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Heute bei SYFY: Die Tribbles kommen - Flauschig, liebenswert und immer mit dabei

Sie sind seit über fünfzig Jahren präsent, fast jeder liebt sie, von anderen werden sie gefürchtet und ihre Anzahl ist nicht festzustellen. Sie sind weich und kuschelig, geben wunderbare Laute von sich und kommen in vielen Größen und Farben daher. Die Rede ist von einer Spezies, die man leicht unterschätzt, ohne die Star Trek aber nicht dasselbe wäre.

Star Trek

Jeder kennt Klingonen, Vulkanier oder Borg. Diese Spezies gehören zusammen mit vielen anderen zur DNA der verschiedenen Serien und Filme aus dem Star-Trek-Universum. Doch gibt es auch noch eine andere Lebensform, die seit 1967 regelmäßig mal mehr, mal weniger prominent auftaucht, über die man aber kaum spricht. Die Rede ist natürlich von den Tribbles, oder wie man sie etwas wissenschaftlicher nennt: Polygeminus Grex.

Ihr Heimatplanet ist Iota Geminorium IV. Sie werden bereits schwanger geboren und die Hälfte ihres Metabolismus ist der Fortpflanzung vorbehalten. Als Hermaphroditen können sie sich selbst befruchten, sofern für eine ausreichende Futterversorgung gesorgt ist. Darin liegt nämlich ihr einziges Bedürfnis und auch die Krux an der Geschichte: Füttert man die Tribbles, vermehren sie sich vollkommen unkontrolliert und rasant. Gut, dass sie dabei zumindest nicht so fies werden wie die Gremlins. Aber das ist ein anderes Universum.

Das Design der Kreaturen lehnte man an einen Schlüsselanhänger mit Fellknäuel an. Sie können sich fortbewegen und gurrende Laute von sich geben, auch wenn man außer Fell gar nichts erkennen kann.

Ihren ersten Auftritt absolvierten sie in der Episode The Trouble With Tribbles (Kennen Sie Tribbles?) der Originalserie im Jahr 1967 und wurden dort vom fahrenden Händler Cyrano Jones an Bord gebracht. Genauer gesagt hatte dieser allerdings nur ein Exemplar bei sich, das jedoch in kürzester Zeit zu einer Plage wurde. Immerhin halfen die Tribbles aber auch dabei, den Plan der Klingonen zu vereiteln (da sie nach dem Konsum des vergifteten Getreides starben) und enttarnten obendrauf noch den Spion Arne Darvin. Merke: Tribbles mögen keine Klingonen!

In der Episode More Tribbles, More Troubles (Invasion der Wollmöpse/Mehr Trouble mit Tribbles) der ersten Trek-Zeichentrickserie tauchten die haarigen Kreaturen dann im Jahr 1973 erneut auf.

Die Episode erklärte uns, dass die Klingonen die Bedrohung durch die Tribbles durchaus ernst nahmen und mit dem Glommer ein Wesen gezüchtet hatten, das diese zur Strecke bringen sollte. Dieser Plan scheiterte jedoch. Cyrano Jones versuchte derweil, sichere Tribbles zu züchten, erschuf damit aber gigantische Formen der Lebenwesen, die sich später als ganze Kolonien herausstellten.

Funfact am Rande: Aufgrund der Farbblindheit des Regisseurs Hal Sutherland waren die Tribbles in dieser Episode pink, was für Sutherland wie hellgrau aussah. Der restliche Produktionsstab hatte keine Ahnung von seiner Farbblindheit. Da es sich um genetisch veränderte Kreaturen handelte, schuf man damit aber nicht einmal wirklich ein Kanonproblem.

Star Trek: The Next Generation ignorierte die Tribbles ebenfalls nicht. Im Café des Artistes in Paris (auf dem Holodeck) landeten sie jedoch nur auf der Speisekarte. Das Jahr war 1988 und die Episode hieß We´ll always have Paris (Begegnung mit der Vergangenheit). Ein trauriges Kapitel ihrer Spezies! Zuvor in der ersten Staffel hatte man bereits in der Episode When the Bough Breaks (Die Sorge der Aldeaner) an zwei Stellen ein kleines Tier sehen können, das zwar nicht Tribble genannt wurde, aber ziemlich eindeutig einer war. Nennen wir es also einfach eine unbestätigte Sichtung.

Ansonsten gab es für die kleinen Racker aber weder in TNG noch später in Star Trek: Voyager etwas zu tun. Letztere Serie ist somit auch die einzige tribblefreihe Serie des Trek-Franchises. Es war vielmehr im Jahr 1996, als die Crew von Star Trek: Deep Space Nine in der Episode Trials And Tribble-Ations (Immer die Last mit den Tribbles) in der Zeit zurückreiste, um erneut auf die kleinen Zotteltiere zu treffen.

Dort mussten Sisko und Co ein Attentat auf Captain Kirk durch Arne Darvin verhindern. Zudem erfuhren wir auch von der vollständigen Ausrottung der Tribbles samt ihrer Heimatwelt durch die Klingonen im 23. Jahrhundert, über die noch lange Jahrzehnte Lieder bei den Blutweintrinkern gesungen wurden. Dieser Aspekt wirft durchaus auch Kanonfragen auf, die man aber an dieser Stelle einmal getrost ignorieren darf. Am Ende gelangten die haarigen Tiere nämlich mit auf die Station DS9 und dürften sich von diesem Punkt an auch im 24. Jahrhundert wieder schnell angesiedelt haben.

