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Dieses Wochenende bei SYFY: Wie die Suche nach einem Freund Star Trek und die Kinoreihe rettete

Anfang der 1980er-Jahre brachte Paramount die Kinoreihe rund um Star Trek mit ein paar simplen Kniffen auf Kurs, nachdem der erste Versuch die Herzen der Fans nicht erreicht hatte. Bei SYFY könnt ihr den Dreiteiler rund um Tod, Suche und Auferstehung des Mr. Spock an diesem Wochenende noch einmal erleben. Unser Björn Sülter hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht.

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Der erste Star-Trek-Kinofilm Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film) war im Dezember 1979 nach einem jahrelangen Hin und Her zwischen Serien- und Kinoambitionen unter der Regie von Robert Wise in die Lichtspielhäuser gekommen.

Bis heute hält sich hartnäckig die Legende, dass der Film die Laufzeit nicht wert wäre. Zu langatmig, humorlos, steril und überambitioniert lauten einige der Schlagworte, die man gerne mit diesem Abenteuer verbindet. Und doch kann man diese Kritik nur bedingt stehenlassen. Ganz bestimmt wollten die Macher zu viel, strebten nach den falschen Vorbildern und entfernten sich dabei zu stark vom Kern der eigentlichen Serie. Auf der anderen Seite schufen sie aber auch einen Film, der die Faszination von der Erforschung des Alls feierte und seine Geschichte sowie die Figuren ernstnahm.

Und obwohl der Streifen vielen Fans nicht schmeckte, war er freilich nur der Anfang einer ganzen Reihe von Filmen rund um die tapfere Crew der Enterprise. Glücklicherweise!

Nochmal mit Gefühl

Gene Roddenberry hatte sich dazu überreden lassen, seine Rechte an Star Trek zu verkaufen und wurde auf die Position eines Beraters zurückgestuft. So wenig dramatisch das erstmal klingt, so groß waren dann aber doch die Auswirkungen für den einstigen Macher. In der Realität durfte Roddenberry zwar noch alles kommentieren, zu entscheiden hatte er jedoch nichts mehr. Die Bosse bei Paramount hatten den geistigen Vater zum Frühstücksdirektor degradiert.

Mit Harve Bennett holte man zudem einen ehrgeizigen Mann vom Fernsehen an Bord, der es gewohnt war, mit kleinem Budget zu arbeiten. Dieser traf direkt eine wichtige Entscheidung, als er den Regisseur und Drehbuchautor Nicholas Meyer engagierte, der sich nicht nur auf eine Episode der Serie (Space Seed/Der schlafende Tiger) stürzte, sondern auch gleich noch den beliebten Darsteller Ricardo Montalbán als Khan zurückholte. Auch brachte dieser Zug den Humor und die Chemie der Crew zurück. Mit diesen zwei Entscheidungen brachte man die Filmreihe letztlich wieder auf Kurs.

Es war auch Bennett, der eigenmächtig Nachdrehs ansetzte und die Katra-Übertragung zwischen Spock und McCoy sowie die Landung des Sargs auf dem Genesis-Planeten ergänzte. Er wusste vom Fernsehen, dass man immer ein Ass für eine potenzielle Fortsetzung gebrauchen konnte. Wie Recht er behalten sollte!

Der zweite Trek-Kinofilm gilt den meisten Fans als einer der besten Filme der Reihe. Bei nur 11 Millionen Dollar Budget generierte man ein weltweites Kino-Einspielergebnis von 97 Millionen Dollar. Eine Fortsetzung stand also außer Frage.

So gut wie sein Ruf

Die Produzenten und Autoren zogen genau die richtigen Lehren aus dem ersten Teil, der zwischenmenschlich zu steril wirkte. Sie gaben den Figuren ihre Tiefe zurück, akzeptierten, dass auch Helden altern und ließen diesen Prozess sogar in die Handlung einfließen.

Zudem entfalteten sie genau genommen eine Art Das-Boot-Variante von Star Trek die zwei erfahrene und gewiefte Anführer zeigte, welche ihre Schiffe in ein Psycho-Duell führten, das stark an den deutschen Klassiker und viele andere bekannte U-Boot-Filme erinnerte.

