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Heute auf SYFY: It's all borg in Star Trek: Enterprise

Heute um 22.30 Uhr läuft eine der besten, aber auch kontroversesten Episoden der Serie rund um Captain Archer bei SYFY: Regeneration. Unser Trek-Experte Björn Sülter sagt euch, wie und ob das Abenteuer in den heiligen Kanon des Franchise passt.

Präsentiert von: Björn Sülter


Soweit die Quoten tragen

Star Trek: Enterprise war das erste Prequel der Trek-Geschichte und wurde von den Produzenten explizit so nah wie nur möglich an der heutigen Zeit angesiedelt. Mit dem Start des ersten Warp-Schiffes wollte man die Reise der Menschheit zu den Sternen und den Eintritt in einen großen Verbund der Welten nachzeichnen.

Das gelang eine Weile auch ganz gut. Die Autoren schrieben primär Einzelepisoden, die sich durch den Versuch auszeichneten, die Begeisterung und Unerfahrenheit der Crew im Umgang mit der neuen Situation zu verdeutlichen. So weit, so gut. Doch hatte es die ganze Zeit einen kleinen Running-Gag unter den Fans gegeben. Man unkte: Sollten irgendwann die Quoten sinken, könnte man das sehr gut an zwei Entscheidungen ablesen. Einerseits daran, dass man T’Pol ihr Pon Farr durchleben lassen würde, andererseits an der Einbeziehung der Trek-Dauerfeinde namens Borg.

Beides geschah am Ende der zweiten Staffel. Während Bounty (Der Kopfgeldjäger) eine vollkommen uninspirierte, alberne Fremdschäm-Geschichte aufbot, war Regeneration ein Musterbeispiel für den sensiblen Umgang mit einem Kanon-Thema. Die Autoren Mike Sussmann und Phyllis Strong wählten dabei wahrlich keinen einfachen Weg (wie beispielsweise ihre Kollegen bei der unsäglichen Ferengi-Episode der ersten Staffel), sondern wühlten sich durch die bewegte Geschichte der Maschinenwesen aus dem Delta-Quadranten, um das Abenteuer irgendwie korrekt einzupassen.

Somit funktionierte die Episode dann auch auf zweierlei Weise. Zum einen als Action-Show die - unabhängig von den Borg - auch mit einer anderen, bedrohlichen Spezies funktioniert hätte. Als zweites aber eben auch unter dem Kontinuitätsaspekt.

Begleitet mich auf eine Reise durch den Trek-Kanon á la Borg. Gehen wir das Ganze zunächst chronologisch im Sinne der Ausstrahlung der verschiedenen Episoden an.

Star Trek: The Next Generation - Gestatten, Borg!

The Neutral Zone (Die neutrale Zone): Außenposten am Rande der neutralen Zone werden durch eine unbekannte Macht zerstört.

Q Who (Zeitsprung mit Q): Q schickt die Crew rund um Picard in einen entfernten Quadranten und verdeutlicht, was dort auf die Menschheit wartet.

The Best of Both Worlds (In den Händen der Borg/Angriffsziel Erde): Eventuell waren die Borg für die Zerstörung der Außenposten verantwortlich. In einem großen Kampf um die Erde (Wolf 359) und das Schicksal von Captain Picard werden die Borg schließlich besiegt. Laut den Sternzeiten und Jahreszahlen spielen die Ereignisse rund ein Jahr und zwei Monate nach der ersten Begegnung durch Q sowie knapp zwei Jahre nach The Neutral Zone (Die neutrale Zone).

Star Trek - First Contact (Star Trek: Der erste Kontakt): Knapp acht Jahre nach den Geschehnissen aus Q Who (Zeitsprung mit Q) kehren die Borg für einen zweiten Versuch zurück, die Erde zu assimilieren. Die Crew der Enterprise muss ihnen ins Jahr 2063 folgen, also rund neunzig Jahre vor dem Start der Serie Star Trek: Enterprise. Captain Picard lässt dabei eine Borg-Sphäre im Erd-Orbit abschiessen, deren Schicksal unbekannt bleibt.