Funfacts: In den Episoden A Man Alone (Unter Verdacht) und The Nagus (Die Nachfolge) im Jahr 1993 sah man schematische Darstellungen eines Tribbles im Klassenzimmer von Keiko O’Brien.

Mit ihrem Auftauchen in Star Trek: Enterprise ging es erneut zurück in der Zeit; zumindest wenn man vom Kanon der Trek-Serien ausgeht. Doktor Phlox verwendete Tribbles nämlich bereits weit vor der Kirk-Zeit gerne als Futter für seine Tiere, was bewies, dass die Spezies schon deutlich länger bekannt war, als in der Episode der Originalserie angenommen werden konnte. Ihren Auftritt absolvierten sie in The Breach (Böses Blut) im Jahre 2003 und trafen dabei auch auf Hoshi Sato.

Für Star Trek: Discovery holte man die Tribbles dann 2017 wieder aus der Mottenkiste. Allerdings hatte man offenbar keine spannende Idee, was man ihnen machen wollte. Man sah einige Vertreter der Spezies nur unmotiviert bei Captain Lorca im Bereitschaftsraum herumliegen. Manchmal gurrte auch nur eines der Wesen, ohne in Sichtweite zu sein. Die Chance, den klingonischen Schläfer Voq mit einem der possierlichen Tierchen zu enttarnen, wurde großzügig vertan, da Ash Tyler nie mit einem Tribble gemeinsam eine Szene bekam.

Funfact am Rande: In der Episode The Vulcan Hello (Leuchtfeuer) konnte man ein Buch im Schrank von Captain Georgiou erblicken. Der Name des Werkes: The Trouble With Tribbles. Daneben befanden sich auch noch weitere Bücher mit Referenzen an klassische Episoden.

In Lorcas Labor gab es obendrauf einen sezierten Tribble zu „bewundern“ (Context is for Kings/Lakaien und Könige). Kein schöner Anblick! Nebenbei: Wer einem Tribble so etwas antut, konnte eigentlich nur ein böser Mensch sein!

Tilly erklärte in der Episode Brother (Bruder) im Jahr 2019 zudem, dass sie wie ein Babytribble geweint habe, als sie vom Versetzungswunsch des Paul Stamets hörte.

Wenn Sie gut aufgepasst haben, ist Ihnen bei dieser Aufzählung vermutlich etwas aufgefallen. Die Tribbles hatten in jedem Trek-Jahrzehnt ihren Auftritt! In den 1960er Jahren in der Originalserie, in den 1970er Jahren in gezeichneter Form, in den 1980er Jahren auf Picards Enterprise, in den 1990er Jahren mit den Niners, in den 2000er Jahren auf der NX-01 von Captain Archer und in den 2010er Jahren auf der USS Discovery. Was für eine Konstanz!

Doch spielten die Kreaturen auch im Kino immer wieder (kleinere) Rollen.

In Star Trek III: The Search for Spock (Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock) von 1984 konnte man einige der Tiere mit ihren menschlichen Besitzern sehen.

In Star Trek Generations (Star Trek: Treffen der Generationen) des Jahres 1994 besaß ein Junge einen Tribble und rettete ihn vor dem Absturz des Schiffes. Im gleichen Film konnte man zudem erneut eine schematische Darstellung eines Tribbles auf einem Wandschirm erkennen.

In Star Trek von 2009 (dem ersten Reboot-Kinofilm) konnte man dann erleben, dass Montgomery Scott eines der Tiere in seinem abgelegenen Außenposten Delta Vega beherbergte.

In Star Trek Into Darkness sah man die Tierchen im Jahr 2013 zuletzt im Kino. Hier spielten sie auch wieder eine größere Rolle. Dr. McCoy injizierte einem toten Tribble das Blut von Khan, um die regenerativen Eigenschaften zu testen. Nachdem der kleine Freund kurz darauf quicklebendig vor ihm herumgurrte, wies er seine Kollegen an, Khan lebend zu fangen, um den verstorbenen Kirk zu retten. Dass er damit ganz nebenbei eigentlich den Tod besiegte, ignorierte das Drehbuch lieber. Somit geht dieser letzte Auftritt der Felltiere auch in Sachen Logik nicht gerade als Höhepunkt in ihre Geschichte ein. Dennoch gilt auch hier: In den letzten vier Jahrzehnten waren sie auch auf der großen Leinwand immer vertreten.

Es ist somit ziemlich wahrscheinlich, dass auch in Zukunft immer wieder Tribbles in Trek-Produktionen auftauchen werden. Vielleicht sehen wir ja irgendwann sogar einmal ihre Heimatwelt? Vielleicht in einem Short Trek? Oder in einer der beiden neuen Animationsserien? Die große Tribble-Jagd der Klingonen könnte ebenfalls Stoff für ein kleines Abenteuer bieten.

Manchmal sind es einfach die kleinen Dinge, die am meisten Freude machen: Tribbles sind wunderbar undefiniert, friedlich und passiv, erfreuen uns aber immer wieder mit ihrer bloßen Gegenwart, auch wenn sie zugegebenermaßen nur selten etwas Konstruktives zur Handlung beizutragen haben.

Nicht wenige Leser dieses Artikels werden vermutlich sogar eines der Tiere zuhause haben. Die Frage ist eigentlich nur noch: in welcher Farbe? Meine beiden sind übrigens braun und rosa.

Heute kehren die Tribbles mit der Episode The Trouble With Tribbles (Kennen Sie Tribbles?) um 14.30 Uhr auf SYFY zurück.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.