Dass die Produktion deutlich weniger Geld zur Verfügung hatte als der erste Film, sah man auf dem Schirm hingegen kaum. Die Reihe fokussierte sich hier eindeutig auf ihre Stärken und erzählte meisterhaft eine kleine, einfache Geschichte. Zum damaligen Zeitpunkt genau die richtige Entscheidung, und auch heute noch ein großes Vergnügen.

"We are assembled here today to pay final respects to our honored dead. And yet it should be noted that in the midst of our sorrow, this death takes place in the shadow of new life, the sunrise of a new world; a world that our beloved comrade gave his life to protect and nourish.

He did not feel this sacrifice a vain or empty one, and we will not debate his profound wisdom at these proceedings. Of my friend, I can only say this: of all the souls I have encountered in my travels, his was the most ... human." ― Captain Kirk

Ja, wo isser denn?

Befeuert von den positiven Reaktionen der Fans und dem kommerziellen Erfolg, dauerte es nicht lange, bis Paramount einen weiteren Teil der Reihe ankündigte. Diesmal schickte man die Crew auf die Suche nach dem vermeintlich verstorbenen Mr. Spock. Unter der Regie von Leonard Nimoy höchstpersönlich war der mit 16 Millionen Dollar Budget ausgestattete Star Trek III - The Search for Spock (Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock) ebenfalls alles andere als ein Flop. 87 Millionen Dollar Einspielergebnis weltweit zeugten von anhaltendem Interesse.

Der Weg dorthin war jedoch erneut nicht ganz einfach. Nimoy hatte man mit der Übernahme der Regie und dem Versprechen, dass sein Anteil an der Handlung nur klein sein würde, für das Projekt gewinnen können und zufriedengestellt. Doch rief diese Entscheidung eben auch ambivalente Reaktionen seiner Co-Stars hervor. Für Shatner bedeutete die Besetzung des Regiestuhls mit seinem einstigen Konkurrenten das Aufreißen alter Wunden. Dass Nimoy den Vorzug vor ihm erhielt, war für den stolzen Darsteller des Captain Kirk nur schwer zu ertragen. Dafür hatte man aber keine Probleme, den restlichen Cast zu überzeugen. Nimoy gelang es - den Erzählungen nach - recht schnell, alle für seine Pläne und Vorstellungen einzunehmen. Die lange Szene, in der die Crew die USS Enterprise wie in einem Heist-Movie aus dem Raumdock entwendet, steht sinnbildlich für seinen Ansatz, einen wahren Ensemblefilm zu erschaffen.

Schließlich kam ein Film in die Kinos, der zwar nicht auf breite Begeisterung, allerdings auch nicht auf Ablehnung stieß. Viele Elemente gefielen den Fans und ließen sie über Schwächen hinwegsehen.

Besser als sein Ruf

Auch wenn der Film sicher kein Geniestreich ist, so ist er doch besser, als sein landläufiger Ruf es vermuten lässt. Mit seiner warmherzigen Suche nach dem verlorenen Freund landet der Streifen qualitativ im guten Mittelfeld. Insbesondere die ersten 45 Minuten kann man sogar getrost mit dem Prädikat „hervorragend“ belegen, was natürlich auch am epischen Diebstahl des geliebten Schiffes liegt.

Doch war eben leider auch nicht alles Gold. Der Klingone Kruge (verschenkt: Christopher Llyod aus Back to the Future/Zurück in die Zukunft) und seine Schergen wurden neben dem unausgegorenen Genesis-Subplot zum größten Minuspunkt des Films. Zu comichaft, zu simpel, auch zu albern und schlicht unglaubwürdig agierten die stolzen Krieger.

So blieb das dritte Leinwandabenteuer in der Summe ein ganz bestimmt nicht perfekter, aber definitiv unterschätzter Film, der einen starken Mittelteil des gefühlten Dreiteilers bildete, der sich vom Khan-Konflikt über die Suche nach Spock bis hin zur Rettung der Erde im kommenden vierten Teil spannte.

