Zombie 2 bekannte Fortsetzung war bereits der dritte Teil von Romeros Reihe. In einem unterirdischen Bunker sucht eine Kombination von Wissenschaftlern und Militärs noch immer nach einer Möglichkeit, die Zombie-Apokalypse zu beenden. Dr. Logan (Richard Liberty), unterstützt durch seine Assistentin Sarah (Lori Cardille) und Dr. Ted Fisher (John Amplas) entwickelt die Theorie, man könne die Untoten gewissermaßen zähmen… Obwohl der Vorgänger Zombie als Klassiker des Genres gilt und nach Day Of The Dead bis 2009 noch drei weitere Teile der Reihe folgten, war es letztgenannter Film, der gleich drei Remakes erhielt (wobei auch Zombie 2004 unter dem Originaltitel Dawn Of The Dead neuverfilmt wurde): Doch waren weder Day Of The Dead: Contagion (2005) von Ana Clavell und James Glenn Dudelson noch Steve Miners Day Of The Dead (2008) wirkliche Neuverfilmungen, sondern erzählten jeweils alternative Versionen der Vorgeschichte. Lediglich Day Of The Dead: Bloodline (2018) von Héctor Hernández Vicens war relativ eng an das Original angelehnt und ging auf die Vorgeschichte nur kurz ein, während der Hauptteil in der Zombie-Apokalypse spielt.

Und nunmehr steht also mit der Serie Day Of The Dead bei SYFY die insgesamt vierte Adaption der Geschichte aus der Feder von George A. Romero höchstpersönlich an, nachdem die Zombies seit 2010 mit The Walking Dead und seit 2014 mit Z Nation auch die TV-Bildschirme erobert haben. Werfen wir also als nächstes einen Blick auf seine Macher und auf die Darsteller der Serie – allerdings erst in Teil 2 unserer fetzigen kleinen Artikelreihe.

Day of the Dead startet am 27. Oktober auf SYFY! Um 20.15 Uhr läuft die erste Episode Unerwarteter Fund. Wöchentlich geht es danach jeden Mittwoch mit den insgesamt 10 Episoden weiter. Diese sind nach Ausstrahlung auch auf Abruf verfügbar.

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