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Eine Toilette für 23 Millionen Dollar sorgt dafür, dass es auch auf der ISS endlich flutscht

Wenn es neben fehlender Schwerkraft und tödlicher Strahlung eine wirklich problematische Sache im Weltraum gibt, dann ist es die Nutzung der Toilette. Nun können auch ISS-Astronauten endlich dorthin gehen, wo schon jeder Mensch gewesen ist.

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Weltraumtoiletten müssen Situationen wie in der berühmten Szene im Film Apollo 13 vermeiden helfen. Die derzeitige Toilette auf der ISS aus den 90er-Jahren ist fast so alt wie der Film. Aus diesem Grund schickte die NASA ihr Universal Waste Management System (UWMS; auf Deutsch etwa „Allgemeines Abfall-Management-System“) ins All: Dies ist der offizielle Name für ihre verbesserte Toilette, die mittels Frachtkapsel an Bord eines unbemannten Versorgungsraumschiffes vom Typ Northrop Grumman Cygnus am 30. September zur ISS transportiert wurde. Sie soll neben der bereits vorhandenen Toilette (dem Waste Control System, kurz WCS, also etwa „Abfall-Kontrollsystem“) installiert werden. Dies dient als Funktionalitätstest dieser Vorrichtung der nächsten Generation, ehe künftige Versionen davon zum Mond und schließlich zum Mars geschickt werden.

„Das Universal Waste Management System (UWMS) übernimmt vorteilhafte Funktionen vorheriger Designs, während in anderen Bereichen nachgebessert wurde, die man bereits in den Space Shuttles und dem bisherigen WCS auf der ISS verwendete!“, erklärten NASA-Vertreter in einem Dokument über die Technik des UWMS.

Uwms

Wie das UWMS Dinge dorthin bringt, wo sie in der Schwerelosigkeit sein sollten:

  • 1. Toilettendeckel
  • 2. Toilettensitz
  • 3. Urin-Vorbehandlungstank
  • 4. Urinschlauch
  • 5. Anbringung Urinfilter (Filter selbst nicht im Bild)
  • 6. Anbringung Urinableitung (UTS)

Zwar besteht dieser Thron nicht aus feinem Porzellan, doch wurde er für mehr Sauberkeit und Bequemlichkeit entworfen und bedeutet weniger Zeitaufwand als beim WCS; hinzu kommt eine 75%ige Reduzierung von Größe und Gewicht. Ein anderer Punkt während der Planungsphase war die Kostenverringerung. Die Kosten jeder Komponente wurden mit denen der bisherigen Vorrichtung verglichen, um mitunter gehäuft Designänderungen vorzunehmen. Die UWMS-Technik liegt irgendwo zwischen der vergleichsweise veralteten WCS und derjenigen, die irgendwann zum Roten Planeten fliegt. Doch zunächst muss sich erweisen, dass sie Herausforderungen gewachsen ist, über die niemand auf der guten alten Erde beim Toilettengang nachdenken muss.

Die Schwerelosigkeit ist das schwierigste Hindernis für die Toilette. Klos auf der Erde und in Flugzeugen, die in unserer Atmosphäre bleiben, unterliegen der Schwerkraft, welche die „Schmutzarbeit“ erledigt. Im Weltraum besteht stets das Risiko, dass alles, was abfließt, auch wieder austritt. Das für die Toilettenreinigung notwendige Wasser ist natürlich ebenfalls anfällig für das Schwerelosigkeits-Problem. Um alles dort zu halten, wo es bleiben sollte, bedarf es eines Absaugsystems, das Abfälle und Wasser nach unten zieht. Absaugvorrichtungen müssen eng an den Körper des Astronauten gehalten werden, um sicherzustellen, dass es nicht zu Pannen kommt. Das UWMS macht diese Funktionen sowohl effizienter als auch angenehmer für Astronautinnen. Jeder Mensch, der sich schon über Flugzeugtoiletten beschwert hat, musste offensichtlich noch nie im Weltraum.

Doch was geschieht nach der Verrichtung? UWMS ersetzt automatisch die Spülung. Während das (bisherige) WCS den Urin von den Fäkalien trennt, ersteren in eine Entlüftungsvorrichtung pumpt und zweiteren gefriertrocknet, geht UWMS einen Schritt weiter: Der Astronautenurin wird sterilisiert, ehe er in einem Wiederverwertungsprozess in zurückgewonnenes Wasser verwandelt wird. Solche Systeme werden auf dem Mond und anderen außerirdischen Territorien an Bedeutung gewinnen. Hier benötigen Astronauten alles verfügbare Wasser, das sowohl als Trinkwasser als auch als Raketentreibstoff verwendet werden kann. Der Astronautenurin könnte außerdem in Zukunft als Bestandteil einer Art von Zement für die Errichtung von Mondhabitaten dienen.

Hose

Das UWMS ist ferner benutzerfreundlicher und mit einem Sensor ausgestattet, der die Crew unterrichtet, wenn die Toilette voll ist. Astronauten haben schließlich besseres zu tun als … so etwas.

„Die allgemeine Meinung der Crews lautet, dass die Benutzungsvorrichtungen vorheriger Systeme kompliziert sind und mehr Funktionen haben als wirklich nötig. Anstatt einer Benutzungsvorrichtung wird sich das UWMS automatisch einschalten, wenn der Toilettendeckel angehoben wird!“, ist den NASA-Papieren zu entnehmen. „Jeder Urintank hat ein Signallicht. Wenn der eingebaute Sensor anzeigt, dass der Urinbehälter voll ist, leuchtet das Licht auf (dies gilt auch für die Fäkalienbehälter)“.

Die NASA hat außerdem im vergangenen Juli einen öffentlichen Wettbewerb für das Toilettendesign der Mondhabitate ausgerufen. Also lohnt es sich, nach dem besten Sitz auf dem Mond Ausschau zu halten!

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Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Elizabeth Rayne geschrieben.

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