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Jacques Cousteaus Enkel hofft auf eine zweite ISS - aber unter Wasser!

Es könnte der Zeichentrickserie Sealab 2020 entsprungen sein, was der Forscher und Umweltschützer Fabien Cousteau zusammen mit der Northeastern University bauen will. Dem Enkel des legendären Meeresbiologen Jacques-Yves Cousteau schwebt eine Version der Internationalen Raumstation ISS vor, nur dass sein Labor nicht im All, sondern in den Tiefen des Meeres entstehen soll.

Proteus

Offiziell benannt ist das Projekts nach Proteus, dem griechischen Meeresgott. Entstehen soll das vielseitige Habitat in einer Tiefe von gut zwanzig Metern vor der Küste der Karibikinsel Curaçao. In dieser Tiefe hoffen die Ingenieure darauf, die Aufenthaltsdauer der Taucher an der Wasseroberfläche zu reduzieren und das Gesundheitsrisiko zu minimieren, das von Tiefenrausch und Taucherkrankheit ausgeht.

Fabien Cousteau hat ausgerechnet, dass die Verwirklichung dieses ehrgeizigen Projekts und sein Betrieb für eine Laufzeit von drei Jahren rund 135 Mio. Dollar kosten wird – eine stolze Summe, für die er derzeit noch Geldgeber sucht. Ihre finanzielle Beteiligung haben bislang zugesagt die Northeastern University, die Rutgers University und die Caribbean Research and Management of Biodiversity Foundation, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Curaçao.

"Als Teil unseres Lebenserhaltungssystems ist der Ozean ein unverzichtbarer Faktor für die Lösung der größten Probleme des Planeten", erklärte Cousteau in einer Presseveröffentlichung. "Herausforderungen, die durch Klimawandel, steigende Meeresspiegel, extreme Stürme und gefährliche Viren entstehen, stellen ein Risiko für die globale Wirtschaft dar, das sich in einer Größenordnung von etlichen Billionen Dollar bewegt. Proteus, das anfangs als Netzwerk aus gesonderten Unterwasser-Habitaten geplant war, spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung wichtiger Lösungen, um die Zukunft unseres Planeten zu beschützen. Das Wissen, das unter Wasser gewonnen wird, wird das Leben von Generationen von Menschen an Land nachhaltig verändern."

Proteus 6

Die Entwürfe für diese fantastische Unterwasser-Forschungsstation und das Habitat wurden in der letzten Woche von Cousteau und dem Schweizer Industriedesigner Yves Béhar vorgestellt. Die Bilder zeigen ein rund 370 m2 großes, modulares Labor – von Fabien Cousteau auf den Namen Proteus getauft –, in dem jeweils bis zu zwölf Wissenschaftler bequem untergebracht sein werden. Das Kernziel besteht darin, zu einem internationalen Treffpunkt zu werden für medizinische Forschung und technische Experimente ebenso wie für die Forschung auf dem Gebiet der nachhaltigen globalen Ernährung und der langfristigen Folgen des Klimawandels.

Sonne, Wind und der Ozean werden Proteus mit Energie versorgen. Zur Station wird auch ein einzigartiges Unterwasser-Treibhaus gehören, in dem die Aquanauten die Pflanzen anbauen werden, die ihrer Ernährung dienen sollen. Die Baupläne zeigen ein zweistöckiges rundes Bauwerk mit zahlreichen blasenähnlichen Kapselmodulen, die als Labore, Krankenstation, Schlafkabinen, Toiletten, Freizeitbereiche, Lebenserhaltungssysteme und Lagerräume genutzt werden können. Eine separate Kapsel dient als Pool für eine Vielzahl von Unterwasserfahrzeugen, die dort bequem andocken können.

"Wenn die Station gebaut wird – und ich hoffe sehr, dass es dazu kommt –, dann wird sie von weltweiter Bedeutung sein", erklärt Mark Patterson, Beteiligter Dekan für Forschungs- und Examensangelegenheiten am College of Science der Northeastern University. "Das wird tatsächlich so etwas werden wie die Internationale Raumstation, nur eben auf dem Meeresgrund. Aquarius auf Steroiden, das ist die Vision von Proteus: ein echtes Unterwasserlabor. Dort soll es dann Thermocycler zur DNA-Sequenzierung geben, ebenso voll funktionstüchtige Laboratorien, in denen man sich mit Plankton oder Mikroplastik befassen wird. Oder ein Ingenieurslabor, damit man immer das gerade benötigte Werkzeug zur Hand hat, ob man nun mit Unterwasser-Robotern arbeitet, neue Methoden zur Energiegewinnung aus dem Ozean entwickelt oder Aquakultur betreibt."

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Dieser Artikel wurde von Ralph Sander von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Jeff Spry geschrieben.

Proteus 2