News /

Kritik zu Deadly Class 1.02 - Noise, Noise, Noise (Der Neue)

Die zweite Episode der neuen Serie Deadly Class findet den richtigen Ansatzpunkt, um uns das ungewöhnliche Setting und den Helden näherzubringen. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


Clean Sheets

Wir erinnern uns: Die erste Episode von Deadly Class hatte keineswegs enttäuscht, war jedoch auch (wie viele Pilotfilme) in verschiedene Fallen getappt und hatte uns zu viel Teenie-Drama zugemutet, wo mehr Einblicke in die Figuren oder das Setting nötig gewesen wären. In der zweiten Runde sind diese Schwächen allerdings verschwunden.

Im Auftakt hatten wir zwar erfahren, dass Marcus den Präsidenten ermorden will, hier unterfüttert man das Ganze nun aber auch inhaltlich. Die Aussage, dass es leicht sei, etwas zu hassen, Marcus jedoch auch etwas dagegen unternehmen würde, ist dabei der zentrale Kern des Denkens der Hauptfigur. Marcus hat Freunde an AIDS verloren und ist Verschwörungstheorien schon immer zugeneigt gewesen. Somit stellt er auch ein leichtes Ziel für die Möglichkeiten dar, die die Akademie ihm bietet.

Dazu passt auch der Umgang mit dem Mord an Rory aus der letzten Episode. Zwar glaubt Marcus, keine Schuld zu spüren, seine Alpträume sprechen aber eine andere Sprache. Seine Reaktion auf Willie, der den Mord für sich verbucht, stellt ebenfalls einen spannenden Einblick in das Seelenleben der Figur dar. Marcus interessiert es gar nicht, dass jemand anderes den Ruhm für die Tat einheimst oder über die Vorgänge lügt, es ist vielmehr die Tatsache wie Willie damit umgeht. Dessen Leichtigkeit berührt Marcus, da er zwar einerseits ebenso glaubt, nicht von der Sache beeinflusst zu werden, sie aber in Wirklichkeit einen großen Eindruck bei ihm hinterlassen hat.

Die komplexe Gefühlswelt des neuen Schülers illustriert Remender auch sehr schön während der Beerdigung, bei der Marcus bar jeder Stereotypen mehr darüber nachzudenken scheint, dass er der Tat nicht würdig ist, als sich mit der trauernden Tochter des Verstorbenen zu befassen und Reue zu zeigen. Der Autor lässt uns hier mit einem Protagonisten allein, der auf keine einfache Weise tickt und schwer zu greifen ist, was einen Großteil der Klasse dieser zweiten Episode ausmacht.

All diese düsteren Themen mit einer Party zu verbinden, war dann bestimmt auch keine einfache Aufgabe, ergänzt die Episode aber um einige spannende Facetten. Gemeinsam mit all dem Drama um Maria und Chico sowie die Enthüllung um den neuen Zimmerpartner für Marcus haben wir es hier mit einer Episode zu tun, die eine ganze Menge mehr erklärt, aussagt und vorbereitet, als ihr direkter Vorgänger.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch stammt von Mastermind Rick Remender persönlich. Ihm gelingt es, eine Menge an Handlung, Einblicke, Entwicklungen und Emotionen unterzubringen, was insbesondere Marcus als Protagonist sehr zugute kommt. Unabhängig davon, wie stark die Staffel die verschiedenen Brandherde weiter verfolgen wird, ist das Setup hier in jeder Hinsicht gelungen.

Die Regie übernahm Adam Kane, der sich vom Kameramann zum Regisseur umschulte und bereits für Serien wie Pushing Daisies, 24, Supernatural, Supergirl und Star Trek: Discovery arbeitete.

Musik

Sechs Songs finden sich in der zweiten Episode und bieten erneut einen spannenden Mix an. Folgende Titel kommen vor:

Girls On Film von Duran Duran darf man problemlos als 80er-Klassiker bezeichnen und zählt eher zum Mainstream. Er lieft auch schon jüngst in der zweiten Staffel von Stranger Things. Der Song läuft als Saya und Maria über Marcus reden, anfangen zu tanzen und planen zur Party zu gehen.

Es folgt Sex von Ice-T als Marcus und Billy bei der Party ankommen.

Peter Piper von Run DMC wird gespielt, als Willie die Geschichte über den Mann fortsetzt, den er getötet hat.

Add It Up von den Violent Femmes ist der Song, als Billy sich darauf vorbereitet, Petra anzusprechen.

Clean Sheets von Descendents wird abgespielt, als Dwight Marcus Drogen gibt und Shabnam in einen Kampf mit Lex gerät.

Der letzte Song ist Gangs von Nathan Matthew David.

Billy lehnt an einem Billardtisch

Gib dem Kind einen Namen

Noise, Noise, Noise (Der Neue): Im Original spielt man auf die verwirrende Gedanken- und Gefühlswelt des Protagonisten an, der nicht recht weiß, was er mit sich und seiner Umgebung anfangen soll.

Der deutsche Titel kommt dafür deutlich platter daher, da er sich nur auf den Status von Marcus als Neuling an der Akademie konzentriert.

Fazit

Deadly Class macht mit der zweiten Episode alles richtig, was der ersten noch gefehlt hatte. Insbesondere Marcus gewinnt als Protagonist an Profil, während aber auch andere Charaktere etabliert und ausgebaut werden. Mit der Konzentration auf die inneren Mechanismen der Figuren und diese nicht ganz leicht zugängliche Welt findet Drehbuchautor Rick Remender somit früher als gedacht den möglicherweise idealen Zugang zu seinem Stoff.

Bewertung: vier Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend auf SYFY mit der zweiten Episode Noise, Noise, Noise (Der Neue) als Wiederholung um 20.15 Uhr, direkt danach folgt dann die neue Episode Snake Pit (In der Schlangengrube).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Deadly Class