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Filmkritik zu Marvel's Captain America: Civil War - Achtung Spoiler

Die Marvel-Maschinerie läuft auf vollen Touren, mittlerweile muss man jedoch auch attestieren, dass der Wagemut – so er je vorhanden war – deutlich nachgelassen hat. Man folgt treu der etablierten Formel, wie auch bei The First Avenger: Civil War zu sehen ist, denn die ganz großen Überraschungen bleiben einfach aus. Trotz Bürgerkrieg gibt es noch nicht mal einen gefallenen Helden zu beklagen. Da war man seinerzeit bei den Comics deutlich konsequenter.

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Bei einem Kampf der Avengers gegen Crossbones geht eine Bombe hoch, der einige Zivilisten zum Opfer fallen. Die Schuld daran trägt die Scarlet Witch, wodurch das Fass zum Überlaufen gebracht wird. Die Vereinten Nationen wollen die „Sekovia Accords“ verabschieden, die von den Avengers unterzeichnet werden müssen. Faktisch stehen die Avengers damit unter dem Kommando der Vereinten Nationen. Captain America verweigert sich dem jedoch, weswegen seine Gruppe und er gegen Iron Man und seine Getreuen antreten müssen. Es ist ein Krieg Freund gegen Freund – und er wird unerbittlich geführt.

Unterhaltsam ist The First Avenger: Civil War, auch und gerade, weil er reichlich Action bietet, wenn Helden gegen Helden antreten müssen. Das Highlight ist hier der Kampf auf dem Flughafen, der auch das MCU-Debüt von Spider-Man beinhaltet. Anders als die bisherigen Inkarnationen des Wandkrabblers ist die von Tom Holland gespielte Version deutlich unerfahrener und sehr viel mehr am Quasseln. Das passt zur Comic-Vorlage, mitunter nervt der Netzschwinger aber nicht nur seine Gegner, sondern auch den Zuschauer. Maß und Ziel werden hier überschritten, beim eigenen Film im nächsten Jahr schafft man den Balance-Akt hoffentlich besser.

Die Geschichte wirkt komplexer als sie ist. Allerdings hat dieser Film auch das Problem, dass er dem hervorragenden The Return of the First Avenger nachfolgen muss, der den Zeitgeist eingefangen und mit der Angst vor Totalüberwachung, aber auch vor aus dem Ruder laufenden Geheimdiensten gespielt hat. Diese Ebene fehlt hier völlig, was auch daran liegt, dass man sich dem Titel nach zwar an das gigantische Comic-Event heran hängt, inhaltlich dem aber nicht gerecht wird, weil ein Bürgerkrieg, der gerade mal zwölf Figuren umfasst, nicht gerade besonders epochal ist. Der Konflikt Steve Rogers/Tony Stark hätte auch anders heraufbeschworen werden können – so jedoch opfert man eine Geschichte, die im späteren Verlauf des Marvel Cinematic Universe noch weit mehr Potenzial besessen hätte.

Aufgrund der Vielzahl an Figuren treten die ruhigen Momente stark in den Hintergrund. Einige Figuren bleiben dementsprechend unterentwickelt, andere Charaktermomente scheitern an fehlender Chemie. Dies gilt vor allem für Scarlet Witch und Vision, denen hier das zarte Knospen einer Beziehung angedichtet wird, was aber nie spürbar ist. Anderen Figuren fehlt schlicht und ergreifend die Motivation, dafür überzeugt The First Avenger: Civil War mit der Einführung neuer Akteure. Besonders Black Panther gefällt, aber auch Spider-Man fügt sich wunderbar ins MCU ein. Darüber hinaus absolviert Ant-Man seinen zweiten Auftritt und ist hier deutlich besser als in seinem eigenen Film. Beim großen Kampf der Helden wartet er sogar mit einer echten Überraschung auf.

Dieser Krieg der Superhelden unterhält, auch wenn die Geschichte etwas holprig daherkommt. In erster Linie ist es aber das reine Spektakel, das hier den Zuschauer über knapp zweieinhalb Stunden bei der Stange hält – die großen emotionalen Momente bleiben mehrheitlich aus, weil man sich dafür zu wenig traut und zu sehr auf Nummer Sicher geht. Besser als Avengers: Age of Ultron ist der dritte Einsatz von Captain America allemal, an die Klasse seines Vorgängers kann er jedoch nicht anschließen. Dafür ist einfach zu wenig Substanz vorhanden.

Kritik: Peter Osteried