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Flash Gordon: Von fliegenden Zwergen und Helden in Strumpfhosen

Jeden Monat erinnern wir an dieser Stelle an eine Trashperle des Kinos: Auch Flash Gordon von Legende Dino de Laurentiis hat sich seinen Platz in dieser illustren Runde redlich verdient.

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von Reinhard Prahl

Bunter ist besser

Über 100 Filmen hat Dino de Laurentiis während seiner rund 60-jährigen Karriere seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Darunter befinden sich Meisterwerke wie Die Bibel, Waterloo, Serpico, oder Die drei Tage des Condor. Doch auch in der Science-Fiction fühlte sich der umtriebige Italiener zu Hause. In den 60er Jahren hatte das Genre einen Wandel vollzogen. Den billig produzierten Serials der 30er und 40er Jahre und den familiengerechten TV-Abenteuern der 50er waren gesellschaftlich brisante Themen wie Fahrenheit 451 (1966) oder Horrorszenarien á la Alien (1979) gewichen.

Dino de Laurentiis gefiel diese Entwicklung nicht unbedingt. Er war der Ansicht, dass Sci-Fi in erster Linie wieder bunter werden müsste. Bereits 1968 trat er dem neuen Trend mit der quietschbunten Pornokomödie Barbarella (mit Jane Fonda in der Hauptrolle) entgegen. Mit einer großen Portion Sexyness, verrückten Requisiten und schrägen Dialogen bewaffnet machte sich die blonde Schönheit ins Jahr 40000 auf, um in überladenen Sets den Sieg der Liebe zu verkünden.

Dem Vorbild treu

Vor allem der Vision, das Genre könne einen visuellen Neustart vertragen, blieb der Italiener auch später treu. Optisch siedeln sich seine entsprechenden Werke stets irgendwo zwischen Steampunk, Fantasy, handfester Science-Fiction und Kitsch an. Auch das 1980er Remake von Flash Gordon bildet hier keine Ausnahme, ganz im Gegenteil. Offensichtlich schwebte de Laurentiis ein ähnlich krasser Gegenentwurf zu Filmen, wie Alien und Star Wars, vor, wie er ihn zwölf Jahre zuvor mit Barbarella propagiert hatte. Wenn dies der Plan war, funktionierte er ohne Zweifel hervorragend. Kräftige Rot-Pink- und Blautöne dominieren die Szenerie, die Schwärze des Alles suchen wir vergebens. Falkenmänner in römisch-germanisch anmutenden Kostümen, Helden in grünen Strumpfhosen wie aus einem Fantasyfilm, Zwerge an Ketten und ein Bösewicht namens Klytus (Peter Wyngarde), der auf bizarre Weise an Darth Vader erinnert, runden ein surreales Bild ab, dass eigentlich so gar nichts mit der damals gängigen Science-Fiction-Ikonografie zu tun hatte.

Der Kitsch hatte durchaus Methode. Sowohl die Falkenmänner, als auch die Waldleute übernahm de Laurentiis fast eins zu eins aus den Serials von 1936, die wiederum auf den gleichnamigen Comics von Alex Raymond aus dem Jahr 1934 basierten. Interessanterweise blieb der Film seinen frühen Vorbildern erstaunlich treu. Abgesehen von der Tatsache, dass der Produzent die Geschichte in die späten 70er Jahre übertrug und ihr damit einen modernen Touch verlieh, beließen de Laurentiis und sein Regisseur Mike Hodges den Planeten Mungo und seine Bewohner so, wie man sie aus dem Original kannte. Flash Gordon war vielleicht etwas flapsiger geworden und Dale Arden emanzipierter, als ihre Alter Egos aus den 30er-Jahren, doch die Figurenzeichnungen waren im Grunde genommen noch immer dieselben. Ähnliches gilt für die Geschichte an sich. Natürlich ging das Serial mit seinen 245 Minuten Laufzeit mehr ins Detail, doch alle wichtigen Begebenheiten finden sich, bis auf wenige verschmerzbare Anpassungen, wieder.