Star Trek: Voyager - Kleinkrieg im Delta-Quadranten

Dark Frontier (Das ungewisse Dunkel): Die Hansens, menschliche Eltern von Seven of Nine, brechen im Jahr 2355 auf, um die Borg zu erforschen und werden schließlich von diesen assimiliert. Die lineare Serienhandlung in der Episode spielt hingegen laut Sternzeit rund zwei Jahre nach dem zweiten Angriff der Borg aus Star Trek: First Contact (Star Trek: Der erste Kontakt). Somit lässt sich auf eine Zeitspane von circa zehn Jahren nach dem bisher bekannten ersten Aufeinandertreffen aus Q Who (Zeitsprung mit Q) folgern. Ebenfalls ergibt sich, dass Seven zwischen der Assimilierung und ihrer Befreiung ungefähr 18 Jahre in Händen der Borg waren. Bezieht man ein, wie sien in den Rückblenden gezeigt wurde, passt dieser Zeitraum.

Doch blieb die Frage offen, woher ihre Eltern überhaupt von den Borg wissen konnten, wenn Picard erst im Jahre 2365, also zehn Jahre später von der Existenz der Wesen erfuhr. Beruhte ihre Mission auf streng geheimen Erkenntnissen, die man noch nicht einmal den wichtigsten Führungsoffizieren der Flotte mitteilte? Das Drehbuch schwieg hierzu. Man musste und durfte zu diesem Zeitpunkt von einem klaren Fehler oder purer Ignoranz der Autoren ausgehen...

Star Trek: Enterprise - Zurück in die Zukunft

Regeneration: Die im Jahre 2063 durch die Crew der Enterprise abgeschossene Borg-Sphäre wird nach knapp neunzig Jahren, genauer im Jahre 2153, in der Arktis gefunden.

„There's no reason to assume they're hostile.“ - „They don't exactly look friendly.“ - „Keep them here for now; we'll see what happens.“ (Moninger und Drake)

Die Drohnen übernehmen ein Shuttle und starten Richtung Heimat. Sie werden allerdings von Archer und seiner Crew gestoppt, nachdem sie eine Subraum-Botschaft absetzen konnten, die T'Pols Berechnungen zufolge in etwa 200 Jahren den fernen Delta-Quadranten erreichen würde.

Archer folgert, dass die Invasion der Erde unter Umständen nur aufgeschoben wurde. Ganz nebenbei und auf amüsante Weise erfahren wir noch, dass Zephram Cochrane von den Ereignissen rund um den seinen Warpflug und die Borg berichtet hatte. Man hatte ihm, dem bekannten Säufer und Spinner, jedoch keinen Glauben geschenkt.

„There was something familiar about all this, but I couldn't put my finger on it until I found this speech Zefram Cochrane made 89 years ago. When I was a kid, I read everything I could about him. It took me a while, but I finally found it in the database. He was giving a commencement address at Princeton when he started to talk about what really happened during first contact. He mentioned a group of cybernetic creatures from the future who tried to stop his first warp flight, when he was living in Montana. He said they were defeated by a group of humans... who were also from the future.“ - „As I recall, Cochrane was famous for his imaginative stories. He was also known to be frequently intoxicated.“ - „No one took him seriously, and he recanted the whole thing a few years later; but, you have to admit, there are similarities.“ - „He said their ultimate goal was to enslave the human race.“ - „If he was right, they might be heading back to their homeworld... so they can try again.“ (Archer und T'Pol)

Alles klar? Nicht? Gehen wir den Ablauf der Dinge also noch einmal chronologisch an ...

Von A bis Z

Picard schießt im Jahre 2063 während einer Zeitreise in die Vergangenheit eine Borg-Sphäre im Erdorbit ab. Die Überreste landen in der Antarktis, bleiben 90 Jahre unentdeckt und werden schließlich im Jahre 2153 durch ein Team von Wissenschaftlern gefunden. Die Borg fliehen in einem assimilierten Shuttle und werden von Archers Crew zerstört. Eine Subraumbotschaft Richtung Delta-Quadrant kann man aber nicht verhindern. Diese wird vermutlich etwa 200 Jahre unterwegs sein.

