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Heute auf SYFY: Watchmen - Film-Noir-Puzzle mit Action & Tabubrüchen

Heute Abend um 20.15 Uhr läuft mit Watchmen eine Superheldenverfilmung auf SYFY, deren Vorlage nicht nur aus guten Gründen geschätzt wird, sondern die auch so vollkommen anders geriet, als viele ihrer Konkurrenzprodukte.

Watchmen

Präsentiert von: Björn Sülter


Im Jahre 2008 hatte Marvel den Startschuss für ihr Cinematic Universe abgegeben, wenngleich damals noch niemand ahnen konnte, wohin der erste Film Iron Man diese Marke in den folgenden elf Jahren führen würde und was dieser Schachzug für eine Bedeutung für das Superheldengenre im Kino haben könnte.

Es überrascht nicht, dass auch andere nach einem großen Stück des Kuchens gierten. So waren es Paramount und Warner, die gemeinsam ihren eigenen Superhelden-Hit landen wollten und sich die Rechte an einer DC-Reihe von Dave Gibbons und Alan Moore besorgten, die in den Jahren 1986 und 1987 veröffentlicht worden war: Watchmen.

Stotterstart

Bis 2005 waren bereits erste Pläne gescheitert, einen Film aus der Vorlage zu machen. Regisseur Terry Gilliam (12 Monkeys, Fear and Loathing in Las Vegas), der das Projekt damals noch für 20th Century Fox bearbeiten sollte, bezeichnete den Stoff aber schließlich sogar als unverfilmbar.

Dennoch überlebte der Wunsch, es zu versuchen. Paramount und Universal beauftragten die Verfilmung eines neuen Skripts, beendeten das Projekt aber schließlich aus Budgetgründen. Erst als die Rechte an Warner fielen, kam wieder Bewegung in die Sache. Zack Snyder (300) wurde als Regisseur ausgewählt und führte den Film letztlich 2009 ins Kino. Dass man kurz vor knapp noch Fox aufgrund einiger unklarer Rechtefragen auszahlen musste, ist eine weitere Anekdote aus der bewegten Produktionsgeschichte.

Eine andere Welt

In Watchmen geht es um eine alternative Welt des Jahres 1985. Verschiedene historisch bekannte Ereignisse sind anders gelaufen, als wir sie kennen und haben zu einer veränderten Realität geführt. Die Watchmen sind eine Truppe von Ex-Superhelden, die eigentlich bereits in Rente sind, und die den Mord an einem der ihren untersuchen müssen. Dabei kommen sie jedoch einer viel größeren Sache auf die Spur.

Das besondere an der Reihe ist – insbesondere im Vergleich zu vielen anderen Heldengruppen – das Setting und der Ansatz der Figuren. Ein wenig erinnert diese veränderte Welt an die Serie The Man in the High Castle und damit verbundene Gedankenspiele.

In Sachen Darsteller leistete man sich einen Mix aus unbekannteren Namen und spannenden Stars. Neben Jeffrey Dean Morgan (Negan aus The Walking Dead) und Carla Gugino (Spin City, Spy Kids) spielen noch Malin Åkerman, Billy Crudup, Matthew Goode, Jackie Earle Haley und Patrick Wilson.

Der Soundtrack ist ein weiteres Pfund: Neben Krachern wie All Along the Watchtower (Jimi Hendrix), Hallelujah (Leonard Cohen) und The Sound of Silence (Simon & Garfunkel) gibt es auch noch einige weniger bekannte Perlen wie Me and Bobby McGee (Janis Joplin) oder Pirate Jenny (Nina Simone). Funfact: Sogar Nena ist mit 99 Luftballons dabei! Bei vielen Songs handelt es sich nebenbei bemerkt um solche, die bereits in den Comics Erwähnung fanden.

Düster

Der Film kostete rund 130 Millionen US-Dollar und erhielt schon deshalb die Verpflichtung und Bürde auferlegt, an der Kinokasse zu liefern. Mit nur 108 Millionen US-Einspielergebnis und 78 Millionen in allen weiteren Märkten lag man am Ende jedoch weit von der Gewinnzone entfernt. Besonders schwerwiegend war, dass der Film nach einem guten Start in Nordamerika direkt und kontinuierlich herbe Verluste hinnehmen musste und offenbar nicht von positivem Hörensagen profitierte.

Doch woran lag es?

Weder Zuschauer noch Kritiker sind sich an dieser Front wirklich einig. Viele preisen den düsteren Ton, den frischen Ansatz und die visuelle Umsetzung, genauso viele kritisieren die konfuse Dramaturgie, die überbordende Gewaltdarstellung oder schlicht die übertriebene Länge des Streifens. Auch was die Werktreue angeht, laufen die Meinungen weit auseinander. Einige glaube, man habe hier die ultimative Umsetzung einer Comic-Vorlage erschaffen, andere sehen in den Schwächen der Verfilmung den krachenden Beweis für die von Terry Gilliam einst attestierte Unverfilmbarkeit.

Am ehesten lässt sich der Stil des Films mit der ersten Verfilmung von The Crow mit Brandon Lee vergleichen: Düster, dystopisch, satirisch, abgründig, gewalttätig, mit einem starken Soundtrack gesegnet und in der Inszenierung etwas episodenhaft. Der Rest ist Geschmackssache.

Klar ist jedoch auch, dass wir es hier nicht mit einem kunterbunten Actioner in Tradition der durchgeknallt-witzigen Marvel-Filme zu tun haben. Der Ansatz war ein anderer und das Publikum weder bereit noch willens, diesen zu goutieren. Heute schwenkt man bei Warner bekanntlich um und versucht, sich dem Stil des großen Konkurrenten anzunähern. Aquaman ist dabei ein gutes Beispiel. Damals sollte noch in der Andersartigkeit der Reiz liegen.

Es bleibt uns letztlich nichts anderes übrig, als selbst ein Urteil zu fällen. Warum nicht gleich heute bei einem gemütlichen Kinoabend?

Watchmen: Die Wächter läuft am heutigen Freitagabend um 20.15 Uhr auf SYFY.

Watchmen

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch Es lebe Star Trek ist auch der Auftakt seiner Jugendbuchreihe Ein Fall für die Patchwork Kids erschienen. Dazu startete mit Beyond Berlin seine erste eigene Science-Fiction-Reihe, die es als Print, Ebook und Hörbuch, gelesen von Synchronsprecher und TV-Mann Benjamin Stöwe zu kaufen gibt. Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Zudem liest er Hörbücher und ist als Moderator auf verschiedenen Events im Einsatz.


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