Flash 2

Just Fun

On top kamen Schauspieler, die sich keinen Augenblick ernst nahmen und an so ziemlich jeder Stelle ein gekonntes Overacting zur Schau trugen, die sich ihnen bot. Ein starker blonder Football-Star, der oftmals eher naiv, ja fast schon dümmlich wirkte (Sam J. Jones) passte in die Szenerie, wie die berühmte Faust aufs Auge.

Max von Sydow war als Imperator Ming ein ganz besonderes Schmankerl. Offensichtlich hatte er einen fast diebischen Spaß an seiner Rolle. Wer genau hinschaut, bemerkt in seinen mit schwarzem Kajal geschminkten Augen des Öfteren ein schelmisches Aufblitzen. De Laurentiis blieb dem schwedischen Schauspieler deutscher Abstammung auch in seinen späteren Genre-Werken Conan der Barbar und Der Wüstenplanet treu.

Der hübschen, aber eher unauffälligen Melody Anderson, die die Rolle der Dale Arden übernahm, war weniger Glück beschieden. 1995 zog sie sich endgültig aus dem Showgeschäft zurück, nachdem sie nach Flash Gordon kaum mehr große Rollen ergattern konnte.

Ganz anders erging es da Ornella Muti. Die attraktive Brünette wurde in den 70er und 80er Jahren mehrfach in die Riege der „sexiest women alive“ gewählt und verfügt darüber hinaus über ein großes schauspielerisches Talent. Beides zusammen macht ihren Auftritt im Trash-Spekatel Flash Gordon auch nach 40 Jahren immer noch zu einem tollen Erlebnis. In Italien war Muti bereits seit den 70er Jahren ein gefragter Star, in Deutschland ist sie eher durch die seichten Adriano-Celentano-Komödien der frühen 80er bekannt geworden. Das entsprach weniger ihren Auftritten in Werken wie Die letzte Frau (1976) oder Der Fall Serrano (1977), für die sie hochgelobt wurde. Dennoch schadeten ihr die Ausflüge in die leichte Komödie keineswegs. Für die Rolle der Lisa in Der gezähmte Widerspenstige heimste sie 1983 einen Jupiter ein, nachdem sie bereits 1981 einen Bambi erhalten hatte.

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Queen is the King

Keine Retrospektive über einen Film wie Flash Gordon darf die grandiose Filmmusik der britischen Rockgruppe Queen unerwähnt lassen, die sicherlich mit zum großen Erfolg beitrug. Das Album Flash Gordon stürmte die Charts, obwohl es instrumental und, ganz im Gegensatz zur Bandphilosophie, mit viel Synthesizer arrangiert war. Lediglich auf Flash‘ s Theme (die als Flash ausgekoppelte Single) und The Hero, beide von Brian May, ist Freddy Mercurys unvergessene Stimme zu hören. Ansonsten fällt das Album durch zahlreiche, geschickt eingewobene, Dialogsequenzen auf, durch die man als Zuhörer unmittelbar an die entsprechenden Szenen erinnert wird.

Fazit

Flash Gordon ist Kult, keine Frage. Jede Sekunde der 111 Minuten Länge ist es wert, in vollen Zügen genossen zu werden. Dino de Laurentiis und Regisseur Mike Hodges haben ein witziges, skurriles Stück Film produziert, dass den Science-Fiction-Boom jener Tage gekonnt auf die Schippe nimmt. Bedenkt man, dass der Titel immerhin 20 Millionen Dollar verschlang, während George Lucas für Star Wars V im selben Jahr 18 Millionen zur Verfügung standen, wird sehr deutlich, dass man hier durchaus bewusst das Risiko einging, etwas völlig Neues, vom mittlerweile etablierten Standard Abweichendes, zu schaffen – und das Experiment gelang.

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