"I'm gonna tell you something that I never thought I'd ever hear myself say. But it seems I've missed you. And I don't know if I could stand to lose you again." ― Dr. McCoy

Vereint ins Abenteuer

Leonard Nimoy war das Debüt auf dem großen Stuhl mit dem dritten Teil der Reihe gelungen. Noch bevor dieser in die Kinos gekommen war, baten die Bosse von Paramount Nimoy zum Gespräch und eröffnete ihm, dass er auch beim vierten Film wieder das Kommando erhalten sollte – erneut an der Seite des Produzenten Harve Bennett. Einigkeit herrschte zwischen den beiden Hauptverantwortlichen bezüglich des Tonfalls des Films. Hatte man zuletzt sehr dramatische und beinahe düstere Seiten der Figuren ausgelotet, war nun ein vergnügliches Abenteuer geplant.

Am Ende traf man fast ausschließlich richtige Entscheidungen. Nimoy hatte sich beispielsweise gegen Bennett durchgesetzt und die Laute der (im Zentrum des Geschehens stehenden) Sonde nicht übersetzen lassen, um das Mysterium zu bewahren – ein Segen für den Film. Außerdem setzte man mit Nicholas Meyer einen weiteren Autor ein, um primär die Dialoge im San Francisco der 1980er-Jahre zu schreiben, was zu vielen unnachahmlichen Situationen führte.

Für Star Trek und Paramount war der vierte Film somit im Jahr 1986 im wahrsten Sinne des Wortes ein absoluter Kassenschlager! Es gelang nicht nur das beste Abenteuer der Classic-Besatzung, sondern darüber hinaus auch ein kommerziell erfolgreicher und von Kritikern wie Fans gleichermaßen geliebter Film. Außerdem sorgte er dafür, dass man sich nach vielen Jahren des Zweifels wieder ernsthaft mit einer neuen Serie befasste. Das zitierfreudige Drehbuch, die tolle Öko-Botschaft und viele treffende Beobachtungen der damaligen Zeit hatten entscheidenden Anteil am endgültigen Durchbruch der Reihe. Bei einem Budget von 21 Millionen Dollar konnte man 81 Millionen in den USA erlösen und 133 Millionen Dollar weltweit generieren. Somit toppte man die Werte der letzten zwei Filme im Heimatland, der restlichen Welt und insgesamt.

Höhepunkt der Reihe

Der wohl beschwingteste Film der Kinoreihe punktete mit einer unfassbar hohen Gag-Dichte, spielfreudigen Darstellern und liebenswerten Figuren sowie einer charmanten, aber unaufdringlichen Ökobotschaft, die auch heute noch aktuell ist. Dabei war besonders lobenswert, wie man die komplette Besatzung in die Handlung einbrachte und jedem Mitglied der Crew starke Momente zugestand.

Letztlich fungierte dieser vierte Kinofilm der Reihe zudem als Abschluss einer Trilogie, die mit dem Disput um Khan und dem Tode von Spock begann, mit Genesis, dem Diebstahl der USS Enterprise, der Suche nach Spock und der Zerstörung des geliebten Schiffes seine Fortsetzung fand und hier nun mit Heimkehr, Rettung der Erde und einer Verhandlung über die Fehltritte der Crew endete.

In der Summe ist Star Trek IV: The Voyage Home (Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart) ein nahezu perfekter Wohlfühl-Film, den die Reihe seitdem nie wieder in so einer Form hervorgebracht hat.

"Then you stand here alive because of a mistake made by your flawed, feeling, human friends. They have sacrificed their futures because they believed that the good of the one - you – was more important to them." ― Amanda

Lust bekommen? Alle drei Filme könnt ihr an diesem Wochenende im Programm von SYFY sehen.

Star Trek II: The Wrath of Khan (Star Trek II: Der Zorn des Khan) läuft am heutigen Freitag um 22.10 Uhr.

Star Trek III: The Search for Spock (Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock) läuft am morgigen Samstagabend um 20.15 Uhr.

Star Trek IV: The Voyage Home (Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart) folgt dann am Sonntagabend um 20.15 Uhr.

Viele weitere Geschichten dieser Art findet ihr in "Es lebe Star Trek" von Björn Sülter

Dieser Artikel enthält Auszüge aus dem Buch "Es lebe Star Trek". Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch darin mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.