„The computer analyzed Phlox' numbers. They're pulsar frequencies, with geometric light-year measurements.“ – „Spatial coordinates.“ - „They told their homeworld how to find Earth.“ - „Did you learn where the message was sent?“ - „Somewhere deep in the Delta Quadrant.“ - „Then I doubt there is any immediate danger, it would take 200 years for a subspace message to reach the Delta Quadrant, assuming it is received at all.“ - „Sounds to me like we've only postponed the invasion... until... what? The 24th century?“" (Archer und T'Pol)

Die Borg im Delta-Quadranten erhalten also irgendwann um das Jahr 2353 die Subraumnachricht mit den Koordinaten der Erde. Vermutlich starten sie eine Mission und zerstören circa um 2364 erste Außenposten am Rand der neutralen Zone.

Im Jahr 2355 brechen derweil die Hansens auf eine geheime Mission auf, die mögliche Bedrohung durch die Borg (von der man ja schließlich seit rund 200 Jahren weiß) zu untersuchen und werden bei diesem Versuch schließlich assimiliert. Die Sternenflotte erfährt nie, was sie herausgefunden haben. Möglicherweise studierten sie genau jenes Schiff, welches sich just auf dem Weg befand, erste Außenposten am Rand der neutralen Zone zu zerstören?

Zehn Jahre später befördert Q (vermutlich in voller Absicht) Picards Crew in den Delta-Quadranten, um den Menschen einen weiteren eindeutigen Vorgeschmack auf das zu geben, was dort lauert - und kommt! Dezent verrückt: Die Crew der Enterprise hat noch nie etwas von den Borg gehört. Nun könnte man sagen: Kein Kunststück, da der Flug in die Vergangenheit (und somit in das Jahr 2063), der das Interesse der Borg überhaupt auslöst, in ihrer Zeitlinie noch nicht geschehen ist. Ergibt das Sinn? Wer keinen Kopfschmerz riskieren möchte, belässt es an dieser Stelle bei einer hochgezogenen Augenbraue.

In den Jahren 2366 bis 2367 folgt dann die Schlacht bei Wolf 359. Die Borg werden zum ersten Mal besiegt.

Im Jahr 2373 kehren die Borg schließlich zurück - sie planen die Menschheit in der Vergangenheit zu assimilieren und reisen daher ins Jahr 2063 zurück. Dort schießt Picard eine Sphäre im Erdorbit ab ...

Willkommen im Timeloop.

Kopfschmerzen á la Janeway

Dank Captain Janeway von der USS Voyager wissen wir: Temporale Paradoxien kommen viel zu häufig vor und verursachen schlimme Kopfschmerzen. So auch bei dieser Variante von Henne und Ei, bei der man sich zwar alle Mühe gab, einen Sinn zu erzeugen, die aber auch fraglos vom schlichten Spaß an der Sache lebt.

Wir erfahren, dass man seitens der Sternenflotte (zumindest in Teilen) von der drohenden Gefahr wusste, mit den Hansens jedoch nur eine (eher halbherzige) Mission zur Erkundung erlaubte und, dass Captain Picard während seiner Zeitreise ins Jahr 2063 das ganze Paradoxon erst auslöste. Gaga!

Das Autorenduo Sussman und Strong scheute keine Mühen, Fehler der Vergangenheit auszubügeln und die ganzen verschiedenen Geschichten in eine halbwegs logische Abfolge zu bringen. Dafür gebührt den beiden ein dickes Dankeschön!

Zugegeben: Star Trek: Enterprise hätte auch ohne große Probleme ohne Borg-Zwischenfall auskommen können. Auf die Folge zu verzichten, wäre aber angesichts des hier abgebrannten Feuerwerkes aus cleveren Ideen, Humor, Action, dem atmosphärischen Score und starken Effekten auch schade gewesen. Regeneration bleibt eine Episode, die man sich immer wieder anschauen kann.

Zum Beispiel heute um 22.30 Uhr auf SYFY.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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