News | 27 Tage

Die Marsstadt der Zukunft in Dubai: Eine außerweltliche Erfahrung

Unwirklich und fernab unserer kühnsten Träume wird die Stadt Dubai ein lebendig gewordener Sci-Fi-Film. Feuerwehrleute mit Jetpacks gefällig? Willkommen in der Zukunft!

Msc1

Die Vereinigten Arabischen Emirate liegen auf der gleichen Wellenlänge wie Elon Musk, wenn es um die Kolonisierung des Mars geht. Auch dort wünscht man sich eine umfassende menschliche Besiedelung innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf dem Roten Planeten. Architekten der Bjarke Ingels Group wurden mit der Planung der Mars Science City beauftragt, einem Prototyp für ein hyper-futuristisches Forschungslabor des Mohammed Bin Rashid Space Center (MBRSC). Hier wird Weltraumtechnologie entwickelt, die Menschen das Überleben auf dem eisigen Planeten rund 228 Millionen Kilometer entfernt (an guten Tagen je nach Konstellation auch bis zur Hälfte weniger) ermöglichen soll.

Die erwarteten Kosten für Mars Science City liegen bei schätzungsweise mindestens 135 Millionen US-Dollar; auf 176.000 Quadratmetern soll es nicht mehr allzu lange nur Wüstensand geben. Das Problem besteht darin, dass der Bau einer Stadt auf dem Mars die Überwindung unwirtlicher und sprichwörtlich nicht-irdischer Gegebenheiten bedeutet: Mehr als nur eine architektonische Herausforderung. Von spinnenartigen Konstruktionen bis hin zu Städten, die komplett aus Pilzgewebe bestehen, sind den Ideen keine Grenzen gesetzt, wenn es um die Planung des idealen Mars-Habitats geht. Das Hauptproblem liegt in der Frage, wie Menschen dort überleben können.

Die durchschnittliche Temperatur auf dem Mars liegt bei rund -63° Celsius, was definitiv kein einladendes Wetter ist, auch wenn Konzeptzeichnungen zwischen Palmzweigen hervorscheinendes Sonnenlicht unter einer durchsichtigen Bio-Kuppel zeigen (unter der die eigentlichen Einrichtungen mittels der Mars-Erde per 3D-Druck entstehen sollen). Die Temperaturen innerhalb dieser Habitate müssen den Erfordernissen für Menschen und anderer Lebewesen von der Erde angepasst werden, um deren Überleben zu sichern. Die Verwendung eines isolierenden Spezialmaterials in der Kuppelstruktur soll die Sonnenwärme einfangen und deren allzu schnelles Entweichen verhindern. Die Atmosphäre des Mars ist so dünn, dass der Wärmeaustausch extrem langsam stattfindet. Die Wärme, die durch die isolierten Wände der Bio-Kuppel eindringt, bleibt dort für eine gewisse Zeit.

Marscity3

Polyethylen ist ein überraschend leichter Kunststoff, der nicht nur bestens als Isolation geeignet, sondern auch nahezu unzerbrechlich ist. Dies erklärt, warum man bei Bjarke Ingels eine durchsichtige Polyethylen-Hülle verwenden will, welche die Sonnenstrahlung einlässt und die Wärme speichert. Auch über »Wasserfenster«, welche aus zwei durchsichtigen, mit Wasser gefüllten Schichten wie eine Art riesiges Aquarium bestehen könnten, denken die Planer nach, um Licht einzufangen und die klimatischen Bedingungen zu verbessern.

Auch muss der Luftdruck unter den Bio-Kuppeln angepasst werden. Der Luftdruck auf dem Mars beträgt lediglich 6 % von dem in der Erdatmosphäre. Dieser gefährlich niedrige Wert führt zum Anschwellen des Gewebes, massiven Kreislaufbeschwerden und Dekompressionskrankheit ähnlich der Taucher- oder Caissonkrankheit, welche tödlich verlaufen kann. In Flugzeugen etwa wird der Druck wegen des Risikos erhöht, dass der Übergang von Bereichen hohen Luftdrucks in Bereiche niedrigen Luftdrucks in höheren Schichten der Atmosphäre zu schnell erfolgen könnte.

Msc2

Die Bio-Kuppel allein reicht allerdings nicht aus, um Menschen vor den harten Umweltbedingungen auf dem Mars zu schützen: Die Versorgung mit Sauerstoff muss sichergestellt werden. Da der Transport schwerer Tanks von der Erde aus weder die beste noch die ökonomischste Möglichkeit für die Sauerstoffversorgung darstellt, plant man, mittels Elektrolyse-Verfahren aus dem auf dem Mars befindlichen Wassereis den Sauerstoff vom Wasserstoff in den H2O-Molekülen zu trennen. Auch der dabei gewonnene Wasserstoff findet Verwendung, etwa als Ergänzung des Raketentreibstoffes.

Die irdische Variante benötigt natürlich weder Druckerzeugung noch Elektrolyse. Die Habitate sollen per 3D-Druck aus dem Wüstenstand entstehen, ehe die Bio-Kuppeln über ihnen aufgestellt werden. Bei alledem wirkt die Mars Science City weniger wie ein Wohnstätten-Prototyp für Weltraumkolonisten denn wie ein wahrgewordener filmischer Traum. Sie könnte durchaus eine Rolle in einem absolut großartigen Science-Fiction-Film spielen.

*

Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Elizabeth Rayne geschrieben.